Saudi-Arabien plant Bau des weltgrößten Chemie-Werks

Saudi-Arabien plant den Bau einer riesigen Chemiefabrik am Roten Meer.

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Der ehemalige Siemens-Chef Klaus Kleinfeld mit Mohammed bin Salman. (Foto: dpa)

Der ehemalige Siemens-Chef Klaus Kleinfeld mit Mohammed bin Salman. (Foto: dpa)

Nach einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters startet Saudi-Arabien ein Industrie-Projekt enormen Ausmaßes. Das Chemiewerk, das geplant wird, soll als die weltweit größte Anlage ihrer Art entstehen. Hierzu haben die beiden führenden Unternehmen des Landes, der Öl-Riese Saudi Aramco und der Petrochemie-Konzern Saudi Basic Industries (Sabic), am Wochenende eine entsprechende Absichtserklärung abgegeben.

Sabic will zudem international wachsen. In den kommenden fünf Jahren sollen zwischen drei und fünf Milliarden Dollar für Zukäufe in die Hand genommen werden. Sabic wolle diese für Übernahmen in den Bereichen Spezialchemikalien und Düngemittel ausgeben, sagte Sabic-Chef Yousef al-Benyan der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag. Der Konzern schaue sich bereits zwei Hersteller von Spezialkunststoffen mit Geschäften in Europa, dem Nahen Osten und China an. Eine Entscheidung könnte bis zum zweiten Quartal 2018 fallen. „Wir möchten unseren Aktionären ein Geschäft anbieten, das weniger abhängig von Öl und Energie ist, um die hohe Zyklizität der petrochemischen Industrie zu verringern.“ Das Unternehmen müsse deshalb im lukrativeren Geschäft mit Spezialchemikalien expandieren und das geschehe nicht durch organisches Wachstum, sondern mittels Übernahmen, sagte Benyan.

Saudi-Arabien möchte unabhängiger von der bislang dominierenden Ölförderung werden, das neue Projekt ist ein wichtiger Teil der Anstrengungen. Die immensen Summen, die das arabische Land hierzu bereitstellen will, dienen dazu, die Entwicklung so unterschiedlicher Branchen wie den Tourismus und die chemische Industrie voranzubringen.

Wie Aramco-Chef Amin Nasser bekundete, soll eine endgültige Entscheidung über die neue Anlage bis Ende 2019 fallen. Der Chemie-Gigant soll nach Angaben beider beteiligter Konzerne direkt und indirekt etwa 30.000 neue Arbeitsplätze schaffen. Bislang sei als Standort die Hafenstadt Yanbu am Roten Meer vorgesehen, der Betriebsbeginn solle 2025 erfolgen.

Um die dringend benötigten neuen Devisen einzunehmen, soll der weltgrößte Öl-Förderer Saudi Aramco an die Börse gebracht werden. Die Regierung Saudi-Arabiens will etwa fünf Prozent an dem Staatsunternehmen am Aktienmarkt verkaufen und damit nach von Beobachtern umstrittenen Schätzungen 100 Milliarden US-Dollar erlösen. Damit wäre der größte Börsengang aller Zeiten perfekt. Allerdings sind in jüngster Zeit vermehrt Zweifel an dem IPO aufgetaucht.

Nach übereinstimmenden Berichten der Financial Times und des Wall Street Journal, die sich auf namentlich nicht genannte Insider berufen, sei eine Verschiebung des für 2018 geplanten Börsengangs im Bereich des Möglichen. Anstelle dessen werde von dem Staatskonzern eine Privatplatzierung bei institutionellen Investoren und ausländischen Staatsfonds wie dem chinesischen Staatsfonds erwogen. Demnach würde der Börsengang in London, New York oder einer anderen großen Finanzmetropole frühestens 2019 stattfinden. Saudi Aramco bezeichnete den Bericht als „vollkommen spekulativ“. Weiterhin würden alle Börsenplätze geprüft: „Der IPO-Prozess ist im Plan für 2018“.

Hintergrund für die Spekulationen ist der Umstand, dass Saudi Aramco bei einer Börsennotiz an einem westlichen Börsenplatz auch die dortigen Regeln im Hinblick auf Transparenz seiner Geschäfte erfüllen müsste. Kritiker des Börsengangs zweifeln daran, dass die von der Herrscherfamilie des Landes dominierte Regierung entsprechende Bestimmungen zu akzeptieren bereit wäre. Dagegen könnte der Staat bei einer Privatplatzierung der Aramco-Anteile bei Staatsfonds aus China Milliarden im Ausland einsammeln, ohne die jeweiligen Transparenz-Regeln eine der westlichen Börsen einhalten zu müssen.

Der Börsengang von Saudi Aramco ist Teil des Projekts Vision 2030 des Kronprinzen Mohammed Bin Salman. Dabei geht es um ein von der Beratungsfirma McKinsey erarbeitetes Konzept, nachdem Saudi-Arabien weniger abhängig vom Öl werden möchte. Das Kapital, das durch den IPO hereinkommt, soll bei der Umstrukturierung der Wirtschaft eingesetzt werden.

Der saudische Kronprinz Mohammed hat erst vor wenigen Wochen erklärt, eine Megastadt namens Neom für 500 Milliarden US-Dollar in der Wüste im Nordwesten des Landes bauen zu wollen: Die Megacity solle die sicherste, effektivste und zukunftsweisendste Stadt der Welt werden. Das Projekt soll den modernsten Technologiepark der Welt beherbergen, in dem sich mehr Roboter als Menschen aufhalten sollen. Neom soll sich am Rand des Roten Meeres zwischen Jordanien und Ägypten auf über etwa 26.000 Quadratkilometer ausbreiten.

Nach den Wünschen des Kronprinzen soll Neom eine internationale Drehscheibe und Sonderwirtschaftszone und zugleich Touristen-Attraktion und kulturelles Zentrum mit zahlreichen Medienunternehmen sein. In einem Land wie Saudi-Arabien, in dem Frauen erst seit wenigen Monaten selbst ein Fahrzeug lenken dürfen, stellt ein solches Projekt einen gewaltigen Schritt in Richtung Zukunft dar. Immer wieder verweist Muhammad Bin Salman auf die junge Bevölkerung des Landes und den Modernisierungsdruck, der auf Saudi-Arabien wirkt. Dabei helfen soll der deutsche Leiter des Projekts, der ehemalige Siemens-Manager Klaus Kleinfeld. Das Emirat Dubai wird als Vorbild für die Zukunft Saudi-Arabiens betrachtet.