Deutsche Unternehmen sind begehrte Übernahme-Ziele

Deutsche Unternehmen bleiben im Visier internationaler Investoren.

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Ein Dollar und ein Euro. (Foto: dpa)

Ein Dollar und ein Euro. (Foto: dpa)

Das Volumen von Firmenzusammenschlüssen mit deutscher Beteiligung ist 2017 erneut leicht gestiegen – und das, obwohl eine Mega-Übernahme wie der 64 Milliarden Dollar schwere Griff von Bayer nach dem US-Saatgutriesen Monsanto in diesem Jahr fehlte. Wie aus den am Donnerstag veröffentlichten „League Tables“ von Thomson Reuters hervorgeht, zog der Wert der Deals im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent auf 203,6 Milliarden Dollar an (2016: 198 Mrd. Dollar).

Das Interesse ausländischer Investoren blieb hoch – auch wenn insgesamt weniger Deals angekündigt wurden, bei denen eine ausländische Firma die Hand nach einem deutschen Unternehmen ausstreckt. Das Volumen der Übernahmen mit ausländischem Käufer verdoppelte sich jedoch beinahe auf 81,1 Milliarden Dollar und erreichte den höchsten Stand seit zehn Jahren.

Insgesamt zählte der Datenanbieter bis Anfang der Woche 2191 Übernahmen, in die deutsche Firmen involviert waren – entweder als Käufer oder als Zielunternehmen. 2016 waren es noch 2431. Weltweit blieb das Transaktionsvolumen mit 3,4 (2016: 3,475) Billionen Dollar ziemlich konstant, die Zahl der Deals kletterte leicht von 46.082 auf 46.304 (Stichtag: 18. Dezember).

Bayer/Monsanto ist und bleibt vorerst die teuerste Übernahme eines deutschen Unternehmens im Ausland aller Zeiten – falls die Kartellwächter am Ende mitspielen. In diesem Jahr liegt der vom Baukonzern Hochtief angepeilte Kauf des spanischen Mautstraßenbetreibers Abertis mit einem Volumen von rund 20,5 Milliarden Dollar an der Spitze. Es ist allerdings noch keineswegs klar, ob den Deutschen der Deal tatsächlich gelingt, da auch die italienische Atlantia-Gruppe ein Gebot abgegeben hat. Am Ende dürften die spanischen Behörden entscheiden, wer den Zuschlag bekommt.

Zu den Top-3 auf der Liste der größten angekündigten Deals mit deutscher Beteiligung zählen daneben das – bislang als unerwünscht eingestufte – Übernahmeangebot des finnischen Versorgers Fortum für den deutschen Energiekonzern Uniper sowie die deutsch-französische Bahntechnik-Allianz von Siemens und Alstom.

JP Morgan ist mit Abstand der erfolgreichste Fusionsberater des Jahres in Deutschland. Die US-Bank war an insgesamt 30 Deals mit einem Gesamtvolumen von fast 90 Milliarden Dollar beteiligt, die in Deutschland angekündigt wurden. Sie schoss damit um fünf Plätze nach oben und ließ Konkurrenten wie Morgan Stanley (67 Milliarden Dollar, Platz zwei, Vorjahr 2.) und Citi (60 Mrd. Dollar, Platz drei, Vorjahr 11.) hinter sich.

Weit nach unten ging es für den ersten der Rangliste des vergangenen Jahres: Die Bank of America Merrill Lnych fiel um sieben Plätze auf den achten Rang zurück. Die Deutsche Bank konnte auf ihrem Heimatmarkt zwei Plätze gut machen und wurde in diesem Jahr mit 27 Deals in einem Volumen von 41 Milliarden Dollar Sechster.

In der Weltrangliste der aktivsten Fusionsberater liegen die großen US-Banken unangefochten ganz vorne. Auf den ersten fünf Plätzen änderte sich im Vorjahresvergleich die Reihenfolge nur marginal. Die Investmentbanker von Goldman Sachs fädelten Übernahmen für 908 Milliarden Dollar ein und behaupteten damit die Spitze. Auf Platz zwei kassierte JP Morgan Beraterhonorare für Deals in einem Volumen von 726 Milliarden Dollar und schob sich damit am Vorjahreszweiten Morgan Stanley vorbei. Dahinter rangieren Citi und die Bank of America Merrill Lynch, die die Plätze wechselten. Einen Sprung nach vorne macht die Deutsche Bank, die von Platz zehn auf Rang sechs aufholte und global an 157 Deals in einem Volumen von 394 Milliarden Dollar beteiligt war.

Die Deutsche Bank führt in diesem Jahr bei der Platzierung von Anleihen und anderen Schuldpapieren (DCM) und bei Kapitalerhöhungen und Börsengängen (ECM) im Inland die Liste an. Während das größte deutsche Institut in der Kategorie DCM seine Position als Nummer eins auf dem deutschen Markt vor Unicredit und HSBC verteidigte, half den Frankfurtern im ECM-Geschäft ihre eigene milliardenschwere Kapitalerhöhung – dank derer sie im Jahresvergleich ein Plus von vier Plätzen in der Rangliste schafften. Unter dem Strich lag der ECM-Marktanteil der Deutschen Bank bei zwölf Prozent, gefolgt von Citi (9,3 Prozent) und Barclays (7,4 Prozent). Goldman Sachs rutsche von Platz eins auf Rang sieben ab. Der Vorjahreszweite, Credit Suisse, musste sich in diesem Jahr mit dem elften Platz zufriedengeben.