Gläubiger wollen Möbelkonzern Steinhoff retten

Mehrere Gläubiger des weltweit zweitgrößten Möbelkonzerns Steinhoff versuchen, das Unternehmen zu stabilisieren.

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Die unter starkem Druck stehende Steinhoff-Aktie notiert mit aktuell 0,31 Euro nur noch auf dem Niveau eines Penny-Stocks. Nachdem Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen des Unternehmens bekannt geworden waren, brach der Kurs innerhalb eines Monats von knapp 3,50 Euro um rund 90 Prozent ein. Bei dem jüngsten Anstieg (plus 3,3 Prozent am Freitag) dürfte es sich vermutlich nur um ein Strohfeuer handeln.

Am Morgen waren erste Meldungen aufgetaucht, dass sich die Gläubiger der Gesellschaft auf eine Bündelung ihrer gemeinsamen Kräfte geeinigt hätten. Unter Berufung auf Insider meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg, dass die Gläubiger beabsichtigten, in einer gemeinschaftlichen Aktion ihre Verluste einzudämmen. Fragt sich nur, ob das für Steinhoff auch nur eine kleine Hoffnung auf Rettung bedeutet.

Steinhoff International Holdings ist ein im deutschen Mittelstands-Index MDAX notierter weltweit agierender Möbelkonzern mit dem Firmensitz in der niederländischen Metropole Amsterdam und einer operativen Hauptzentrale in Sandton bei Johannesburg in Südafrika. Steinhoff, dessen Wurzeln auf dem deutschen Markt liegen und der hierzulande durch seine Poco-Filialen bekannt ist, beschäftigte in Jahr 2016 rund 112.000 Mitarbeiter. Im gleichen Zeitraum erwirtschaftete die Gesellschaft einen Umsatz von mehr als 13 Milliarden Euro.

Heutzutage wie auch in der jüngeren Vergangenheit ist die Steinhoff-Aktie wirklich nichts mehr für Anleger mit schwachen Nerven. Denn nach dem Bekanntwerden der Bilanzunregelmäßigkeiten ist der Kurs des Titels dramatisch eingebrochen. Ab dem 6.12.17 innerhalb weniger Handelstage gingen mehrere Milliarden Börsenwert in Rauch auf. Mittlerweile sind die Papiere des Möbelkonzerns nur noch im Cent-Bereich angesiedelt. Der Einbruch überraschte derart, dass selbst der MDAX an den entsprechenden Tagen mehrere hundert Punkte eingebüßt hat. Im Anschluss daran erreichten die Marktteilnehmer immer wieder vereinzelte Nachrichten, dass Steinhoff nach und nach Kreditlinien verliere, was wiederum weitere Kursverluste verursacht hatte. Wenn, wie am Freitag gemeldet, die Gläubiger sich nunmehr auf einen gemeinsamen Weg verständigt hätten, könnte dies der erste Schritt in Richtung Konsolidierung sein.

Nach neuesten Informationen erwartet Gunnar George, Chef der in Österreich bekannten Möbelhäuser Leiner und Kika, offenbar eine baldige Stabilisierung des Konzerns. Gegenüber der Austria Presse Agentur erklärte George: „Steinhoff ist gerade in Verhandlungen mit den Kreditgebern und wir gehen von einem positiven Ausgang aus.“ Medienberichte zufolge sollen sich unter den Gläubigern Steinhoffs auch österreichische Banken mit einem Kreditvolumen in Höhe von 500 bis 750 Millionen Euro befinden. Inzwischen hat das Unternehmen auch bereits den Vorstandsvorsitzenden gewechselt.

Erst vor wenigen Tagen hat ein Gericht in den Niederlanden einen Rechts-Entscheid rund um die kriselnde Steinhoff International Holding verschoben. Wie das Unternehmen mitgeteilt hat, soll die Entscheidung nun bis spätestens 22. Januar gefällt werden. Nach früheren Informationen des Magazins Wirtschaftswoche geht es bei dem Rechtsstreit vor der Handelskammer eines Amsterdamer Gerichtshofes um einen Konflikt des Ikea-Konkurrenten mit einem ehemaligen Partner in einem Joint-Venture. Dabei soll es sich der Mitteilung zufolge um einen Miteigentümer der XXXLutz-Möbelkette aus Österreich und dessen Beteiligung am Möbeldiscounter Poco handeln, den der Steinhoff-Konzern in der eigenen Bilanz ausweist. Unter anderem geht es bei dem Verfahren um den Jahresabschluss des Jahres 2016.

Die Situation um die Steinhoff-Aktie bringt derzeit alles mit für ein echtes Börsendrama. Doch wie geht es weiter mit den Steinhoff-Papieren? In dem Wert geht es immer noch sehr volatil zu: Kursschwankungen von 20 Prozent und mehr an einem einzigen Handelstag sind eher die Regel als die Ausnahme – und das, auch ohne neue Nachrichten. Charttechnisch bleibt die Steinhoff-Aktie unterhalb von 0,841 Euro im bärischen Bereich, wobei kurzfristige Erholungen nicht ausgeschlossen werden können. Allerdings besteht immer die Gefahr, dass sich der Abwärtstrend mit neuen Tiefs fortsetzt.

Selbstverständlich kann sich in der Steinhoff-Aktie auf dem aktuellen Kursniveau in Zukunft auch als Schnäppchen erweisen. Bei allen Zweifeln könnte dies zur Realität werden, wenn die Bilanzierungsprobleme des Konzerns als nicht so gravierend herausstellen würden, wie dies derzeit vom Markt erwartet wird. Weitere Signale, die ein solches Szenario bestätigten, sind jedoch bislang nicht in Sicht.