Große Probleme bei Suche nach Nachfolgern im Mittelstand

In Deutschland ist der Fortbestand zehntausender Familienbetriebe ungewiss, weil kein geeigneter Nachfolger gefunden werden kann.

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Der Fortbestand vieler mittelständischer Betriebe in Deutschland ist akut gefährdet, wie aus einer Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervorgeht. Demnach sucht eine große Anzahl von Betriebsinhabern derzeit vergeblich einen Nachfolger. „Noch nie haben sich so viele Altinhaber bei der Suche nach einem Nachfolger für ihren Betrieb an ihre regionale Industrie- und Handelskammer gewandt“, wird DIHK-Präsident Eric Schweizer von AFP zitiert.

Im Jahr 2017 hätten sich bundesweit 6.654 Altinhaber von ihrer zuständigen IHK zum Thema Nachfolge beraten lassen. 44 Prozent beziehungsweise 2.947 davon hätten keinen passenden Kandidaten gefunden. Dies seien zwei Prozent mehr als im Vorjahr gewesen, was ein neues Rekordhoch markiere. Und das bedeutet, dass das Interesse am Unternehmertum offenbar weiter nachlässt.

Aus demografischen Gründen erreichen immer mehr Inhaber das Ruhestandsalter. Allerdings werde es dabei auch immer schwerer, externe Kandidaten für eine Übernahme zu finden. Ein Grund sei mangelndes Interesse, sodass die Suche nach einem Nachfolger für viele Unternehmenschefs „zur sprichwörtlichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen“ werde. Im abgelaufenen Jahr habe sich besonders deutlich gezeigt, dass die Schere immer weiter auseinander gehe. Das deutsche Institut für Mittelstandsforschung geht davon aus, dass zwischen 2014 und 2019 in rund 450.000 Familienbetrieben eine Nachfolge ansteht.

Seit drei Jahren gebe es mehr Alteigentümer, die einen Nachfolger suchten, als Menschen, die sich für die Leitung eines Betriebes interessierten. Die fortschreitende Alterung der Gesellschaft gilt als eine der wichtigsten Ursachen dafür. Den zahlreichen Unternehmern, die die Altersgrenze erreichen, stehen die Jahrgänge der 25- bis 45-Jährigen gegenüber, die geschrumpft seien. Aber gerade aus diesen stammten die Menschen, die für den Aufbau einer selbständigen Existenz in Frage kämen.

Darüber hinaus gibt es noch eine Reihe von Gründen, die eine Übergabe erschwerten. Etwa ein Drittel der Altinhaber könne „emotional nicht loslassen“. Schon deswegen forderten 41 Prozent der Betriebsinhaber einen überhöhten Kaufpreis oder kaum annehmbare Bedingungen. 42 Prozent kämen nicht rechtzeitig zur Beratung. Trotz derzeit günstiger Konditionen gebe es unter den Übernahmeinteressenten 40 Prozent mit Finanzierungsproblemen. Zudem unterschätzten 40 Prozent die Anforderungen an eine Übernahme. Besonders bei Unternehmensübergaben innerhalb einer Familie können auch interne Ressentiments und Generationsunterschiede eine gewichtige Rolle spielen.

Potentielle Neu-Unternehmer sind nach der Analyse des DIHK auch aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen verunsichert. Hierzu zählten ungeklärte Einzelheiten in Bezug auf die Erbschaftsteuer bei der Übertragung eines Betriebes. Beinahe 25 Prozent der Betriebsnachfolger hätten erklärt, dass sich eine familieninterne Übertragung wegen der Erbschaftsteuer zu kompliziert gestalte.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie will mit ihrer Initiative „Nexxt“ ein günstiges Umfeld für den unternehmerischen Generationswechsel schaffen und dazu beitragen, dass sich betroffene Unternehmer rechtzeitig mit dem Thema befassen.