Airbus: Arabische Emirate entscheiden über Schicksal des A380

Dem Airbus A380 droht das Aus, falls die Fluggesellschaft Emirates ihr Interesse zurückzieht.

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Die Zukunft des Airbus-Großraumflugzeugs A380 hängt allein an einem Auftrag der arabischen Fluggesellschaft Emirates. Der scheidende Airbus-Verkaufschef John Leahy räumte am Montag erstmals ein, dass dem Konzern ohne den ersehnten, aber wackligen Auftrag nichts anderes übrig bliebe, als die Produktion einzustellen. Der Vertrag mit Emirates über die Bestellung von 36 A380 war im November auf der Luftfahrtmesse in Dubai überraschend nicht unterzeichnet worden. Emirates fordert Garantien, dass der Airbus A380 noch mindestens für ein Jahrzehnt weiter produziert wird.

Im vergangenen Jahr hatte der europäische Flugzeugbauer keinen einzigen Neuauftrag für einen A380 bekommen. Vielmehr waren zwei Bestellungen storniert worden. Nach Berechnungen von Reuters könnte ohne den Emirates-Auftrag 2024 – nur 17 Jahre nach dem Start – der letzte der zweistöckigen A380 mit ihren vier Triebwerken gebaut werden. Vorübergehend reagiert Airbus auf die schwache Nachfrage mit einer Drosselung der Produktion auf sechs Maschinen pro Jahr. Im vergangenen Jahr waren noch 15 A380 ausgeliefert worden.

Sonia Wolf von AFP beschreibt einige Hintergründe zum weltgrößten Passagierflugzeug:

Vor zehn Jahren sah es noch so aus, als könne der A380 eine Erfolgsgeschichte werden: Nach dem ersten kommerziellen Flug für Singapur Airlines am 25. Oktober 2007 galt er noch als Lösung für chronisch überlastete Flughäfen.

Doch inzwischen hat sich die größte Passagiermaschine der Welt zum Flop entwickelt. Bereits seit zwei Jahren bleiben die Bestellungen aus. Grund sind laut Experten die hohen Anschaffungs- und Betriebskosten. Airbus-Verkaufsdirektor John Leahy sagte am Montag, ohne neue Aufträge gebe es „keine andere Möglichkeit, als das Programm einzustellen“.

Gibt es noch Hoffnung für das Flugzeug?

Der rettende Strohhalm für den A380 könnte ein neuer Auftrag durch den treuesten Kunden sein: Die Fluggesellschaft Emirates aus Dubai. Sie steht für rund 140 Bestellungen, knapp die Hälfte des Gesamtvolumens von 317 Aufträgen, die für den A380 bisher eingegangen sind.

Welche Aussichten hat der Deal mit Emirates?

Leahy zeigte sich zwar „zuversichtlich“ über einen Abschluss, aber die Erfolgschancen sind ungewiss. Damit das A380-Programm weiter rentabel ist, müsste die Airline aus Dubai nach Angaben von Leahy „mindestens sechs Flugzeuge jährlich über eine Dauer von acht bis zehn Jahren bestellen“.

Wie sieht es mit anderen Aufträgen aus?

Anders als in arabischen und asiatischen Ländern war das Interesse in Europa immer schon verhalten: Die Lufthansa hat nach eigenen Angaben 14 Maschinen vom Typ A380 in Betrieb und fliegt damit Ziele vor allem in den USA und in Asien an. Ansonsten bieten nur die EU-Gesellschaften Air France und British Airways Flüge mit dem Riesen-Airbus an.

Was tut Airbus gegen die Auftragsflaute?

Im vergangenen Juni hat Airbus die neue Modellreihe namens „A380Plus“ vorgestellt. Damit soll der Riesen-Airbus aerodynamischer werden und Kerosin sparen. Durch eine neue Aufteilung im Innenraum können bis zu 575 Passagiere Platz finden, 80 mehr als bisher. Dadurch sollen die Kosten pro Sitz um 13 Prozent sinken. Aufträge gab es für den A380Plus bisher jedoch nicht.

Warum sind die Kunden so zurückhaltend?

Experten sprechen von einem „Paradox“ beim A380: Er werde von Passagieren wegen seines Komforts sehr geschätzt und sei technisch auf hohen Stand. Aber seine Anschaffungs- und Betriebskosten seien für viele Airlines zu hoch. In der Branche ist der Wettbewerbs- und Preisdruck weiter hoch.

Nach Airbus-Angaben hat der A380 derzeit einen Listenpreis von 445,6 Millionen US-Dollar (rund 365 Millionen Euro). Er kostet damit rund vier Mal so viel wie der beliebte Mittelstreckenflieger A320.