Kalifornien: Attacken auf Mitarbeiter-Busse von Apple und Google

In Kalifornien wächst offenbar der Unmut gegen eine neue Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Technologie-Branche.

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Die zerbrochene Scheibe eines Busses. (Screenshot: CBS)

Die zerbrochene Scheibe eines Busses. (Screenshot: CBS)

Unbekannte haben in Kalifornien aus einem Hinterhalt Busse beschossen, die Apple- und Google-Mitarbeiter von San Francisco ins rund 70 Kilometer entfernte Silicon Valley bringen. Das berichtet NBC. Bereits vor einigen Jahren waren die Busse Ziel von Protesten.

Verletzt wurde bei den Angriffen auf der Interstate 280 niemand. Es gingen Bus-Scheiben zu Bruch. Die California Highway Patrol hat die Ermittlungen aufgenommen. Ihr Sprecher Art Montiel sagte, es sei unklar, welche Art von Geschossen verwendet wurde. Sicher sei allerdings, dass es sich nicht um scharfe Munition gehandelt habe. Doug Bloch von der Teamster-Gewerkschaft berichtete, die Busfahrer seien überzeugt, dass ein Luftgewehr benutzt wurde. Ein Apple-Mitarbeiter, der in einem der Busse saß, sprach von „Gummi-Geschossen“.

Betroffen waren vier Apple– und ein Google-Bus. Beide IT-Konzerne haben nach dem Vorfall die Fahrtrouten geändert, was einen zusätzlichen Aufwand von 30 bis 45 Minuten pro Strecke bedeutet. „Die Sicherheit unserer Mitarbeiter ist unsere oberste Priorität“, heißt es in einer internen Apple-Mail. Man werde bei der Untersuchung der Vorfälle eng mit den Ermittlungsbehörden kooperieren. Die Behörden rechnen allerdings nicht damit, dass die geänderten Routenpläne für mehr Sicherheit sorgen werden. Montiel: „Wer die Busse finden will, der wird sie finden.“

Nach bisher unbestätigten Meldungen des Nachrichten-Portals TechCrunch soll es noch eine weitere Attacke auf einen Apple-Bus gegeben haben. Dabei soll ein Verdächtiger gesehen worden sein. Weitergehende Informationen zu diesem Vorfall sind bisher nicht bekannt.

Die Shuttle-Services wurden von den großen IT-Unternehmen eingerichtet, weil viele ihrer Mitarbeiter lieber im urbanen San Francisco leben als im Silicon Valley, das eher Vorstadt-Charakter hat. Die luxuriösen, mit WLAN ausgestatteten Busse stoppen an den regulären Haltestationen des öffentlichen Nahverkehrs, wo die Pendler einsteigen und bereits auf der Fahrt mit ihrer Arbeit beginnen können. Die Busse sind zwar von außen nicht als konzerneigene Fahrzeuge gekennzeichnet, in der Region jedoch als solche bekannt.

Die Anschläge könnte soziale Hintergründe haben: Seit Jahren kämpfen Aktivisten gegen die Zwei-Klassengesellschaft in San Francisco. Wegen des High-Tech-Booms im Silicon Valley sind die allgemeinen Lebenshaltungskosten und vor allem die Mieten explodiert. Die frühere Hippie-Hochburg hat sogar New York als teuerste Stadt der USA abgelöst. Die Miete für ein Zweizimmer-Apartment beträgt durchschnittlich 3500 Dollar, der Preis einer Eigentumswohnung 1,2 Millionen. Ein Haus schlägt mit 1,5 Millionen Dollar zu Buche – fast dreimal so viel wie im Jahr 2000. Obwohl sich der Median der Haushaltseinkommen in der Stadt auf 97.000 Dollar beläuft (US-Durchschnitt: 59.000 Dollar), können sich viele alteingesessene Bewohner das Leben hier nicht mehr leisten. So stuft das U.S. Department of Housing and Urban Development (Wohnungsbau-Ministerium) eine vierköpfige Familie mit einem Jahreseinkommen von unter 106.000 Dollar bereits als Niedriglohnempfänger ein.

Verschärft wird die Entwicklung durch die Tatsache, dass viele Altmieter aus ihren Wohnungen herausgeklagt werden. Ein Grund ist der zunehmende Trend, Apartments an zahlungskräftige Touristen zu vermieten oder auch Konzern-Mitarbeiter, die aus auswärtigen Niederlassungen kommen und nur temporär in der Zentrale tätig sind. Versuche, dieser Praxis einen gesetzlichen Riegel vorzuschieben, scheiterten an der Lobbyarbeit von Online-Vermittlungen wie Airbnb. Sie sehen ihr Geschäft – die Vermittlung von zeitlich begrenztem Wohnraum – gefährdet.

Die „Google Bus Proteste“ begannen bereits im Dezember 2013. Aktivisten kritisierten, die Fahrzeuge würden durch die Nutzung öffentlicher Haltestellen den öffentlichen Nahverkehr behindern. Darüber hinaus seien sie ein Symbol für die fortschreitende soziale Spaltung. Auf der einen Seite stünden die Top-Verdiener: High-Tech-Spezialisten, die sich unentgeltlich in Luxus-Bussen zur Arbeit chauffieren ließen. Auf der anderen Seite stehe das Fußvolk: Verkäuferinnen und Security-Mitarbeiter, Kellnerinnen und Lagerarbeiter, die zwei Dollar dafür zahlen mussten, in stickigen und überfüllten Bussen zu ihren schlechtbezahlten Jobs zu gelangen. Die Protestaktionen liefen überwiegend friedlich ab. In erster Linie verzögerten damals die Demonstranten durch Sitzblockaden die Abfahrt. Es gab lediglich einen Fall von Sachbeschädigung – ein Fenster, ging zu Bruch, ein Reifen wurde zerstochen. Die Proteste führten schließlich dazu, dass die Internet-Konzerne für die zusätzlichen Stopps Gebühren entrichten, was der Stadtkasse etwa 1,5 Millionen Dollar im Jahr einbringt.