Sanktionen: USA setzen hunderte Russen auf Watch-List

Die US-Regierung hat eine umfangreiche Liste russischer Regierungsvertreter und Geschäftsleute veröffentlicht, gegen die Sanktionen erhoben werden könnten.

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Die US-Regierung hat eine neue Sanktionsliste mit den Namen von mehr als 200 russischen Geschäftsleuten und Politikern vorgelegt. Das Finanzministerium in Washington veröffentlichte die Liste, die 114 Politiker und 96 Geschäftsleute aufführt, in der Nacht zum Dienstag, wie AFP berichtet. Sie umfasst beinahe alle ranghohen Mitarbeiter der Regierung von Präsident Wladimir Putin. Zunächst hatte es so ausgesehen, als würde die US-Regierung eine entsprechende Frist am Montag verstreichen lassen.

Neben der veröffentlichten Liste gibt es noch eine unveröffentlichte Liste, deren Inhalt derzeit unbekannt ist.

Das siebenseitige Verzeichnis, das noch keine konkreten Strafmaßnahmen nach sich zieht, umfasst unter anderen Außenminister Sergej Lawrow und Regierungschef Dmitri Medwedew sowie mehrere führende Geheimdienstmitarbeiter. Unklar ist, welche Folgen die Liste für die Geschäfte der betreffenden Personen mit westlichen Partnern haben wird.

Auch die Chefs großer staatlicher Unternehmen und Banken wie Rosneft und Sberbank sind darunter – jeder nach Einschätzung der US-Behörden mindestens eine Milliarde Dollar schwer. Dass ihre Namen auf der Liste stehen, bedeutet, dass die US-Regierung Sanktionen gegen sie verhängen kann – auch wenn dies noch nicht unmittelbar geschieht.

„Die Liste erweckt den Eindruck dass die US-Geheimdienste einfach das Telefonbuch des Kreml kopiert haben, weil sie offenbar nicht in der Lage sind, irgendwelche belastenden Beweise gegen die russische Regierung zu finden“, wird Konstantin Kosatschew, der Vorsitzende des auswärtigen Ausschusses des Kreml, von der FT zitiert.

Der stellvertretende russische Premierminister Arkadi Dworkowitsch nannte die Liste ein „Who is Who der russischen Politik.“ „Als Mitglied der Regierung muss ich gezwungenermaßen darin aufgeführt werden“, wird Dworkowitsch von der Nachrichtenagentur Interfax zitiert.

Das Ministerium veröffentlichte die Watch-List kurz vor Mitternacht (Ortszeit) und damit in letzter Minute: Am Montag endete eine Frist für mögliche weitere Strafmaßnahmen unter dem im vergangenen Jahr in Kraft getretenen Gesetz namens Countering America’s Adversaries Through Sanctions Act (CAATSA). Dieses Gesetz zielt auf Russen ab, die mit der Manipulation des US-Präsidentschaftswahlkampfs 2016 zu tun haben könnten.

Äußerungen von Außenamtssprecherin Heather Nauert hatten zuvor den Eindruck erweckt, als sehe die US-Regierung vorerst keine Notwendigkeit für weitere Sanktionen gegen Moskau.

US-Präsident Donald Trump hatte den CAATSA im vergangenen Oktober nur widerstrebend unterzeichnet und ihn als „verfassungswidrig“ bezeichnet. Außenminister Rex Tillerson bezeichnete das Gesetz, das es seinem Ministerium auferlegte, eine Liste von Unternehmen mit Beziehungen zu russischen Konzernen des militärisch-industriellen Komplexes und Geheimdiensten aufzustellen, als überflüssig.

Außenamtssprecherin Nauert hatte am Montag Fragen nach der Veröffentlichung noch abgewiegelt. Seit dem Inkrafttreten der CAATSA-Gesetzgebung hätten nach US-Schätzungen ausländische Regierungen geplante oder angekündigte Geschäfte mit russischen Konzernen im Wert von mehreren Milliarden Dollar abgesagt. „In Anbetracht der langen Zeiträume, wie sie bei großen Waffengeschäften üblich sind, zeigen sich die Ergebnisse dieser Bemühungen erst nach und nach.“

Das US-Finanzministerium hatte zuletzt Strafmaßnahmen gegen den russischen Vize-Energieminister Andrej Scheresow und andere russische Behördenvertreter wegen der Lieferung von Turbinen an ein Elektrizitätswerk in der von Russland annektierten Krim verhängt. Damit werden sie de facto vom US-Finanzsystem ausgeschlossen, ihre Guthaben in US-Hoheitsgebiet können eingefroren werden. Die Turbinen waren vom deutschen Siemens-Konzern zur Verwendung in Russland geliefert worden, wurden aber später auf die Krim gebracht.

Das US-Finanzministerium verhängte am Freitag überdies Strafmaßnahmen gegen mehrere „Minister“ der selbst ernannten Regierung der ostukrainischen Regionen Donezk und Luhansk. Insgesamt waren 21 Einzelpersonen und neun Institutionen betroffen. Siemens wurde nicht mit Sanktionen belegt, weil die Turbinen eigentlich in Russland zum Einsatz kommen sollten und der Konzern wegen ihrer Verwendung auf der Krim Klage einreichte.