Private debt wächst in deutschem Mittelstand

Der Marktanteil kleinerer Finanzierungsgesellschaften wächst in Deutschland zu Lasten der Großbanken.

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Trotz energischem Widerstands von großen Kreditinstituten konnten kleine Finanzgesellschaften –sogenannte Debt Fonds – ihren Marktanteil deutlich erhöhen, wie das Finance Magazin berichtet. Nach Angaben der beiden Corporate-Finance-Häuser GCA Altium und Lincoln International ist der Vormarsch der Dept-Fonds in Europa und vor allem auch in Deutschland signifikant.

Private debt umfasst verschiedene Fremdfinanzierungsmittel, die hauptsächlich von institutionellen Investoren wie Versicherungen und Fondsgesellschaften angeboten werden. Instrumente des Private debt ist im Gegensatz zu öffentlich platzierten Unternehmensanleihen in der Regel nicht jederzeit handelbar und illiquide. Sie stammen ursprünglich aus dem angelsächsischen Raum. Hier gelten sie bereits seit langem als etablierte Finanzierungsform bei Unternehmensübernahmen und Wachstumsfinanzierungen.

Private debt gilt als wichtiger Baustein der Finanzierung für wachstumsstarke mittelständische Unternehmen. Dabei profitieren Investoren von unterschiedlichen Ertragskomponenten, die neben einer lukrativen Verzinsung auch eigenkapitalähnliche Elemente aufweisen können. Beispielsweise können etwa 25 Prozent des gesamten Ertrags auf die endfällige Erfolgsbeteiligung entfallen.

Die Experten von Lincoln International, die den Markt intensiv beobachten, verzeichnet derzeit 47 aktive Private-Debt-Fonds in Deutschland. Damit fällt die Anzahl der entsprechenden Finanzprodukte angesichts des begrenzten Ausmaßes des für Debt-Fonds besonders wichtigen Private-Equity-Markts in Deutschland noch höher aus als gegen Ende 2016. Damals kam das Institut auf 42 aktive Debt-Fonds. Nach den Angaben von Lincoln International kletterte der Anteil der bankenunabhängigen Fremdkapitalgeber am deutschen Leveraged-Finance-Markt von 18 auf 33 Prozent. Somit haben die 47 aktiven Fonds insgesamt im abgelaufenen Jahr in Deutschland 26 Transaktionen getätigt haben.

Vorteile von Private-Debt für institutionelle Investoren sind: Sie bieten in der Regel attraktivere Spreads im Vergleich zu Staatsanleihen, High Yield- oder Corporate Bonds, es ergeben sich positive Diversifikationseffekte aufgrund der geringeren Korrelation zu anderen Anlageklassen und sie bieten meist eine stabile Wertentwicklung durch die Kombination verschiedener Kreditstrategien über sämtliche Marktzyklen hinweg. Zudem verfügt die Anlageklasse über im besonderem Maße über erfahrene Fondsmanager mit differenzierten Investmentansätzen und überzeugender Leistungsbilanz.

Derzeit liegen in Deutschland nach Informationen von Lincoln International fünf Dept-Investoren besonders im Fokus: Alcentra, Ares, Bluebay, Pemberton und Permira. Jürgen Breuer, Deutschlandchef von Pemberton, hatte sich vor einigen Monaten optimistisch zu den weiteren Perspektiven seiner Branche geäußert. Lincoln zufolge stieg das Kreditvolumen der Dept-Fonds im Jahr 2017 in Deutschland gegenüber dem Vorjahr um 70 Prozent.

2017 war für Privat Debt auch im Hinblick auf Europa ein sehr gutes Jahr: In diesem Zeitraum stieg nach einer Zählung von GCA Altium die Anzahl der Transaktionen auf den neuen Rekordwert von 179. Dies bedeutet ein Wachstum von über 75 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach der Aufstellung hat Ares, ein US-Unternehmen mit Firmensitz Deutschland, mit 36 die meisten Deals abgeschlossen und nimmt weit vor allen anderen Wettbewerbern den Spitzenplatz der Branche ein. Die beiden folgenden Gesellschaften Alcentra und Permira Debt weisen lediglich 19 bzw. 17 Deals auf.

Im zurückliegenden Jahr hat sich die schwedische SEB im Bereich der Banken als Marktführer im deutschen Leveraged-Finance-Segment etabliert, was auch der postulierten Strategie des Geldinstituts entspricht. Die SEB führt das Ranking der Banken mit 23 Buy-Out-Finanzierungen zusammen mit der Unicredit an. Dahinter folgen die IKB mit 19 und die Commerzbank mit 17 Deals.

Auch die Erwartungen der Marktteilnehmer für 2018 waren Gegenstand der Betrachtung. Besonders die Banken sind erhöhtem Druck ausgesetzt, die eigenen Marktanteile zu bewahren. Trotzdem die Kreditinstitute einige Schwachstellen wie dem Beharren auf diverse Bündnisse und eine etwas unflexible Finanzierungsdokumentation beseitigt haben, legt die weniger regulierte Konkurrenz dynamisch zu.

Für die Banken ist besonders problematisch, dass sich der Spielraum für zusätzliche Gegenmaßnahmen weiter verengt. Lincoln International warnt: „Das Ausmaß an Liquidität wird von fast allen 50 Umfrageteilnehmern als deutlich zu hoch wahrgenommen.“ Dennoch geht die Mehrzahl aller Beteiligten davon aus, dass die Kreditmargen im so genannten Senior-Bereich bei gleichbleibend hohen Verschuldungsquoten weiter zurückgehen werden.