Zalando ersetzt Marketing-Mitarbeiter durch Algorithmen

Der Onlinehändler Zalando ersetzt in seiner Marketingabteilung dutzende Mitarbeiter durch intelligente Algorithmen.

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Der Berliner Onlinehändler Zalando will ab der kommenden Woche rund 100 Marketingexperten durch computergesteuerte Software und Roboter ersetzen. Gegenüber den Deutschen Wirtschaftsnachrichten sagte Zalando-Pressesprecherin Julia Zweigle, man wolle die Kundenansprache mit Hilfe gesammelter Daten künftig noch stärker personalisieren und an die Vorlieben der Kunden anpassen. „Wir setzen bei dieser Umstrukturierung auf das Marketing der Zukunft“, so Zweigle.

Um Kunden gezielter ansprechen zu können, würden daher künftig vermehrt computergesteuerte Computerprogramme im Marketing zum Einsatz kommen. Geplant sei, das Versenden von Werbe-Mails und die Erstellung von Kundenprofilen künftig von Algorithmen und intelligenten Systemen durchführen zu lassen.

Für die rund 100 Marketingexperten hat das Unternehmen laut Zweigle zum großen Teil andere Aufgabenbereiche geschaffen. Einige der Marketingfachleute werden entlassen.

Gemäß einer Studie der Universität Oxford könnten durch den Einsatz von Robotern und computergesteuerter Software bis zum Jahr 2030 die Hälfte aller Arbeitsplätze wegfallen. Die Autoren der Studie, der Ökonom Carl Benedikt Frey und der Informatiker Michael Osborne haben für die Studie 702 Tätigkeiten ausgewertet. Bei 70 von ihnen prognostizieren sie, dass Roboter die menschliche Tätigkeit mit größter Wahrscheinlichkeit ersetzen werden.

Gegenüber dem Business Insider sagte Frey, diese Entwicklung beträfe zuvorderst Arbeitnehmer in automatisierbaren Tätigkeitsbereichen. Dies seien alle Bereiche der Industrie von Näherinnen über Versicherungs- und Immobilienmakler bis hin zu Buchhaltern. Darüber hinaus gebe es konkrete Entwicklungen, um auch nicht routinierbare Tätigkeiten wie beispielsweise im Logistikbereich mittels computergesteuerten Autos und Lkw zu automatisieren. „Rund 47 Prozent aller Jobs in den USA sind in den nächsten Jahrzehnten gefährdet“, so Frey.“ Nicht ersetzt werden könnten Menschen in kreativen Bereichen und in Tätigkeiten, die soziale Intelligenz erfordern.

Der Branchenverband Bitkom warnt, dass in Deutschland rund 3,4 Millionen Arbeitnehmer in den kommenden fünf Jahren durch Roboter oder Algorithmen ersetzt werden sollen. So sei jeder zehnte Arbeitnehmer und jedes vierte Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern durch die Digitalisierung in seiner Existenz bedroht. Für eine im vergangenen November veröffentlichte Studie hat Bitkom 500 Unternehmen in Deutschland befragt. Bitkom-Präsident Achim Berg

Bitkom-Präsident Achim Berg zufolge arbeiteten im Bereich der Kommunikationstechnik etwa 20.000 Menschen, in den 1990er Jahren seien es 200.000 gewesen. „Wir haben in nur fünfzehn Jahren 90 Prozent der Arbeitsplätze in diesem Bereich verloren durch die Digitalisierung“, so Berg. Eine ähnliche Entwicklung drohe nun der Versicherungs-, Banken, Pharma- und Chemiebranche. In den nächsten 20 Jahren werde die Hälfte aller Berufsbilder wegfallen.

Auch die Unternehmensberatung McKinsey geht davon aus, dass bei Versicherungen weltweit bis zum Jahr 2028 bis zu 40 Prozent aller Stellen wegfallen werden. In operativen Geschäftsbereichen wie der Schadensabwicklung sollen rund 30 Prozent der Vollzeitmitarbeiter durch Computer ersetzt werden. Im Verwaltungsbereich betrifft es die Hälfte der Mitarbeiter.

Arbeitslos werden müssen diese Mitarbeiter nach Ansicht der Bundesagentur für Arbeit nicht. Nach einer Untersuchung des Instituts für Arbeitsmarkts- und Berufsforschung komme es vielmehr zu einer Umstrukturierung auf dem Arbeitsmarkt. So würden durch die Digitalisierung nicht nur Tätigkeiten wegfallen, sondern auch neue entstehen. In der Gesamtbilanz könnte es daher sogar einen positiven Beschäftigungseffekt geben.
Innerhalb der Berufe werde es aber große Umbrüche geben. Arbeitnehmer müssten sich unter Umständen auf eine Neuausrichtung ihres Arbeitsplatzes einstellen.

Das Unternehmen Zalando will aufgrund der Umstrukturierungen im Marketingsektor 2.000 neue IT-Spezialisten in den kommenden Monaten einstellen.