EU verliert bei Künstlicher Intelligenz an Boden

Die EU verliert im Bereich der Künstlichen Intelligenz den Anschluss.

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Donald Trump, Xi Jinping, Angela Merkel beim G20-Gipfel 2017. Sie diskutieren über Künstliche Intelligenz. (Foto: dpa)

Donald Trump, Xi Jinping, Angela Merkel beim G20-Gipfel 2017. (Foto: dpa)

Bis 2030 plant China, Innovationsführer im Bereich Künstliche Intelligenz zu werden und die USA in dort zu überholen. In der EU steht man der neuen Technologie dagegen skeptisch gegenüber, wie Politico berichtet. Während China mit milliardenschweren Investitionen den Ausbau dieses Forschungsbereichs und die schnelle Nutzung der Technologie vorantreibt, berät man in Brüssel über die Voraussetzungen der Nutzung für Roboter und die Bedrohung durch Künstliche Intelligenz. Anders als China wird die EU Roboter nicht für militärische Zwecke, sondern im Bereich des Arbeitsmarktes einsetzen.

Im April will die EU-Kommission eine Beratungskommission aufstellen und einen europäischen Ansatz für den Umgang mit künstlicher Intelligenz formulieren, sagte Digitalkommissarin Mariya Gabriel auf einer Innovationskonferenz Anfang März. In der EU werde damit gerechnet, dass der Vormarsch künstlicher Intelligenz und selbstlernender Maschinen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben werde. Unter anderem sei es vorstellbar, dass Computer künftig komplexe Büroaufgaben übernehmen.

Damit Algorithmen flächendeckend menschliche Arbeitskraft in der EU ersetzen können, ist nach Ansicht der EU eine einheitliche Regelung zum Einsatz selbiger erforderlich. In einer im vergangenen Jahr von der Mehrheit der EU-Abgeordneten beschlossenen Resolution wurde die EU-Kommission aufgefordert, Regeln für Robotik und künstliche Intelligenz vorzulegen, um Sicherheitsstandards in diesem Bereich zu schaffen und das wirtschaftliche Technologiepotenzial ausschöpfen zu können. Die Klärung ethischer, datenschutz- und haftungsrechtlicher Aspekte steht hierbei im Vordergrund. Laut eines EU-Parlamentsberichts ist die Kommission aufgefordert, einen legalen Status für autonome Roboter als elektrische Personen zu schaffen, um sie von Menschen unterscheiden zu können. Zudem müsse einheitlich festgelegt werden, wer in dem Fall hafte, dass ein Roboter einen Schaden verursache.

Anders die Situation in China: Jüngst gab die chinesische Regierung bekannt, in den westlichen Vororten Pekings rund 2 Milliarden Euro in den Bau eines Technologieparks für Künstliche Intelligenz investieren zu wollen. Ziel ist es, dort 400 Unternehmen aus dem In- und Ausland anzusiedeln und Forschungseinrichtungen für internationale Neuroinformatiker zu schaffen. Chinas Fokus liegt hierbei auf dem Bereich Deep Learning.

Im vergangenen Dezember veröffentlichte das Ministerium für Industrie- und Informationstechnologie einen dreijährigen Aktionsplan zur Entwicklung von Künstlicher Intelligenz. Danach will China bis 2020 Datenchips zur Verarbeitung neuronaler Netze in Masse produzieren. Mit ihnen sollen Roboter künftig selbst lernen und denken können.
Neuronale Netze sind Netze aus künstlichen Neuronen und damit Nachbildungen des menschlichen Gehirns. Durch die Bildung dieser Netze, ist es Maschinen möglich, vorhandenes Wissen mit neuen Informationen zu verknüpfen und auf diese Weise menschliche Denk- und Lernprozesse zu imitieren.

Chinesische Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Roboter nicht nur sehr bald in vielen Bereichen menschliche Denkprozesse übernehmen werden, sondern auch die Weiterentwicklung der Künstlichen Intelligenz durch die denkenden Maschinen selbst vorgenommen werden wird. Ihre Einsatzbereiche sehen die Forscher im Bereich der Rüstungsindustrie. Ausgestattet mit leistungsstarken Prozessoren und modernsten Bilderkennungs-, Datenanalyse-, und Vorhersagesystemen innerhalb weniger Sekunden könnten Computer als autonome Waffen künftig in kürzester Zeit Kriege beginnen und entscheiden.

Im internationalen Technologiewettstreit ist China damit die größte Bedrohung hinter Russland für die US-amerikanische Rüstungsindustrie. Diese gilt im Bereich der Drohnen und computergesteuerten Waffentechnologie als führend. Vor zwei Jahren präsentierte die US-amerikanische Regierung bereits Drohnen, die sich in der Gruppe fliegend selbständig in die jeweils für sie günstigste Angriffsformation bringen konnten. Zurzeit erregen die Militär-Roboter von Boston Dynamics Aufsehen. Sie dienen ebenso wie der Einsatz bewaffneter nichtautonomer Flugdrohnen der Terrorbekämpfung in Kriegsgebieten. Bisher hat noch kein Staat vollautomatische Waffensysteme eingesetzt. Nach Einschätzung von Rüstungsexperten könnte sich das jedoch ändern. Als Grund nennen sie die Angst der Staaten, bei einem möglichen zukünftigen Wettrüsten nicht mithalten zu können. Das russische Militär plant, dieses Jahr seine erste Einheit für Roboterwachen einzuführen. Der russische Präsident Wladimir Putin sagte in den russischen Medien, dass „wer immer der Anführer der Künstlichen Intelligenz wird, zum Herrscher der Welt wird“. Auch China hat bereits Drohnen in Kriegsgebieten weltweit eingesetzt. Diese waren jedoch ebenso wie die US-amerikanischen Modelle nicht autonom, sondern benötigten noch menschliche Bedienung.

In der EU ist der Einsatz von autonomen Waffen aus ethischen Gründen umstritten. In Deutschland, Frankreich und Spanien werden Kampfdrohnen jedoch entwickelt. Von Forschern wird der Einsatz von autonomen Waffen aus Sicherheitsgründen abgelehnt. So sei es nur eine Frage der Zeit, bis die Waffen in die falschen Hände gelangten, warnten sie in einem offenen Brief, der auf einer Konferenz zur Künstlichen Intelligenz in Buenos Aires vorgestellt wurde.

Um die Roboterforschung schnellstmöglich voranzutreiben, stellt die chinesische Regierung unbegrenzt Datenmengen der chinesischen Bevölkerung und des chinesischen Staates für wissenschaftliche Zwecke zur Verfügung. Zugreifen können Forscher so auf die Daten von rund 800 Millionen chinesischen Internetnutzern. Geschützt sind Daten in China kaum.

Strenge Datenschutzgesetze zwingen europäische Forschungsunternehmen zunehmend, ihre Labore ins Ausland zu verlagern. Im September siedelte Siemens sein Forschungszentrum für autonome Robotik nach China um. Der Grund: Neben einer besseren technologischen Ausstattung und Subventionen der chinesischen Regierung unterliegen die Wissenschaftler dort keinen ethischen Forschungsauflagen.

Dass die EU mit ihren strengen Datenschutz- und Ethikauflagen nicht im Technologiewettstreit gegen die USA, China und Russland bestehen kann, räumt die EU-Kommission ein. In einem Papier, dass sie im April vorstellen will, schlägt sie laut Politico vor, die EU solle eine herausragende Positionierung in der internationalen Reflexion über die Künstliche Intelligenz anstreben.