Investoren sehen Petro-Yuan als ernste Gefahr für US-Dominanz

Westliche Banken und Investoren halten es für möglich, dass die Zeit des Petro-Dollars abgelaufen sein könnte.

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Dollar und Yuan. (Foto: dpa)

Dollar und Yuan. (Foto: dpa)

Im Westen erkennen die ersten Banken und Investoren die Chancen, welche die Abwicklung von Rohstoffen in der chinesischen Landeswährung Yuan (Renminbi) mit sich bringt. So erwartet die Großbank UBS , dass der Yuan die Dominanz des US-Dollar auf dem internationalen Ölmarkt langfristig erschüttern wird. Der seit 26. März in Schanghai an der Shanghai International Energy Exchange (INE) handelbare Ölkontrakt in Yuan („Petro-Yuan“) werde darüber hinaus einen fundamentalen Wandel auf den Finanzmärkten herbeiführen.

„Wir glauben, dass der Petro-Yuan langfristig die Art und Weise verändern wird, wie Öl gehandelt wird, einen Yuan-Währungsfluss erzeugen, die Rolle des Yuan als global akzeptierte Handelswährung stärken und Investoren dazu veranlassen wird, mehr Kapital in chinesischen Wertanlagen anzulegen“, schreibt der Vorsitzende der Abteilung für festverzinsliche Einkommen von UBS Asia Pacific, Hayden Briscoe.

Insbesondere die Tatsache, dass China zum weltgrößten Importeur von Rohöl aufgestiegen ist, verleiht der Regierung in Peking eine große Verhandlungsmacht, was die Konditionen der Ölkäufe betrifft. Möglich ist, dass die Chinesen ihre Importe ab einem bestimmten Zeitpunkt nur noch in Yuan bezahlen werden. Dies hätte zur Folge, dass sich große Yuan-Reserven bei Ölexporteuren bilden würden, welche wiederum Anlage in chinesischen Finanzprodukten oder Staatsanleihen suchen.

Die UBS rechnet allerdings nicht damit, dass sich diese bedeutenden Verschiebungen kurzfristig ergeben werden. Der Grund dafür ist, dass der chinesische Finanzmarkt trotz der in den vergangenen Jahren erfolgten schrittweisen Öffnung noch viel zu klein ist, um große Mengen Yuan aufnehmen zu können. „Händler können ihre Renminbi noch nicht frei von der Rohstoffbörse INE in Schanghai abziehen oder sie dorthin bringen. (…) Auch wenn diese Wechsel-Konvertibilität gewährleistet wäre müssen internationale Investoren und Rohstoffgesellschaften genug Vertrauen in die INE aufbauen, damit diese als Handelszentrum funktionieren kann. Dies braucht Zeit und vor allem eine getestete Daten-Infrastruktur, um den Markt zu unterstützen – welche China bislang nicht hat“, schreibt Briscoe.

Noch ist der Yuan jedoch weit davon entfernt, dem Dollar oder dem Euro im weltweiten Zahlungsverkehr ernsthafte Konkurrenz zu machen. Wie aus Daten des internationalen Zahlungsabwicklers Swift hervorgeht, entfielen im Dezember 2017 nur rund 1,6 Prozent der international abgewickelten Zahlungen auf den Yuan – auf den US-Dollar hingegen knapp 40 Prozent und auf den Euro rund 35 Prozent. Auch das britische Pfund (rund 7 Prozent) und der japanische Yen (etwa 3 Prozent) wurden öfter genutzt als der Yuan.

Trotzdem hat die Bedeutung der chinesischen Landeswährung in der Vergangenheit schrittweise zugenommen. Anfang des Jahres gab die Bundesbank bekannt, dass sie einen kleinen Teil ihrer Devisenreserven in Yuan umgeschichtet hat.

Die EZB hatte bereits im Juni 2017 angekündigt, dass sie Devisenreserven im Volumen von 500 Millionen Euro in Yuan umgeschichtet habe, um der gewachsenen wirtschaftlichen Bedeutung Chinas Rechnung zu tragen. Der Anteil des Yuans an den Währungsreserven der europäischen Zentralbank liegt damit zunächst bei etwa einem Prozent, die restlichen Anteile verteilen sich auf den US-Dollar (82 Prozent) und den japanischen Yen (17 Prozent), berichtet das Handelsblatt.

Der UBS zufolge hat die chinesische Regierung jedoch in der Vergangenheit Schritte eingeleitet, welche die Grundlagen für eine Internationalisierung des Yuan geschaffen haben. „Auf lange Sicht glauben wir, dass der Ölhandel in Yuan die Struktur des internationalen Ölmarktes verändern wird, wenn insbesondere die folgenden beiden Dinge realisiert werden. Erstens muss China die Kapitalverkehrskontrollen abschaffen oder stark senken, damit eine Einpreisung von Rohöl in Yuan ein Erfolg wird und damit global aktive Handelshäuser an die INE kommen. Wir denken, dass diese Entwicklung bereits läuft, weil der Kurs des Yuan schrittweise mehr von den Marktkräften bestimmt wird und ausländische Banken leichter Geschäfte in Yuan abwickeln können. Die anderen weitreichenden Veränderungen – etwa, Ausländern über das Bond Connect-Programm direkten Zugang zum Anleihemarkt zu geben und die Börsen von Schanghai, Shenzhen und Hongkong zu verbinden – zeigen, dass die Regierung darauf abzielt, den Finanzmarkt für ausländische Investoren zu öffnen. Zum Zweiten müssen Chinas Handelspartner wie Saudi-Arabien, Russland und der Iran Yuan als Zahlungsmittel für ihre Ölexporte akzeptieren. Auch hier gibt es Fortschritte. Russland akzeptiert den Yuan bereits ebenso wie der Iran und wir erwarten, dass auch Saudi-Arabien bald Rechnung in Yuan akzeptieren wird.“

Eine Abwicklung von Erdöl- oder anderen Geschäften in Yuan bietet insbesondere für Banken und Unternehmen Vorteile, die von der US-Regierung verhängte Sanktionen vermeiden wollen. Da alle in Dollar getätigte Geschäfte auf der Welt der US-Rechtsprechung unterliegen, können Yuan-Geschäfte nicht von der US-Regierung verfolgt werden. Händler dürften die Alternative, welche sich durch den Yuan-Ölkontrakt bietet, deshalb prinzipiell wohlgesonnen zur Kenntnis nehmen.

Die seit einigen Jahren zu beobachtende Tendenz der Abwendung einzelner Länder vom Dollar stellte eine Bedrohung für das global vorherrschende Petrodollar-System dar. Möglich ist, dass der Yuan künftig als Zentrum eines von Asien dominierten Erdölgeschäfts fungieren wird.

„Der Schwerpunkt des globalen Ölhandels verlagert sich schrittweise nach Osten, weil die Nachfrage dort am schnellsten steigt. Der EIA zufolge entfielen 2017 rund 35 Prozent der weltweiten Nachfrage nach Rohöl auf Asien und Ozeanien, nachdem sie sich im Jahr 2008 noch auf etwa 30 Prozent belief. Dieser Anteil wird sich aufgrund des starken Wachstums in China und Indien noch erhöhen. Dies verleiht einem Öl-Richtwert noch zusätzliches Gewicht, welcher wie Chinas Yuan-Kontrakt die Nachfrage- und Angebotssituation in Asien abbildet. Auf lange Sicht macht der Rückgang der Nachfrage in den westlichen OECD-Staaten Asien als Handelszentrum für Erdöl noch wichtiger, schreibt das Rohstoff-Magazin oilprice.com.

Als erster internationaler Rohstoff-Konzern hat Trafigura am Montag in Yuan denominierte Anleihen in China (sogenannte „Panda Bonds“) emittiert. Wie die Financial Times berichtet, nahm das Unternehmen mit den Papieren etwa 500 Millionen Renminbi (rund 65 Millionen Euro) ein. Die Anleihe ist nur die erste Tranche eines umfangreicheren Anleiheprogramms, welches insgesamt 2,3 Milliarden Yuan einbringen soll.

„Wir haben die Trafigura-Flagge in einem schnell wachsenden Schuldenmarkt verankert und wollen künftig noch öfters Schuldscheine in China ausgeben. Mit Blick auf die Internationalisierung des Renminbi wird der chinesische Anleihemarkt bald einer der größten Anleihemärkte der Welt sein. Dieser vielversprechende Markt wird für Trafigura eine zusätzliche Liquiditätsquelle und unser Wachstum und unsere Handelsgeschäfte unterstützen“, wird der Finanzchef von der FT zitiert.

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