Griechenland bereitet neue Anleihe-Emissionen vor

Die griechische Regierung bereitet Quellen zufolge die Emission von zwei Anleihen bis Jahresende vor.

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Griechenland will Regierungskreisen zufolge noch bis Jahresende zwei Mal den internationalen Kapitalmarkt anzapfen und dabei Testballons für längere Anleihe-Emissionen starten. Angepeilt sei ein Schulden-Volumen von bis zu 4,5 Milliarden Euro, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von zwei mit der Sache vertraute aber namentlich nicht genannten Regierungsvertretern.

Eine der Emissionen könne ein 10-Jahres-Bond von 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro sein. Dies hat es seit 2008 nicht mehr gegeben. „Der genaue Zeitpunkt steht noch nicht fest“, sagte einer der Insider. Er hänge von den Marktkonditionen ab. Zudem plane man noch eine Anleihe mit einer Laufzeit von unter sieben Jahren – im Volumen von rund 1,5 bis 2,0 Milliarden Euro.

Athen will nach dem Ende des dritten Kredit-Programms von bis zu 86 Milliarden Euro am 20. August einen Schlussstrich unter die Kredite von EZB, EU und IWF ziehen, die auch stets an harte Sparmaßnahmen gekoppelt waren. Ministerpräsident Alexis Tsipras will dann keine weiteren externen Gelder mehr. Einige Ökonomen plädieren allerdings dafür, dass sich Griechenland um vorsorgliche Notfallkredite bemühen sollte, ohne sich nur auf die Kapitalmärkte zu verlassen. Auch die griechische Zentralbank hält eine Kreditlinie der EU für sinnvoll, um die Staatsfinanzen gegen eine weitere globale Finanzkrise oder einen internationalen Handelskrieg abzusichern.

In den vergangenen zwölf Monaten hat Griechenland zwei Mal die Märkte angezapft und einen 7-Jahres-Bond im Februar begeben sowie einen 5-Jahres-Bond im Juli 2017. „Unser vorrangiges Ziel ist es, bestimmte Punkte in der Laufzeitenkurve zu komplementieren und an den Märkten Beständigkeit zu zeigen“, sagte einer der Insider. Die andere Person betonte, Griechenland habe Liquidität von rund 20 Milliarden Euro und könne damit seinen Schuldendienst für die nächsten zwei Jahre bedienen. „Das bedeutet, dass wir sogar ohne eine einzige Emission unseren Bedarf decken können.“

Ein Drittel der 20 Milliarden Euro kommt demnach von früheren Emissionen, der Rest etwa von öffentlichen Körperschaften und Überschüssen im Primärhaushalt für 2018 und 2019. Von Januar bis April dieses Jahres lag dieser Überschuss beim Haushalt der Zentralregierung – wenn man die Kosten für Zinszahlungen ausklammert  bei 2,33 Milliarden Euro, wie am Montag aus offiziellen Daten hervorging. Die Regierung hatte nur mit einem Plus von 374 Millionen Euro gerechnet.

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