Gas-Projekte in Russland kaum von Sanktionen betroffen

Die russischen Flüssiggas-Projekte sind von den westlichen Sanktionen kaum betroffen.

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Trotz der westlichen Sanktionen plant Russland, seine LNG-Kapazitäten und Exporte zu erhöhen. Eines seiner wichtigsten LNG-Exportprojekte – das Yamal-Projekt – konzentriert sich auf Asien, genauer gesagt auf China. Das LNG-Projekt benötigt für die Fertigstellung chinesische Gelder, berichtet Oilprice.com.

Die Finanzierung durch China sichert Russland nicht nur alternative Geldquellen angesichts der US-Sanktionen, sondern steigert auch den Absatz im am schnellsten wachsenden LNG-Importmarkt. Am Yamal-Projekt hält Novatek 50,1 Prozent der Anteile, während der französische Energie-Riese 20 Prozent und Chinas CNPC 20 Prozent und der Silk Road Fund 9,9 Prozent besitzen.

Der Vorstoß Russlands im LNG-Sektor bleibt von den westlichen Sanktionen weitgehend unberührt. Global Risk Insights berichtet: „Die Auswirkungen der westlichen Sanktionen auf die russische LNG-Entwicklung erwiesen sich als eher begrenzt. Trotz der Beschränkungen für die Kreditaufnahme und den Export westlicher Technologien (…) konnte Russland seine LNG-Projekte über Wasser halten. Schlupflöcher im Sanktionsregime und neue Partner erlaubten Russland, die rechtlichen Implikationen zu umgehen und neue Finanzmittel zu finden. Während Öl- und Gasexplorationsprojekte unter US-Sanktionen verboten waren, wurden die Gasprojekte von den EU-Sanktionen ausgenommen. Dies ermöglichte europäischen Investoren, sich an der Entwicklung der russischen LNG-Gasanlagen zu beteiligen. Sowohl Total als auch Shell behielten ihre Anteile von 20 Prozent, beziehungsweise 27 Prozent an den Projekten Yamal und Sachalin.”

Obwohl es westliche Kapitalbeschränkungen gibt, gelingt es russischen Energieunternehmen immer noch, europäische Investitionen anzuziehen. Italiens Saipem wird Subunternehmer beim Projekt Arctic LNG 2 – Novateks zweitem Gaswerk in der Karasee. Im Jahr 2015 hat Shell zugestimmt, in den Ausbau von Gazproms Sachalin II zu investieren. Zudem wurde im Jahr 2017 ein Joint Venture mit Gazprom gegründet, um das Baltic LNG-Projekt in der Region Leningrad zu entwerfen und umzusetzen. Rosnefts Fernost- und Gazproms Wladiwostok-LNG-Projekte verzögerten sich jedoch aufgrund fehlender Mittel und niedriger Treibstoffpreise bis 2020. Als Partner von Exxon im Jahr 2014 wurde das Fernost-Projekt wegen drohender westlicher Sanktionen gestoppt. Kürzlich gab Rosneft bekannt, dass es die LNG-Anlage ausschließlich aus eigenen Mitteln bauen kann.

Russlands Ausrichtung nach Asien und in den Nahen Osten verringerte die Abhängigkeit des Landes von westlichen Krediten. Im März 2017 verkaufte Novatek 9,9 Prozent der Anteile an den chinesischen Silk Road Fund. In ähnlicher Weise wandte sich Rosneft an chinesische Investoren, nachdem Glencore und die Qatar Investment Authority ihre Anteile reduziert hatten. Ein 14-prozentiger Anteil von Rosneft wurde von CEFC, dem staatlichen chinesischen Energiekonzern, für neun Milliarden US-Dollar gekauft.

Derzeit exportiert Russland 10,8 Millionen Tonnen an LNG und hat einen weltweiten Marktanteil von 4,2 Prozent.

Nach Abschluss des Arctic-2-LNG-Projekts könnte das Land die Dominanz von Katar in Frage stellen, das derzeit 30 Prozent des Marktes kontrolliert. Mit dem Bau der zweiten Gasanlage auf der Gydan-Halbinsel könnte Russland jährlich bis zu 70 Millionen Tonnen LNG produzieren. Der Bau von Arctic 2 soll 2019 beginnen. Die ersten Lieferungen sollen 2023 auf den Markt kommen.

Mit Mitteln aus China und Saudi-Arabien kann Russland die westlichen Kapitalbeschränkungen umgehen. Russlands LNG-Explorationsstandorte liegen strategisch nahe am asiatischen Markt. Die Transportwege nach Japan, Südkorea oder China sind kurz.

Saudi-Arabien und Russland

Insbesondere Saudi-Arabien könnte eine wichtige Rolle bei der Finanzierung von russischen LNG-Projekten spielen. Die Tass berichtet: „Russland und Saudi-Arabien könnten am Rande des Petersburger Internationalen Wirtschaftsforums (SPIEF) mehrere Energieabkommen schließen, sagte der russische Energieminister Alexander Novak (…). Wir haben mit Saudi-Arabien einen Fahrplan zur Umsetzung von 26 gemeinsamen Projekten im Energiesektor unterzeichnet. Ich denke, dass einige dieser Abkommen in naher Zukunft umgesetzt werden können, insbesondere am Rande des St. Petersburger Wirtschaftsforums’. Am 14. Februar hat der Leiter des Russischen Fonds für Direktinvestitionen (RDIF), Kirill Dmitrijew, erklärt, dass die saudi-arabische Ölgesellschaft Saudi Aramco ein Partnerschaftsabkommen mit dem russischen LNG-Projekt unterzeichnen wird. ,Wir geben keine Details bekannt, bis es (die Unterzeichnung) angekündigt wird’, fügte er hinzu. Im Dezember 2017 nahm der saudische Energieminister Khalid Al-Falih an der Eröffnung der Yamal LNG-Anlage in der russischen Arktis teil. Zuvor sagte er in einem Interview mit der Tass, dass Saudi-Arabien die Möglichkeit einer Teilnahme am Arktischen LNG-Projekt prüfen würde. Das St. Petersburger Internationale Wirtschaftsforum findet vom 24. bis 26. Mai 2018 statt.”

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