Bosch will Amerikanern und Asiaten den Halbleiter-Markt nicht überlassen

Bosch will Amerikanern und Asiaten den Halbleiter-Markt nicht überlassen.

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Das geplante Halbleiter-Werk von Bosch in Dresden. (Foto: Bosch)

Das geplante Halbleiter-Werk von Bosch in Dresden. (Foto: Bosch)

Bosch hat in Dresden mit dem Bau eines neuen Halbleiterwerks begonnen. Das berichtet das Unternehmen in einer Presse-Erklärung. Die Halbleiter werden für die Auto-Industrie sowie das Internet der Dinge (Industrie 4.0) produziert. Die Herstellung geschieht auf Scheiben (sogenannten Wafers) mit einer Größe von 300 Millimetern, was dem gegenwärtig höchsten technischen Standard entspricht (üblich ist derzeit noch die Fertigung auf 200-Millimeter-Scheiben). Das Werk entsteht auf einem rund zehn Hektar Quadratmeter großen Grundstück nahe des Flughafens und soll bis zu 700 Arbeitsplätze schaffen. Der Bau soll Ende 2019 abgeschlossen sein, die Halbleier-Produktion 2021 beginnen. Die Kosten belaufen sich auf eine Milliarde Euro, von denen 200 Millionen der Bund übernimmt. Für Bosch ist es die größte Investition in der Firmengeschichte.

Bei dem Projekt handelt sich um den ersten Bau eines Halbleiterwerks in Deutschland seit 1999. Damals eröffnete der US-Chip-Hersteller „Advanced Micro Devices“ (AMD) ebenfalls in Dresden für 3,2 Milliarden D-Mark das damals modernste Halbleiterwerk der Welt. In den letzten Jahren entstanden Halbleiter-Werke vor allem in Asien und den USA. Dabei wurden zum Teil weitaus höhere Summen investiert als die eine Milliarde Euro, die in das Bosch-Werk fließt. Samsung (weltweit die Nummer eins auf dem Halbleiter-Markt) gab sechs Milliarden Dollar für eine neue Fabrik in Süd-Korea aus, TSMC (die Nummer drei) sogar 17,5 Milliarden Dollar für den Bau eines Werks in Taiwan. Und Intel (die Nummer eins) ließ sich die Aufrüstung seines Werks in Israel 4,5 Milliarden Dollar kosten.

In den letzten Jahren haben sich eine ganze Reihe von Großunternehmen wie Siemens und Philips von ihren Halbleitersparten getrennt. Bosch glaubt allerdings offensichtlich an die Zukunft der Chip-Produktion. Laut Jens Fabrowsky, Mitglied des Vorstands für den Bereich Bosch Automotive Electronics, könne „heute kein Auto mehr ohne Halbleiter fahren“ und seien Halbleiter eine „Schlüsseltechnologie für die vernetzte Welt“.

Bei der Standortentscheidung konnte sich Dresden gegen New York und Singapur durchsetzen. Weil die Stadt ein so „einmaliges Mikroelektronik-Cluster“ biete, sei nirgendwo sonst eine so enge Zusammenarbeit mit anderen Halbleiter-Firmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen möglich, so ein Bosch-Sprecher.

Dresden und seine Umgebung konstituieren einen der weltweit führenden Standorte für die Halbleitertechnik und Mikroelektronik. Rund 60.000 Mitarbeiter arbeiten in mehr als 2000 Unternehmen, darunter vielen Start-ups, aber auch Mittelständlern sowie Branchenriesen wie Infineon und Globalfoundries, dessen Halbleiterwerk im Norden der Stadt das größte in Europa ist. Der Branchenverband „Silicon Saxony“ ist Europas größter Mikroelektronik- und Halbleiter-Verband und der fünftgrößte der Welt. Seine Mitgliedsunternehmen erwirtschaften einen Gesamtumsatz von 14 Milliarden Euro.

Der Großraum Dresden ist traditionell einer der wichtigsten Industrieregionen in Deutschland. Er war auch zu DDR-Zeiten eine der führenden Hochtechnologie-Zentren des Landes. Aufgrund des hohen Ausbildungsstands der Bevölkerung und der hohen Akademiker-Dichte errichteten nach der Wende viele westliche Unternehmen Werke in der Region. Darüber hinaus sind führende Forschungseinrichtungen wie die Max-Planck-Gesellschaft, die Helmholtz-Gesellschaft, die Wissenschaftsgesellschaft Gottfried Wilhelm Leibniz sowie das Fraunhofer-Institut prominent in der Stadt vertreten. Die Technische Universität Dresden (TUD) ist eine von bundesweit elf Exzellenz-Hochschulen und auf einer Reihe von natur- und ingenieurwissenschaftlichen Gebieten eine der weltweit führenden Forschungs-Universitäten.

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