DSGVO: Zehntausende Aktivisten nehmen SCHUFA ins Visier

Im Rahmen der neuen EU-Datenschutzverordnung gehen zehntausende Aktivisten gegen die Kreditauskunft SCHUFA vor.

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Ein Formular für eine Schufa-Bonitätsauskunft. (Foto: dpa)

Ein Formular für eine Schufa-Bonitätsauskunft. (Foto: dpa)

Unter Ausnutzung der Möglichkeiten der neuen EU-Datenschutzverordnung (DSGV) fordern zehntausende Aktivisten der Gruppe OpenSCHUFA die Herausgabe ihrer persönlichen Daten. Die Aktivisten wollen mit der Aktion den geheimen Algorithmus der SCHUFA entschlüsseln.

Die SCHUFA (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) wurde vor 91 Jahren gegründet und ist ein privates Unternehmen, das Daten von rund 70 Millionen Menschen in Deutschland gesammelt hat. Die SCHUFA, deren Eigentümer die Banken sind, sind der führende Anbieter von Kreditratings für Personen ist, die beispielsweise ein Darlehen, eine Wohnung mieten möchten oder einen Handy-Vertrag abschließen wollen.

Die Aktivisten wollen den Algorithmus hinter der jeweils ermittelten Bonität entschlüsseln, um herauszufinden, ob die Bewertung durch die Banken fair ist. Bisher hat die SCHUFA die Daten nur einmal jährlich pro Person umsonst herausgegeben. Durch die DSGVO ist das Unternehmen gezwungen, jede Anfrage zu beantworten.

Die OpenSCHUFA hat nach eigenen Angaben mehr als 20.000 Freiwillige rekrutiert, um die SCHUFA nach ihren jeweiligen persönlichen Daten zu fragen. Ein Team von Datenwissenschaftlern plant, die Ergebnisse rückzuentwickeln und die ersten Ergebnisse zu veröffentlichen. „Durch die Beteiligung von Tausenden von Menschen ist die Aktion bereits ein Erfolg“, sagte Arne Semsrott, von OpenSCHUFA, der für die Open Knowledge Foundation in Berlin arbeitet, dem englischsprachigen Dienst der Nachrichtenagentur Reuters. Freiwillige, die an der OpenSCHUFA teilnehmen, werden gebeten, persönliche Informationen wie Alter, Geschlecht, Geburtsland, Einkommen, Postleitzahl, Anzahl der Kinder und einen Teil ihrer Kredithistorie an die Kampagne weiterzuleiten, um besser zu analysieren, wie das Modell der SCHUFA aussieht. Semsrott sagte der Financial Times, durch die DSGVO werde es möglich, vergleichbare Kampagnen gegen jedes EU-Unternehmen zu führen.

Lorenz Matzat, einer der Geschäftsführer die Initiative, sagte dem SWR: „Wir alle können bei der SCHUFA Auskunft einfordern, welche Daten dort über uns gespeichert sind. Früher ging das einmal im Jahr kostenfrei – durch die neue Datenschutzgrundverordnung auch häufiger. Wir haben nun per Crowdfunding Geld gesammelt und damit eine Software entwickelt, die seit ein paar Tagen am Laufen ist. Die, die bei OpenSCHUFA mitmachen, schicken uns die Daten, die sie über sich von der SCHUFA bekommen. Das läuft über ein Scan oder ein Foto von dem Schreiben. Wichtig ist, dass es so anonym wie möglich erfolgt. Und wir wollen versuchen, den Score – also die Bewertung der SCHUFA – und wie sie zustande kommt, besser zu verstehen.“

Die SCHUFA hat die Kampagne als „irreführend“ bezeichnet und erklärt, dass sie ihre Methoden zur Bestimmung der Bonität an die deutschen Finanz- und Datenschutzbehörden weitergegeben hat. Jeder, der versucht, die Formel zu enthüllen, würde in die Hände von Betrügern spielen, sagte die SCHUFA laut Reuters. Die hessische Datenschutzbehörde hat die Teilnehmer an der Aktion gewarnt und darauf hingewiesen, dass die Preisgabe der persönlichen Daten zu einem kriminellen Missbrauch führen könnte.

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