Europas Banken vergeben mehr riskante Kredite in den USA

Europäische Banken haben im laufenden Jahr ihr Kreditvergabe an hochspekulative US-Unternehmen deutlich gesteigert.

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Europäische Banken vergeben verstärkt Kredite an riskante Schuldner in den USA. Wie die Business Times berichtet, haben acht Großbanken des Kontinents in der ersten Hälfte dieses Jahres neue Kredite an Unternehmen mit schwacher Bonität (sogenannte Leveraged Loans) in Höhe von 62 Milliarden US-Dollar vergeben. Im ersten Halbjahr 2017 waren es noch etwa 53 Milliarden US-Dollar. Daten von Bloomberg zufolge stieg der gemeinsame Marktanteil der Europäer in diesem Bereich in den USA damit auf fast 24 Prozent.

Typisch für leveraged loans ist die hohe Überschuldung der Kreditnehmer und die Tatsache, dass das geliehene Geld für Übernahmen oder Dividenden ausgegeben wird.

Insgesamt hatten Banken und andere Unternehmen im vergangenen Jahr 494 Milliarden US-Dollar an neuen leveraged loans vergeben und damit so viel wie zuletzt im Jahr 2011. Im laufenden Jahr könnten es dank des guten ersten Halbjahres noch deutlich mehr werden.

„Dieser Gewinn an Marktanteilen scheint sich aus der Bereitschaft der europäischen Banken zu ergeben, die Verschuldungsgrade, Struktur und Preisgestaltung noch weiter zu auszudehnen“, sagte Michael Barnes, Co-Chief Investment Officer bei Tricadia Capital Management LLC in New York. „Wie es für alle Kreditzyklen typisch ist, ist auch dies ein Wettlauf nach unten, hin zu immer mehr Risiko.“

Angeführt werden die europäischen Banken von der britischen Barclays Bank. Der Vorstandsvorsitzende Jes Staley hatte seit seinem Amtsantritt im Jahr 2015 Leveraged Finance als Wachstumsbereich ins Visier genommen hat. Die britische Bank, welche die US-Geschäfte von Lehman Brothers Holdings nach dem Zusammenbruch gekauft hatte, kontrolliert mehr als 6 Prozent des Marktes für neue Kredite und ist in diesem Jahr der drittgrößte Arrangeur von leveraged loans in den USA.

Auch die Schweizer Credit Suisse Group AG, Barclays größter europäischer Konkurrent in den USA, hat in diesem Jahr die Investitionen in riskante Unternehmenskredite verstärkt. Die Bank rechnet mit einer deutlichen Ausweitung des Marktes in den kommenden Jahren, berichtet Bloomberg.

Auch die Deutsche Bank, welche derzeit Tausende von Arbeitern entlässt und sich von anderen US-Märkten zurückziehen will, will verstärkt Kredite vergeben. Sie hat dazu Gespräche mit mehreren amerikanischen Private Equity-Gesellschaften aufgenommen und ihr Budget erhöht.

Zu den weiteren europäischen Banken, die verstärkt leveraged loans vergeben, gehört die britische HSBC, die Schweizer UBS, die französische BNP Paribas, die niederländische ING Groep sowie die Credit Agricole.

Auch in Europa besteht das Problem von Unternehmen mit schwacher Bonität. Wie Bloomberg berichtet, beginnen sich Hedgefonds nun auf eine Insolvenzwelle vorzubereiten. Demnach würden sich derzeit Hedgefonds und Private-Equity-Firmen positionieren, um vom Zusammenbruch verschuldeter Unternehmen in Europa zu profitieren.

Nach Angaben der des Headhunting-Unternehmens Paragon Search Partners haben Hedgefonds ihre Bereiche für Insolvenzen in den vergangenen 2 Jahren deutlich ausgebaut. So hatten die befragten Gesellschaften im Jahr 2018 netto 19 neue Händler, Vermögensverwalter oder Analysten eingestellt, verglichen mit insgesamt sieben im gesamten Jahr 2017 und einem Rückgang der Mitarbeiterzahlen im Jahr 2016.

Dieser Schritt deutet darauf hin, dass die Anleger mit einer Pleitewelle rechnen, wenn die großen Zentralbanken ihre geldpolitische Normalisierung weiter vorantreiben.  Laut Anthony Robertson, dem Chief Investment Officer von Cheyne Capital, erwarten die meisten in der Branche einen Kreditmarktabschwung innerhalb der nächsten 12 bis 18 Monate. „Es gibt jetzt eine Reihe von Warnzeichen“, sagte Robertson. „Sie können nicht warten, bis der Abwärtszyklus einsetzt und dann schauen, um ein Team zu bilden, weil es zu diesem Zeitpunkt zu spät ist.“