Europas Börsen geraten in den Sog der Lira-Krise

An den europäischen Börsen wächst die Unruhe wegen des Lira-Absturzes.

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Dax-Konzernen: Ein Börsenhändler beobachtet auf dem Parkett der Wertpapierbörse in Frankfurt am Main (Hessen) nahe der DAX-Kurve seine Monitore. (Foto: dpa)

Ein Börsenhändler beobachtet auf dem Parkett der Wertpapierbörse in Frankfurt am Main (Hessen) nahe der DAX-Kurve seine Monitore. (Foto: dpa)

Die Währungskrise in der Türkei hat am Freitag hohe Wellen an den europäischen Börsen geschlagen. Panikverkäufe ließen die Lira um mehr als zehn Prozent abstürzen, was auch den Euro mit nach unten zog. Er fiel um fast ein Prozent auf ein 13-Monats-Tief von 1,1430 Dollar. Auch Aktienanleger gingen in Deckung: Dax und EuroStoxx50 verloren jeweils mehr als ein Prozent, besonders Banken gerieten ins Straucheln. „Investoren verkaufen im großen Stil türkische Aktien und Anleihen und sorgen damit für immer mehr Abwertungsdruck“, sagte Analyst Clemens Bundschuh von der Landesbank LBBW.

Der schon seit Tagen anhaltende Kursverfall der Lira spitzte sich im frühen Handel zu. Ein Dollar verteuerte sich auf 6,49 Lira und kostete damit so viel wie noch nie. Seit Jahresanfang hat sich der Wert der türkischen Währung in etwa halbiert. „Die Lira ist derzeit das größte Sorgenkind am Devisenmarkt“, sagte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz. Die Probleme des Landes seien hausgemacht. So hätte etwa die türkische Notenbank die Zinsen schneller anheben sollen. Ihr zögerliches Handeln habe die Inflation weiter angeheizt und den Abwertungsdruck auf die Währung verstärkt.

Experten halten jetzt ein Eingreifen der Zentralbank für notwendig. „Die angespannte Situation könnte durch ein beherztes Vorgehen der türkischen Notenbank abgemildert werden“, sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. „Nötig wäre eine kräftige Zinserhöhung, die zu erkennen gäbe, dass die Währungshüter am Bosporus gewillt sind, dem Verfall der heimischen Währung nicht tatenlos zuzusehen.“

Bleibe dies aus, könne die Lage eskalieren und Kapitalverkehrskontrollen wären wahrscheinlich, warnte Analyst Karpowitz. „Wer nicht auf ein Einlenken von Erdogan setzen mag, sollte eine weitere massive Lira-Schwäche einplanen.“ Hintergrund Lira-Krise sind Sanktionen der USA gegen die Türkei wegen eines dort inhaftierten US-Pastors. Aber auch die politische Einflussnahme auf die Notenbank kommt bei Investoren nicht gut an.

Bank-Aktionäre mussten zum Wochenschluss besonders starke Nerven haben. Nach einem Bericht der Financial Times, wonach sich die EZB die Verbindungen der europäischen Geldhäuser zur Türkei anschaut, gaben die Titel der Institute deutlich nach. Besonders die in dem Artikel genannten Geldhäuser BBVA aus Spanien, UniCredit aus Italien und BNP Paribas aus Frankreich verbuchten Kursverluste von je rund vier Prozent. Die Titel der Deutschen Bank sackten um 3,4 Prozent ab, Commerzbank verloren 2,5 Prozent. „Es schwingt die Sorge mit, dass die europäischen Banken ihr Geld aus der Türkei nicht wiedersehen werden“, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets.

Im Nebenwerte-Index MDax brachen K+S-Aktien nach einer Gewinnwarnung um gut zehn Prozent ein. Der Salz- und Düngemittelhersteller rechnet damit, 2018 weniger zu verdienen als von Analysten erwartet.

Anleger wendeten sich auch von der irischen Billig-Airline Ryanair ab, die derzeit im größten Pilotenstreik ihrer Geschichte steckt. Der Lufthansa-Konkurrent strich rund 400 von etwa 2400 geplanten Flügen. Schwerpunkt des Ausstands war Deutschland. Der Kurs der Ryanair-Aktie gab mehr als zwei Prozent nach.