Genua: 30 Tote bei Einsturz von Autobahnbrücke

Beim Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua hat es einem Medienbericht zufolge zahlreiche Tote gegeben.

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Beim Einsturz einer Autobahnbrücke in Genua sind etwa 30 Menschen ums Leben gekommen. Zahlreiche Menschen seien ernsthaft verletzt worden, sagte Vize-Regierungschef Matteo Salvini am Dienstag der Nachrichtenagentur AGI weiter. Im Fernsehen waren die Überreste des in den 60er Jahren erbauten Viadukts zu sehen, der vor zwei Jahren instandgesetzt worden war. Unmittelbar vor der Abbruchkante stand ein Lastwagen, der offenbar noch rechtzeitig stoppen konnte.

Die etwa 50 Meter hohe Brücke stürzte bei strömendem Regen auf einer Länge von 80 Metern ein. Ihre Trümmer begruben mindestens einen Lastwagen und mehrere Gebäude unter sich. Die Mautautobahn ist eine Hauptverkehrsader, die an die Riviera und nach Südfrankreich führt. Ministerpräsident Giuseppe Conte wollte nach Angaben seines Büros am Abend nach Genua reisen und auch am Mittwoch dort bleiben. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kondolierte seinem italienischen Amtskollegen Sergio Mattarella.

„Es ist inakzeptabel, dass eine so wichtige Brücke nicht in einer Art und Weise gebaut war, dass ein Einsturz ausgeschlossen ist“, kritisierte der Staatssekretär im Verkehrsministerium, Edoardo Rixi. Der Eisenbahnverkehr rund um Genua wurde eingestellt. In Polizeikreisen hieß es, 20 Autos seien in die Tiefe gestürzt. Der Leiter des Rettungsdienstes vor Ort sprach laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Adnkronos von Dutzenden Toten. Rund 200 Feuerwehrleute waren vor Ort, die in den Trümmern nach Opfern suchten. Ein Vertreter des Rettungsdienstes sagte Reuters, bisher gebe es bestätigte Informationen über zwei Verletzte. „Aber wir müssen leider davon ausgehen, dass es viele Tote gibt“, fügte er hinzu. Ein Augenzeuge sagte dem Sender Sky Italia, er habe acht oder neun Wagen auf der Fahrbahn gesehen, als die Brücke zusammenbrach. Er sprach von einer „apokalyptischen Szene“.

Verkehrsminister Danilo Toninelli schrieb auf Twitter, es zeichne sich eine „riesige Tragödie“ ab. Das Unglück belege den maroden Zustand der Infrastruktur in Italien und die Wartungsmängel, sagte er dem staatlichen Fernsehen. Die Verantwortlichen würden dafür büßen müssen. Sein Ministerium werde Klage gegen den Autobahn-Betreiber Autostrade einreichen, falls ein Gericht eine Untersuchung einleiten werde.

Die populistische Regierung Italiens war im Juni angetreten mit dem Versprechen, die öffentlichen Investitionen zu erhöhen. Die Ausgaben für die Sicherheit der Italiener hätten Vorrang vor den Sparanstrengungen, sagte Salvini. Der tragische Vorfall in Genua erinnert uns daran, wie dringend wir öffentliche Investitionen benötigen“, sagte Claudio Borghi, der Wirtschaftssprecher der rechspopulistischen Lega.

Der Autobahn-Betreiber Autostrade erklärte, es seien Arbeiten im Gange gewesen, um das Fundament der Fahrbahn auf dem Viadukt zu verstärken. „Die Arbeiten und der Gesamtzustand der Brücke wurden ständig überwacht“, teilte das Unternehmen mit, das von Atlantia kontrolliert wird. „Die Einsturzursache wird gründlich untersucht, sobald es sicher ist, die Unglücksstelle zu betreten.“ Die Aktien von Autostrade brachen um 8,8 Prozent ein und wurden vom Handel ausgesetzt. Der Atlantia-Konzern, hinter dem die Benetton-Familie steht, ist auch in der Bundesrepublik nicht unbekannt. Die Italiener hatten sich jüngst mit dem deutschen Bauriesen Hochtief verbündet, um den spanischen Mautautobahn-Betreiber Abertis zu übernehmen. Atlantia soll im Zuge der Transaktion auch direkt bei Hochtief einsteigen und knapp über 24 Prozent der Anteile halten.