Vier Angebote von Finanzinvestoren für NordLB

Unbestätigten Berichten zufolge haben mehrere ausländische Finanzinvestoren Angebote für die NordLB abgegeben.

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Auf der Suche nach neuen Anteilseignern hat die NordLB einem Insider zufolge vier Angebote erhalten. Die Bieter seien alle Finanzinvestoren, sagte eine mit der Sache vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. Dazu gehörten die US-Beteiligungsfirmen Cerberus und Apollo. Dagegen hätten weder die Commerzbank noch die Helaba eine Offerte abgegeben. Die Landesbank Hessen Thüringen (Helaba) habe zuletzt aber ihre Gesprächsbereitschaft für eine öffentlich-rechtliche Lösung zusammen mit der NordLB bekräftigt. Ein NordLB-Sprecher sagte nur: „Es sind Angebote eingegangen, die wir gründlich prüfen werden.“

Die Eigner der NordLB suchen seit Monaten nach Wegen, um die vergleichsweise dünne Kapitaldecke des Instituts aufzupolstern. Im Gespräch ist ein Bedarf von rund drei Milliarden Euro. Grundsätzlich sei man offen für unterschiedliche Modelle, bekräftigte der NordLB-Aufsichtsratschef und niedersächsische Finanzminister Reinhold Hilbers. „Die NordLB und ihre Träger werden nun kurzfristig mit allen Stakeholdern – auch mit der Finanzaufsicht, dem Bundesfinanzministerium und der Europäischen Kommission – das weitere Vorgehen abstimmen.“

Auch wenn jetzt nur noch private Investoren im Bieterprozess sind, gilt ein Zusammengehen der NordLB mit der Helaba weiter als Option, wie viele Beteiligte betonen. Denn ein Einstieg der Frankfurter bei der NordLB bis hin zu einer Fusion könnte den Weg dafür ebnen, dass sich mehrere öffentlich-rechtliche Banken mittelfristig zu einer „Super-Landesbank“ zusammenschließen. Voraussetzung dafür: Die Helaba müsste im ersten Schritt den Zuschlag für die NordLB bekommen. Gespräche zwischen den Landesbanken und ihren Trägern werden laut Finanzkreisen fortgesetzt.

Die Helaba stellt aber Insidern zufolge für ihren Einstieg bestimmte Forderungen. Demnach sollten die niedersächsischen Sparkassen als NordLB-Miteigentümer zum einen bei der erwarteten Kapitalerhöhung für die NordLB mitmachen. Zum anderen sollten sie sich einem Verbundkonzept anschließen, das bereits die Helaba und 49 Sparkassen aus Hessen und Thüringen eng zusammenschweißt. Dazu gehört auch ein gemeinsamer Haftungstopf, in den die Niedersachsen einzahlen müssten. Einem Insider zufolge müssten die niedersächsischen Sparkassen damit insgesamt einen höheren dreistelligen Millionenbetrag aufbringen. Finanzkreisen zufolge haben die Sparkassen im Norden aber wenig Interesse, so viel Geld in die Hand zu nehmen.

Niedersachsen hält knapp 60 Prozent an der NordLB, der niedersächsische Sparkassenverband rund 26 Prozent und Sachsen-Anhalt knapp sechs Prozent. Der Konzernumbau belastet die Bank bereits. Nach neun Monaten brach der Vorsteuergewinn um 80 Prozent auf 73 Millionen Euro ein, wobei der Vorjahreswert von Sondereffekten geprägt war. Die Kosten für Restrukturierung und Reorganisation verdoppelten sich fast binnen Jahresfrist und schlugen mit 122 Millionen Euro zu Buche. Die Landesbank will bis Ende 2020 rund 1250 von etwa 6000 Stellen streichen.

Die Quote beim harten Kernkapital der NordLB sank Ende September auf 11,8 Prozent nach 12,4 Prozent Ende 2017. Beim Abbau der faulen Schiffskredite kam der Konzern eher langsam voran. Dieses Portfolio schrumpfte auf 7,3 (Ende September: 7,7) Milliarden Euro. Laut Finanzkreisen verhandelt die Bank derzeit mit Interessenten über den Verkauf von zwei Schiffskreditpaketen über insgesamt rund 6,5 Milliarden Euro. Die NordLB erklärte, dass es im vierten Quartal voraussichtlich „noch einmal zu einer erhöhten Risikovorsorge für das Schiffsfinanzierungsportfolio“ komme.

Die umstrittene Privatisierung der HSH Nordbank – sie wurde an US-Finanzinvestoren verkauft – ist hingegen schon vollzogen. Die Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein übertrugen ihre Anteile am Mittwoch nach Vorlage aller dafür benötigten Genehmigungen für einen Kaufpreis von rund einer Milliarde Euro an ein Konsortium um US-Finanzinvestoren, wie sie in Hamburg und Kiel mitteilten. Die beiden Ländern hielten bislang knapp 95 Prozent der Anteile.

Die ehemalige Landesbank der beiden norddeutschen Länder war nach der weltweiten Finanzkrise in Schieflage geraten und musste mit staatlichen Garantien von bis zu zehn Milliarden Euro stabilisiert werden. Der Verkauf der inzwischen neu aufgestellten Bank war eine Auflage der EU-Kommission, die die Unterstützung genehmigen musste.

Ende Februar hatten die Regierungen nach einem Bieterprozess den Verkauf ihrer Anteile an eine Gruppe von Finanzinvestoren um die US-Gesellschaften Cerberus Capital Management und J.C. Flowers beschlossen. Vor dem offiziellen Vollzug der Transaktion mussten die Landtage, die Kartellbehörden und die EU-Kommission zustimmen.

Die Landesregierungen äußerten sich angesichts milliardenschwerer Belastungen für die öffentlichen Kassen durch die Bank zurückhaltend. Die Privatisierung aber bleibe „in der Abwägung aller Szenarien“ der richtige Schritt im Interesse der Steuerzahler, teilte Hamburgs Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) mit. Er hoffe auch für die Beschäftigten der Bank, dass das Institut ein wichtiger Finanzmarktakteur im Norden bleibe.

Die schleswig-holsteinische Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) sprach von „Schadensminimierung“ und einem „Schlussstrich unter ein langes wie schmerzhaftes Kapitel“. Durch „eine verantwortungslose Expansionsstrategie und eine lange Kette von Fehlern“ sei „aus einer kleinen Landesbank ein Milliardengrab geworden“, erklärte sie.

Auch nach dem HSH-Verkauf sind nicht alle finanziellen Risiken für die beiden Länder ausgeräumt. Nach Angaben der Regierungen müssten sie noch bis 2041 im Rahmen der sogenannten Gewährträgerhaftung für etwaige alte Verpflichtungen haften. Offen ist bislang unter anderem auch, zu welchen Konditionen ein von einer Zweckgesellschaft der Länder übernommenes Portfolio problematischer Schiffskredite abgewickelt werden kann. Neue Verpflichtungen kommen allerdings nicht hinzu.

Dressel erklärte, eine funktionierende und stabile Bank sei „der beste Schutz“ gegen eine Inanspruchnahme der Gewährträgerhaftung. Heinold teilte mit, die Verluste für die Steuerzahler ihres Landes lägen nach Abzug der Einnahmen aus dem Verkauf bei 5,5 Milliarden Euro bis sieben Milliarden Euro. „So ein Desaster darf sich nicht wiederholen.“