Kritik an Merkels Energiewende

Letzte Steinkohle-Zeche Deutschlands schließt

Die letzte Steinkohle-Zeche Deutschlands hat den Betrieb eingestellt. Die Gewerkschaft kritisiert den energiepolitischen Kurs der Bundesregierung scharf.

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Heute schließt offiziell die letzte Steinkohle-Zeche Deutschlands, Prosper Haniel in Bottrop. Bei der Abschiedsfeier am Nachmittag redet auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (16.00 Uhr). Bereits in den vergangenen Wochen wurde in Bottrop letztmals Kohle gefördert.

Der Abschied am Freitag ist der Schlusspunkt einer jahrzehntelangen Entwicklung. Das langsame Sterben der Kohlezechen in den traditionellen Steinkohleländern Nordrhein-Westfalen und Saarland begann schon 1958. Damals stürzte der Trend zu billiger Importkohle und preisgünstigem Erdöl die Steinkohle in eine tiefe Krise. Vor 1958 förderten die Ruhr-Kumpel jährlich noch mehr als 123 Millionen Tonnen Steinkohle, 2014 waren es nur noch 5,7 Millionen. Mittlerweile ist die Fördermenge auf Null gesunken.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, hält das Ende des deutschen Steinkohle-Bergbaus für eine falsche Richtungsentscheidung. „Wir werden die Steinkohle zur Stromproduktion noch lange brauchen, weil gerade ein Kernkraftwerk nach dem anderen vom Netz geht und die Erneuerbaren keinen grundlastfähigen Strom liefern“, sagte Vassiliadis den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland.

Er spricht damit die als „Energiewende“ bekannte Strategie der Bundesregierung an, gleichzeitig aus der Atomkraft und der Kernenergie auszusteigen, was Deutschland abhängig von eben solchen Energieimporten aus dem Ausland macht.

Nun werde Deutschland die Steinkohle „über Abertausende Kilometer aus Ländern importieren, deren Arbeits- und Sicherheitsstandards mit den deutschen nicht mithalten können“, sagte Vassiliadis vor der offiziellen Schließung der letzten Steinkohle-Zeche Deutschlands, Prosper Haniel in Bottrop. „Dafür geben wir vor der Haustür eine internationale führende Industrie auf.“ Dies sei „ein Treppenwitz der Geschichte“.

Der Gewerkschaftschef warnte auch vor einem Kahlschlag im Braunkohle-Bergbau. „An der Braunkohle hängen in den Revieren direkt und indirekt 60.000 Jobs und gut vier Milliarden Euro an Wertschöpfung. Das ersetzt man nicht mal so eben. Wir brauchen Ideen, Investitionen und viele Milliarden Euro staatliche Unterstützung, um gute Industriearbeit in den Regionen zu sichern.“