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Konflikt zwischen Pakistan und Indien eskaliert

Lesezeit: 4 min
26.02.2019 17:26
Zwischen Pakistan und Indien droht ein offener Krieg. Während Pakistan Position gegen den Iran bezieht, baut Indien seine Zusammenarbeit mit Teheran aus.
Konflikt zwischen Pakistan und Indien eskaliert
Indo-iranische Handelsrouten. (Grafik: Stratfor)

Der seit Jahren schwelende Konflikt zwischen Indien und Pakistan ist am Dienstag weiter eskaliert: Das indische Militär flog nach Regierungsangaben Luftangriffe auf Ziele in Pakistan und tötete dabei eigenen Angaben zufolge eine "sehr große Anzahl" Kämpfer der Söldner-Truppe Jaish-e-Mohammed (JEM). Die Angriffe seien wegen "drohender" Selbstmordanschläge in Indien erfolgt, sagte ein hochrangiger Vertreter des Außenministeriums. Pakistan kündigte eine baldige Antwort seiner Streitkräfte an.

Indien teilte mit, dass bei dem Angriff "Terroristen, Ausbilder, hochrangige Befehlshaber" und potenzielle Selbstmordattentäter "eliminiert" worden seien. Die Anspannung in der Region ist groß, seit bei einem Selbstmordattentat am 14. Februar 41 indische Sicherheitskräfte getötet wurden. Die Islamistengruppe JEM beanspruchte die Tat für sich, meldet Reuters.

Der Konflikt zwischen Indien und Pakistan reicht über die Region hinaus. Kurz nach dem Anschlag am 14. Februar hatte der iranische Nahost-Kommandeur Qassem Soleimani Pakistan davor gewarnt, terroristische Gruppen im Inland zu dulden. “Die von Saudi-Arabien unterstützten Terroristen in Pakistan schädigen den Iran, Afghanistan und Indien. Diejenigen die Pakistan diese Rolle zugesprochen haben, wollen Pakistan spalten. Pakistan muss dies erkennen”, zitiert die Zeitung Aydınlık Soleimani.

In der vergangenen Woche besuchte der saudische Kronprinz Mohammed Bin Salman (MBS) Islamabad. Er versprach finanzielle Hilfen für Pakistan. Doch die israelische Zeitung Haaretz berichtet, dass diese Hilfen einen Preis haben werden. Die Regierung in Islamabad werde künftig als Stellvertreter für saudi-arabische Interessen agieren, was eine Abkehr vom Iran beinhalte.

Pakistan drängt China zur Abkehr vom Iran

Pakistan ist einer der wichtigsten Partner der Chinesen im Rahmen des Infrastrukturprojekts der Neuen Seidenstraße. Wenn Pakistan sich außenpolitisch gegen den Iran wendet, könnte dies China folglich nicht ignorieren. Die Folge wäre die Schaffung einer geopolitischen Distanz gegenüber dem Iran.

Nach Angaben des englischsprachigen Dienstes von Reuters will China 57 Milliarden Dollar in den Chinesisch-Pakistanischen Wirtschaftskorridor (CPEC) investieren. „Die chinesischen Investitionen in Pakistan werden bis 2030 voraussichtlich über 46 Milliarden US-Dollar betragen”, sagte Harrison Akins vom Howard Baker Center dem Magazin Newsweek. Einige der Projekte:

·         die Industrie- und Handelsbank von China errichtete eine Niederlassung in Lahore, Pakistans zweitgrößter Stadt

·         die Ministerien für Wissenschaft und Technik gründeten das China-Pakistan Joint Cotton Bio-Tech Laboratory

·         die pakistanische Hochschule für moderne Sprachen (NUML) und die Xinjiang Universität haben gemeinsam das NUML International Centre of Education und das China Culture Centre in Pakistan gegründet.

Nach Angaben des chinesischen Botschafters in Pakistan, Sun Weidong, konzentrieren sich die chinesisch-pakistanischen Projekte auf vier Bereiche: Energieprojekte, Verkehrsinfrastruktur, Gwadar-Hafen und industrielle Zusammenarbeit.

Wichtige Energieprojekte umfassen den Bau eines 300-Megawatt-Solarkraftwerks der chinesischen Firma Zonergy, Rekonstruktionsarbeiten des Karakoram Highways (KKH), der Bau der Autobahn Karachi-Lahore und die Nutzung des Gwadar-Hafens durch China. Am 11. November 2015 übertrug Pakistan 280 Hektar Landnutzungsrechte an ein chinesisches Unternehmen für einen Zeitraum von dreiundvierzig Jahren. Der Bau von neuen Hafenanlagen ist bereits im Gange. Im Rahmen der Projekte des China-Pakistan-Wirtschaftskorridors sind mittlerweile mehr als 6.000 pakistanische Arbeiter im Einsatz. Der Investitionswert im China-Pakistan-Wirtschaftskorridor soll sich auf 46 Milliarden Dollar erstrecken.

China nutzt Pakistans Hafen Gwadar

Zur künftigen Nutzung des Gwadar-Hafen berichtet Daily O, dass China sein ,Malakka Dilemma' überwinden möchte, da mehr als 80 Prozent seiner Ölimporte mit Tankern durch die Straße von Hormuz fahren müssen. Die zwischen Indonesien und Malaysia gelegene Straße von Malakka ist wichtig für den Containerhandel und Öltransport. Allerdings befinden sich in der Asien-Pazifik-Region zahlreiche US-Marineschiffe, die die chinesischen Schiffe im Notfall behindern könnten.

Deshalb baut China seine Marinepräsenz entlang der Knotenpunkte des Seewegs vom Persischen Golf bis zum Südchinesischen Meer aus. Der Hafen von Gwadar ist für dieses Ziel von zentraler Bedeutung. Er liegt etwa 400 Kilometer von der Straße von Hormuz entfernt an der Spitze des Arabischen Meeres. Der Hafen von Gwadar wird im Rahmen des China-Pakistan-Wirtschaftskorridors über eine Länge von 3.000 Kilometer mit China verbunden werden.

Wichtigkeit des Gwadar-Hafens

The Times of India listet auf, warum der Hafen von Gwadar derart wichtig für China ist: Er befindet sich an einem Warmwassergebiet und ist ein Tiefseehafen am Arabischen Meer. Er hat eine strategische günstige Lage zwischen Süd-, Zentral- und Westasien an der Mündung des Persischen Golfs, etwas außerhalb der Straße von Hormuz. China hat bisher 1,6 Milliarden Dollar für Sanierungsmaßnahmen am Hafen investiert. China wird den Hafen bis zum Jahr 2059 nutzen können. Anschließend soll Gwadar als Marinestützpunkt an Pakistan übergehen. Entscheidend ist auch, dass in Gwadar eine schwimmende Anlage für LNG-Gas entstehen soll. Die Anlage ist ein Teil des iranisch-pakistanischen Gaspipelineprojekts im Wert von 2,5 Milliarden Dollar. Gwadar befindet sich in der Provinz Balutschistan.

Indien unterstützt den Iran

Indien versucht hingegen, seine Kooperation mit dem Iran zu erweitern. Am 24. Februar 2019 eröffnete Afghanistan eine neue Exportroute, über die Waren aus dem Land durch den iranischen Hafen Chabahar nach Indien transportiert werden können. “Der Hafen von Chabahar ist das Ergebnis einer gesunden Zusammenarbeit zwischen Indien, dem Iran und Afghanistan, wodurch das Wirtschaftswachstum gesichert wird”, zitiert die Tehran Times den afghanischen Präsidenten Ashraf Ghani. Mindestens 23 Lastwagen mit 57 Tonnen Trockenfrüchten, Textilien, Teppichen und Mineralstoffen wurden bisher aus der westafghanischen Stadt Zaranj in den Hafen Chabahar in der iranischen Provinz Sistan-Belutschistan im Südosten verschifft, so Voice of America (VoA). Die Sendung soll nach Indien transportiert werden.

Indien kauft zudem iranisches Rohöl und Erdgas unter Umgehung der US-Sanktionen, indem es den Handel in Rupien und nicht in Dollar abwickelt.

Einem aktuellen Bericht des englischsprachigen Dienst von Reuters zufolge werden indische Zuckerhersteller den Iran für die Monate März und April 2019 mit Zucker beliefern. Dabei handelt es sich um die erste Zuckerlieferung seit fünf Jahren, da der Iran unter den US-Sanktionen leidet. Der Iran möchte durch den Zuckerkauf seine Versorgung sicherstellen. Das Land könnte im Jahr 2019 bis zu 400.000 Tonnen Rohzucker aus Indien importieren, da die Produktion nicht ausreicht, um die Nachfrage zu befriedigen. Der Iran zahlt im Vergleich zu anderen Käufern eine Prämie von bis zu sieben US-Dollar pro Tonne, da Händler mit einem Zahlungsverzögerungsrisiko rechnen.

Indien ist zudem Irans größter Lieferant von Premium-Basmati-Reis, und indische Reishändler haben umfangreiche Geschäftsbeziehungen in diesem Land. Seit der Erweiterung der US-Sanktionen Ende 2018 sind auch die Exporte der indischen Sojalieferanten in den Iran gestiegen, um den Mangel an Futtermitteln zu überwinden.


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