Diplomatische Krise: Australien bestellt türkischen Botschafter ein

Lesezeit: 1 min
20.03.2019 15:46
Nach umstrittenen Äußerungen des türkischen Präsidenten Erdogan hat Australien dessen Botschafter einberufen.
Diplomatische Krise: Australien bestellt türkischen Botschafter ein

Neuseelands Vize-Premierminister Winston Peters reist in die Türkei, um nach umstrittenen Bemerkungen von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan „Missverständnisse aus dem Weg zu räumen“, berichtet die dpa. Das sagte Premier Jacinda Ardern am Mittwoch in einer Pressekonferenz in der neuseeländischen Stadt Christchurch.

Hintergrund sind scharfe innenpolitische Reden von Erdogan nach den Angriffen auf zwei Moscheen in Christchurch mit mindestens 50 Toten vor fünf Tagen.

Erdogan hatte am Dienstag in einer Wahlkampfrede gesagt, dass der Todesschütze nach der Rechtslage in Neuseeland nicht mehr als 15 Jahre absitzen könnte. „Wie billig doch ein Menschenleben ist“, sagte er. Er forderte Neuseeland auf, die Gesetze zu ändern und „solchen Mördern kein Recht auf Leben einzuräumen“. Wenn Neuseeland ihn nicht zur Rechenschaft ziehe, werde die Türkei es tun. Erdogan hatte zuvor mehrfach die „Islamophobie“ des Westens kritisiert.

Kritik hatte Erdogan auch für Bemerkungen aus einer Rede vom Montag erhalten. Da hatte er gewarnt, dass Australier und Neuseeländer mit antimuslimischer Gesinnung das gleiche Schicksal erleiden könnten wie Soldaten, die im Ersten Weltkrieg gegen das Osmanische Reich gekämpft hatten. Australien hatte deshalb am Mittwoch den türkischen Botschafter einbestellt. Der konservative Premierminister Scott Morrison warf Erdogan vor, im Ersten Weltkrieg gefallene australische und neuseeländische Soldaten „hochgradig beleidigt“ zu haben. Morrison weigerte sich auch, eine Entschuldigung anzunehmen.

Die staatliche russische Nachrichtenagentur Sputnik zitiert Erdogan mit den Worten: „Ihre Großväter kamen und sahen, dass wir da sind. Einige gingen dann zurück, andere kehrten in Särgen zurück. Wenn Sie mit der gleichen Absicht kommen, werden wir auf Sie warten“, sagte er und warnte, dass sie „ohne Zweifel“ genau wie ihre Vorfahren weggeschickt würden.

Winston Peters, der auch Neuseelands Außenminister ist, werde in der Türkei „auf unverblümte Art und Weise“ deutlich machen, dass die muslimische Gemeinde in Neuseeland „die Unterstützung aller Neuseeländer“ habe, sagte Jacinda Ardern. Was geschehen sei, sei in Neuseeland noch nie dagewesen. Der Zeitung „NZ Herald“ zufolge wird er zuerst nach Indonesien reisen. Wann genau er in der Türkei ankommen wird und wen er treffen wird, blieb zunächst unklar.


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Deutschland, Japan, Südkorea: Die Exportweltmeister straucheln in die Krise

Der weltweite Abschwung hat vor allem in den großen Exportländern wie Deutschland, Japan und Südkorea zu einem Einbruch der Konjunktur...

DWN
Finanzen
Finanzen Analysen: Weltwirtschaft so schwach wie am Ende der letzten globalen Rezession

Umfragen der wichtigen Datenanbieter Ifo und IHS Markit zeichnen ein düsteres Bild der Weltwirtschaft. Beiden Instituten zufolge befinden...

DWN
Politik
Politik China baut Griechenland zum europäischen Brückenkopf der Neuen Seidenstraße auf

Chinas Staatschef Xi Jinping hat während seines Besuches weitere Investitionen in Griechenland angekündigt. Mithilfe der Chinesen stieg...

DWN
Politik
Politik Inspekteur der Deutschen Marine: Um abzuschrecken, müssen wir kämpfen können

Die Deutsche Marine hat entbehrungsreiche Zeiten hinter sich: Jahrzehntelang wurde sie in hohem Maße vernachlässigt und finanziell sowie...

DWN
Politik
Politik Bolivien: Morales flieht nach Mexiko, im Land brechen Unruhen aus

Der bolivianische Ex-Präsident Morales ist nach Mexiko ins Exil geflohen. Zuvor wurde er vom Militär unter dem Vorwand der Wahlfälschung...

DWN
Deutschland
Deutschland Windkraft-Krisengipfel in Hannover: Die Politik steht zwischen Unternehmen, Bürgern und Verbänden

Die Windkraftbranche wird derzeit von Nackenschlägen erschüttert. Am vergangenen Freitag hat Enercon einen massiven Stellenabbau...

DWN
Finanzen
Finanzen Verluste deutlich ausgebaut: Die WeWork-Blase platzt

Das Unternehmen WeWork wurde erst von Medien und interessierten Kreisen gefeiert, nun setzt der Kater ein. Statt Gewinnen erwirtschaftet...

DWN
Technologie
Technologie Dudenhöffer: „Teslas Pläne sind für die Autobauer gut, für die Bundesregierung ein Problem“

Die Pläne des US-Elektroautoherstellers Tesla zum Bau einer großen Batteriefabrik nahe Berlin wirken sich dem Autoexperten Ferdinand...

DWN
Deutschland
Deutschland Heckler&Koch steht zum Verkauf: BND untersucht dubiose Interessenten

Der deutsche Waffenproduzent Heckler&Koch wird von Schulden bedrückt. Jetzt gibt es Meldungen, dass er verkauft werden soll. An wen, ist...

DWN
Politik
Politik „Die EU darf nicht gegen Amerikaner, Russen oder Chinesen sein. Sie muss mit allen zusammenarbeiten“

Ende Oktober fand in Verona - inzwischen zum zwölften Mal – das Eurasische Wirtschaftsforum statt. Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten...

DWN
Finanzen
Finanzen Nach Problemen mit Libra startet Facebook neues Bezahlsystem

Politik und Zentralbanken laufen Sturm gegen Facebooks Pläne mit der Kryptowährung Libra. Daher startet das soziale Netzwerk nun das...

DWN
Finanzen
Finanzen ETFs stocken Goldbestände deutlich auf

Börsengehandelte Fonds haben im dritten Quartal ungewöhnlich viel Gold gekauft.

DWN
Deutschland
Deutschland Gewalt gegen Schiedsrichter: Sportgericht sperrt fast komplette Mannschaft von Kreisligist

Ein Sportgericht hat fast die gesamte Mannschaft des Kreisligisten BV Altenessen II wegen einer Hetzjagd auf einen Schiedsrichter gesperrt....

DWN
Technologie
Technologie Deutschland arbeitet bei Teststrecke für Wasserstoff-Züge mit Norwegens NEL zusammen

Die Herstellung von Wasserstoff, um Energie zu gewinnen, ist eine Alternative zum Verbrennungsmotor. Ein Unternehmen, das dort eine...

celtra_fin_Interscroller