Brexit: Tiefschlag für Großbritanniens Arbeitsmarkt

Lesezeit: 1 min
23.03.2019 18:15
Die Zahl der Stellenangebote ist seit dem EU-Referendum 2016 eingebrochen. Betroffen sind insbesondere jüngere Briten.
Brexit: Tiefschlag für Großbritanniens Arbeitsmarkt

Der britische Arbeitsmarkt geht seit dem Brexit-Referendum stark zurück. Davon sind vor allem Stellen betroffen, deren Verdienst unter dem durchschnittlichen Jahreseinkommen von 35.150 Pfund liegen. Das heißt, die Auswirkungen des Votums treffen vor allem Geringverdiener und Jobeinsteiger, zu denen besonders jüngere Menschen zählen. Das ergab eine aktuelle Arbeitsmarkt-Analyse der Jobsuchmaschine Adzuna , welche 13,37 Millionen Stellenangebote im Vereinigten Königreich untersuchte, die von 2016 bis 2018 auf Adzuna gelistet waren.

Starker Rückgang im Niedriglohn-Bereich

Demnach wies der britische Arbeitsmarkt 2018 insgesamt 924.100 weniger Stellenausschreibungen auf als noch 2016. Die Stellenangebote für Geringverdiener verzeichneten dabei das stärkste Defizit: 68,5 Prozent (633.400 Inserate) aller verlorenen Ausschreibungen betrafen Stellen mit einem Lohn von unter 30.000 Pfund pro Jahr.

Im höheren Verdienstbereich fiel der Rückgang hingegen deutlich schwächer aus. So lag der Anteil an verlorenen Inseraten mit einem Jahreseinkommen zwischen 30.000 und 40.000 Pfund bzw. 40.000 und 50.000 Pfund bei jeweils 12 Prozent. Noch geringer ist das anteilige Defizit für Stellen mit einem Einkommen von mehr als 50.000 Pfund pro Jahr, das gerade einmal 7,8 Prozent beträgt. Im  Vergleich zu Deutschland werden in Großbritannien Stellenanzeigen mit Gehaltsangaben versehen, was die Analyse des Stellenangebotes in Bezug auf Löhne ermöglicht.

Deutsche Arbeitnehmer ebenso betroffen

Eine kürzliche Untersuchung von Adzuna, welche die Arbeitsmarktentwicklung für europäische Arbeitnehmer behandelt, kam zu dem Ergebnis, dass der Anteil an Stellenangeboten für deutschsprachige Arbeitnehmer seit 2016 um insgesamt 22 Prozent gefallen ist. Noch deutlicher sind die Auswirkungen im Wirtschaftsstandort London zu spüren: In der englischen Hauptstadt ist seit dem Referendum anteilig knapp jede dritte Anzeige für Personen mit Deutschkenntnissen verschwunden.

Inja Schneider, Country Managerin Deutschland bei Adzuna, kommentiert die Entwicklung:

“Die durchgehende politische Unsicherheit seit 2016 hat den britischen Arbeitsmarkt nachhaltig beeinflusst. Der starke Rückgang im niedrigeren Lohnbereich kann insbesondere junge Menschen treffen, die als Berufseinsteiger in der Regel noch zu den Geringverdienern zählen.

Im Rahmen der Reduzierung des Stellenangebotes sind natürlich auch europäische Arbeitnehmer betroffen, die aufgrund ihrer Sprachkenntnisse stets einen Wettbewerbsvorteil am britischen Arbeitsmarkt verzeichnen konnten. Basierend auf unseren Ergebnissen, werden auch hier die Jobchancen geringer.”


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen Im Führungszirkel der EZB geraten die Negativzinsen ins Kreuzfeuer

Bei der EZB mehren sich Medienberichten zufolge die Stimmen, die auf die mit dem negativen Einlagezins verbundenen Risiken hinweisen. Das...

DWN
Finanzen
Finanzen Anatomie einer Jahrhundert-Blase, Teil 3: Eine Dunkelziffer namens Inflation – das gesamte Finanzsystem basiert auf morschem Zahlenwerk

Die Entwicklung der Teuerung stellt einen der Ankerpunkte des gesamten weltweiten Finanzsystems dar. Schaut man sich ihre Berechnung an...

DWN
Politik
Politik Bundesregierung blockiert Aufhebung der Russland-Sanktionen

Die europäischen Wirtschaftsverbände fordern inzwischen öffentlich ein Ende der Sanktionen gegen Russland. Die Politik bremst jedoch.

DWN
Politik
Politik Lagebericht Syrien: Russland rückt in Rakka ein, baut Militärpräsenz im Osten des Landes aus

Russische Truppen sind in die ehemalige syrische IS-Hochburg Rakka eingerückt, nachdem US-Truppen dort abgezogen sind. Russland baut seine...

DWN
Politik
Politik Ab Mittwoch null Uhr wird die WTO handlungsunfähig sein

Ab Mittwoch ist das Streitschlichtungs-System der Welthandelsorganisation - eines ihrer wichtigsten Funktionen überhaupt -...

DWN
Politik
Politik Marsch in Richtung „FREXIT“? Frankreich kann sein üppiges Sozialsystem nicht mehr finanzieren

Frankreich kommt nicht zur Ruhe. Aus Protest gegen geplanten Reformen im Rentensystem haben die Gewerkschaften mehrere Generalstreiks...

DWN
Deutschland
Deutschland Warten auf die neue Prämie: Verkauf von E-Autos kommt vollständig zum Erliegen

Die Bundesregierung lockt im kommenden Jahr mit erhöhten Zuzahlungen für den Kauf von E-Fahrzeugen. Deswegen ist der Absatz dafür in den...

DWN
Finanzen
Finanzen Zentralbank der Zentralbanken: Hedgefonds verschärfen Liquiditätskrise im US-Geldmarkt

Hedgefonds haben entscheidend zu den jüngsten Liquiditätsengpässen am US-Geldmarkt beigetragen, sagt die Bank für Internationalen...

DWN
Politik
Politik Europäische Umweltagentur will Ernährung, Energiekonsum und Mobilität der Menschen radikal ändern

Der Europäischen Umweltagentur zufolge wird Europa die Klimaschutzziele nicht erreichen, wenn keine “dringenden Maßnahmen” ergriffen...

DWN
Deutschland
Deutschland Tagesspiegel: Merkel ließ Unions-Politiker ohne Regierungsamt an vertraulichen Sitzungen teilnehmen

Seit Jahren sollen Politiker der Unionsfraktionen, welche nicht Teil der Bundesregierung waren, an morgendlichen vertraulichen Sitzungen im...

DWN
Finanzen
Finanzen LBBW schließt Negativzinsen für Privatkunden nicht mehr aus

Die Landesbank Baden-Württemberg schließt die Einführung von Negativzinsen nicht mehr aus. Der Vorstandsvorsitzende spricht von einem...

DWN
Deutschland
Deutschland Münchner Gericht: Klickarbeit ist keine richtige Arbeit

Der Niedriglohnsektor in Deutschland wird immer größer. Dazu gehört die Klickarbeit, wo Mitarbeiter auf Internetplattformen Mikrojobs...

DWN
Deutschland
Deutschland Seen als Wärmequelle: Energieverbände fordern Masterplan für die Geothermie

Deutschland läuft Gefahr, die Klimaziele zu verfehlen. Jetzt taucht plötzlich wieder eine Form der Energiegewinnung in der Diskussion...

DWN
Finanzen
Finanzen Termingeschäfte eingeschränkt: Weltgrößter Pensionsfonds geht gegen Spekulanten vor

Mit einer Neuregelung zu seinem Aktienportfolio macht Japans staatlicher Pensionsfonds Leerverkäufern einen Strich durch die Rechnung....

celtra_fin_Interscroller