Stimmung im Keller

Ifo-Index fällt auf niedrigsten Wert seit Ende 2014

Die Geschäftsaussichten in Deutschland trüben sich zusehends ein.

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Geschäftsaussichten: Containerhandel im Hamburger Hafen. (Foto: dpa)

Containerhandel im Hamburger Hafen. (Foto: dpa)

Die Stimmung in deutschen Unternehmen hat sich im Juni angesichts hoher wirtschaftlicher und politischer Risiken weiter eingetrübt. Das Ifo-Geschäftsklima, Deutschlands bedeutendster Stimmungsindikator, fiel um 0,5 Punkte auf 97,4 Zähler, wie das Ifo-Institut am Montag in München mitteilte. Das ist die dritte Verschlechterung in Folge und der tiefste Stand seit November 2014. Analysten hatten mit der Entwicklung gerechnet.

„Die deutsche Konjunktur flaut weiter ab“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Bis auf den Handel trübte sich das Geschäftsklima in allen betrachteten Sektoren ein – also in der Industrie, unter Dienstleistern und im Baugewerbe. Belastet wurde der Gesamtindikator durch die Erwartungen für das kommende halbe Jahr, die erneut zurückgingen. Ihre aktuelle Lage bewerteten die befragten Unternehmen dagegen geringfügig besser.

Bankanalysten führten die trübere Stimmung zum einen auf die von den USA ausgehenden Handelskonflikte zurück. „Die Handelskonflikte versalzen der exportstarken Industrie die Suppe“, kommentierte der Chefökonom der Liechtensteiner VP Bank, Thomas Gitzel. Darüber hinaus blickten die deutschen Unternehmen auch auf den aus seiner Sicht chaotisch verlaufenden Brexit. „Die etwaige Nominierung von Boris Johnson zum neuen Premierminister lässt die Sorgenfalten noch tiefer werden.“

Daneben nannten Beobachter die hohen Spannungen zwischen den USA und Iran als Belastung. Die Eskalation des Konflikts sei ein weiterer Stimmungskiller, hieß es in einem Kommentar der NordLB. In den vergangenen Wochen hatten sich die Spannungen immer weiter hochgeschaukelt, weil mehrere Tanker im Golf von Oman attackiert wurden. Die USA beschuldigen Iran, der wiederum eine US-Drohne abschoss.

Die schwächelnde deutsche Wirtschaft dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) in ihrer Absicht bestätigen, ihre bereits sehr expansive Geldpolitik weiter zu lockern. Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer erwartet eine Zinssenkung bereits auf der kommenden Zinssitzung der EZB im Juli. Demnach dürfte die Notenbank ihren Satz für Bankeinlagen um 0,1 Prozentpunkte auf minus 0,5 Prozent reduzieren. „Eine Wiederaufnahme der Nettoanleihenkäufe wäre denkbar, wenn die Konjunkturdaten in den kommenden Monaten weiter massiv enttäuschten.“

Das Ifo-Geschäftsklima basiert auf der Befragung von etwa 9000 Unternehmen. Der Indikator wird als verlässliche Schätzgröße für das künftige Wirtschaftswachstum angesehen. An den Finanzmärkten lösten die Zahlen keine starken Bewegungen aus.