Finanzen

EU drängt Großbritannien, Schweizer Aktien von den Börsen zu nehmen

Lesezeit: 2 min
26.06.2019 13:35
Aufgrund von Vorgaben der EU müssen die Londoner Börsen möglicherweise schon in dieser Woche den gesamten Handel mit Schweizer Aktien einstellen. Dahinter steckt eine Eskalation zwischen der EU und der Schweiz im Streit um das geplante Rahmenabkommen.
EU drängt Großbritannien, Schweizer Aktien von den Börsen zu nehmen
Rund 30 Prozent des Handels mit erstrangigen Schweizer Aktien findet in London statt. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Europa >
Benachrichtigung über neue Artikel:  
Europa  

Die in London ansässigen Börsen bereiten sich darauf vor, noch in dieser Woche den Handel mit Schweizer Aktien einzustellen. Hintergrund ist der eskalierende Streit zwischen der Schweiz und Brüssel um den Abschluss eines Rahmenabkommens, den man nun auf den Finanzmärkten austrägt.

CBOE Europe wird ab Montag, den 1. Juli, voraussichtlich keine Handelsgeschäfte mehr mit über 230 Schweizer Unternehmen anbieten, sagte der größte Aktienhandelsplatz der EU am späten Montag. Darunter sind namhafte Aktien wie jene von UBS und Novartis.

Der Handelsstopp für Schweizer Aktien an den Londoner Börsen könne nur dann abgewendet werden, wenn die Schweiz und die Europäische Kommission doch noch kurzfristig zu einer Einigung finden, berichtet die Financial Times.

Die beiden Seiten verhandeln seit Längerem über eine Neuordnung ihrer Wirtschaftsbeziehung, die alles von den Finanzmärkten über Arbeitsplätze bis hin zur Freizügigkeit von Personen umfasst.

Die EU versucht, ihre etwa 120 bilateralen Verträge mit der Schweiz in einen "institutionellen Rahmen" umzuwandeln. Dieser Rahmen soll das Nicht-EU-Mitglied dazu verpflichten, automatisch einige EU-Gesetze zu übernehmen. Die Schweiz lehnt dies ab.

Londoner Börsen müssen Schweizer Aktien von den Börsen nehmen

Angesichts der geringen Fortschritte bei den Gesprächen droht die EU-Kommission nun damit, eine befristete Genehmigung auslaufen zu lassen. Diese ermöglicht es noch bis zum 30. Juni, Schweizer Aktien in der EU zu handeln.

Rund 30 Prozent des Handels mit erstrangigen Schweizer Aktien findet in London statt. Am Montag könnte dieser Anteil nun schlagartig auf null fallen. Dies stellt die Schweizer Unternehmen vor Probleme und könnte auch die Wirtschaft des Alpenlandes schädigen.

Der Streit zwischen der EU und der Schweiz bietet zudem einen Einblick in die potenziellen Fallstricke, die sich für in den Beziehungen zwischen Großbritannien und der EU nach dem Brexit auf den Finanzmärkten ergeben könnten.

Die Ausarbeitung eines neuen Rahmens für die Beziehungen zwischen der Schweiz und der EU hat sich verzögert, nachdem die Schweizer Behörden Ende letzten Jahres eine halbjährliche "öffentliche Konsultation" zum Vertrag eingeleitet hatten.

EU-Kommission will Stärke demonstrieren

Die Haltung der EU gegenüber der Schweiz hat sich im Lichte der Brexit-Verhandlungen verhärtet. Die Union will zeigen, die sie Widerstand gegen ihren "institutionellen Rahmen" mit einem Zugangsverbot für Teile ihrer Finanzmärkte bestrafen kann.

Johannes Hahn, EU-Kommissar für Erweiterung, hat die Schweizer Behörden gewarnt, dass es keine "Verwässerung der Binnenmarktregeln geben wird, insbesondere in der wahrscheinlich entscheidenden Phase des Brexit".

Bern ist offenbar gewillt, den Konflikt auszutragen. So sagte das Schweizer Finanzministerium, es werde Gegenmassnahmen ergreifen, die den Handel mit Schweizer Aktien in der EU verbieten würden, um den heimischen Finanzmarkt zu schützen.

SIX, die Eigentümerin der Schweizer Börse, teilte ihren Kunden mit, dass ein so genannter Gleichrangigkeitsstatus, bei dem jede Seite die Standards der anderen anerkennt, "höchstwahrscheinlich" nicht gewährt werden wird.

Dies würde bedeuten, dass EU-Investoren Schweizer Aktien in Zürich über lokale Broker handeln müssten. Aufgrund Schweizer Vorschriften könnte die EU-Börsen könnten dann keine Aktien der großen Schweizer Firmen mehr anbieten.


Mehr zum Thema:  
Europa >

Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Halbzeit Urlaub bei ROBINSON

Wie wäre es mit einem grandiosen Urlaub im Juni? Zur Halbzeit des Jahres einfach mal durchatmen und an einem Ort sein, wo dich ein...

DWN
Technologie
Technologie 3D Spark: Ein Hamburger Start-up revolutioniert die Bahnbranche
25.04.2024

Die Schienenfahrzeugindustrie befindet sich in einem grundlegenden Wandel, in dessen Verlauf manuelle Fertigungsprozesse zunehmend...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Automesse China 2024: Deutsche Autohersteller im Preiskrieg mit BYD, Xiaomi und Co.
25.04.2024

Bei der Automesse in China steht der eskalierende Preiskrieg bei Elektroautos im Vordergrund. Mit hohen Rabatten kämpfen die Hersteller...

DWN
Politik
Politik Bericht: Habeck-Mitarbeiter sollen Kritik am Atom-Aus missachtet haben
25.04.2024

Wichtige Mitarbeiter von Bundesministern Habeck und Lemke sollen laut einem Bericht interne Zweifel am fristgerechten Atomausstieg...

DWN
Finanzen
Finanzen Feiertagszuschlag: Was Unternehmer an den Mai-Feiertagen beachten sollten
25.04.2024

Feiertagszuschläge sind ein bedeutendes Thema für Unternehmen und Arbeitnehmer gleichermaßen. Wir werfen einen genauen Blick auf die...

DWN
Finanzen
Finanzen Teurer Anlegerfehler: Wie der Blick in den Rückspiegel fehlgeht
25.04.2024

Anleger orientieren sich an den Renditen der vergangenen drei bis zehn Jahre, um Aktien oder Fonds auszuwählen. Doch laut Finanzexperten...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kommunikation im Wandel – Was es für Unternehmen in Zukunft bedeutet
25.04.2024

In einer Ära schneller Veränderungen wird die Analyse von Trends in der Unternehmenskommunikation immer entscheidender. Die Akademische...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Lieferdienste in Deutschland: Bei Flink, Wolt und anderen Lieferando-Konkurrenten geht es um alles oder nichts
25.04.2024

Getir, Lieferando, Wolt, UberEats - es fällt schwer, in deutschen Großstädten beim Angebot der Essenskuriere den Überblick zu...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Familienunternehmer in Sorge: Land verliert an Wettbewerbsfähigkeit
25.04.2024

In einer Umfrage kritisieren zahlreiche Familienunternehmer die Politik aufgrund von übermäßiger Bürokratie und Regulierung. Besonders...