Politik

Istanbuls neuer Bürgermeister klüngelt mit Islamisten

Lesezeit: 2 min
01.07.2019 16:54
Der neue Bürgermeister Istanbuls, Ekrem İmamoğlu, steht in engem Kontakt mit islamistischen Organisationen. Das gibt er selbst zu. Die Namen der Organisationen möchte er nicht nennen.
Istanbuls neuer Bürgermeister klüngelt mit Islamisten
Türkei, Istanbul: Ekrem Imamoglu, der neue Bürgermeister von Istanbul von der wichtigsten oppositionellen Republikanischen Volkspartei (CHP) der Türkei, hält eine Rede nach der offiziellen Amtsübernahme. Foto: (Foto: dpa)

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Der neue Bürgermeister Istanbuls, Ekrem İmamoğlu, hat angekündigt, die Dschamaats in Istanbul (islamische bis islamistische Gemeinschaften, Anm. d. Red.) unterstützen zu wollen. Die Dschamaats in der Türkei sind im Regelfall als Stiftungen organisiert, um steuerliche Vorteile zu nutzen. Deshalb verfügen sie im In- und Ausland über ein Milliardenvermögen. 

İmamoğlu zufolge gibt es in Istanbul islamische und islamistische Stiftungen, die Aktivitäten zum Vorteil der Stadt Istanbul vorweisen können. Er sei lediglich dagegen, dass einige dieser Stiftungen von der Großstadt Istanbul finanziell bevorzugt, während andere benachteiligt werden. “Mit einigen dieser Gemeinschaften stehe ich in Kontakt. Doch ich werde keine Namen preisgeben”, so İmamoğlu im Rahmen einer Sendung auf Habertürk

İmamoğlu hatte noch im Verlauf des Wahlkampfs um Istanbul den Bürgern nach Angaben der Zeitung Birgün hoch und heilig versprochen, dass die Zeit “der Dienste für die Dschamaats zu Ende” sei. Stattdessen meinte er, er würde das Atatürk-Mausoleum in Ankara 365 Tage im Jahr besuchen, wenn er die Möglichkeit hätte. Diese Aussage gehörte offenbar in das wahl-taktische Repertoire, um die säkularen Wähler Istanbuls anzusprechen. 

Islamisten unterstützen İmamoğlu

Dem Investigativ-Journalisten Barış Terkoğlu zufolge wurde İmamoğlu während des Wahlkampfs vor allem von der islamischen Gemeinschaft der Süleymancılar (Anhänger Süleymans, Anm. d. Red.) unterstützt. Terkoğlu wörtlich: “Bei diesen Wahlen standen die Süleymancılar auf der Seite von Ekrem İmamoğlu. Der Grund dafür liegt darin, dass auch İmamoğlu bei den Süleymancılar aufgewachsen ist (...) Hinzu kommt, dass die Akabe Stiftung, die Nurcu Asya Bewegung, die Furkan Gemeinschaft und weitere Dschamaats, die Probleme mit der türkischen Regierung haben, İmamoğlu unterstützt haben.”

Bei den genannten Gemeinschaften handelt es sich um politisch islamistische Organisationen, die den laizistischen Staat und die türkische Verfassung ablehnen.

(Zum Verständnis: Es geht nicht um Gemeinschaften, die ausschließlich zur Religionsausübung gegründet wurden, sondern eher um wirtschaftlich starke Organisationen mit konzernartigen Strukturen und undurchsichtigen Finanzen.)

Als im Jahr die türkische Staatsanwaltschaft Untersuchungen gegen die Schulen der Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen durchführte, demonstrierte İmamoğlu seine Unterstützung für die Schulen, indem er sie als Zeichen der Solidarität besuchte, berichtet die Zeitung Güneş

Razzien gegen Islamisten

Im vergangenen Jahr führten türkische Sicherheitskräfte Razzien gegen einige islamistische Gemeinschaften, die İmamoğlu mittlerweile unterstützen, durch

Ihnen wurde politische und militärische Spionage für ausländische Geheimdienste, Kindesmissbrauch, Kindesentführung, Missbrauch religiöser Gefühle, Urkundenfälschung, Meineid und weitere Straftatbestände vorgeworfen. Viele von ihnen wurden verurteilt. 

Bemerkenswert ist, dass es sich dabei um einige islamische bis islamistische Gemeinschaften handelt, die auch in Deutschland ihre Ableger haben und vom Verfassungsschutz beobachtet werden. Viele von ihnen, die in der Türkei verboten sind, nutzen Deutschland auch als Rückzugsgebiet.

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