Deutschland

Deutsche verpulvern 32 Milliarden Euro jährlich beim Glücksspiel

Lesezeit: 2 min
10.07.2013 01:58
Die Deutschen liefern jährlich 32,5 Milliarden Euro freiwillig beim Automaten ab: Das Glücksspiel ist auch in der Krise eine beliebte Form der Geld-Vernichtung. Die Sucht nimmt jedoch immer groteskere Ausmaße an: Es gibt mehr Kriminalität von Leuten, die Geld fürs Spiel brauchen als von Süchtigen, die sich Drogen kaufen müssen.
Deutsche verpulvern 32 Milliarden Euro jährlich beim Glücksspiel

Das Glücksspielwesen in Deutschland ist ein Milliardengeschäft. Im Jahr 2011 betrugen die Umsätze insgesamt 32,5 Milliarden Euro. Das ist rund 1,25 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Der durchschnittliche Deutsche verzockt damit knapp 400 Euro pro Jahr. Die Umsätze von Sozial-Lotterien, Telefon-Gewinnspielen, Sportwetten und Online-Glücksspielen von privaten und ausländischen Anbietern sind bei diesem Betrag noch nicht einmal mit eingerechnet.

Der Gesamtumsatz aller Anbieter auf dem Glücksspielmarkt blieb dabei zumindest über die letzten zehn Jahre hinweg relativ konstant. Das geht aus einer Aufstellung der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen hervor. Rechnet man die offizielle Inflationsrate mit ein, so ist das Niveau sogar fast auf den Punkt genau gleich geblieben. Das entspricht auch den Ergebnissen der meisten Untersuchungen über Zusammenhänge zwischen der Konjunkturentwicklung und dem Ausmaß der Spieltätigkeit unter der Bevölkerung. Demnach besteht kein signifikanter Zusammenhang zwischen volkswirtschaftlichen Krisen und einer erhöhten Verbreitung von Glücksspielen.

Verändert haben sich im Laufe der Zeit jedoch die Marktanteile der verschiedenen Sparten. Von den gesamten Einnahmen entfielen 19 Prozent auf Spielbanken, 21 Prozent auf den Deutschen Lotto- und Toto-Block. Mit 56 Prozent des Umsatzes geht der Löwenanteil jedoch klar auf das Konto der „Geldspielautomaten mit Gewinnmöglichkeit“. Mit mehr als 18 Milliarden Euro wurden die Automaten in Spielhallen und Gaststätten im Jahr 2011 von den deutschen Glücksrittern gefüttert. Das Spiel am Automaten ist damit auch der einzige der genannten Bereiche, der mit einem Plus von fünf Prozent einen deutlichen Zuwachs im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen hatte.

Damit bestätigt sich ein Trend, der schon in den vergangenen Jahren zu starken Umsatzsteigerungen beim Automaten-Spiel führte. Und gerade diese Form des Glücksspiels gilt als besonders riskant im Hinblick auf das Suchtpotential. Laut der Hamburgischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS) sind drei Viertel aller Hilfesuchenden an Beratungsstellen süchtige Automatenspieler. Mit großem Abstand folgen Glücksspiele in Spielbanken (26 Prozent der Hilfesuchenden in Beratungsstellen) und Wetten (6 Prozent, jeweils Mehrfachnennungen möglich).

Immer mehr Menschen nehmen wegen ihrer Glücksspielsucht die Hilfe einer ambulanten Beratungs- oder Behandlungsstelle in Anspruch. Pro Einrichtung wurden 2010 im Durchschnitt 12 Spielerinnen und Spieler betreut. Im Jahr 2002 waren es noch 3,8 Fälle pro Beratungsstelle. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung schätzt die Zahl der Glücksspielsüchtigen in Deutschland auf 275.000. Weitere 264.000 Personen zeigen ein problematisches Spielverhalten.

Besonders junge Menschen sind in immer stärkerem Ausmaß suchtgefährdet. Von einem regelmäßigen, das heißt mehrmals im Monat stattfindenden Spielen um Geld berichteten in einer Untersuchung der HLS zehn Prozent der 14- bis 18-Jährigen. Männliche Jugendliche spielen dabei deutlich häufiger als gleichaltrige Mädchen beziehungsweise junge Frauen.

Inhalt wird nicht angezeigt, da Sie keine externen Cookies akzeptiert haben. Ändern..

DWN
Deutschland
Deutschland Wird der Lockdown bis Ende März 2022 andauern? Und was wusste Schäuble?

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hatte im April 2020 den Lockdown scharf kritisiert. Er sagte, dass man nicht alles über zwei Jahre...

DWN
Politik
Politik WHO lehnt Impfpässe ab: „Corona-Pandemie ist in 10 Monaten vorbei“

Die WHO hat sich gegen die Einführung von Impfpässen ausgesprochen. Diese seien nicht zielführend, zudem sei die Pandemie bald vorbei....

DWN
Politik
Politik „Nie dagewesene Nachfrage“: Corona-Pandemie beflügelt Pharma-Riesen Merck

Eine hohe Nachfrage nach seinen Produkten in der Corona-Pandemie gibt Merck Rückenwind.

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin in Gefahr: Es drohen Hackerangriffe, Preisverfall und das endgültige Verbot

DWN-Finanzexperte Andreas Kubin analysiert die Zukunft des Bitcoin.

DWN
Finanzen
Finanzen Finanz-Skandal zieht Kreise: Stadt Osnabrück hat Millionen bei Pleite-Bank Greensill

Die niedersächsische Stadt Osnabrück hat nach eigenen Angaben 14 Millionen Euro bei der behördlich geschlossenen Greensill Bank. Wie...

DWN
Politik
Politik Wagenknecht: Daimler sparte 700 Millionen Euro durch Kurzarbeitergeld, schüttet 1,4 Milliarden Euro an Dividende aus

Die Linkspolitikerin Sahra Wagenknecht kritisiert, dass während der Pandemie Großkonzerne vom Staat massiv unterstützt werden, während...

DWN
Politik
Politik Gutachten: Berliner Senat muss Pädophilen-Netzwerk offenlegen

Über Jahrzehnte haben die Berliner Jugendämter Kinder an Pädophile vermittelt. Aus einem Gutachten geht hervor, dass es in Berlin ein...

DWN
Politik
Politik DWN-EXKLUSIV - Marine-Manöver im Mittelmeer: Türkei bereitet sich auf möglichen Krieg vor

Die Türkei führt im Mittelmeer und in der Ägäis aktuell ein groß angelegtes Marinemanöver durch. Das Land bereitet sich auf einen...