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Was der Nord Stream 2 für die europäisch-russische Beziehung bedeutet

Lesezeit: 2 min
31.03.2020 12:46
Noch immer nicht fertig, aber schon jetzt sehr kontrovers. So in etwa kann man sich den Status von Nord Stream 2 vorstellen, der ab Ende des Jahres Gas aus Russland durch die Ostsee nach Greifswald transportieren soll.
Was der Nord Stream 2 für die europäisch-russische Beziehung bedeutet
Bevorzugte und alternative Routen von Nord Stream 2. (Grafik: Gazpromexport)

Wie so oft wird ein Projekt, welches zusammen mit Russland aufgezogen, immer argwöhnisch betrachtet. Denn auch wenn der Kalte Krieg lange vorbei ist, traut man sich gegenseitig auch dank der Geschichte in der Ukraine immer noch nicht zu 100%. Was ist dran an den News, dass sich Europa im Allgemeinen und Deutschland im Besonderen durch diese Partnerschaft von Russland abhängig macht, was den Energienachschub betrifft? Oder ist dies die übliche Rhetorik Außenstehender, um die eigene Agenda durchzusetzen?

Gas als Druckmittel?

Ob man nun glauben mag oder nicht, dass Russland große Teile der EU realistisch von seinen Flüssiggas (LNG) Lieferungen abschneiden würde, hängt wahrscheinlich von der persönlichen politischen Sichtweise ab. Sicherlich könnten sich die Befürchtungen als schlecht versteckte Panikmache oder antirussische Propaganda herausstellen, aber man sollte nicht vergessen, dass Russland in den vergangenen 15 Jahren bereits dreimal den Gasfluss durch ukrainische Pipelines gestoppt hat um die eigene Machtposition zu untermauern. Überhaupt kann man am Beispiel der Ukraine sehen, wie instabil ein Land werden kann wenn Russland einmal ernst macht. Allerdings scheint es bei Nord Stream 2 diesbezüglich weniger Bedenken zu geben. Denn Russland und Deutschland gelten seit einer Weile wieder als enge Verbündete, bei denen das eigene Wort durchaus Wert hat. Sich auf einen offenen Schlagabtausch zwischen den beiden politischen Schwergewichten einzulassen würde wohl einem Besuch im Casino gleichkommen. Denn der Ausgang wäre schwer vorherzusagen, viele aber würden sich sehr unterhalten fühlen.

Bedenken und Sanktionen aus den USA

Wie schon zum Ende des vergangenen Jahres sehen sich die Vereinigten Staaten von Amerika um ihren Markt betrogen. So sehr scheinbar, dass sie sogar Sanktionen gegen all jene Unternehmen verhängt haben, die aktiv beim Bau der Pipeline beteiligt sind. Allerdings ist dies noch nicht genug, denn die nächste Runde steht erst noch bevor.

Ein dramatisch reduziertes Maß an Vertrauen zwischen den USA und Russland, verbunden mit der harten Rhetorik ihrer Präsidenten und gegenseitigen Anschuldigungen, erhöhen das Konfliktpotential in allen bilateralen Beziehungen. Der aktuelle Wettbewerbsstreit zwischen den Staaten und China um Handel und wirtschaftliche Führung trägt zur weiteren internationalen Komplexität bei. Die wachsende Zahl tatsächlicher und potenzieller militärischer Konflikte, darunter fallen auch hybride Konflikte, birgt ein hohes Risiko mit oft unvorhersehbaren Folgen. Es ist daher nur logisch, dass die USA ihre eigenen Ziele, nämlich den Verkauf ihres gefrackten Gas nach Europa, allem anderen unterordnen will.

Fazit: Nord Stream 2 wird kommen, auch wenn es einige nicht wahrhaben wollen. Allerdings werden die Nebengeräusche mit jedem Kilometer Pipeline immer lauter. Die Sanktionen aus Washington mögen zwar dafür sorgen, dass das ursprünglich anvisierte Eröffnungsdatum nicht eingehalten werden kann, aber das wird der engen Beziehung von Nordeuropa zu Russland kaum etwas abtun. Wie und ob sich dann aber die Beziehungen zwischen den Staaten entwickeln werden bleibt abzuwarten. Deutschland braucht den Strom, Russland die Devisen. Beide täten gut daran, an einer stabilen aber vorsichtigen Beziehung zu arbeiten. Denn ein geteiltes Europa will niemand mehr sehen.

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