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Wie auch Vater Staat am Glücksspiel mitverdient

Lesezeit: 3 min
23.10.2020 15:00
Deutsche Politiker geben sich gegenüber der Glücksspielindustrie gerne einmal kritisch. Sie möchten Spielhallen schließen oder den Betreibern von Online Casinos den Geldhahn zudrehen und berufen sich dabei auf die Gefahr des Missbrauchs dieser Angebote. Zu einem völligen Verbot von Casinos und Wettbüros möchte sich aber niemand durchringen. Und das dürfte nicht nur an dem Aufschrei aus der Bevölkerung liegen, der auf eine solche Ankündigung folgen würde. Auch finanzielle Überlegungen dürften dabei eine wichtige Rolle spielen. Denn der Staat ist bei weitem kein unbeteiligter Zuschauer, wenn es um das Geschäft mit dem Glück geht. Vielmehr profitiert er selbst durch beträchtliche Steuereinnahmen vom Erfolg der Branche.
Wie auch Vater Staat am Glücksspiel mitverdient
Die lukrativste Form des Glücksspiels für den deutschen Staat ist wohl das Lotto. (Quelle: SeoFurnish Private limited)

Rasante Entwicklung beim Glücksspiel

Und der ist in den letzten Jahren beeindruckend. Sowohl online als auch offline ist der Umsatz dieses Wirtschaftszweigs im letzten Jahrzehnt beträchtlich angewachsen. Offline sind vor allem Spielhallen und Wettbüros die Treiber dieses Trends, während der Umsatz bei den Spielbanken eher stagniert. Am spektakulärsten ist aber das Wachstum der Online Casinos, die im Vergleich zur Offline-Konkurrenz ein deutlich größeres Innovationspotenzial aufweisen. Jedes Jahr versuchen zahlreiche neue Anbieter mit ausgefallenen Brandings oder einem besonders ausgeklügelten Angebot zu überzeugen. Mit Freispielen und Bonusangeboten werden Neukunden dazu animiert, ihr Händchen an knallbunten Browserspielen zu versuchen. Das spült viel Geld in die Kassen der Betreiber. Der deutsche Fiskus geht aber bislang leer aus. Denn ihren Sitz haben diese Unternehmen im Ausland. Besonders viele Firmen sind in Malta ansässig, denn der Inselstaat ist eines von wenigen Ländern, die EU-weite Lizenzen vergeben.

Der Goldesel: Das Lottospiel

Die lukrativste Form des Glücksspiels für den deutschen Staat ist wohl das Lotto. Denn an den Lottoeinnahmen verdient er gleich doppelt. Zum einen gibt es die Lotteriesteuer, die immerhin 16,7 % beträgt. Die Einnahmen fließen an die Länder, die allein 2018 rund 1,5 Milliarden Euro von den Lotteriegesellschaften erhielten. Einen noch größeren Anteil vom Kaufpreis eines Lotterieloses machen die Konzessionsabgabe und die Zweckerträge mit 23 % aus. Diese stellen zwar offiziell keine Steuern dar, allerdings entscheiden über ihre Verwendung ebenso staatliche Stellen. Und somit sind sie eine praktische Möglichkeit, den Etat für die Kunstförderung oder den Umweltschutz zu entlasten. Insgesamt landen auf diese Weise rund 40 % der Lottoeinsätze direkt in den Kassen von Bund und Ländern. Der Staat kommt damit deutlich besser weg als die Teilnehmer, auch wenn immerhin die Hälfte des Einsatzes in den Jackpot fließt. Denn während die Chancen auf einen Sechser im Lotto und Superzahl weniger als ein Millionstel Prozent betragen, sind dem Staatshaushalt Jahr für Jahr Milliardengewinne sicher. Immerhin: Auf die Gewinne selbst fallen keine Steuern an. Wer Glück hat und den Jackpot knackt, kann seine Einnahmen also behalten.

Vergnügungssteuer bei Spielautomaten

Auch bei Geldspielautomaten kassiert der Staat fleißig mit, egal ob diese nun in einer Spielbank, einer Gaststätte oder in einer Spielhalle aufgestellt sind. Eine besondere Glücksspielssteuer gibt es hierfür nicht. Stattdessen erheben die deutschen Gemeinden eine Vergnügungssteuer. Das klingt zwar etwas zynisch, bestätigt aber immerhin das Vergnügung noch erlaubt ist. Etwas mehr als eine Milliarde Euro betrugen die Einnahmen aus dieser Vergnügungssteuer im Jahr 2018. 2008 waren sie noch bei rund 200 Millionen Euro gelegen und haben sich somit in nur einem Jahrzehnt mehr als verfünffacht. Ob der Umsatz an den Spielautomaten sich während diesem Zeitraum ebenfalls verfünffacht hat, darf bezweifelt werden. Besonders interessant ist diese Entwicklung in Anbetracht der Tatsache, dass vielerorts Spielhallen von den Gemeinden geschlossen werden. Zur Eindämmung des Automatenspiels ist diese Politik anscheinend nur begrenzt geeignet. Zu den Einnahmen aus der Vergnügungssteuer für die Gemeinden gesellt sich seit 2006 auch noch die Umsatzsteuer. Auf diese Weise ist auch der Bund an den Steuereinnahmen beteiligt.

Die Sportwettensteuer

Im Vergleich zu anderen Formen des Glücksspiels sind die Einnahmen aus der Besteuerung von Sportwetten geradezu bescheiden. Gerade einmal 384 Millionen waren es beispielsweise im Jahr 2018. Das ist zwar eine Steigerung um satte 70 % im Vergleich zu 2014. Im Vergleich zu den Milliardenbeträgen aus anderen Formen des Glücksspiels fallen die Einnahmen aber deutlich geringer aus. Das dürfte unter anderem am Steuersatz von nur 5% liegen, der sowohl für Online- als auch für Offline-Wetten gilt. Spieler kommen damit deutlich besser davon als früher, als bei der staatlichen Oddset-Wette 16,7 % Steuer anfielen. Große Unterschiede bei den Einnahmen gibt es allerdings zwischen den verschiedenen Bundesländern. So teilten sich Nordrhein-Westfalen und Bayern 2018 gemeinsam rund 40 % aller Einnahmen aus der Sportwettensteuer, während Schlusslicht Bremen nur auf rund ein Prozent kam. Es besteht also ganz offensichtlich noch Potenzial für zusätzliche Einnahmen in einigen Bundesländern. Vielleicht klappt es ja nach der Einführung des neuen Glücksspielstaatsvertrages mit der Milliarden-Marke für die Sportwettensteuer?

Neue Rechtslage, neue Einnahmequellen

Denn ab Mitte 2021 gelten in Deutschland neue Gesetze für Glücksspielanbieter. Damit sollen Sportwetten und Online Casinos aus der ewigen Grauzone befreit werden, in der sie sich seit Jahren befinden. Nach jahrelangen Diskussionen, zeitlich begrenzten Experimenten, Kompromissen und Einzelgängen ist den Länderregierungen Anfang des Jahres gelungen, was Beobachter kaum noch für möglich hielten. Sie einigten sich auf eine gemeinsame Reform des Glücksspielrechts. Im Grunde genommen handelt es sich damit nur um eine Legalisierung des Status Quo. Denn die Bemühungen der Behörden, Glücksspielangeboten aus dem europäischen Ausland einen Riegel vorzuschieben, waren in den letzten Jahren kläglich gescheitert. Ab nächstem Jahr sollen Online Casinos daher auch in Deutschland ihre Dienste ganz offiziell und mit dem Segen der Behörden anbieten können. Voraussetzung hierfür ist der Erwerb einer Lizenz. Auf diese Weise gelingt es den Ländern möglicherweise, wieder einmal eine lukrative Einnahmequelle zu erschließen.

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