Unternehmen

Nicht-Eisen-Metall-Hersteller Aurubis bringt Wasserstoff in der deutschen Industrie voran

Wasserstoff gilt in Deutschland als Energieträger der Zukunft. Nun gibt es wichtige Entwicklungen am Markt.
01.06.2021 16:48
Aktualisiert: 01.06.2021 16:48
Lesezeit: 2 min
Nicht-Eisen-Metall-Hersteller Aurubis bringt Wasserstoff in der deutschen Industrie voran
Eine Anlage des Herstellers. (Foto: Aurubis)

„Durch die Nutzung von Wasserstoff können wir weitere, signifikante Emissionsreduzierungen erreichen. Allein das Einsparpotenzial für die Hamburger Hütte in diesem Bereich liegt bei 6.200 Tonnen CO2 pro Jahr“, sagte Jens Jacobsen, der Leiter in einer Fabrik, die der Produzent Aurubis in der Hanse-Stadt unterhält.

Das Unternehmen, das zu den größten Herstellern von Nichteisen-Metallen der Welt gehört, hat gerade damit begonnen, den Einsatz von Wasserstoff im industriellen Maßstab in der Produktion von Kupferanoden zu testen. Dies findet im Rahmen eines Pilotprojektes statt, bei dem Wasserstoff und Stickstoff an Stelle von Erdgas in die Produktionsanlage (Anodenofen) eingeleitet wurden. Den Wasserstoff liefert Air Liquide, ein langjähriger Partner.

Zur Orientierung: Neben dem Werk in Hamburg unterhält der Mittelständler, der pro Jahr rund zehn Milliarden Euro umsetzt, noch eine Hütte in Bulgarien. Sollte das Unternehmen seine Ziele erreichen, pro Jahr mindestens 6.200 Tonnen an Kohlendioxid einzusparen, setzt Aurubis ein wichtiges politisches Zeichen, auch wenn es weit davon entfernt ist, der gesamten deutschen Industrie seinen Stempel aufzudrücken.

Deutsche Industrie stößt pro Jahr 16 Millionen Tonnen Kohlendioxid in die Luft

Denn die Branche hat in der Vorpandemie-Zeit im Jahr 2019 insgesamt 16 Millionen Tonnen Kohlendioxid an Emissionen freigesetzt. Sie steuert rund ein Fünftel zu den Gesamt-Volumina bei und gehört damit zu den größten Verschmutzern. Insofern ist jede Initiative, wie sie gerade der Hersteller von Nicht-Eisen-Metallen umsetzt, aus politischen Gründen sehr wichtig.

Das Projekt kommt zu einem Zeitpunkt, wo gerade wichtige Bewegung bei der Entwicklung des Wasserstoffes zu beobachten sind. So haben das Bundeswirtschaftsministerium und das Bundesverkehrsministerium insgesamt 62 Initiativen ausgewählt, die möglicherweise finanzielle Unterstützung aus einem besonderen europäischen Programm bekommen. Dazu gehören drei Wasserstoff-Projekte, an denen RWE beteiligt ist.

Für die Deutschen stehen laut Bundesregierung insgesamt Fördermittel in Höhe von acht Milliarden Euro zur Verfügung, mit denen die Bundesregierung und die Bundesländer den Aufbau der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland und Europa vorantreiben wollen. 230 Anträge wurden dafür eingereicht.

Doch gibt es ein Problem: In Deutschland wird keine Produktion von Wasserstoff möglich sein, so dass das Land auf den Import des Rohstoffes angewiesen ist. Die Bundesregierung hat jetzt Afrika als möglichen Lieferanten ins Spiel gebracht: So hat das Bundesforschungsministerium den „Potenzialatlas Grüner Wasserstoff“ vorgestellt. Dieser Atlas analysiert Potenziale für die Erzeugung und den Export von Grünem Wasserstoff im westlichen und südlichen Afrika.

Allein in Westafrika ließen sich jährlich maximal bis zu 165.000 Terrawattstunden Grüner Wasserstoff herstellen. Zum Vergleich: Das entspricht 110mal der Menge an Grünem Wasserstoff, die Deutschland 2050 voraussichtlich wird importieren müssen.

Doch hat die Bundesregierung hier noch lange keine Lösung gefunden. In der Vergangenheit haben sich auch andere Länder für den Export ins Spiel gebracht – beispielsweise die Ukraine, aber auch Saudi-Arabien und Russland. Bevor tatsächlich der Wasserstoff als Energieträger nutzbar gemacht werden kann, dauert es noch sehr lange.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft China überrollt Deutschland mit Exporten
14.07.2026

China liefert immer mehr Waren nach Deutschland, während deutsche Exporte kaum noch mithalten. Neue Zolldaten zeigen, wie sich das...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs im freien Fall: KI-Aktien ziehen Milliarden ab
14.07.2026

Der Bitcoin-Kurs stürzt ab, Milliarden fließen aus den großen Krypto-Fonds und selbst institutionelle Anleger ziehen sich zurück....

DWN
Panorama
Panorama Goldener Windbeutel 2026: LaVita landet auf Platz eins
14.07.2026

Goldenen Windbeutel 2026: 66.000 Verbraucher haben abgestimmt. Der überteuerte Saft von LaVita ist die dreisteste Werbelüge des Jahres....

DWN
Politik
Politik Terrorgefahr? Iranische Drohungen sorgen für neue Sicherheitswarnungen in Deutschland
14.07.2026

Ein iranischer Zeitungsbeitrag sorgt in Berlin für wachsende Besorgnis. Politiker mehrerer Parteien sehen darin mehr als bloße Propaganda...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chemieindustrie: Warum Deutschland seine industrielle Basis verspielt
14.07.2026

Sie steht selten im Rampenlicht, doch ohne sie läuft fast nichts: Europas Chemieindustrie liefert die Grundlage für Medikamente,...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Sandisk-Aktien brechen um 13 Prozent ein, da Chip-Ausverkauf die Wall Street erschüttert
13.07.2026

Turbulente Zeiten an der Börse: Erfahren Sie, welche Ereignisse die Technologieriesen jetzt ins Wanken bringen.

DWN
Finanzen
Finanzen Eurozone: Inflation fällt überraschend deutlich – was das für die EZB-Zinspolitik bedeutet
13.07.2026

Die Inflation in der Eurozone ist im Juni stärker gesunken als erwartet. Nach dem Preisschub durch den Krieg im Nahen Osten und hohe...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft E-Auto-Produktion in Europa legt zu: Neue Studie zeigt überraschende Entwicklung
13.07.2026

Die europäischen Strafzölle auf Elektroautos aus China sollten heimische Produktionsstandorte stärken. Erste Daten deuten tatsächlich...