Politik

In den Straßen von San Francisco: DWN-Leser gerät in die Mühlen der US-Justiz

Lesezeit: 10 min
29.05.2022 07:58
DWN-Leser Horst Zeck berichtet, wie er es in Kalifornien mit Polizei und Justiz zu tun bekam.
In den Straßen von San Francisco: DWN-Leser gerät in die Mühlen der US-Justiz
Da wusste er noch nicht, was ihn erwartet: Ein glücklicher Horst Zeck in San Francisco. (Foto: privat)

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Unser Abonnent Horst Zeck aus Buchholz in der Nordheide (südlich von Hamburg) ist einer unser treuesten und eifrigsten Leser. Der mittlerweile 84-Jährige bereiste als Großhandelskaufmann die halbe Welt, einen Bericht über seine spannenden Abenteuer haben wir im November 2020 publiziert. Zeck, der gebürtig aus Oldenburg stammt, lebte eine ganze Zeitlang in Kalifornien. Von seinen erstaunlichen Erlebnissen im Golden State erzählt er in diesem faszinierenden Bericht.

Hauke Rudolph, DWN-Chefredakteur

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Ich habe ein sehr abenteuerliches und aufregendes Leben geführt. Wollte ich alle meine Erlebnisse aufschreiben, so würde das ein ganzes Buch füllen.

Wenn ich mich zurückerinnere und mein Leben Revue passieren lasse, muss ich mich über mich selbst wundern, und ich glaube, dass ich sehr viel Glück hatte - so viel, wie es einem einzelnen Menschen eigentlich gar nicht zusteht. Ich muss drei oder sogar vier Schutzengel gehabt haben, die alle gleichzeitig damit beschäftigt waren, mich jedes Mal wieder, um Haaresbreite, dem Verderben entkommen zu lassen. Immer wieder ging ich voll ins Risiko - heraus kamen Erlebnisse wie das, als ich zum einzigen Mal im Leben vor Gericht stand, und zwar in Kalifornien. Es ist kein angenehmes Gefühl, in den USA vor einen Richter treten zu müssen, denn da ist alles möglich. Nein, es ist wirklich kein Spaß.

Das Auge des Gesetzes ist überall

Es war in den 60er-Jahren; ich hatte meinen US-Führerschein gemacht und mir einen gebrauchten 8-Zylinder-Oldsmobile gekauft. Allerdings musste ich erst ein Gefühl dafür entwickeln, wie viel Kraft in so einem riesigen Motor steckt - wenn ich aufs Gaspedal drückte, ging der Wagen ab wie eine Rakete. In Kalifornien gab es ein Punktesystem; wenn man 20 Punkte gesammelt hatte, war der Führerschein weg. Die Geschwindigkeit zu übertreten, bedeutete zehn Punkte, das heißt, zweimal zu schnell gefahren, und die Fahrerlaubnis war futsch. Ich wurde prompt erwischt und erhielt die zehn Zähler - Horst, das darf dir nicht noch mal passieren, schwor ich mir.

Eine Zeitlang später, ich war mit meiner Freundin im Mitternachtskino gewesen und hatte sie anschließend nach Hause gebracht, fuhr ich die Market Street entlang, die Hauptgeschäftsstraße von San Francisco, der Stadt, in der ich damals lebte. Auf der Market herrschte striktes Links-Abbiege-Verbot. Man musste nach rechts abbiegen und den gesamten Block umrunden, um dann geradeaus fahrend die große Hauptstraße zu überqueren.

Es war zwei Uhr nachts, weit und breit kein Auto mehr auf der Straße zu sehen, und ich sagte zu mir selbst: „Warum sollst Du den Umweg um den Block nehmen? Du behinderst oder gefährdest doch niemanden.“ Also rasch nach links abgebogen in die Seitenstraße, wo sich meine Wohnung befand. Was ich zu meinem Unglück nicht gesehen hatte, war, dass just dort ein Streifenwagen stand. Fast schien es, als ob er auf mich gewartet hätte. Die Sirenen heulten auf, ich hielt, der Streifwagen ebenfalls, der Polizist stieg aus, und wenig später hatte ich zwei weitere Punkte. Zwar versuchte ich noch, dem Beamten klarzumachen, dass sich doch kein Auto mehr auf der Straße befände und ich niemanden gefährdet hatte. Doch der Uniformierte fragte nur: „Machst du die Regeln?“, und ich erwiderte: „No, Sir“ - weitere Proteste erübrigten sich. Der Polizist sagte mir noch, ich hätte nicht über den Sinn der Regeln nachzudenken, sondern sie zu befolgen, dann machte er sich von dannen - und ließ mich mit meinem Oldsmobile und meinen mittlerweile zwölf Punkten in der dunklen Nacht zurück.

Ein paar Tage später fuhren meine Freundin und ich in die Berge. Nachdem wir uns einen schönen Tag gemacht hatten, wollten wir wieder nach Hause; ich suchte eine Wendemöglichkeit, fand aber keine. In der Ferne erblickten wir eine Brücke, da war genug Platz, und ich beschloss, dorthin zu fahren, um endlich umdrehen zu können. Am Ziel angekommen, entdeckten wir allerdings ein Schild „No U-turn“ - „Wenden verboten“. Ich guckte

mich um, kein Auto zu sehen, ich würde niemanden gefährden oder behindern - also das Steuer nach links, eine Hundertachtzig-Grad-Drehung gemacht, und schon waren wir bereit, wieder nach Hause, nach San Francisco zu fahren. Hätten wir auch getan, wenn - ja wenn, für uns nicht zu erkennen, hinter der Brücke nicht ein Motorrad-Polizist gestanden hätte. Die Sirene ging los, das kannte ich ja bereits, und so begann wieder das gleiche Spiel: „Haben Sie nicht gesehen, U-turn verboten?“ „Ja, aber es ist doch kein Auto auf der Straße, kein Mensch weit und breit; es macht doch keinen Sinn in dieser Situation.“ Allein, es half nichts - der Beamte war nicht zugänglich, nicht zu erweichen, und so erhielt ich zwei weitere Punkte.

Eine Zeitlang später war ich in Los Angeles unterwegs. Ich fuhr auf einem 6-spurigen City-Highway, suchte auf der rechten Seite die Abfahrt zu einer Nebenstraße und fuhr dementsprechend langsam, ganz weit rechts. In Amerika ist es so, dass, sobald ein Fußgänger einen Zebrastreifen betritt, alle Autos zu halten haben. Selbstverständlich - wie hätte es anders sein können - war dort ein Zebrastreifen, den auf der anderen Straßenseite, sechs Fahrbahnen von mir entfernt, eine Fußgängerin betrat, die ich nicht gesehen hatte, weil meine ganze Konzentration der rechten Seite gegolten hatte. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass in unmittelbarer Nähe ein Polizeiauto stand. Blaulicht an, quietschendes Sirenen-Geheul - und wieder einmal begann das Spiel von vorn, ich war´s ja schon gewöhnt. Der Beamte bestätigte mir zwar, dass ich sehr langsam gefahren war, doch ich bekam trotzdem mein Ticket und zwei weitere Punkte. Jetzt hatte ich schon derer 16 gesammelt …

An einem der darauffolgenden Wochenenden unternahm ich einen Ausflug mit meiner Freundin nach Oregon, dem Nachbarstaat. Auf dem Rückweg hatte ich mich einer Kolonne auf dem Highway angeschlossen, die sich mit rund 70 Meilen pro Stunde (mph) auf dem Weg nach Kalifornien befand. Es waren insgesamt acht Fahrzeuge, und ich war der Letzte in der Reihe. An irgendeiner Stelle muss die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 70 auf 50 reduziert worden sein. Gesehen hatte es keiner von uns, und so wurden wir auf einmal mit Sirenengeheul von einem Polizeiwagen überholt, der sich an die Spitze der Kolonne setzte und sie dann stoppte. Der Beamte fing an, Tickets zu schreiben, erst für den vordersten Wagen, dann für den zweiten - jeder kam dran, der Reihenfolge nach. Mir wurde ganz übel - weitere zehn Punkte, mein Führerschein war weg.

Krampfhaft überlegte ich, wie ich meine Fahrerlaubnis retten könnte, doch der erlösende Gedanke kam nicht, und so redete ich auf den Polizisten ein, erklärte ihm, dass es unfair sei, keiner habe die Reduzierung gehen, ich sei auf den Verkehr konzentriert gewesen, um den korrekten Abstand zu dem anderen Fahrzeug einzuhalten, das Schild sei bestimmt kaum zu erkennen gewesen, und so weiter und so fort. Ich kämpfte tatsächlich wie ein Löwe, aber ich bekam mein Ticket. Auf der Heimfahrt hatte ich nur noch einen Gedanken: Was mache ich nur ohne Führerschein, ich lebe doch im riesigen Amerika, nicht zuhause im von unzähligen Eisenbahnschienen durchzogenen Niedersachsen, ich brauchte mein Auto doch …

Zuhause habe ich mir dann das Ticket näher angesehen, und da bemerkte ich es: der Polizist hatte die Zahlen verwechselt, denn dort, auf dem amtlichen Dokument, da stand: erlaubte Geschwindigkeit 70 mph, gefahrenen Geschwindigkeit 50 mph.

Ich stieß einen Freudenschrei aus: Da war sie, die Lösung meiner Probleme - mein Führerschein war gerettet. Mit meinem nicht enden wollenden Redeschwall hatte ich den armen Polizisten völlig verwirrt, hatte ihn dazu gebracht, die falschen Eintragungen vorzunehmen. Übrigens: Auf dem Ticket ist immer erwähnt, welcher Richter den jeweiligen Fall bearbeitet.

Ich habe mich sofort hingesetzt und einen Brief an den hohen Herrn geschrieben:

Euer Ehren! Wie Sie unschwer dem Ticket entnehmen können, betrug die Höchstgeschwindigkeit 70mph, ich bin aber nur 50 mph gefahren. Darum verstehe ich nicht, warum man mich überhaupt gestoppt hat. Ich bin nicht schuldig und beantrage daher, das Verfahren gegen mich einzustellen. Mit besten Grüßen Horst Zeck.

Ich hatte gehofft, die Angelegenheit auf schriftlichem Wege erledigen zu können. Diese Hoffnung ging jedoch nicht in Erfüllung: Ich bekam eine gerichtliche Vorladung - persönliches Erscheinen war angeordnet.

Was Recht ist, muss Recht bleiben

Vor Gericht, der Richter sitzt auf einer Art erhöhtem Thron, nur drei Personen im Raum: Der Richter, eine Protokollführerin und ich. Von weit oben ertönte eine strenge Stimme: „Wissen Sie, warum ich angeordnet habe, dass Sie persönlich hier erscheinen?“

„Nein“, erwiderte ich möglichst unbeeindruckt, „schließlich bin ich unschuldig“.

Kaum hatte ich das gesagt, beugte sich der Richter zu mir herunter, sah mich mit bösem Blick an, zeigte mit dem Finger auf mich und sagte zornig: „Sie und ich, wir wissen beide, dass der Polizist sich geirrt hat. Ich will gar nicht untersuchen, was Sie angerichtet haben, um diesen Mann zu verwirren, und dann besitzen Sie die Frechheit, mir zu schreiben, Sie könnten sich überhaupt nicht erklären, warum der Beamte Sie angehalten hat? Die Person, die so etwas behauptet, wollte ich kennenlernen, darum habe ich ihr persönliches Erscheinen angeordnet. Ich werde das Verfahren gegen Sie aus formalen Gründen einstellen. Aber ungestraft kommen Sie mir nicht davon. Ich verurteile Sie zu acht Stunden psychologischer Verkehrserziehung. Ihnen werde ich das Rowdytum schon noch austreiben.“

Ich ein Rowdy? Ich, der ich noch nie einen Unfall gehabt und niemals jemanden gefährdet oder behindert hatte. Ich, der ich immer umsichtig und defensiv fuhr.

Am liebsten hätte ich mich in dem Augenblick in ein Mauseloch verkrochen, aber ich sah keine andere Möglichkeit, als das Donnerwetter über mich ergehen zu lassen und die Strafe zu akzeptieren. Da schlug der Richter auch schon mit seinem Holzhammer auf den Tisch und donnerte grimmig: „You are dismissed“ - „Sie können gehen.“ Das ließ ich mir nicht zweimal sagen und verließ schleunigst den Gerichtssaal. Draußen atmete ich tief durch - meine Nerven waren mächtig angespannt, ich hatte Schweißtropfen auf der Stirn, aber das Wichtigste war: Mein Führerschein war gerettet. Der Richter hätte auch anders entscheiden können. Ich ließ mir das Erlebnis eine Lehre sein: Danach habe ich keine Punkte mehr gesammelt.

Kein Wort mehr!

Dann kam der Tag, an dem ich zur psychologischen Verkehrserziehung musste. Ich nahm mir einen Tag Urlaub und fuhr - ich hatte ja meinen Führerschein behalten dürfen - zur der angegebenen Adresse.

In dem Raum, in den ich beordert wurde, standen ein Tisch aus Holz und zwei ebensolche Stühle. An dem einen Tischende saß ein Psychologe, ich nahm am anderen Ende, in circa vier Meter Entfernung, Platz. Auf dem Tisch standen ein Tonband und zwei Mikrophone, das Gespräch wurde aufgezeichnet.

Der Psychologe fragte mich: „Wissen Sie, warum Sie hier sind?“, und ich erwiderte: „Ja, ich wurde dazu verurteilt.“ Der Psychologe sagte, das stimme, aber das sei nicht der wahre Grund. Ich fragte ihn: „Was ist er dann?“

Der Psychologe blickte mich erstaunt an und erklärte mir, dass 95 Prozent aller Amerikaner sich verkehrsgerecht verhielten, nur fünf Prozent nicht, und dass ich zu diesen fünf Prozent gehöre.

Das wollte ich so nicht stehen lassen und begann, ihm zu erklären, dass es sich lediglich um eine Verkettung unglücklicher Umstände gehandelt habe. Aber davon wollte der Psychologe nichts wissen. Verdrießlich wies er darauf hin, dass mein Verhalten typisch für diese Gruppe sei, dass ihre Mitglieder uneinsichtig seien, ganz nach dem Motto: Schuld sind immer die anderen. Ich erwiderte, dass mir diese Art der Gesprächsführung nicht gefalle, was der Psychologe mit dem schroffen Hinweis, die Regeln bestimme nicht ich, sondern er, vom Tisch wischte.

Doch damit war er bei mir an den Falschen geraten. Ich erklärte ihm, dass ich ein Gespräch zu seinen Regeln nicht fortzusetzen gedenke. Schließlich sei ich dazu verurteilt worden, acht Stunden mit ihm zu verbringen, nicht aber dazu, mich acht Stunden mit ihm zu unterhalten. Und weil dem so sei, würde ich den Rest der Zeit, also circa sieben Stunden und fünfzig Minuten, kein Wort mehr sagen. „Sie können gerne einen stundenlangen Monolog halten“, sagte ich mit Nachdruck, „von mir werden sie nichts mehr hören.“

Mit diesen Worten lehnte ich mich zurück, faltete die Hände auf dem Tisch, schloss die Augen und sagte mir in Gedanken: „Horst, reg Dich nicht auf, lass Dich nicht provozieren.“ In diesem Augenblick war ich froh, dass ich autogenes Training gehabt hatte und es auch regelmäßig praktizierte. „Konzentriere dich auf deinen Bauch“, sprach meine innere Stimme zu mir, „atme tief aus, bleibe ganz ruhig, reagiere auf keine seiner Äußerungen. Wir werden schon sehen, wer länger durchhält“. Der Psychologe redete wie ein Wasserfall und stellte mir eine Frage nach der anderen - allein, ich reagierte nach. Nach einer dreiviertel Stunde gab der arme Mann seine Bemühungen schließlich auf. „Es ist zwecklos mit Ihnen“, entfuhr es ihm entnervt, „Sie können gehen“. Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Mit einem Satz war ich auf, ließ ihn wissen, dass ich auch Besseres zu tun hätte, wünschte ihm einen guten Tag und fuhr schnurstracks in die Firma, wo ich mich sofort an die Arbeit machte. Meine Kollegen waren überrascht, aber bestimmt nicht enttäuscht, mich zu sehen, und den Urlaubstag konnte ich auch streichen!

Die Goldenen Jahre

Ich war damals als Traffic Manager (Versandleiter) für ein Unternehmen tätig, das eine große Konservenfabrik betrieb und seine Produkte weltweit exportierte. Meine Aufgabe war es, dafür zu sorgen, dass die Ware pünktlich von A nach B transportiert wurde. Alle dementsprechenden Aufträge liefen über meinen Schreibtisch. Unter anderem war ich dafür verantwortlich, die Banderolen für die Dosen entsprechend der Vorgaben der Empfangsländer drucken zu lassen. Schon vor Beginn der Produktion musste die Banderole vorhanden sein; die Fabrik benötigte sie, um zu wissen, welches Produkt in welchen Karton wandern musste. Wohin, das heißt in welchen Schuppen in welchem Hafen die Waren ging, mit welchem Schiff sie transportiert wurde, bis zu welchen Tag spätestens die Ware zu liefern war - all das stand auf der Banderole. Ich charterte auch die Schiffe, organisierte die Ladetermine, besorgte die erforderlichen Papiere und verantwortete das Inkasso über die Banken.

Jeden Tag, wenn ich zur Arbeit ging, wünschte ich mir einen Tag ohne Probleme, aber den gab es nicht. Entweder war ein LKW verunglückt, die Ware beschädigt oder - beim Export nach Kanada - ein Bahnwaggon fehlgeleitet worden und nicht angekommen. Oder ein Schiff hatte eine Havarie und dementsprechenden Frachtschaden, oder ein Kunde hatte die Dokumente nicht aufgenommen. Dann musste ich entscheiden, was mit der Partie geschehen sollte. Sie ausladen und im Schuppen einlagern oder sie auf dem Schiff belassen, in der Hoffnung, im nächsten Hafen einen Kunden zu finden, der die Partie zu übernehmen bereit war? Ständig musste ich blitzschnell Entscheidungen treffen - ein Schiff kann schließlich nicht warten.

Es war eine aufregende und anstrengende Tätigkeit, bei der ich viel lernte und gut bezahlt wurde - ich konnte mir alles leisten, was mein Herz begehrte. Die Welt kostete ja nichts in den goldenen 60er Jahren in den USA, selbst nicht in der Westküsten-Metropole San Francisco.

Die Frachter verfügten damals auch noch über „Owner Cabins“ (Eignerkabinen), und wenn ein Frachter am Freitag ablegte, um nach Vancouver zu fahren, konnte ich in der Owners Cabin mitreisen - die Kapitäne waren froh über eine Unterhaltung. In Vancouver ging ich dann am Samstag von Bord, suchte mir ein Hotel und guckte mir am Sonntag die Stadt an. Abends nahm ich schließlich einen Flug zurück nach San Francisco, so dass ich am Montagmorgen wieder pünktlich im Büro war.

Es war für mich eine wunderschöne Zeit - die besten Jahre meines Lebens. San Francisco war für mich die Traumstadt schlechthin, Vancouver kam gleich an zweiter Stelle.

Später, zurück in Deutschland, war ich für ein Unternehmen tätig, für das ich ausgedehnte Geschäftsreisen im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika unternahm. Ich erlebte dort die Kriege, die Unruhen, den Wandel in vielen Ländern und ihren Niedergang, an dem nicht zuletzt immer wieder Amerika seinen Anteil hatte: Iran, Irak, Afghanistan, Libanon, Ägypten. Nicht zu vergessen die vielen afrikanischen Länder, in denen das Elend regierte. Die Welt befand sich im Wandel, und dieser Wandel ging auch nicht an den USA vorbei, was ich bei meinen späteren Reisen feststellen konnte. In den 70er und 80er Jahren begann der wirtschaftliche und soziale Abstieg des Landes der (einst) unbegrenzten Möglichkeiten.

Aber das ist eine andere Geschichte.


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