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Online-Geschäfte, die nicht in Deutschland versteuert werden

Lesezeit: 3 min
11.01.2023 19:00
Weltweit gibt es verschiedene Steueroasen, die Offshore-Unternehmen anziehen. Hier gibt es wenig bis keine Kontrolle, was zu deutlich höheren Gewinnen bei den Unternehmen führt. Beim Begriff der Offshore-Firma denken viele Menschen zunächst an illegale Machenschaften sowie Prominente und Politiker, deren Machenschaften enthüllt wurden. Viele Firmen und Unternehmer agieren aber ganz legal im Ausland – und das, obwohl sie mitunter ihren Fokus in Deutschland haben.
Online-Geschäfte, die nicht in Deutschland versteuert werden
Foto: Victoria Jones

Was ist eine Offshore-Firma?

Wortwörtlich handelt es sich dabei um Unternehmen, die offshore, also „abseits der Küste“ aktiv sind. Der Name rührt daher, dass viele Steueroasen auf Inseln zu finden sind. Grundsätzlich geht es aber einfach um eine Firma, die sich um Ausland angesiedelt hat, in diesem Fall also nicht in Deutschland. Damit sind dann oft einfach internationale Business-Unternehmen gemeint (IBC, International Business Companies).

Offshore-Firmen können verschiedene Vorteile mit sich bringen. Steuern zu sparen, ist dabei ein wichtiger Aspekt. Aber auch Anonymität, niedrigere Kosten oder eine einfachere Buchführung sind Gründe für ein Offshore-Unternehmen. Beliebte Offshore-Anlaufstellen sind darüber hinaus für ihre schnelle Abwicklung bekannt. Ein neues Unternehmen kann nicht selten in weniger als zwei Wochen gegründet werden, die Bürokratie ist also überschaubar – etwas, für das Deutschland weniger bekannt ist.

Einige Länder sind auf Offshore-Firmen spezialisiert

Zu den bekanntesten Steuerparadiesen gehören Panama, Macau, Dubai oder die Kaimaninseln. Ganz so weit reisen muss man aber gar nicht, denn auch in Europa gibt es beliebte Offshore-Standorte. Dazu zählt unter anderem die Mittelmeerinsel Malta, die vor allem für iGaming-Unternehmen attraktiv ist. In den letzten Jahren haben sich dort diverse Glücksspielunternehmen angesiedelt, von Online Casinos bis hin zu Herstellern von Glücksspielsoftware oder anderweitig in diesem Sektor tätigen.

Malta beherbergt auch die Malta Gaming Authority, die sich zu einer wichtigen Glücksspielbehörde in Europa gemausert hat. Viele namhafte Casinos, die auf Vergleichsseiten wie MrCasinova gelistet sind, haben dort ihren Sitz. So liefert Malta in gleich mehreren Bereichen gute Gründe, sich dort anzusiedeln: Wer in Europas Glücksspielbranche mitmischen möchte, kann sich dort auf eine Lizenz bewerben und von einem attraktiven Steuersystem profitieren. Allen voran ist hier die Körperschaftssteuer zu nennen, bei der ein Großteil der Ausgaben zurückgeholt werden kann. Als Resultat müssen nur kleine Prozentanteile der Gewinne ans ansässige Finanzamt gezahlt werden. Als ähnlich beliebtes Steuerparadies ist auch Gibraltar bekannt. Hier siedeln sich ebenfalls immer wieder Glücksspielunternehmen an, die zu günstigen Konditionen Geschäfte machen und dort ihre Lizenz erhalten wollen.

Sind Offshore-Firmen legal?

Obwohl Online Casinos beispielsweise ganz klar den deutschen Markt ansprechen wollen, sind sie oft im Ausland angesiedelt. Aufgrund der neuen Glücksspielgesetze für Deutschland könnte es hier bald zu Konflikten oder Strafen kommen. Vormals gab es hier aber keine Probleme und Unternehmen konnten einfach von den Steuervorteilen im Ausland profitieren.

Grundsätzlich sind Offshore-Unternehmen weder automatisch verboten noch in jedem Fall legal. Gegen die Gründung spricht zunächst nichts, doch die Geschäfte, die gemacht werden, müssen legal sein. Das klingt logisch, ist in der Realität aber ein Problem. Denn wer sich mit Offshore-Firmen weitestgehend anonym bewegen kann, widmet sich nicht selten illegalen Aktivitäten. Darüber hinaus sind diverse Regeln und Formalitäten einzuhalten, wenn legal im Ausland ein Unternehmen gegründet werden soll. Geklärt werden muss, welchen Zweck das Unternehmen verfolgt, welche Nationalität die Gründer haben oder in welchem Land die Firma überhaupt gegründet werden soll. Ebenso muss ein Konto im Ausland errichtet werden, um im Ausland aktiv zu werden.

Welche Unternehmen werden offshore gegründet?

Unternehmen, die im Online-Glücksspielsektor tätig sind, sind bei Weitem nicht die einzigen, die von Offshore-Vorteilen profitieren wollen. Im Gegenteil: Viele Online-Unternehmen siedeln sich mit Vorliebe in Steuerparadiesen an. Sichtbar wurde dies unter anderem bei der Veröffentlichung der sogenannten Panama Papers. Sie enthüllten, wie viele Briefkastenfirmen sich im Ausland niedergelassen hatten. Beteiligt waren diverse Prominente, Politiker oder Manager. Im Fokus der Debatte standen darüber hinaus viele Banken, die die Scheinfirmen gegründet und verwaltet hatten. Darunter fanden sich die Commerzbank, Deutsche Bank oder HSH Nordbank.

Digitale Nomaden

Immer mehr Menschen träumen davon, von überall aus arbeiten zu können. Das bringt jedoch die Frage mit sich: Wo bin ich dann eigentlich steuerpflichtig? Im Ausland gilt grundsätzlich keine Einkommenssteuerpflicht, wenn man mit einem Touristenvisum reist. Denkt man darüber nach, länger in einem Land zu bleiben, sollte man sich auch mit der Steuerpflicht vertraut machen.

Wer seinen gewöhnlichen Aufenthalt nicht mehr in der Bundesrepublik Deutschland hat und sich ein ortsunabhängiges Business auf die Fahne geschrieben hat, kann über eine Offshore-Gründung nachdenken. Hier können dann auch digitale Nomaden von niedrigen Steuersetzen und unkomplizierter Verwaltung profitieren. Zu bedenken ist dabei, wie der Auftritt nach außen wirken soll, denn viele Standorte für Briefkastenfirmen sind mittlerweile bekannt und verrufen. Auch über sprachliche Barrieren sollten sich digitale Nomaden Gedanken machen und sich umfassend mit dem jeweiligen Steuer- und Rechtssystem befassen.

Ganz so einfach ist es am Ende dann außerdem nicht mehr und die Gesetze werden immer strenger. So haben sich beispielsweise die Regularien in der EU in den letzten Jahren verändert, was zu einer komplizierteren Buchhaltung führt, mit der sich digitale Nomaden auseinandersetzen müssen.

Kapital, Dienstleistungen und Menschen werden verlagert

In Steuerparadiesen haben Unternehmen schon viele Milliarden Steuern gespart. Es geht aber nicht um Kapital, sondern auch um Dienstleistungen und Arbeitskräfte, die ins Ausland ausgelagert werden. Ein bekanntes Beispiel dafür sind Callcenter. In den letzten Jahren haben viele Unternehmen ihre Kundenbetreuung ins Ausland verlegt. In Callcentern zu arbeiten, gilt dabei nicht als der erstrebenswerte Beruf. Das zeigt sich unter anderem an der Länge des Arbeitsverhältnisses: Durchschnittlich bleiben Menschen maximal ein Jahr in dem Beruf.

Fazit

An vielen Standorten ist die Gründung der Firma legal möglich und schnell gemacht. Die Offshore-Adressen locken mit diversen Vorteilen, darunter liberalen Regelungen und freundlichen Steuergesetzen. Vor allem bei größeren Unternehmen lohnt sich die Gründung unter Umständen, aber auch digitale Nomaden beschäftigen sich immer häufiger mit den Vorzügen. Doch die europäische Gesetzgebung schläft nicht, weshalb die Regularien mitunter strenger werden.

Wer die Gründung nicht im Alleingang meistern möchte, kann auf Agenturen und Berater zurückgreifen, die auf Offshore-Firmen mit verschiedenen Ansprüchen spezialisiert sind. Am Ende bleibt das Offshore-Unternehmen aber wohl oft eine Gewissensfrage, wie die öffentlichen Diskussionen immer wieder zeigen.

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