Immobilien

Grundsteuer 2025: Unsicherheit über Hebesätze und Belastungen

Ab nächstem Jahr ist die neue Grundsteuer gültig. Allerdings ist bis heute noch nicht klar, wie sie ausfallen wird, da bislang fast keine Kommune die konkreten Hebesätze bekannt gegeben hat – außer Berlin, wo jetzt die ersten Zahlen veröffentlicht wurden.
21.07.2024 11:01
Lesezeit: 3 min

Grundsteuer fällt in Deutschland immer dann an, wenn jemand Eigentümer eines Grundstücks ist, das bebaut oder unbebaut sein kann. Die Einnahmen aus der Grundsteuer gehen ausschließlich an die Städte und Gemeinden und betragen aktuell jährlich ca. 15 Mrd. Euro. Sie ist eine wichtige Einnahmequelle für die Gemeinden, mit der öffentliche Einrichtungen, wie Büchereien oder Kitas, aber Infrastruktur wie Straßen oder Radwege finanziert werden.

Die Grundsteuerreform

In den vergangenen Jahrzehnten, in denen diese Steuer von den einzelnen Bundesländern eingezogen wurde, gab es keinerlei Änderungen an den Regelungen. Im Jahr 2018 hat dann das Bundesverfassungsgericht die Methode, wie Grundstückswerte und entsprechende Steuern berechnet wurden, als verfassungswidrig eingestuft.

Die folgende Grundsteuerreform wird nun zum ersten Januar 2025 in Kraft treten. Im Rahmen der Grundsteuerreform sind die Wogen in den letzten Jahren hochgeschlagen und viele Grundbesitzer sind Sturm gelaufen gegen die Neuberechnung. Dies nicht nur wegen der Befürchtung, dass die Grundsteuer stark steigen könnte, sondern auch deshalb, weil alle Haus- und Grundbesitzer in einer aufwändigen Erfassung umfangreiche und detaillierte Angaben zu ihrem Immobilien- und Grundbesitz machen mussten. Mit der Reform muss jedes Grundstück und auch jede Immobilie in einem neuen Verfahren auch neu bewertet werden.

Höhe der neuen Grundsteuer noch unklar

Aktuell ist bereits geklärt, wie sich die neue Grundsteuer berechnen wird, allerdings ist in den meisten Bundesländern und Gemeinden noch nicht klar, wie viel ein einzelner Hausbesitzer dann auch zu zahlen hat. In dem neuen Verfahren zur Berechnung wird zunächst der Grundsteuerwert festgelegt. Die Berechnungsgrundlagen können dabei in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich sein. Dabei wenden neun der 16 Bundesländer ein einheitliches Verfahren an, die restlichen Länder haben andere Berechnungsgrundlagen festgelegt. Insgesamt richtet sich der Grundsteuerwert nach dem Grundstückswert, wird aber meistens nach unten angepasst.

Berechnung der neuen Grundsteuer

Die neue Grundsteuer berechnet sich dabei in einem dreistufigen Prozess aus dem Wert des Grundbesitzes x Steuermesszahl x Hebesatz.

Der Grundsteuermessbetrag wird also mit dem Grundstückswert multipliziert, er beträgt zwischen 0,31 und 0,55 Promille, je nachdem, ob es sich um ein Wohnhaus oder eine landwirtschaftliche Fläche handelt. Von diesen Werten dürfen die Bundesländer allerdings abweichen; sieben haben davon Gebrauch gemacht. Auch der Hebesatz kann von jeder Kommune individuell festgelegt werden.

Hier hat Berlin aktuell bereits eine Entscheidung getroffen und den Hebesatz auf 470 Prozent festgelegt. Haus- und Grundbesitzer können hier also schon ausrechnen, wie viel Grundsteuer sie ab 2025 jährlich zu entrichten haben. Berlin hat den Vorschlag des Bundesmodells übernommen und den Grundsteuermessbetrag auf 155 Euro festgelegt. Wird dieser bei einem angenommenen Grundstückswert von 500.000 Euro mit dem Grundsteuermessbetrag und dem Hebesatz von 470 multipliziert, ergibt dies eine Grundsteuerschuld von 728,50 Euro für ein Jahr.

Durchschnittliche Grundsteuerschuld soll gleich bleiben

Durch die neue Berechnung der Grundstückswerte werden diese stark ansteigen. Deshalb wurde der ursprünglich mit 3,1 Promille angesetzte Grundsteuermessbetrag auf ein Zehntel gesenkt in der Empfehlung. Bereits beim Beginn der Reform hat der damalige Bundesfinanzminister Olaf Scholz zugesagt, dass die Steuerbelastung für die Haus- und Grundstücksbesitzer nicht steigen soll. Jetzt stehen die Länder und Gemeinden auch in der Pflicht, die Regelungen so zu treffen, dass keine höhere Steuerschuld entsteht, obwohl sie rein rechtlich frei sind, die Hebesätze und auch Grundsteuermessbeträge frei festzulegen.

Problematik im Einzelfall

Auch wenn die Grundsteuerschuld der Deutschen in Summe nicht steigen soll, so ist dies doch nur eine Durchschnittsbetrachtung, die im Einzelfall ganz anders ausfallen kann. Dies hängt maßgeblich davon ab, wo ein Haus- und Grundbesitzer wohnt und wie sich der Wert eines Grundstücks durch die Reform ändert. Auch haben sich die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern dazu entschieden, den Grundsteuermessbetrag auf 1,3 Promille festzulegen, was bei einem hohen neuen Grundstückswert und einem gleichbleibenden Hebesatz zu einer deutlich höheren Grundsteuer führen kann.

Das Bestreben der Bundesländer ist es deshalb, die Kommunen dazu anzuhalten, die Hebesätze entsprechend anzupassen, damit keine höheren Steuern entstehen. Deshalb sollen die Hebesätze veröffentlicht werden. Sachsen, Hessen und Nordrhein-Westfalen haben bereits den Hebesatz für ihre Kommunen berechnet und veröffentlicht, der für eine steuerneutrale Berechnung der Grundsteuer notwendig ist. Haus- und Grundbesitzer können also in diesen Ländern die tatsächlich dann entschiedenen Hebesätze mit den empfohlenen Hebesätzen vergleichen und gegebenenfalls gegen diese protestieren.

Klarheit erst bis Jahresende 2024

Allerdings haben die Kommunen noch bis Ende des Jahres Zeit, ihre Hebesätze festzulegen oder auch noch zu ändern. Gewissheit gibt es im Zweifelsfall dann erst mit Beginn des neuen Jahres.

Mehr zum Thema
article:fokus_txt
DWN
Unternehmen
Unternehmen Chemieindustrie: BASF investiert Milliarden in China trotz geopolitischer Risiken
06.01.2026

Im ersten Quartal des Jahres eröffnet BASF sein neues Werk in China. Mit rund 8,7 Milliarden Euro ist das Werk im chinesischen Zhanjiang...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Wall Street im Aufwind: Energie- und Bankensektor treiben Rallye an
06.01.2026

Die US-Aktienmärkte starteten mit starken Gewinnen in die Woche, angeführt von Energieerzeugern und dem Finanzsektor. Auftrieb erhielten...

DWN
Finanzen
Finanzen Wirtschaftliche Schwergewichte schlagen Alarm über neue Währung: Top-Ökonom fürchtet Panik
05.01.2026

Die Analyse ist ziemlich beunruhigend: Die USA befinden sich mitten in einem finanziellen Experiment. Wenn es schiefgeht, kann es in einer...

DWN
Panorama
Panorama Großflächiger Stromausfall in Berlin hält weiter an
05.01.2026

Auch am dritten Tag nach dem Ausfall sind rund 30.000 Haushalte ohne Elektrizität. Schulen bleiben teils geschlossen, Notunterkünfte...

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Ölaktien sind billig, Metalle und Bergbauaktien werden steigen
05.01.2026

Wall Street schaut bereits auf 2026 und setzt auf die nächste Runde der Rally. Ölaktien gelten plötzlich als Schnäppchen, Metalle und...

DWN
Politik
Politik Urteile für alle? Nur ein Bruchteil der Gerichtsurteile ist öffentlich zugänglich
05.01.2026

„Im Namen des Volkes“ – doch das Volk bekommt davon nur wenig zu sehen. Hunderttausende Gerichtsurteile verschwinden jedes Jahr in...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX auf Rekordkurs: Konjunkturhoffnungen und Rüstungswerte treiben die Börse
05.01.2026

Zum Jahresauftakt zeigt der DAX Stärke: Anleger setzen auf eine konjunkturelle Erholung, während vor allem Rüstungsaktien kräftig...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kommunalverband fordert faire Verteilung der Sozialkosten
05.01.2026

Um die kommunalen Aufgaben trotz knapper Kassen langfristig zu sichern, schlägt der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) eine neue...