Unternehmen

Automobilzulieferer Gerhardi aus Lüdenscheid ist pleite - 1500 Mitarbeitende bangen um ihre Jobs!

Die Hiobsbotschaften aus der heimischen Industrie reißen nicht ab. Jetzt meldete die Gerhardi Kunststofftechnik GmbH aus Lüdenscheid Insolvenz an. Eigentlich sollte der Autozulieferer ab 2025 die elektrischen Mercedes-Baureihen der C-Klasse mit Kühlerschutzgittern ausstatten. Nun bangen 1500 Beschäftigte um ihren Arbeitsplatz.
27.11.2024 23:02
Lesezeit: 2 min

In der Automobilbranche ist Gerhardi eine Größe: „Wir zählen auf dem Markt für galvanisierte und technisch anspruchsvolle Kunststoffteile zu den größten Entwicklern und Produzenten in Europa“, heißt es auf der Unternehmenshomepage.

Autozulieferer Gerhardi insolvent

Insgesamt rund 1500 Mitarbeiter würden an den Standorten Lüdenscheid, Altena, Ibbenbüren und Montgomery (USA) Produkte für die Automobilindustrie fertigen. Ob das so bleibt, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden.

Gerhardi gehört zu den traditionsreichen Unternehmen in der Bergstadt. 1796 wurde es gegründet.

Kurzes Schreiben an die Belegschaft

Die Belegschaft des Unternehmens wurde am Montagabend recht spät mit einem kurzen Schreiben darüber informiert, dass das Unternehmen am Montagvormittag Insolvenz angemeldet hat. Die Botschaft des Schreibens: Die Gehälter seien sicher. Zu möglichen Kündigungen gab es dabei keine Informationen.

Als Insolvenzverwalter wurde vom Amtsgericht Hagen der Jurist Jan-Philipp Hoos von der Kanzlei White & Case eingesetzt. White & Case ist eine Wirtschaftskanzlei mit Hauptsitz in New York und deutschen Niederlassungen in Berlin, Hamburg, Frankfurt/Main und Düsseldorf.

2022 machte Gerhardi noch Gewinne

Im Geschäftsjahr 2022 erzielte der Konzern laut Wirtschaftswoche einen Umsatz von rund 200 Millionen Euro und wies Gewinne aus. In Erwartung der Erholung der Absatzmärkte hatte man seinerzeit noch einmal kräftig investiert, zum Beispiel in eine moderne Roboter-Lackier-Anlage am Standort in Ibbenbüren.

Im Sommer 2023 war die Lage im Unternehmen dann bereits angespannt. Vor allem am Standort in Ibbenbüren. In der Industriestadt im Nordmünsterland zählt Gerhardi bis heute zu den größten Arbeitgebern. In Ibbenbüren wurde Kurzarbeit gefahren, gab es zudem Pläne, 2025 200 Arbeitsplätze abzubauen.

Ein großer Auftrag ist wohl weggebrochen

Aus dem Firmenumfeld hieß es, dass ein großer Auftrag bei Mercedes weggebrochen sein könnte. Ab dem Jahr 2025 sollte das Unternehmen die elektrischen Mercedes-Baureihen der C-Klasse und des GLC mit Kühlerschutzgittern ausstatten.

Apollo-News berichtet, dass Geschäftsführer Christoph Huberty in einem internen Aushang auf zurückgehende Kundenaufträge und stockende Verhandlungen hingewiesen habe. Dort heißt es weiter, dass die Unternehmensleitung ein IDW S6 Gutachten in Auftrag gegeben habe, um die wirtschaftliche Lage zu bewerten. Die Fertigstellung dieses Gutachtens sei der Firma Auxil anvertraut worden, die auf Sanierungs- und Restrukturierungsprojekte spezialisiert sei.

Zwischen Geschäftsführung und Betriebsrat soll zuletzt bereits über Interessenausgleich und Sozialplan verhandelt worden sein. Ziel sei eine Einigung bis zum 30. November gewesen. Die steht aber nun wohl infrage.

Reihe von schlechten Nachrichten

In Lüdenscheid reiht sich die Insolvenz von Gerhardi ein in eine Reihe von schlechten Nachrichten. Bei Familienunternehmen Kostal läuft die Tage die Produktion in der KAE-Sparte in Lüdenscheid aus. Schrauben Betzer hatte zuletzt Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen öffentlich gemacht. Viele Firmen fahren Kurzarbeit. Gerade die Unternehmen, die wie Gerhardi als Zulieferer im Automotive-Sektor unterwegs sind, haben große Probleme. Und Besserung ist nicht in Sicht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

 

Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

DWN
Politik
Politik Er hat 1 Milliarde Dollar für ukrainische Waffen gesammelt: „Die Russen hassen uns“
16.06.2026

Es ist nicht nur der umfassende Einsatz von Drohnen aller Art, der die Verteidigung der Ukraine gegen Russland zu einer neuen Form des...

DWN
Panorama
Panorama Können Arbeitnehmer während der Elternzeit gekündigt werden?
16.06.2026

Wer Elternzeit nimmt, setzt für einige Monate oder sogar Jahre beruflich aus. Gleichzeitig besteht oft die Sorge, ob der Arbeitgeber die...

DWN
Technologie
Technologie Cyberangriff im Mittelstand: Wenn Hacker die Liquidität bedrohen
16.06.2026

Ohne Internet halten Betriebe im Schnitt nur 20 Stunden durch – und genau diese Abhängigkeit nutzen Cyberkriminelle aus. 2025...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Wall Street im Höhenflug nach US-Iran-Abkommen
15.06.2026

Ein diplomatischer Durchbruch sorgt für unerwartete Dynamik an den Finanzmärkten – was Anleger zu den aktuellen Marktentwicklungen...

DWN
Panorama
Panorama Fußball-WM 2026: Milliarden fließen in wenige Taschen
15.06.2026

Die in Nordamerika beginnende Fußball-WM 2026 ist größer als je zuvor. Von den astronomischen Einnahmen dieses Sportfestes profitieren...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Leitzins angehoben: Wer sind die Verlierer und Gewinner?
15.06.2026

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins für die Eurozone am vergangenen Donnerstag angehoben. Für Sparer, Kreditnehmer, Staaten und...

DWN
Politik
Politik Europäische Schlüsselstaaten wollen Kaja Kallas’ Macht beschneiden
15.06.2026

Mehrere Mitgliedstaaten der Europäischen Union, allen voran Deutschland und Frankreich, suchen nach Möglichkeiten, die Macht der Hohen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Investoren verlieren Geduld: Merz-Beauftragter Blessing warnt vor Ernüchterung
15.06.2026

Deutschland gilt international weiterhin als verlässlicher und stabiler Standort. Dennoch wächst bei manchen Investoren die Skepsis...