Politik

Hybrider Krieg: Moskau intensiviert Angriffe auf Europa

Russische Drohnen über Polen, Drohungen gegen die NATO: Moskau intensiviert seinen hybriden Krieg. Für Deutschland wächst der Druck, schnell zu reagieren.
15.09.2025 12:36
Lesezeit: 1 min
Hybrider Krieg: Moskau intensiviert Angriffe auf Europa
Putins hybrider Krieg: Mit gezielten Provokationen testet Moskau die Widerstandsfähigkeit der NATO. (Foto:dpa) Foto: Vyacheslav Prokofyev

Als Russlands Präsident Wladimir Putin vergangene Woche mindestens 19 Drohnen nach Polen schickte, demonstrierte er, dass er seinen hybriden Krieg gegen den Westen fortsetzt. Laut Politico belegt der Vorfall, dass Moskau trotz hoher Verluste in der Ukraine den Konflikt mit der NATO eskaliert.

Die Attacke folgte auf anhaltende Luftangriffe auf ukrainische Städte, bei denen Dutzende Zivilisten starben. Selbst ein Regierungsgebäude im Zentrum Kiews wurde erstmals getroffen. Analysten sehen Putins Überleben an eine fortgesetzte Konfrontation gebunden. „Er ist ein Kriegspräsident. Frieden interessiert ihn nicht“, sagte Nikolai Petrow vom Londoner Thinktank New Eurasian Strategies Center. Politico verweist auf Putins Hoffnung, dass ukrainische Defizite bei Waffen und Personal Russlands Vormarsch erleichtern könnten. Doch Fortschritte sind langsam und teuer, Schätzungen sprechen von rund einer Million Opfern.

Nationalisten treiben den Kreml

Ökonomisch droht Russland eine Rezession, doch politisch wäre ein Friedensabkommen für Putin noch gefährlicher. Der Druck komme weniger von der Opposition, sondern von nationalistischen Kräften, die einen Sieg über den „kollektiven Westen“ fordern. „Der kriegstreiberische Flügel will die NATO zerstören und ihre Wertlosigkeit demonstrieren“, so Alexander Baunow vom Carnegie Russia Eurasia Center.

Seit Putins Treffen mit US-Präsident Donald Trump in Alaska habe Moskau seine hybride Kriegsführung gegen Europa verstärkt. Russische Drohnen verletzten mehrfach den polnischen Luftraum, teils aus Weißrussland gestartet. Fünf Drohnen flogen laut Welt direkt auf einen NATO-Stützpunkt zu, wurden jedoch von niederländischen F-35 abgefangen. Provokationen dieser Art sollen laut Baunow die Belastbarkeit des Bündnisses testen.

Bedeutung für Deutschland

Für Deutschland hat der hybride Krieg gravierende Folgen. Als zentrale Macht in Europa ist Berlin doppelt gefordert: militärisch über die NATO-Verpflichtungen und wirtschaftlich über die Energie- und Handelspolitik. Russische Provokationen an der Ostflanke erhöhen den Druck, die Bundeswehr rascher aufzurüsten und die Luftverteidigung auszubauen. Zudem schwächen Trumps widersprüchliche Signale zu Sanktionen und NATO-Verpflichtungen das Vertrauen in die Verlässlichkeit der USA – ein Risiko, das Deutschland zur Stärkung der europäischen Verteidigungsstrukturen zwingt.

Kirill Rogow vom Thinktank Re:Russia betont, die Verwirrung im Westen stärke Putins Selbstvertrauen. Trump sprach von einem „Fehler“, Russland wies jede Schuld ab, Minsk verwies auf „elektronische Störungen“. Für Rogow ist dieses Muster typisch für Putins „Trolling“: Aggressionen werden so inszeniert, dass sie als Provokation oder Unfall gedeutet werden können. Doch Analysten warnen: Die Konfrontation mit dem Westen wird weitergehen – in unterschiedlichen Formen, auch militärisch.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
avtor1
Marius Vaitiekūnas

Zum Autor:

Marius Vaitiekūnas ist ein ausgewiesener Experte für Geopolitik und internationale Wirtschaftsverflechtungen. Geboren 1985 in Kaunas, Litauen, schreibt er als freier Autor regelmäßig für verschiedene europäische Medien über die geopolitischen Auswirkungen internationaler Konflikte, wirtschaftlicher Machtverschiebungen und sicherheitspolitischer Entwicklungen. Seine inhaltlichen Schwerpunkte sind die globale Energiepolitik und die sicherheitspolitischen Dynamiken im osteuropäischen Raum.

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Europäische Banken und Stromnetze sind interessant, zehn Prozent des Portfolios in Gold
20.09.2026

Der Glaube an künftige Gewinne besiegt offenbar noch die Angst vor teurerem Geld.

DWN
Politik
Politik Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern: AfD in Hochrechnungen knapp vor SPD
20.09.2026

Zwei Landtagswahlen, ein bitterer Abend für die CDU: In Mecklenburg-Vorpommern droht der historische Verlust des Parlamentseinzugs, in...

DWN
Finanzen
Finanzen Investmentchancen: Korea, Luxus, Wasser – wo jetzt Rendite lockt
20.09.2026

Die Börsen stehen nahe ihren Rekorden, doch einige Anleger suchen ihre Chancen ausgerechnet dort, wo es zuletzt besonders wehgetan hat....

DWN
Panorama
Panorama KI-Kunst: Kreative Revolution oder seelenlose Kopie?
20.09.2026

Zurzeit gibt es viel Kritik an KI-generierter Kunst. Die Argumente klingen vertraut: „seelenlos“, „bloße Reproduktion des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeiten im Alter: Was Senioren wirklich im Job hält
20.09.2026

Ältere Beschäftigte werden auf dem Arbeitsmarkt plötzlich dringend gebraucht. Doch wer Senioren länger im Job halten will, kommt mit...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arktis-Korridor: Wird Russlands Nordroute zur Gefahr für europäische Häfen?
20.09.2026

Der Chef von Rosatom sagt: Russland müsste etwa 100 Milliarden Euro investieren, wenn es die Arktisroute in einen echten Logistikkorridor...

DWN
Politik
Politik Merz unter Druck: Öffnet sich für Söder das Kanzleramt?
20.09.2026

Markus Söder hat Kanzlerambitionen mehrfach ausgeschlossen. Doch nach dem CDU-Debakel in Sachsen-Anhalt und wachsendem Druck auf Friedrich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preiskrieg in der Autoindustrie: Warum Rabatte die Zukunft gefährden
20.09.2026

Europas Autobauer liefern sich einen Preiskampf ausgerechnet in einer Phase, in der sie Milliarden für ihre technologische Zukunft...