Deutsche Unternehmen wollen keine Lehrlinge mehr ausbilden

In Deutschland ist die berufliche Ausbildung auf den niedrigsten Stand seit der Einheit gesunken. Diese Entwicklung könnte auf eine Verschärfung der Krise hindeuten.

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Allen Warnungen vor einem Fachkräftemangel zum Trotz wird in Deutschland auf beruflicher Ebene so wenig ausgebildet wie noch nie seit der deutschen Einheit. In diesem Jahr seien bis Ende September 530.700 Ausbildungsverträge neu abgeschlossen worden, teilte das Bundesbildungsministerium am Donnerstag mit. Das seien 20.500 oder 3,7 Prozent weniger gewesen als im Vorjahr. Vor sechs Jahren waren es mit rund 626.000 noch fast 100.000 mehr. Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) forderte, die Wirtschaft müsse ihren Beitrag leisten, die positive Konjunktur auch in Beschäftigung und Ausbildung umzusetzen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisierte, nur gut jeder fünfte Betrieb bilde aus. Die Spitzenorganisationen von Industrie, Handel und Handwerk beklagten, es gebe nicht genügend geeignete Bewerber.

Die Ausbildungsbilanz für 2013 wurde am Donnerstag im Hauptausschuss des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) vorgestellt. Am stärksten ging die Zahl der neuen Lehrverträge nach der Reuters vorliegenden Aufstellung im Bereich von Industrie und Handel zurück: Sie verzeichneten ein Minus von 4,2 Prozent oder gut 14.000 Ausbildungsverträgen. Das Handwerk verbuchte 3,5 Prozent oder rund 5200 Stellen weniger. Zusammen stellen sie fast 87 Prozent aller neuen Lehrverträge. Das bisherige Tief bei den Ausbildungsverträgen war im Jahr 2005 mit rund 550.200 verzeichnet worden.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Achim Dercks, sagte, vielen Unternehmen gingen die Ausbildungsbewerber aus. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) verwies darauf, dass es bei den Lehrstellenbörsen im Oktober noch 13.500 unbesetzte Ausbildungsplätze gegeben habe. Längst würden auch Bewerber aufgenommen, die aufgrund schwacher schulischer Vorbildung oder sozialer Probleme „die notwendige Ausbildungsreife nicht mitbringen“.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack sprach von einer verheerenden Bilanz. „Vor allem kleine und mittlere Unternehmen fliehen aus der Ausbildung“, sagte Hannack. „Die Quote der Ausbildungsbetriebe ist mit 21,7 Prozent auf dem tiefsten Stand seit 1999 angelangt.“ Die neue Bundesregierung müsse durch eine Ausbildungsplatzgarantie sicherstellen, dass alle ausbildungsinteressierten Jugendlichen eine Lehrstelle bekämen „und nicht in Warteschleifen abgeschoben werden“.

Tatsächlich deutet die Entwicklung eher auf eine Verschärfung der wirtschaftlichen Krise hin. In Zeiten in denen die Auftragslage unsicher ist, neigen vor allem kleine Unternehmen wie Handwerker dazu, die meisten Arbeiten durch eigene Kräfte erledigen zu lassen und nicht mehr die zusätzliche Belastung von Auszubildenden auf sich zu nehmen.

Wenn die Zukunft unsicher ist, wollen die Unternehmen nichts riskieren. Möglicherweise ist auch die Auftragslage bei vielen kleinen und mittleren Unternehmen nicht langfristig positiv.

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