RSS

„Der Euro eine beispiellose Serie von Vertragsbrüchen, Lügen und Betrug“

Die Buchautoren Matthias Weik und Marc Friedrich sind freundliche, junge Schwaben. Sie haben Betriebswirtschaft studiert, die New Economy erlebt und dabei gesehen, dass das globale Finanz-System nichts anderes ist als „der größte Raubzug der Geschichte“. Ihr Buch zu diesem Thema hat die Bestseller-Listen gestürmt. Daher glauben die Autoren, dass wir einen „wundervollen epochalen Wandel“ erleben. Die Bürger lassen sich nicht mehr einlullen von den Phrasen in Politik und Finanz-Industrie. Lustig wird der Crash allerdings für niemanden.

Ihren XING-Kontakten zeigen
abo-pic
Von Bimbes zum Bailout: Herman Van Rompuy überreicht Helmut Kohl, einem der Väter der Euro, den Friedens-Nobelpreis. (Foto: consilium)

Von Bimbes zum Bailout: Herman Van Rompuy überreicht Helmut Kohl, einem der Väter der Euro, den Friedens-Nobelpreis. (Foto: consilium)

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ihr Buch ist in einem kleinen, eher unbekannten Verlag erschienen, handelt von jeder Menge schwer verständlichen Zahlen und Schaubildern. Und doch haben Sie auf Anhieb einen Bestseller gelandet. Wie erklären Sie diesen Erfolg?

Marc Friedrich: Wir sind immer noch völlig überwältigt, dankbar und können es selbst noch gar nicht fassen.

Matthias Weik: Der Erfolg des Buches hat unserer Meinung nach mehrere Gründe: Viele Menschen haben schon seit einiger Zeit ein „ungutes Bauchgefühl“ und merken, dass in der Finanzwelt einiges außer Rand und Band ist. Uns wird immer wieder bestätigt, dass wir geschrieben und beim Namen genannt haben, was viele Menschen schon lange denken und befürchtet haben.

Marc Friedrich: Viele Menschen sind enorm verunsichert. Wir haben es anscheinend geschafft, komplexe Sachverhalte in eine einfache und für jeden verständliche Sprache zu gießen. Ziel war es, dass wir möglichst viele Menschen mit dem Buch erreichen, da wir leider alle Zeugen und Opfer des „größten Raubzugs der Geschichte“ sind. Egal, ob es eine 15-jährige Schülerin ist oder ein 80-jähriger Rentner.

Matthias Weik: Das Buch ist für uns von Anfang an auch ein Akt der Zivilcourage gewesen. Das merken die Leute auch auf unseren Vorträgen, dass wir es wirklich aus Leidenschaft machen und eine tiefere Intention haben. Wir wollen unsere Mitmenschen darauf aufmerksam zu machen, was kommen wird. Die Krise ist seit über 5 Jahren nicht gelöst worden. Viele Mitmenschen sind der Krise müde oder können die Masse an Informationen oftmals nicht mehr einordnen.

Marc Friedrich: Wir haben versucht, die schier unendlichen Informationen zu filtern und die Quintessenz auf Papier zu bringen. Hierfür haben wir bewusst einen Stilbruch begangen. Wir wollten nicht ein weiteres langweiliges Finanzsachbuch mit viel Fachchinesisch schreiben, sondern so schreiben, wie wir reden und wie uns auch jeder versteht. Dies alles dazu noch gespickt mit Cartoons, Humor und einer Prise Zynismus.

Matthias Weik: Denn sie können uns alles nehmen – aber nicht unseren Humor!

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ein Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch: Die Leute merken nicht, dass sie ausgenommen werden wie die Weihnachtsgänse. Der Erfolg Ihres Buchs legt eher den Schluss nahe: Die Bürger erwachen.

Matthias Weik: Absolut. Wir erleben gerade einen wundervollen epochalen Wandel. Die Leute lassen sich nicht mehr einlullen und von den geworfenen Nebelkerzen der Politik und Finanzindustrie ablenken. Sie lassen sich nicht mehr ein x für ein u vor machen. Sie hinterfragen Dinge und Personen immer stärker.

Marc Friedrich: Fakt ist, dass sowohl die Politik als auch die Finanzbranche, durch ihr Verhalten diese Tendenzen massiv unterstützt und beschleunigt. Die Hybris der Eliten war in der Geschichte schon immer der Anfang vom Ende. Leider lernt der Mensch zumeist nichts aus der Geschichte. Ich sehe jedoch mittlerweile Tendenzen, dass mehr und mehr Menschen aufwachen und zu mündigen, selbstbewussten und klar denkenden Bürgern werden und berechtigter Weise ihr Recht auf Demokratie einfordern. Ob auf der Straße oder mit dem Geldbeutel.

Matthias Weik: Es sind zweifellos spannende Zeiten.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie schreiben am Ende des Buchs etwas unvermittelt: Der Crash kommt auf jeden Fall. Warum und in welcher konkreten Form?

Matthias Weik: Zuerst möchte ich sagen: Wir sind Realisten und keine Pessimisten. Dies ändert jedoch nichts an unserer Meinung, dass es keine Frage ist ob, sondern wann der Crash kommt.

Marc Friedrich: Der Crash kommt, weil die Krise nicht lösbar ist – die Lösung wird der finanzielle Crash sein.

Matthias Weik: Wie lange wollen wir denn noch Schulden mit Schulden bezahlen?

Die Buchautoren Marc Friedrich und Matthias Weik: Bürger wurden durch übermäßigen Konsum zu Schuldenknechten. (Foto: DWN)

Die Buchautoren Marc Friedrich und Matthias Weik: Bürger wurden durch übermäßigen Konsum zu Schuldenknechten. (Foto: DWN)

Marc Friedrich: Das einzige was die Politik uns bisher als Lösung präsentiert hat, ist, unvorstellbar viel Geld ins System zu pumpen, um das ganze Finanzsystem künstlich am Leben zu erhalten.

Matthias Weik: Wir dürfen nicht vergessen: Die Krise entstand auf Grund zu niedriger Zinsen und zu viel billigem Geld – jetzt bekämpfen wir die Krise mit historisch niedrigen Zinsen und unvorstellbar viel billigem Geld. Meiner Ansicht nach kann und wird Homöopathie zur Bekämpfung der Finanzkrise nicht funktionieren.

Marc Friedrich: Hätten die Politiker und Verantwortlichen aus der Finanzbranche eine Lösung, hätte man diese uns schon längst präsentiert. Mit all den sogenannten Rettungspaketen haben sich die Protagonisten auf Kosten der Steuerzahler nur eines teuer erkauft – Zeit.

Matthias Weik: Das einzige, was von der Politik seit 2008 gemacht wird, ist unverantwortlich und ökonomisch zusammengefasst: volkswirtschaftliche Schadensmaximierung.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Gibt es irgendwelche Maßnahmen, mit denen der Crash verhindert werden kann?

Marc Friedrich: Mit einer 180 Grad radikalen Kehrtwende, aber die sehe ich nicht. Es ist so viel Geld im System wie nie zuvor. Dies kann keiner mehr kontrollieren.

Matthias Weik: Wenn die Politik die Mathematik verbieten würde und die Naturgesetze außer Kraft setzt könnten wir den Crash verhindern – ansonsten sehe ich keine Möglichkeit. Spaß beiseite, unsere Antwort ist ganz klares Nein.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ihre Banken-Kritik ist ja heute schon fast herrschende Lehre. Warum geschieht nichts, etwa im Derivate-Bereich?

Marc Friedrich: Weil es die mächtigste Lobby der Welt, die Finanz-Lobby, nicht möchte. Egal ob Finanztransaktionssteuer oder Basel 3 – alles von der Finanzlobby nicht erwünscht. Daher wurde das alles bisher auch nicht implementiert. Es geht einfach um zu viel Geld, und der Hebel für maßlose Gewinne ist einfach zu verführerisch.

Matthias Weik: Ganz im Gegenteil. Seit 2008 ist das Volumen aller synthetischen (Wert-)Papiere stark gestiegen. Dies ist für mich ein Indikator, dass die Finanzindustrie nur eines seit 2008 gelernt hat– nichts! Geld regiert die Welt – doch wer regiert das Geld?

Marc Friedrich: Wir haben auch etliche schöne Beispiele dafür in unserem Buch. Ein klares Signal war auch die Geburtstagsfeier von Herr Ackermann im Bundeskanzleramt auf Kosten der Steuerzahler.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie ist es zu diesem Schulden-Irrsinn gekommen? Eigentlich wird ja niemand gezwungen, Schulden zu machen.

Marc Friedrich: Ja, das stimmt aber es wird uns täglich suggeriert. Egal ob durch Werbung, auf dem Schulhof oder in den Medien. Du brauchst dies und du brauchst das, um cool und in zu sein. Der Konsum hat einen enorm wichtigen Stellenwert in unserer Gesellschaft eingeräumt bekommen. Dazu dann noch Lockvogel-Angebote wie die Null-Prozent-Finanzierung, oder: Jetzt kaufen und in 3 Jahren erst zahlen, machen den Schuldenknecht perfekt. Jeder will mit dabei sein, will das neuste Smartphone, das tollste Auto und das protzigste Haus haben. Wir müssen uns aus diesem Wahnsinn befreien.

Matthias Weik: Schulden sind nie gut, und in der aktuellen Zeit brandgefährlich! Wenn die Inflation richtig loslegt, werden sich die Löhne und Gehälter voraussichtlich nicht der Inflationsrate anpassen. Bei einer Währungsreform waren in der Vergangenheit Menschen mit Schulden immer die „Gelackmeierten“.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ist nicht die Wahrheit die, dass die ganze Nachkriegszeit-Generation letztendlich ihre Kinder missbraucht hat – indem sie zügellos konsumiert haben, was die Kinder und Kindeskinder nun abbezahlen müssen?

Marc Friedrich: Da haben Sie vollkommen recht. Wir haben die vergangenen 60 Jahre in Saus und Braus gelebt, aber leider immens auf Pump. Und jetzt ist Zahltag. Rein mathematisch ist unser System im Endspiel.

Matthias Weik: Jetzt kann der Einzelne argumentieren, dass er nie über seine Verhältnisse gelebt habe. Dies mag richtig sein, jedoch sollte keiner vergessen, dass der Staat seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse lebt – und wir alle sind nun mal der Staat!

Marc Friedrich: Für uns war es eine Bankrotterklärung des Kapitalismus, als unser Finanzminister vor einigen Wochen verkündet hat, dass Deutschland so gut dastehe wie noch nie und von Rekordsteuereinnahmen berichten kann – von über 600 Milliarden Euro. Zwei Sätze später wird dann eine Neuverschuldung von 23 Milliarden Euro verkündet.

Matthias Weik: Spätestens hier sollte jedem klar werden, dass das System am Ende ist, wenn wir es nicht mal in Rekordjahren schaffen, keine neuen Schulden zu machen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ist die Politik nicht eigentlich nur Helfershelfer, die die Rahmenbedingungen geschaffen hat, damit die Leute ihren hemmungslosen Hedonismus ausleben konnten?

Marc Friedrich: Ja, die Politik ist im Schwitzkasten der „Märkte“. Es hat sich eine absolut ungesunde Abhängigkeit der Politik von der Finanzbranche etabliert. Die Märkte haben die Politik vor den Karren gespannt, und treiben sie nach Lust und Laune vor sich her. Egal, ob die Rettungspakete oder der ESM – das sind alles verdeckte Banken-Rettungspakete.

Matthias Weik: Die Verursacher der Krise sind die Profiteure der Krise und wurden nie dafür haftbar gemacht. Wir erleben gegenwärtig die größte Umschichtung von Vermögen in der Geschichte der Menschheit – von unten nach oben – von Fleißig nach Reich. Gewinne werden weiterhin fleißig privatisiert. Verluste werden dagegen sozialisiert. Dies wird auf Dauer nicht gutgehen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Und die Banken wären dann die Helfer der Helfershelfer, die irgendwann entdeckt haben, dass man dieser dekadenten Gesellschaft immer noch mehr andrehen kann?

Marc Friedrich: Genau. Der Konsumwahn wird mit zinsgünstigen Krediten befeuert. Viele Schuldner werden in die Abhängigkeit gebracht.

Matthias Weik: Dies kann man so sehen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die EU? Können Sie einen Erklärungsversuch wagen: Die Geburt der EU aus dem Geiste der Gier?

Marc Friedrich: Zuerst möchten wir sagen: Wir sind überzeugte Europäer. Doch sowohl als Ökonomen als auch als normal denkende Menschen müssen wir leider feststellen: Der Euro zerstört Europa!

Der größte Raubzug der Geschichte: Die Fakten zum Untergang.

Der größte Raubzug der Geschichte: Die Fakten zum Untergang.

Matthias Weik: Die europäische Idee ist grundlegend richtig und wichtig. Wenn ich jedoch das „Bürokratiemonster“ in Brüssel und Strasbourg betrachte, wird es mir anders. Zum Thema Euro bin ich mit Herrn Friedrich völlig d’accord: Der Euro zerstört Europa und treibt einen Keil zwischen die Völker. Er macht kaputt, was in den letzten Jahrzehnten mühsam aufgebaut wurde. Wir werden im Süden Europas bald Dinge sehen, das können sich die meisten Menschen hier noch gar nicht vorstellen

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wann zerbricht das künstliche Gebilde Euro? Es wäre doch denkbar, dass es noch jahrelang so weiter geht?

Marc Friedrich: Im Gegensatz zu vielen Analysten und Experten können wir leider nicht in die Zukunft blicken. Die Vergangenheit ist jedoch ein sehr guter Ratgeber und wir mussten bei der Recherche für das Buch leider feststellen, dass sowohl alle ungedeckten Papiergeldsysteme die auf Zins und Zinseszins beruhen, als auch alle Währungsunionen in der Vergangenheit immer gescheitert sind. Die letzte europäische Währungsunion, die lateinische Münzunion wurde 1924 zu Grabe getragen – ironischerweise damals auch ausgelöst durch Griechenland. Es war alles schon mal da.

Matthias Weik: Es stellt sich also nicht die Frage „ob“ der Euro zerbricht sondern nur noch „wann“. Das kann in zwei Tagen, zwei Wochen oder einigen Jahren sein. Selbstverständlich unternehmen die Politiker alles, um das jetzt schon gescheiterte System so lange wie möglich am Leben zu erhalten – um jeden Preis.

Marc Friedrich: Für uns ist der Euro eine beispiellose Serie von Vertragsbrüchen, Lügen und Betrug. Dies ist für eine Währung, die ausschließlich auf Vertrauen basiert, ein verdammt schlechtes und dünnes Fundament.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie beschreiben die Staatsschulden -Krise als ein globales Phänomen. Kommt also auch ein globaler Crash?

Matthias Weik: Ja, denn jetzt zeigt die Globalisierung ihre hässliche Fratze. Heute sitzen wir global alle in einem Boot. Früher hat der Bankrott eines einzelnen Landes fast niemanden außerhalb des betroffenen Landes tangiert.

Marc Friedrich: Heute sind alle Länder massiv verschuldet. Wir sind, wie es Herr Weik bereits gesagt hat, durch die Globalisierung nun alle auf Gedeih und Verderb extrem miteinander verbunden. Wenn eine große Bank, eine bedeutende Währung oder ein Land umkippt, wird es eine fatale Kettenreaktion geben.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Haben Sie den Eindruck, dass es in Deutschland in absehbarer Zeit zu sozialen Unruhen kommen könnte? Im Moment sieht ja alles ganz friedlich aus.

Matthias Weik: Wenn die soziale Ungerechtigkeit weiter voranschreitet, die Wirtschaft stagniert und die Exporte einbrechen, ist dies nicht auszuschließen.

Marc Friedrich: Sehr viel größere Sorgen bereitet mir jedoch der Tag, an dem die Staatsanleihen-Blase platzt, und viele Bürger sehr viel verlieren werden, da in Deutschland sehr viele direkt oder indirekt durch Lebensversicherungen, Fonds und anderes in Staatsanleihen investiert sind. Bei jedem Staatsbankrott in der Vergangenheit haben Besitzer von Staatsanleihen einen verdammt hohen Preis bezahlt.

Matthias Weik: Es ist nicht die Frage, ob, sondern lediglich wann die Blase platzt. Die Staaten können und werden nicht unendlich Schulden mit Schulden bezahlen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Welches Ereignis halten Sie für geeignet, den Crash auszulösen?

Marc Friedrich: Dies kann ein „finanzielles Fukushima“ sein, ein sogenanntes „Black Swan Ereignis“ oder ein „Bank-Run“.

Matthias Weik: Sie müssen bedenken, wenn nur jeder fünfzigste Euro abgehoben wird, wird es sehr spannend

Marc Friedrich: Des Weiteren könnten auch bürgerkriegsähnliche Zustände oder eventuell sogar ein Bürgerkrieg in Südeuropa ausbrechen, Das müssen wir unbedingt verhindern, indem wir dem System den Stöpsel ziehen und den Crash auslösen.

Matthias Weik: Wir schaffen momentan einen extrem gefährlichen Nährboden für Extremisten, Separatisten, Nationalisten und Gewalt. Bürgerkriegsähnliche Zustände vor allem in Südeuropa ist bei 57 Prozent Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen unter 25 Jahren sind durchaus möglich. Wenn die Jugend keinerlei Zukunft hat, wird sie eines tun – auf die Straße gehen. Die Jugendlichen in Spanien, Griechenland, aber auch Portugal und Italien haben oftmals keine Zukunft. Man sollte diese Problematik nicht unterschätzen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Experten wie Simon Johnson halten die Deutsche Bank für besonders gefährlich. Könnten die jüngsten Verluste nur die Spitze des Eisbergs sein?

Marc Friedrich: Dies kann ich nicht ausschließen. Wir müssen bedenken, dass nach dem Crash 2008/2009 weltweit die Bilanzierungsregeln massiv zu Gunsten der Finanzindustrie geändert worden sind. Ansonsten wären höchstwahrscheinlich etliche Banken schon längst nicht mehr da. Bei vielen Banken liegen etliche Leichen im Keller, und dann noch dazu das teilweise unverantwortliche und maßlose Geschäftsgebaren runden das unschöne Bild ab.

Matthias Weik: Die Finanzbranche ist völlig pervertiert und aus den Fugen geraten. Was die Banken seit 2008 vor allem vorangetrieben haben ist sich noch systemrelevanter zu machen. Sie haben sich mit noch mehr billigem Geld vollgesaugt, haben teilweise fusioniert,  und sind somit noch größer und mächtiger geworden.

Matthias Weik und Marc Friedrich: Der größte Raubzug der Geschichte. Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden. Tectum Verlag 2012. 382 Seiten. Preis: 19,90 € (hier bestellen).

*** Bestellen Sie den täglichen Newsletter der Deutschen Wirtschafts Nachrichten: Die wichtigsten aktuellen News und die exklusiven Stories bereits am frühen Morgen. Verschaffen Sie sich einen Informations-Vorsprung. Anmeldung zum Gratis-Newsletter hier. ***


Bau einer US-Pipeline: Griechenland muss im Euro bleiben
Bau einer US-Pipeline: Griechenland muss im Euro bleiben
Die Euro-Staaten werden Griechenland 10,3 Milliarden Euro überweisen, damit das Land seine Schulden bei der EZB bedienen kann. Die Einigung geschieht vor allem auf Druck der USA: In Griechenland hat der Bau einer neuen US-Pipeline begonnen. Washington will die Stabilität…
abo-pic
Alexis Tsipras und der türkische Energieminister Berat Albayrak beim Spatenstich für die TAP-Pipeline. (Foto: dpa)

Alexis Tsipras und der türkische Energieminister Berat Albayrak beim Spatenstich für die TAP-Pipeline. (Foto: dpa)

Die Finanzminister der Eurozone in der Nacht zum Mittwoch eine neue Auszahlung für Griechenland beschlossen. Nach siebenstündigen Beratungen wurde eine Zahlung von 10,3 Milliarden Euro in zwei Tranchen bis September abgenickt.

Eine erste Tranche von 7,5 Milliarden Euro solle im Juni gezahlt werden. Sie könne dazu dienen, im Juli fällige Rückzahlungen an die Europäische Zentralbank (EZB) zu tätigen und auch Rückstände Athens gegenüber Gläubigern in Griechenland selbst zu begleichen.

Im September solle dann eine weitere Zahlung von 2,8 Milliarden Euro erfolgen. Der Deal kam zustande, nachdem Deutschland im Prinzip einer Umschuldung zugestimmt hatte: So sollen IWF-Kredite auf die Euro-Steuerzahler überwälzt werden. Im Gegenzug wird eine Formel gefunden, die den Anschein erweckt, als wäre Griechenlands Schuldentragfähigkeit bei einem hypothetischen Primärüberschuss gegeben. Damit kann der IWF an Bord bleiben. Der IWF darf nämlich außer der Ukraine keine Pleite-Staaten unterstützen. Mit der neuen Formel soll der Eindruck erweckt werden, dass Griechenland nicht pleite ist. Zugleich erklärte sich Deutschland bereit, nach der Bundestagswahl den jüngsten IWF-Kredit zu übernehmen. Bereits den vorigen Kredit haben die europäischen Steuerzahler an den IWF und die EZB überwiesen. 

Die griechische Bevölkerung sieht von diesen „Hilfsgeldern“ traditionellerweise nichts. Erst kürzlich hat eine Studie bestätigt, dass die erste Griechenland-Rettung so gut wie ausschließlich eine Banken-Rettung darstellte. Nach der ersten Rettung gehen nun die Zahlungen der Euro-Steuerzahler an die offiziellen Gläubiger – an den IWF und die EZB.

Der Grund für die sich abzeichnende erneute Einigung liegt in der geopolitischen Bedeutung Griechenlands. Die USA bestehen auf einem Verbleib Griechenlands im Euro, um die Stabilität des Landes nicht zu gefährden. Die Regierung in Athen musste am Sonntag ein neues, hartes Austeritätsprogramm verabschieden.

Zugleich hat Griechenland mit dem Bau eines 550 Kilometer langen Abschnitts der Transadriatischen Pipeline (TAP) begonnen. Der erste Spatenstich wurde vergangene Woche vom griechischen Premierminister Alexis Tsipras gesetzt. Die Einweihungszeremonie fand in Thessaloniki statt. „TAP ist eines der größten ausländischen Direktinvestitionsprojekte, die in Griechenland durchgeführt wurden. Die griechische Wirtschaft braucht diese Arbeitsplätze wirklich dringend“, zitiert oilprice.org Tsipras. Griechenland erhofft sich von der TAP, das ein Projektvolumen von 1,5 Milliarden Euro hat, 8.000 neue Arbeitsplätze.

Die TAP soll im Jahr 2019 in Betrieb genommen werden. Die Pipeline wird Energieträger aus dem Gasfeld Schah Deniz 2 von Aserbaidschan über Georgien, die Türkei, Griechenland und Albanien bis nach Italien transportieren. Der Abschnitt von Aserbaidschan bis an die türkisch-griechische Grenze wird von der Transanatolischen Pipeline abgedeckt (TANAP). Die TAP hingegen verläuft konkret von der griechischen Stadt Komotini aus nach Pulien in Italien. Die TANAP hat eine Länge von 1.850 Kilometer und die TAP hat eine Länge von 870 Kilometer. Griechenland ist ein wichtiges Land der Nato-Südflanke. Deshalb will die Obama-Regierung auch ein Ausscheiden des Landes aus dem Euro mit allen Mitteln verhindern. Die Regierung in Athen weiß, dass die Griechenland-Rettung vom Wohlwollen der Amerikaner abhängt, die beim IWF und in Brüssel einflussreich sind.

Die TAP und die TANAP sind aus US-amerikanischer Sicht zwei energiepolitisch wichtige Projekte, die zuvor in direkter Konkurrenz zur russischen Pipeline Turkish Stream standen. Seit dem Abbruch des Baus von Turkish Stream bleibt das US-Projekt als einzige Alternative für die Gasversorgung Europas entlang des südlichen Korridors übrig. Damit erhalten die USA die Möglichkeit, die faktische Monopolstellung Russlands bei der Gasversorgung Europas zu brechen.

Zudem wollen US-amerikanische Fracking-Produzenten in den EU-Markt eindringen und  ihre Stellung ausbauen, um Russland auch über diesen Schritt soweit wie möglich aus dem Markt zu verdrängen. Die USA haben im April erstmals Gas nach Europa geliefert. Ein US-Tanker in legte in Portugal an.

Erdogan droht Merkel mit Aufkündigung des Flüchtlings-Deals
Erdogan droht Merkel mit Aufkündigung des Flüchtlings-Deals
Der Deal von Bundeskanzlerin Merkel mit der Türkei steht auf der Kippe. Der türkische Präsident Erdogan sagte, die Türkei werde keine Flüchtlinge zurücknehmen, wenn die Visafreiheit nicht kommt. Erdogan beklagte außerdem, dass er bis heute keine Geld von der EU…
abo-pic
Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. Der Flüchtlingspakt steht auf der Kippe. (Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. (Foto: dpa)

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat in der Flüchtlingskrise mit einem Bruch der Abmachungen mit der EU gedroht. Ohne Fortschritte im Streit um die EU-Visumfreiheit werde er das Abkommen mit der EU zur Rücknahme von Flüchtlingen ab 1. Juni nicht in Kraft treten lassen, sagte Erdogan zum Abschluss des UN-Nothilfegipfels am Dienstag in Istanbul. In diesem Fall werde das türkische Parlament den entsprechenden Beschluss nicht ratifizieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Montag nach einem Gespräch mit Erdogan in Istanbul deutlich gemacht, dass der angestrebte Termin für die Visumfreiheit zum 1. Juli nicht mehr haltbar ist. Hintergrund ist die Weigerung Erdogans, die Anti-Terror-Gesetze der Türkei zu reformieren. Das ist aber eine Voraussetzung der EU, um die Visumpflicht für Türken bei Reisen in den Schengen-Raum aufzuheben.

Erdogan bezieht sich auf ein Abkommen mit der EU zur Rücknahme von Flüchtlingen und zur Visaliberalisierung von Ende 2013. Darin war ursprünglich die Rücknahme von Flüchtlingen aus Drittstaaten erst ab Oktober 2017 vorgesehen. Bei Erdogans Drohung vom Dienstag dürfte es um eine Vereinbarung der EU und Ankaras gehen, die Rücknahme durch die Türkei auf den 1. Juni diesen Jahres vorzuziehen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wollte auf die Androhung des türkischen Staatspräsidenten Erdogan zunächst nicht reagieren. „Das möchte ich jetzt nicht kommentieren, zumal ich das jetzt auch nur aus der Presse gehört habe“, sagte de Maizière am Dienstag am Rande der Klausur der Bundesregierung in Meseberg bei Berlin.

Die Rücknahme von illegalen Migranten durch die Türkei erfolgt derzeit nicht im Rahmen des Ende 2013 vereinbarten Abkommens. Sie ist im EU-Flüchtlingspakt im März als Sofortmaßnahme in der Krise verabredet worden. Diese Rücknahme läuft auf Grundlage eines Abkommens zwischen der Türkei und Griechenland und erstreckt sich nur auf die griechischen Ägäis-Inseln. Vom 1. Juni an sollten Flüchtlinge aus Drittstaaten auf Basis des breiter gefassten Rücknahmeabkommens zwischen der EU und der Türkei von Ende 2013 zurückgeschickt werden.

Merkel hatte am Montag weitere Gespräche mit der Türkei angekündigt. Erdogan sagte am Dienstag, unter anderem der türkische Außenminister werde die Visumverhandlungen mit der EU nun weiterführen. Sollten die Gespräche keine Resultate bringen, werde vom Parlament in Ankara „kein Beschluss und kein Gesetz bezüglich des Rücknahmeabkommens und des Implementierungsprozesses verabschiedet werden“.

Erdogan warf der EU erneut vor, die Reform der Anti-Terror-Gesetze erst nachträglich gefordert zu haben. Exakt diese Forderung ist aber bereits Teil des Abkommens von Ende 2013 gewesen, das Erdogans Regierung mit der EU abgeschlossen hatte. Erdogan hatte das Abkommen – damals noch als Ministerpräsident – einen „Meilenstein“ genannt.

Erdogan sagte am Dienstag mit Blick auf die EU: „Sie sollen uns nicht ständig Kriterien aufzwingen. Das hier ist die Türkei.“ Der Präsident warnte: „Das kann man bis zu einem gewissen Punkt tolerieren und bis zu einem gewissen Punkt aushalten. Aber nachdem sie es bis zu einem gewissen Punkt ausgehalten hat, fasst die Türkei einen endgültigen Entschluss. Und nachdem sie den Entschluss gefasst hat, dann, nichts für ungut, sagen wir: Denkt doch ihr jetzt nach.“

Merkel hatte am Montag gesagt, sie habe Erdogan deutlich gemacht, dass der Weg zur Visafreiheit auf den 72 Bedingungen beruhe, die bereits Ende 2013 verabredet gewesen seien. Ankara müsse alle Punkte erfüllen. Im Zuge der Verhandlungen über ihren Flüchtlingspakt hatten die EU und die Türkei verabredet, die für Oktober geplante Visafreiheit auf den 1. Juli vorzuziehen. Die 72 Bedingungen würden allerdings auch für den späteren Oktober-Termin gelten.

Trotz Sanktionen: Russland beschafft sich Geld am Kapitalmarkt
Trotz Sanktionen: Russland beschafft sich Geld am Kapitalmarkt
Der internationale Kapitalmarkt zeigt sich von den Sanktionen gegen Russland unbeeindruckt: Russland hat am Dienstag erfolgreich eine Anleihe begeben. Dies bedeutet, dass die Investoren die Risiken in Russland für überschaubar halten.
abo-pic
Russlands Präsident Wladimir Putin. Trotz Sanktionen beschafft sich Russland Geld am Kapitalmarkt. (Foto: dpa)

Russlands Präsident Wladimir Putin. (Foto: dpa)

Russland hat Finanzkreisen zufolge erstmals seit Beginn der Sanktionen im Ukraine-Konflikt mit einem Eurobond den internationalen Kapitalmarkt angezapft. Der Staat habe mit der Emission der Fremdwährungsanleihe 1,75 Milliarden Dollar erlöst, sagten Insider am Dienstag laut Reuters. Drei Viertel der Summe sei von ausländischen Investoren aus Europa, den USA und Asien gekommen. Die Rendite habe mit 4,75 Prozent in der Mitte der angepeilten Preisspanne gelegen. Mit dem Geld kann die Regierung Löcher im Haushalt stopfen, die von den Sanktionen und der Wirtschaftskrise im Land gerissen wurden.

Zugleich war dies für Russland ein wichtiger Test, ob der Staat trotz der Sanktionen an westliches Investorengeld kommen kann. Die Strafmaßnahmen wurden nach der russischen Annexion der Halbinsel Krim 2014 verhängt. Sie verbieten zwar nicht den Handel mit russischen Staatsanleihen, sie sorgen aber für ein erhöhtes Risiko und für Unsicherheit unter den Investoren.

EZB deutet erstmals Ende der Niedrig-Zinsen an
EZB deutet erstmals Ende der Niedrig-Zinsen an
Die EZB überrascht die Märkte: Erstmals lässt die durchklingen, dass die Zeit der niedrigen Zinsen früher vorbei sein könnte als gedacht. Grundlage könnten die vergleichsweise guten Zahlen aus der Eurozone sein.
abo-pic
EZB-Chef Mario Draghi und sein portugiesischer Vize Vitor Constancio, Anfang Dezember in Frankfurt. (Foto: dpa)

EZB-Chef Mario Draghi und sein portugiesischer Vize Vitor Constancio, Anfang Dezember in Frankfurt. (Foto: dpa)

Der Vize-Präsident der EZB, Vitor Constancio, hat erstmals auf das mögliche Ende der niedrigen Leitzinsen hingewiesen, falls die Geldpolitik Wirkung zeige. Marktbeobachter könnte dies hellhörig machen. Erste Ökonomen weisen bereits auf den Umstand hin, dass nur in den USA eine Zinswende eingeleitet wurde, obwohl die Fundamentaldaten in Europa besser seien.

Unter bestimmten Bedingungen sei ein Ende der Phase niedriger Zinsen möglich, so Constancio. „Sollte die Wirkung der EZB-Geldpolitik hinreichend stark sein, würde es keine lange Phase mit niedrigen Zinssätzen geben“, sagte er. Constancio ist direkt in die Zinsentscheidungen der EZB eingebunden – seine Aussagen besitzen am Markt deshalb Glaubwürdigkeit.

Marktbeobachter sind daraufhin hellhörig geworden. So interpretiert der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, die Aussagen Constancios vor dem Hintergrund der konjunkturellen Entwicklung in Europa und den USA. Obwohl die amerikanische Wirtschaft die schwächeren Fundamentaldaten vorweise, wurde nur dort eine Zinswende eingeleitet – in der Eurozone sei davon bislang trotz einer robusten Entwicklung keine Rede gewesen:

„Der Euro steht unter Druck, obwohl die Daten und Nachrichten reihenweise positive Akzente setzen. Keine Analysten kommen derzeit auf die Idee, dass die EZB wegen dieser Daten und Nachrichten über ein zügiges Ende der Extrempolitik der EZB mit Negativzinsen und aggressiver QE-Politik räsonieren könnte. Ein zartes Signal lieferte der EZB-Vize Constancio. Anders ausgedrückt wurde der erste Warnschuss geliefert. Wir wollen aktuell noch nicht allzu viel daraus machen, aber es ist nahezu absurd, dass die US-Zentralbank bei der schwächsten Wachstumsdynamik seit Jahren multiple Zinserhöhungen in den Raum stellt und die EZB bei einem Wachstum am Potential noch nicht einmal ernsthaft ein Ende der Extremmaßnahmen auf die Agenda nimmt, nachdem Aufschwung der Eurozone unterschätzte.“

Hellmeyer verweist bei seiner Einschätzung der europäischen Wirtschaft unter anderem auf die Zunahme des deutschen GfK-Konsumklimaindex, welcher den höchsten Wert seit Juni 2015 erreichte. Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Mai überraschend deutlich von 106,7 auf 107,7 Punkte. Zudem legte der französische Geschäftsklimaindex zu und die irische Arbeitslosenquote ist auf den tiefsten Stand seit der Finanzkrise gesunken. In den USA hingegen zeigen sich die Konjunkturindices durchwachsener. Hellmeyer weist beispielsweise darauf hin, dass derzeit so viele jungen Menschen noch bei ihren Eltern leben wie seit der Großen Depression der 1930er Jahre nicht mehr – einen Umstand, den er als Zeichen für finanziellen Stress in weiten Teilen der Bevölkerung deutet.

Inzwischen haben sich auch andere Vertreter der EZB zu den Grenzen der Geldpolitik und negativen Nebenwirkungen geäußert. Aus Sicht des niederländischen Notenbank-Chefs Klaas Knot stößt die EZB mit ihren geldpolitischen Mitteln zur Ankurbelung der Konjunktur allmählich an Grenzen, wie Reuters am Mittwoch berichtete. „Was Geldpolitik erreichen kann, das Wachstum betreffend, ist sehr eingeschränkt“, sagte Knot am Mittwoch auf einer Konferenz in Madrid. „Der geldpolitische Anreiz erreicht seine Grenzen und hat, wenn er zu lange beibehalten wird, negative Nebeneffekte.“

USA: Sanders wirft Clinton Manipulation bei Vorwahl vor
USA: Sanders wirft Clinton Manipulation bei Vorwahl vor
Der Demokrat Bernie Sanders hat eine Neuauszählung der Stimmen in Kentucky durchgesetzt. Er bezichtigt Hillary Clinton der Manipulation: Eine enge Freundin von Clinton ist Wahlleiterin in Kentucky, Clinton siegte nur ganz knapp.
abo-pic
Hillary Clinton im Wahlkampf. Clinton siegte bei der Vorwahl in Kentucky nur knapp. (Foto: dpa)

Hillary Clinton im Wahlkampf. (Foto: dpa)

Nach dem hauchdünnen Sieg Hillary Clintons bei der Vorwahl der US-Demokraten im Bundesstaat Kentucky wird das Wahlergebnis überprüft. Clintons knapp unterlegener Gegenkandidat Bernie Sanders beantragte eine Prüfung der Briefwahlunterlagen sowie der Wahlautomaten. Wie Wahlleiterin Alison Grimes am Dienstag erklärte, soll das am Donnerstagmorgen (Ortszeit) geschehen.

Sanders hatte bei der Abstimmung am 17. Mai nur mit weniger als einem halben Prozentpunkt und weniger als 2000 Stimmen Rückstand auf Clinton verloren. Jüngste Äußerungen ließen seinen Ärger über Grimes erkennen, die vor laufenden Fernsehkameras Clinton zur Siegerin erklärt hatte. Die Politikerin aus Kentucky zählt seit langem zu den Unterstützerinnen der ehemaligen Außenministerin.

Sanders liegt im Clinch mit großen Teilen der Parteiführung. Die Überprüfung der Stimmen in Kentucky bringt ihm im besten Falle einen weiteren Delegierten – sein Rückstand auf Clinton beträgt aber mehrere Hundert. Ungeachtet einiger Zugeständnisse seitens der Partei hatte Sanders kürzlich angekündigt, der Nominierungsparteitag der Demokraten im Juli in Philadelphia könnte „chaotisch“ werden.

Investoren glauben nicht an einen Deal zwischen Bayer und Monsanto
Investoren glauben nicht an einen Deal zwischen Bayer und Monsanto
An den internationalen Aktienmärkten wachsen die Zweifel am Gelingen der Monsanto-Übernahme durch Bayer. Monsanto-Aktien notieren deutlich unter dem Bayer-Vorschlag. Und selbst der wurde von Monsanto als zu niedrig zurückgewiesen.
abo-pic
Monsanto-Chef Hugh Grant. Internationale Investoren glauben nicht an den Deal zwischen Bayer und Monsanto. (Foto: dpa)

Monsanto-Chef Hugh Grant. (Foto: dpa)

Der US-Saatgutriese Monsanto hat die 62 Milliarden Dollar schwere Übernahmeofferte von Bayer als zu niedrig zurückgewiesen. Zugleich erklärte sich der Weltmarktführer am Dienstag aber offen für Verhandlungen. Das Angebot sei finanziell unangemessen und bewerte Monsanto deutlich zu niedrig, teilte Konzern-Chef Hugh Grant mit. Zudem berücksichtige es nicht ausreichend die finanziellen und regulatorischen Risiken. Monsanto sei aber bereit für Gespräche über Möglichkeiten, einen angemessen Wert für die Aktionäre zu schaffen. Einen Zeitplan dazu habe das Unternehmen allerdings noch nicht festgelegt. Bayer äußerte sich zunächst nicht dazu.

Reuters hatte zuvor bereits von mit der Sache vertrauten Personen erfahren, dass Monsanto die Offerte zurückweisen wird und mehr Geld will. Nach Monsanto-Einschätzung besteht den Insidern zufolge zwar eine industrielle Logik in einem Zusammenschluss mit dem Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern und der Deal würde auch kartellrechtliche Hürden nehmen, die Anteilseigner verdienten aber mehr als die 122 Dollar je Aktie, die Bayer biete. Bayer-Aktien hatten darauf ihre Gewinne eingegrenzt und gingen mit einem Plus von gut drei Prozent auf 87,15 Euro aus dem Handel. Monsanto-Aktien legten nach der offiziellen Ablehnung knapp drei Prozent zu auf 108,9 Dollar, notierten aber deutlich unter der Bayer-Offerte. Dies deutete Experten zufolge auf eine Skepsis am Markt, dass es zu einem Deal kommen wird.

Sollte sich die Skepsis der Anleger durchsetzen, hätten die Märkte der Politik die Arbeit abgenommen. Die Grünen hatten am Dienstag ein Verbot des Zusammenschlusses gefordert.

Bayer hatte am Montag die Details seines Übernahmeangebots vorgelegt. Der Vorstand befinde sich mit Monsanto in konstruktiven Gesprächen und erwarte eine positive Antwort, hieß es. „Wir sind vollkommen überzeugt von unserer Offerte“, hatte Bayer-Chef Werner Baumann betont. Ob der Konzern auch eine feindliche Übernahme erwägen würde, hatte Baumann offengelassen.

Investoren kritisierten den hohen Preis. Analysten hatten bereits erwartet, dass Monsanto die Offerte zunächst zurückweisen und mehr fordern wird. Sie hatten die Übernahmepläne aber als strategisch sinnvoll bezeichnet. Gemeinsam würden Bayer und Monsanto einen weltweit führenden Anbieter für Saatgut und Pflanzenschutzmittel schaffen. Sollte der Deal erfolgreich sein, wäre es die größte Übernahme in der deutschen Wirtschaftsgeschichte vor dem Kauf des US-Autobauers Chrysler durch Daimler Benz 1998 für 40,46 Milliarden Dollar. Für Bayer wäre es zudem die größte Akquisition in der Firmengeschichte seit dem Kauf des Pharmakonzerns Schering vor zehn Jahren für 17 Milliarden Euro.

media-fastclick media-fastclick