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„Der Euro eine beispiellose Serie von Vertragsbrüchen, Lügen und Betrug“

Die Buchautoren Matthias Weik und Marc Friedrich sind freundliche, junge Schwaben. Sie haben Betriebswirtschaft studiert, die New Economy erlebt und dabei gesehen, dass das globale Finanz-System nichts anderes ist als „der größte Raubzug der Geschichte“. Ihr Buch zu diesem Thema hat die Bestseller-Listen gestürmt. Daher glauben die Autoren, dass wir einen „wundervollen epochalen Wandel“ erleben. Die Bürger lassen sich nicht mehr einlullen von den Phrasen in Politik und Finanz-Industrie. Lustig wird der Crash allerdings für niemanden.

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Von Bimbes zum Bailout: Herman Van Rompuy überreicht Helmut Kohl, einem der Väter der Euro, den Friedens-Nobelpreis. (Foto: consilium)

Von Bimbes zum Bailout: Herman Van Rompuy überreicht Helmut Kohl, einem der Väter der Euro, den Friedens-Nobelpreis. (Foto: consilium)

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ihr Buch ist in einem kleinen, eher unbekannten Verlag erschienen, handelt von jeder Menge schwer verständlichen Zahlen und Schaubildern. Und doch haben Sie auf Anhieb einen Bestseller gelandet. Wie erklären Sie diesen Erfolg?

Marc Friedrich: Wir sind immer noch völlig überwältigt, dankbar und können es selbst noch gar nicht fassen.

Matthias Weik: Der Erfolg des Buches hat unserer Meinung nach mehrere Gründe: Viele Menschen haben schon seit einiger Zeit ein „ungutes Bauchgefühl“ und merken, dass in der Finanzwelt einiges außer Rand und Band ist. Uns wird immer wieder bestätigt, dass wir geschrieben und beim Namen genannt haben, was viele Menschen schon lange denken und befürchtet haben.

Marc Friedrich: Viele Menschen sind enorm verunsichert. Wir haben es anscheinend geschafft, komplexe Sachverhalte in eine einfache und für jeden verständliche Sprache zu gießen. Ziel war es, dass wir möglichst viele Menschen mit dem Buch erreichen, da wir leider alle Zeugen und Opfer des „größten Raubzugs der Geschichte“ sind. Egal, ob es eine 15-jährige Schülerin ist oder ein 80-jähriger Rentner.

Matthias Weik: Das Buch ist für uns von Anfang an auch ein Akt der Zivilcourage gewesen. Das merken die Leute auch auf unseren Vorträgen, dass wir es wirklich aus Leidenschaft machen und eine tiefere Intention haben. Wir wollen unsere Mitmenschen darauf aufmerksam zu machen, was kommen wird. Die Krise ist seit über 5 Jahren nicht gelöst worden. Viele Mitmenschen sind der Krise müde oder können die Masse an Informationen oftmals nicht mehr einordnen.

Marc Friedrich: Wir haben versucht, die schier unendlichen Informationen zu filtern und die Quintessenz auf Papier zu bringen. Hierfür haben wir bewusst einen Stilbruch begangen. Wir wollten nicht ein weiteres langweiliges Finanzsachbuch mit viel Fachchinesisch schreiben, sondern so schreiben, wie wir reden und wie uns auch jeder versteht. Dies alles dazu noch gespickt mit Cartoons, Humor und einer Prise Zynismus.

Matthias Weik: Denn sie können uns alles nehmen – aber nicht unseren Humor!

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ein Thema zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch: Die Leute merken nicht, dass sie ausgenommen werden wie die Weihnachtsgänse. Der Erfolg Ihres Buchs legt eher den Schluss nahe: Die Bürger erwachen.

Matthias Weik: Absolut. Wir erleben gerade einen wundervollen epochalen Wandel. Die Leute lassen sich nicht mehr einlullen und von den geworfenen Nebelkerzen der Politik und Finanzindustrie ablenken. Sie lassen sich nicht mehr ein x für ein u vor machen. Sie hinterfragen Dinge und Personen immer stärker.

Marc Friedrich: Fakt ist, dass sowohl die Politik als auch die Finanzbranche, durch ihr Verhalten diese Tendenzen massiv unterstützt und beschleunigt. Die Hybris der Eliten war in der Geschichte schon immer der Anfang vom Ende. Leider lernt der Mensch zumeist nichts aus der Geschichte. Ich sehe jedoch mittlerweile Tendenzen, dass mehr und mehr Menschen aufwachen und zu mündigen, selbstbewussten und klar denkenden Bürgern werden und berechtigter Weise ihr Recht auf Demokratie einfordern. Ob auf der Straße oder mit dem Geldbeutel.

Matthias Weik: Es sind zweifellos spannende Zeiten.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie schreiben am Ende des Buchs etwas unvermittelt: Der Crash kommt auf jeden Fall. Warum und in welcher konkreten Form?

Matthias Weik: Zuerst möchte ich sagen: Wir sind Realisten und keine Pessimisten. Dies ändert jedoch nichts an unserer Meinung, dass es keine Frage ist ob, sondern wann der Crash kommt.

Marc Friedrich: Der Crash kommt, weil die Krise nicht lösbar ist – die Lösung wird der finanzielle Crash sein.

Matthias Weik: Wie lange wollen wir denn noch Schulden mit Schulden bezahlen?

Die Buchautoren Marc Friedrich und Matthias Weik: Bürger wurden durch übermäßigen Konsum zu Schuldenknechten. (Foto: DWN)

Die Buchautoren Marc Friedrich und Matthias Weik: Bürger wurden durch übermäßigen Konsum zu Schuldenknechten. (Foto: DWN)

Marc Friedrich: Das einzige was die Politik uns bisher als Lösung präsentiert hat, ist, unvorstellbar viel Geld ins System zu pumpen, um das ganze Finanzsystem künstlich am Leben zu erhalten.

Matthias Weik: Wir dürfen nicht vergessen: Die Krise entstand auf Grund zu niedriger Zinsen und zu viel billigem Geld – jetzt bekämpfen wir die Krise mit historisch niedrigen Zinsen und unvorstellbar viel billigem Geld. Meiner Ansicht nach kann und wird Homöopathie zur Bekämpfung der Finanzkrise nicht funktionieren.

Marc Friedrich: Hätten die Politiker und Verantwortlichen aus der Finanzbranche eine Lösung, hätte man diese uns schon längst präsentiert. Mit all den sogenannten Rettungspaketen haben sich die Protagonisten auf Kosten der Steuerzahler nur eines teuer erkauft – Zeit.

Matthias Weik: Das einzige, was von der Politik seit 2008 gemacht wird, ist unverantwortlich und ökonomisch zusammengefasst: volkswirtschaftliche Schadensmaximierung.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Gibt es irgendwelche Maßnahmen, mit denen der Crash verhindert werden kann?

Marc Friedrich: Mit einer 180 Grad radikalen Kehrtwende, aber die sehe ich nicht. Es ist so viel Geld im System wie nie zuvor. Dies kann keiner mehr kontrollieren.

Matthias Weik: Wenn die Politik die Mathematik verbieten würde und die Naturgesetze außer Kraft setzt könnten wir den Crash verhindern – ansonsten sehe ich keine Möglichkeit. Spaß beiseite, unsere Antwort ist ganz klares Nein.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ihre Banken-Kritik ist ja heute schon fast herrschende Lehre. Warum geschieht nichts, etwa im Derivate-Bereich?

Marc Friedrich: Weil es die mächtigste Lobby der Welt, die Finanz-Lobby, nicht möchte. Egal ob Finanztransaktionssteuer oder Basel 3 – alles von der Finanzlobby nicht erwünscht. Daher wurde das alles bisher auch nicht implementiert. Es geht einfach um zu viel Geld, und der Hebel für maßlose Gewinne ist einfach zu verführerisch.

Matthias Weik: Ganz im Gegenteil. Seit 2008 ist das Volumen aller synthetischen (Wert-)Papiere stark gestiegen. Dies ist für mich ein Indikator, dass die Finanzindustrie nur eines seit 2008 gelernt hat– nichts! Geld regiert die Welt – doch wer regiert das Geld?

Marc Friedrich: Wir haben auch etliche schöne Beispiele dafür in unserem Buch. Ein klares Signal war auch die Geburtstagsfeier von Herr Ackermann im Bundeskanzleramt auf Kosten der Steuerzahler.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie ist es zu diesem Schulden-Irrsinn gekommen? Eigentlich wird ja niemand gezwungen, Schulden zu machen.

Marc Friedrich: Ja, das stimmt aber es wird uns täglich suggeriert. Egal ob durch Werbung, auf dem Schulhof oder in den Medien. Du brauchst dies und du brauchst das, um cool und in zu sein. Der Konsum hat einen enorm wichtigen Stellenwert in unserer Gesellschaft eingeräumt bekommen. Dazu dann noch Lockvogel-Angebote wie die Null-Prozent-Finanzierung, oder: Jetzt kaufen und in 3 Jahren erst zahlen, machen den Schuldenknecht perfekt. Jeder will mit dabei sein, will das neuste Smartphone, das tollste Auto und das protzigste Haus haben. Wir müssen uns aus diesem Wahnsinn befreien.

Matthias Weik: Schulden sind nie gut, und in der aktuellen Zeit brandgefährlich! Wenn die Inflation richtig loslegt, werden sich die Löhne und Gehälter voraussichtlich nicht der Inflationsrate anpassen. Bei einer Währungsreform waren in der Vergangenheit Menschen mit Schulden immer die „Gelackmeierten“.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ist nicht die Wahrheit die, dass die ganze Nachkriegszeit-Generation letztendlich ihre Kinder missbraucht hat – indem sie zügellos konsumiert haben, was die Kinder und Kindeskinder nun abbezahlen müssen?

Marc Friedrich: Da haben Sie vollkommen recht. Wir haben die vergangenen 60 Jahre in Saus und Braus gelebt, aber leider immens auf Pump. Und jetzt ist Zahltag. Rein mathematisch ist unser System im Endspiel.

Matthias Weik: Jetzt kann der Einzelne argumentieren, dass er nie über seine Verhältnisse gelebt habe. Dies mag richtig sein, jedoch sollte keiner vergessen, dass der Staat seit Jahrzehnten über seine Verhältnisse lebt – und wir alle sind nun mal der Staat!

Marc Friedrich: Für uns war es eine Bankrotterklärung des Kapitalismus, als unser Finanzminister vor einigen Wochen verkündet hat, dass Deutschland so gut dastehe wie noch nie und von Rekordsteuereinnahmen berichten kann – von über 600 Milliarden Euro. Zwei Sätze später wird dann eine Neuverschuldung von 23 Milliarden Euro verkündet.

Matthias Weik: Spätestens hier sollte jedem klar werden, dass das System am Ende ist, wenn wir es nicht mal in Rekordjahren schaffen, keine neuen Schulden zu machen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ist die Politik nicht eigentlich nur Helfershelfer, die die Rahmenbedingungen geschaffen hat, damit die Leute ihren hemmungslosen Hedonismus ausleben konnten?

Marc Friedrich: Ja, die Politik ist im Schwitzkasten der „Märkte“. Es hat sich eine absolut ungesunde Abhängigkeit der Politik von der Finanzbranche etabliert. Die Märkte haben die Politik vor den Karren gespannt, und treiben sie nach Lust und Laune vor sich her. Egal, ob die Rettungspakete oder der ESM – das sind alles verdeckte Banken-Rettungspakete.

Matthias Weik: Die Verursacher der Krise sind die Profiteure der Krise und wurden nie dafür haftbar gemacht. Wir erleben gegenwärtig die größte Umschichtung von Vermögen in der Geschichte der Menschheit – von unten nach oben – von Fleißig nach Reich. Gewinne werden weiterhin fleißig privatisiert. Verluste werden dagegen sozialisiert. Dies wird auf Dauer nicht gutgehen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Und die Banken wären dann die Helfer der Helfershelfer, die irgendwann entdeckt haben, dass man dieser dekadenten Gesellschaft immer noch mehr andrehen kann?

Marc Friedrich: Genau. Der Konsumwahn wird mit zinsgünstigen Krediten befeuert. Viele Schuldner werden in die Abhängigkeit gebracht.

Matthias Weik: Dies kann man so sehen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die EU? Können Sie einen Erklärungsversuch wagen: Die Geburt der EU aus dem Geiste der Gier?

Marc Friedrich: Zuerst möchten wir sagen: Wir sind überzeugte Europäer. Doch sowohl als Ökonomen als auch als normal denkende Menschen müssen wir leider feststellen: Der Euro zerstört Europa!

Der größte Raubzug der Geschichte: Die Fakten zum Untergang.

Der größte Raubzug der Geschichte: Die Fakten zum Untergang.

Matthias Weik: Die europäische Idee ist grundlegend richtig und wichtig. Wenn ich jedoch das „Bürokratiemonster“ in Brüssel und Strasbourg betrachte, wird es mir anders. Zum Thema Euro bin ich mit Herrn Friedrich völlig d’accord: Der Euro zerstört Europa und treibt einen Keil zwischen die Völker. Er macht kaputt, was in den letzten Jahrzehnten mühsam aufgebaut wurde. Wir werden im Süden Europas bald Dinge sehen, das können sich die meisten Menschen hier noch gar nicht vorstellen

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wann zerbricht das künstliche Gebilde Euro? Es wäre doch denkbar, dass es noch jahrelang so weiter geht?

Marc Friedrich: Im Gegensatz zu vielen Analysten und Experten können wir leider nicht in die Zukunft blicken. Die Vergangenheit ist jedoch ein sehr guter Ratgeber und wir mussten bei der Recherche für das Buch leider feststellen, dass sowohl alle ungedeckten Papiergeldsysteme die auf Zins und Zinseszins beruhen, als auch alle Währungsunionen in der Vergangenheit immer gescheitert sind. Die letzte europäische Währungsunion, die lateinische Münzunion wurde 1924 zu Grabe getragen – ironischerweise damals auch ausgelöst durch Griechenland. Es war alles schon mal da.

Matthias Weik: Es stellt sich also nicht die Frage „ob“ der Euro zerbricht sondern nur noch „wann“. Das kann in zwei Tagen, zwei Wochen oder einigen Jahren sein. Selbstverständlich unternehmen die Politiker alles, um das jetzt schon gescheiterte System so lange wie möglich am Leben zu erhalten – um jeden Preis.

Marc Friedrich: Für uns ist der Euro eine beispiellose Serie von Vertragsbrüchen, Lügen und Betrug. Dies ist für eine Währung, die ausschließlich auf Vertrauen basiert, ein verdammt schlechtes und dünnes Fundament.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sie beschreiben die Staatsschulden -Krise als ein globales Phänomen. Kommt also auch ein globaler Crash?

Matthias Weik: Ja, denn jetzt zeigt die Globalisierung ihre hässliche Fratze. Heute sitzen wir global alle in einem Boot. Früher hat der Bankrott eines einzelnen Landes fast niemanden außerhalb des betroffenen Landes tangiert.

Marc Friedrich: Heute sind alle Länder massiv verschuldet. Wir sind, wie es Herr Weik bereits gesagt hat, durch die Globalisierung nun alle auf Gedeih und Verderb extrem miteinander verbunden. Wenn eine große Bank, eine bedeutende Währung oder ein Land umkippt, wird es eine fatale Kettenreaktion geben.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Haben Sie den Eindruck, dass es in Deutschland in absehbarer Zeit zu sozialen Unruhen kommen könnte? Im Moment sieht ja alles ganz friedlich aus.

Matthias Weik: Wenn die soziale Ungerechtigkeit weiter voranschreitet, die Wirtschaft stagniert und die Exporte einbrechen, ist dies nicht auszuschließen.

Marc Friedrich: Sehr viel größere Sorgen bereitet mir jedoch der Tag, an dem die Staatsanleihen-Blase platzt, und viele Bürger sehr viel verlieren werden, da in Deutschland sehr viele direkt oder indirekt durch Lebensversicherungen, Fonds und anderes in Staatsanleihen investiert sind. Bei jedem Staatsbankrott in der Vergangenheit haben Besitzer von Staatsanleihen einen verdammt hohen Preis bezahlt.

Matthias Weik: Es ist nicht die Frage, ob, sondern lediglich wann die Blase platzt. Die Staaten können und werden nicht unendlich Schulden mit Schulden bezahlen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Welches Ereignis halten Sie für geeignet, den Crash auszulösen?

Marc Friedrich: Dies kann ein „finanzielles Fukushima“ sein, ein sogenanntes „Black Swan Ereignis“ oder ein „Bank-Run“.

Matthias Weik: Sie müssen bedenken, wenn nur jeder fünfzigste Euro abgehoben wird, wird es sehr spannend

Marc Friedrich: Des Weiteren könnten auch bürgerkriegsähnliche Zustände oder eventuell sogar ein Bürgerkrieg in Südeuropa ausbrechen, Das müssen wir unbedingt verhindern, indem wir dem System den Stöpsel ziehen und den Crash auslösen.

Matthias Weik: Wir schaffen momentan einen extrem gefährlichen Nährboden für Extremisten, Separatisten, Nationalisten und Gewalt. Bürgerkriegsähnliche Zustände vor allem in Südeuropa ist bei 57 Prozent Arbeitslosigkeit bei den Jugendlichen unter 25 Jahren sind durchaus möglich. Wenn die Jugend keinerlei Zukunft hat, wird sie eines tun – auf die Straße gehen. Die Jugendlichen in Spanien, Griechenland, aber auch Portugal und Italien haben oftmals keine Zukunft. Man sollte diese Problematik nicht unterschätzen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Experten wie Simon Johnson halten die Deutsche Bank für besonders gefährlich. Könnten die jüngsten Verluste nur die Spitze des Eisbergs sein?

Marc Friedrich: Dies kann ich nicht ausschließen. Wir müssen bedenken, dass nach dem Crash 2008/2009 weltweit die Bilanzierungsregeln massiv zu Gunsten der Finanzindustrie geändert worden sind. Ansonsten wären höchstwahrscheinlich etliche Banken schon längst nicht mehr da. Bei vielen Banken liegen etliche Leichen im Keller, und dann noch dazu das teilweise unverantwortliche und maßlose Geschäftsgebaren runden das unschöne Bild ab.

Matthias Weik: Die Finanzbranche ist völlig pervertiert und aus den Fugen geraten. Was die Banken seit 2008 vor allem vorangetrieben haben ist sich noch systemrelevanter zu machen. Sie haben sich mit noch mehr billigem Geld vollgesaugt, haben teilweise fusioniert,  und sind somit noch größer und mächtiger geworden.

Matthias Weik und Marc Friedrich: Der größte Raubzug der Geschichte. Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden. Tectum Verlag 2012. 382 Seiten. Preis: 19,90 € (hier bestellen).

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Merkel zu Integration von Flüchtlingen: „Wir schaffen das“
Merkel zu Integration von Flüchtlingen: „Wir schaffen das“
Bundeskanzlerin Merkel ist überzeugt, dass die Integration der Flüchtlinge in Deutschland gelingen werde. Unklar ist, welche Position Merkel zu den illegal eingereisten Personen einnimmt. Die Einreise nach Deutschland ist deutlich zurückgegangen, nachdem die Balkan-Route geschlossen wurde und Österreich seine Grenzen…
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Bundeskanzlerin Merkel und CSU-Chef Seehofer am Samstag bei ihrer Versöhnungsklausur. (Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Merkel und CSU-Chef Seehofer am Samstag bei ihrer Versöhnungsklausur. (Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat ihre Zuversicht in das Gelingen der Flüchtlingsintegration bekräftigt. In ihrem am Samstag veröffentlichten Video-Podcast zeigte sie sich überzeugt davon, dass diejenigen Flüchtlinge, die in Deutschland bleiben, gut integriert werden könnten.

Mit Blick auf das vierte Treffen mit Verbänden und in der Flüchtlingshilfe engagierten Gruppen am Freitag sagte Merkel, die Botschaft an die Teilnehmer sei: „Dass wir es nur gemeinsam schaffen. Aber dann schaffen wir das.“ Das sei auch der Geist, in dem in dieser Runde diskutiert werde.

Man müsse zum Teil ganz neue Wege gehen, um das Arbeitspensum zu bewältigen, sagte die Bundeskanzlerin. Es gebe auch insgesamt einiges, was wir „besser machen können, schneller machen können“. Dass Behördengänge in Deutschland manchmal lange dauerten, empfänden nicht nur Flüchtlinge und ehrenamtliche Helfer so, sondern auch viele andere Menschen.

Merkel verwies darauf, dass beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) inzwischen viele zusätzliche Stellen besetzt seien. Es gebe jetzt „eine sehr gute und koordinierte Zusammenarbeit mit den Ländern“. Im Vordergrund stünden dabei die rund 600 Ausländerbehörden. Jeder Flüchtling müsse möglichst zeitnah einen Integrationskurs besuchen können. Es gehe auch um die Frage, welche Fähigkeiten Flüchtlinge hätten. „Viel Arbeit, aber da ist viel, viel in Gang gekommen“, sagte die Kanzlerin.

Mit Blick auf Sorgen und Bedenken von Bundesbürgern hinsichtlich der Flüchtlinge sagte Merkel: „Wir müssen natürlich mit den Menschen darüber sprechen.“ Sie glaube, die Ereignisse in der Silvesternacht in Köln hätten „Verunsicherung mit sich gebracht“. Besonders schlimm sei in der Zeit gewesen, „dass man über die Dinge scheinbar nicht sprechen wollte“. Deshalb diene der Runde Tisch mit den verschiedenen Verbänden auch dazu, ganz offen über Schwierigkeiten bei der Integration zu sprechen.

Es gebe „sehr, sehr gute Fälle“, aber eben auch kriminelle Handlungen, „leider auch bei der deutschen Bevölkerung mit Angriffen auf Flüchtlingsheime, aber eben auch von einigen Flüchtlingen oder Menschen, die schon eine ganze Weile hier sind“.

Es gelte klar die Rechte, aber auch die Pflichten in Deutschland zu benennen. Dazu gehöre, die Gesetze einzuhalten, sich zu bemühen, die Sprache zu erlernen und seinen eigenen Lebensunterhalt zu verdienen, wo immer das möglich sei. Man könne in Deutschland frei leben, „aber immer auf der Basis des Grundgesetzes“, betonte die Kanzlerin.

Britischer EU-Kommissar Jonathan Hill tritt zurück
Britischer EU-Kommissar Jonathan Hill tritt zurück
Der britische EU-Finanzkommissar ist zurückgetreten. Damit verschärfen die Briten das Tempo in einer Trennung von der EU. Zuvor hatte sich EU-Präsident Schulz rüde über die Briten geäußert und verlangt, sie mögen die EU unverzüglich verlassen.
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Abschied von der EU: Jonathan Hill mit Cecilia Malmström. (Foto: dpa)

Abschied von der EU: Jonathan Hill mit Cecilia Malmström. (Foto: dpa)

Nach dem Brexit-Votum seiner Landsleute hat der britische EU-Finanzkommissar Jonathan Hill seinen Rücktritt erklärt. Nach dem Votum könne er als EU-Kommissar nicht einfach so weitermachen, als sei nichts geschehen, erklärte Hill am Samstag in Brüssel. Sein Ressort soll nach Angaben von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker EU-Währungskommissar Valdis Dombrovskis übernehmen. Juncker erklärte sich grundsätzlich bereit, womöglich erneut einen Briten in die Kommission aufzunehmen.

Die Briten hatten am Donnerstag mit knapper Mehrheit für den Austritt ihres Landes aus der Europäischen Union gestimmt. Hill erklärte, die Entscheidung habe ihn „sehr enttäuscht“. „Ich hätte mir einen anderen Ausgang gewünscht“, hieß es in der Erklärung weiter. Doch „die britische Bevölkerung hat anders entschieden, und so funktioniert Demokratie nun einmal.“

Das frühere Mitglied des House of Lords arbeitete seit 2014 für die EU-Kommission. Er sei ursprünglich als EU-Skeptiker nach Brüssel gekommen, erklärte Hill, doch habe sich seine Ansicht im Laufe der Zeit geändert: „Allen Frustrationen zum Trotz war unsere Mitgliedschaft gut für unseren Platz in der Welt und gut für unsere Wirtschaft“.

Die Briten kommen mit dem freiwilligen Rückzug einem Konflikt mit dem EU-Parlament zuvor. Dieses hatte bereits einen Brief vorbereitet, in dem Hill zum Rücktritt aufgefordert hätte werden sollen, berichtet Politico. Besonders Martin Schulz soll empört gewesen sein, dass David Cameron nicht unverzüglich das Austrittsansuchen gemäß Artikel 50 EUV stellen will, sondern sich bis zum Oktober damit Zeit lässt. Schulz soll bei einem Treffen mit Juncker und Tusk durchaus heftig geworden sein und seine Forderung mit einem Schlag auf den Tisch bekräftigt haben. Juncker und Tusk fahren eine zurückhaltendere Linie und wollen einen vernünftigen Übergang sicherstellen.

Für Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist das Tempo der Austrittsverhandlungen Großbritanniens mit der EU nicht entscheidend. „Ehrlich gesagt soll es nicht ewig dauern, das ist richtig, aber ich würde mich auch nicht wegen einer kurzen Zeit verkämpfen“, sagte Merkel am Samstag nach der Klausur von CDU und CSU in Potsdam.

Wann Großbritannien seinen Antrag auf Austritt aus der EU nach Artikel 50 stellen werde, müsse das Land selbst entscheiden. Merkel sagte, sie gehe davon aus, dass Großbritannien das Ergebnis des Referendums nun auch umsetzen wolle.

Juncker erwartet weitere Volksabstimmungen über die EU
Juncker erwartet weitere Volksabstimmungen über die EU
EU-Präsident Juncker erwartet Volksabstimmungen über die EU auch in anderen europäischen Staaten. Den etwa 1.000 britischen EU-Beamten gab Juncker eine Job-Garantie: Sie arbeiten für die EU und nicht für Großbritannien.
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EU-Präsident Jean-Claude Juncker am Tag nach dem Brexit in Brüssel. (Foto: dpa)

EU-Präsident Jean-Claude Juncker am Tag nach dem Brexit in Brüssel. (Foto: dpa)

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker schließt weitere Referenden zum Austritt aus der Europäischen Union nicht aus. Dies sei möglich, „da Populisten in der Regel keine Gelegenheit auslassen, um mit viel Lärm für ihre Anti-Europa-Politik zu werben“, sagte Juncker in einem Interview der Bild-Zeitung. Es dürfte sich allerdings jetzt rasch zeigen, dass es Großbritannien nach dem Votum für einen EU-Austritt bald schlechter gehen werde – „wirtschaftlich, sozial und außenpolitisch“. Beim EU-Gipfel kommende Woche müsse es eine offene und ehrliche Diskussion geben, wie man die Sorgen der Bürger aufnehmen und gegen „Populisten“ vorgehen könne.

Kritik äußerte Juncker am britischen Premier David Cameron, der das Referendum angesetzt und wegen der Niederlage nun seinen Rücktritt angekündigt hat. Der Ausgang sei nicht verwunderlich. „Denn wenn jemand von Montag bis Samstag über Europa schimpft, dann nimmt man ihm auch am Sonntag nicht ab, dass er überzeugter Europäer ist.“ Der sogenannte Brexit sei dennoch nicht der Anfang vom Ende. Europa müsse sich nun darauf konzentrieren, Investitionen anzukurbeln, Arbeitsplätze zu schaffen und für die Sicherheit der Bürger zu sorgen.

Indirekt stellte Juncker den Verbleib des britischen EU-Kommissars Jonathan Hill infrage, der in Brüssel für den Finanzmarkt zuständig ist. „Das ist jetzt zuallererst eine persönliche Entscheidung von Lord Hill, den ich als erfahrenen Politiker sehr schätze“, so der Kommissionspräsident. Den etwa 1000 britischen EU-Beamten gab Juncker eine Jobgarantie. Denn sie arbeiteten für Europa und nicht Großbritannien.

Obama: Angela Merkel ist die neue Ansprechpartnerin der USA
Obama: Angela Merkel ist die neue Ansprechpartnerin der USA
US-Präsident Obama will sich über den Umgang der EU mit Großbritannien künftig direkt mit Bundeskanzlerin Merkel abstimmen. Bisher waren die Briten der erste Ansprechpartner für die US-Regierung. Hillary Clinton will genau diese Achse aufrechterhalten.
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US-Präsident Barack Obama mit der damaligen Außenministerin Hillary Clinton im September 2012. (Foto: dpa)

US-Präsident Barack Obama mit der damaligen Außenministerin Hillary Clinton im September 2012. (Foto: dpa)

US-Präsident Barack Obama stimmt sich beim Umgang mit der britischen Entscheidung für den EU-Austritt mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ab, berichtet die AFP. Er habe am Freitag mit Merkel telefoniert, sagte Obama in einer Rede an der kalifornischen Stanford-Unversität. Dabei habe er mit der Kanzlerin vereinbart, „dass die USA und ihre europäischen Verbündeten in den kommenden Wochen und Monaten eng zusammenarbeiten werden“.

Obama äußerte zugleich die Erwartung, dass Großbritannien seinen Austritt aus der Europäischen Union in „geordneter“ Weise vollziehen werde. In einem Telefonat mit dem britischen Premierminister David Cameron habe er mit diesem abgesprochen, dass die Wirtschafts- und Finanzteams beider Regierungen in engem Kontakt bleiben sollten.

Der britische Regierungschef, der das Referendum anberaumt, aber für den Verbleib seines Landes in der EU geworben hatte, hat seinen Rücktritt für Oktober angekündigt. Er will, dass erst sein Nachfolger die Ausstiegsverhandlungen mit der EU führt.

Einen anderen Akzent setzte Hillary Clinton, voraussichtliche Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten: Sie sagte, die „special relationship“ zwischen Großbritannien sowie der transatlantischen Allianz und den USA sei weiterhin unverbrüchlich.

Der US-Präsident hatte sich für den Verblieb Großbritanniens in der EU eingesetzt. Bei einem Besuch in Großbritannien im April warnte er vor schwindendem britischen Einfluss in der Weltpolitik bei einem EU-Austritt. Die Europäische Union habe den britischen Einfluss nicht geschmälert, sondern „vergrößert“.

Die Intervention des US-Präsidenten nutzte aber womöglich eher dem Brexit-Lager. Sie könnte „kontraproduktiv“ gewesen sein, sagte am Freitag der Europa-Experte Michael Geary vom Wilson Center, einem Washingtoner Institut.

Für die USA werden nun die Beziehungen sowohl zu Großbritannien als auch zur Europäischen Union komplizierter und instabiler. Die unüberschaubaren Folgewirkungen des Brexit machen beide Partner zu unberechenbaren Größen.

In einem knappen schriftlichen Statement versicherte Obama am Freitag, dass sowohl die Europäische Union als auch Großbritannien für die USA „unverzichtbare Partner“ blieben, auch während der Phase der Neuverhandlung ihrer gegenseitigen Beziehungen. Und er beteuerte, dass die „besondere Beziehung“ zwischen den Vereinigten Staaten und Großbritannien erhalten bleibe und Washington weiter auf Großbritannien als Nato-Partner setze.

Die USA haben ihre besonders enge Partnerschaft zu Großbritannien traditionell dafür genutzt, innerhalb Europas Einfluss auszuüben. Die „besondere Beziehung“ zu London habe die Kooperation mit der EU bei vielen Themen leicht gemacht, sagte der Experte Jeffrey Rathke vom Center for Strategic and International Studies in der US-Hauptstadt. Nach der Entscheidung für den Brexit müssten die USA nun ihre Kooperation mit anderen europäischen Staaten „aufpeppen“.

Stunde der Wahrheit: Brexit als Auslöser der nächsten Finanz-Krise
Stunde der Wahrheit: Brexit als Auslöser der nächsten Finanz-Krise
Der Austritt Großbritanniens aus der EU ist ein Katalysator für gravierende globale Fehlentwicklungen. Er wird als externer Faktor verwendet werden, um massive Bereinigungen in einer Zombie-Wirtschaft vorzunehmen, die zuletzt nur noch auf Zeit gespielt hat. Die Zeit ist jetzt abgelaufen.…
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Der Premier hat seine Schuldigkeit getan: David Cameron mit Frau Samantha am Tag nach dem Brexit. (Foto: dpa)

Der Premier hat seine Schuldigkeit getan: David Cameron mit Frau Samantha am Tag nach dem Brexit. (Foto: dpa)

Für sich genommen und rein rational betrachtet ist der Austritt Großbritanniens aus der EU kein Anlass, der die Welt in eine neue Wirtschaftskrise stürzen kann. Tatsächlich hat das Vereinigte Königreich eine ausgesprochen privilegierte Position in der EU gehabt. Angesichts der vielen komplexen Verträge, die die EU mit anderen Staaten hat, wäre es theoretisch leicht, nun eben auch mit London eine neue Form der Zusammenarbeit zu finden. Der Preis, den beide Parteien zahlen müssen, ist überschaubar und hält sich die Waage: Die EU bekommt keine Netto-Zahlungen mehr, dafür können die Briten nicht mehr mit- und reinreden. Norwegen und die Schweiz haben ähnliche Beziehungen mit der EU. Die Flucht in den Schweizer Franken nach dem Brexit zeigt, dass das durchaus sehr gut funktionieren kann.

Politisch gesehen wird sich nun zeigen, wie pragmatisch die EU ist und wie flexibel die Nachfolger Camerons agieren. Die EU ist ja der Inbegriff von Völkerfreundschaft und Verständigung. Also sollte es möglich sein, mit den Briten einen fairen Deal zu finden. Denkbar ist allerdings auch, dass die nationalen Kräfte die Oberhand gewinnen: Wie leicht Völker gegeneinander aufzuwiegeln sind, haben wir in dieser Reihenfolge bei Griechenland, Russland, Polen und der Türkei gesehen. Die politischen Opportunisten sitzen nicht nur in den Reihen der neuen rechten Parteien, sondern auch in den Regierungen. Immerhin: Der Brexit hat gezeigt, dass eine ausschließlich auf Angst basierende Kampagne nicht verfängt.

Dies hängt paradoxerweise mit der Tatsache zusammen, dass die meisten Leute keine Angst haben – sondern eher Wut, Entfremdung und Unverständnis gegenüber für sie anonymen Institutionen empfinden. Die Angst machte sich vor allem an der zunehmenden Ablehnung von Migration und Zuwanderung bemerkbar. Hier wurden die Briten Opfer einer diabolischen Verführungskunst: Sie sind der Fiktion erlegen, dass die Ausländer die Sündenböcke sind und dass alles gut wird, wenn nur erst die Grenzen geschlossen sind. Absurderweise konnten jene EU-Ausländer, die in Großbritannien Steuern zahlen und zu einem guten Teil die Wirtschaft am Laufen halten, nicht mitstimmen. Dasselbe gilt für andere Migranten, die ebenfalls Steuern zahlen, aber eben noch eine andere Staatsbürgerschaft haben.

Das Paradox besteht in der Tatsache, dass die Leute eigentlich allen Grund hätten, mit Sorge in die Zukunft zu blicken: Das globale Wirtschaftssystem steckt in einer fundamentalen Krise. Vieles ist auf Sand und falschen Versprechungen gebaut. Das Banken-System in der City hat davon profitiert, dass London eine Steueroase ist – mit bisher offenen Toren für Geldwäsche und Steuerhinterziehung aus dem Ausland. Dieses Geschäft dürfte nach dem Brexit in die USA abwandern. Die Amerikaner haben mit den Panama Papers bewiesen, wie die globale Akquisition funktioniert.

Das Gefährliche am Brexit ist, dass er in den kommenden Monaten all jenen die perfekte Begründung liefern wird, die vom Zombie-System profitiert haben. Der Brexit war ein Schwarzer Schwan mit Ansage und kurzer Selbsttäuschung: In den letzten Tagen vor dem Referendum haben sich viele noch ein letztes Mal der Illusion hingegeben, dass man nur zu warten brauche, bis die Lage besser wird. Die enge Verquickung von Politik und Finanzindustrie zeigte der EU-Gegner Nigel Farage: Er war der erste, der bekanntgab, dass die EU-Befürworter gewonnen hätten. Das Pfund schoss in die Höhe. Wenige Stunden später stellte sich heraus, dass das Gegenteil der Fall war. In der Zwischenzeit könnten Spekulanten ein Vermögen verdient haben. Welche Rolle Farage spielte, wird nie bekannt werden.

Nun aber werden Banken, Unternehmen, Verbände und Märkte den Brexit nutzen, um aufzuräumen. Sie können nun, wie nach 9/11 oder Lehman, ein externes Ereignis für schlechte Zahlen, Massenentlassungen, Schließungen und sogar Pleiten anführen. Diese Bereinigung wäre in jedem Fall gekommen. Es liegt aber in der Natur der Menschen, dass man bis zuletzt versucht, die Augen zu schließen und den Crash zu vermeiden – in der Hoffnung, alles sei nur ein böser Traum, den man durch Erwachen hinter sich lassen kann.

Die Ankündigung der Zentralbanken, die Banken mit Liquidität zu stützen und die Ankündigung der Fed, mit Swaps an den Devisenmärkten zu intervenieren, sind deutliche Signale, dass die Weltgemeinschaft zwar aufgewacht ist. Doch sie findet sich nicht einem von Wachstum getriebenen Umfeld wieder, in dem externe Schocks verdaut werden können, sondern in einer weltweiten Rezession, deren Vorbote der Rohstoff-Schock gewesen ist. Die Jagd nach Assets ist Ausdruck der globalen Schulden-Krise, die man auch an Großbritannien erkennen kann: Das Land ist stärker verschuldet als das vielgescholtene Italien.

Anders als beim Platzen der Dotcom-Blase ist noch nicht zu erkennen, wer am Ende von den gravierenden Umwälzungen profitieren wird, die die technologische Revolution von Internet und Industrie 4.0 angestoßen hat. Die „Old Economy“ – von den Banken über die Rohstoffe bis zum Automobil-Sektor – leidet unter einer massiven Überproduktion, der keine künftige Nachfrage gegenübersteht. Bis auf wenige Länder hat kaum eine Regierung dieses Menetekel erkannt. Und auch dort, wo die Innovation herkommt – etwa –en USA – werden nicht die Massen profitieren, sondern eine neue, digitale Oberschicht. Soziale Verwerfungen sind unausweichlich.

Doch diese Spannungen werden erst langsam Folgen für die Gesellschaft zeigen. Sie werden verschärft durch die mangelnden Lösch-Qualitäten der Zentralbanken, in der EU vor allem der EZB: Die Rentensysteme der Lebensversicherer stehen in Europa vor dem Kollaps – und erstaunlicherweise findet dieses Thema öffentlich nur wenig Beachtung. So sagte Kanzleramtsminister Altmaier beim CDU-Wirtschaftstag beiläufig, dass sich auch die deutschen Rentner künftig von der Idee der 100 Prozent-Deckung verabschieden müssen und sich eher auf 80 Prozent einstellen müssen. 90 Millionen Verträge in Lebensversicherungen hängen in der Luft. Die Ergo-Versicherung hat erst vor wenigen Tagen angekündigt, zu überlegen, das Geschäft mit den Lebensversicherungen in eine eigene Gesellschaft ausgliedern zu wollen. Das ist alles andere als beruhigend.

Der Brexit als Katalysator eines morschen globalen Finanzsystems ist nicht, wie einige Kommentatoren meinen, ein Konflikt „Alt gegen Jung“ oder „Stadt gegen Land“ oder „Gebildet gegen Ungebildet“. Der Brexit macht die Bruchlinie sichtbar zwischen dem einen Prozent und den 99 Prozent auf aller Welt. Der Brexit beendet den Alptraum vom Crash, indem der Crash zur Realität wird. Grundlegende Verwerfungen werden in den kommenden Monaten mit dem Label „Brexit“ versehen, weil man auch damit ganz praktisch Sündenböcke gefunden hat. Es werden die „dummen Briten“ sein, denen man die Schuld an der Misere in die Schuhe schieben kann. Doch hinter dem Brexit lauert der echte Crash: Er geht nicht auf das Konto von Wutbürgern. Er ist das eiskalte Kalkül von zynischen Geschäftemachern in Politik und Finanzwirtschaft, die bisher noch bei jedem Crash unerkannt und unbestraft geblieben sind.

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Das neue Buch von DWN-Herausgeber Michael Maier erscheint in wenigen Tagen beim Finanzbuch Verlag München. (Foto: FBV)

Das neue Buch von Michael Maier. (Foto: FBV)

DWN-Herausgeber Michael Maier analysiert in seinem neuen Buch das Wesen der Finanz-Kriege als direkte Folge der Schuldenkrise. Die Jagd nach wirklich werthaltigen Assets führt zu einem mörderischen, globalen Verteilungskrieg. Ein einziges Ereignis genügt, um das weltweite Finanzsystem in seiner unüberschaubaren Vernetzung zu gefährden. In einer solchen Situation neigen die Staaten dazu, Gewalt in jeder Form wieder in ihr tägliches Repertoire aufzunehmen. In der Regel sind die Leidtragenden nicht diejenigen, die einen Crash verursacht haben.

Michael Maier: „Das Ende der Behaglichkeit. Wie die modernen Kriege Deutschland und Europa verändern“. FinanzBuch Verlag München, 228 Seiten, 19,99€.

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Auf Gold gesetzt: Soros gewinnt Wette gegen die EU
Auf Gold gesetzt: Soros gewinnt Wette gegen die EU
Vor einer Woche hatte US-Investor George Soros wegen des von ihm erwarteten Brexit auf Gold gesetzt - und damit satte Gewinne gemacht. Die genaue Höhe seiner Wette ist nicht bekannt.
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George Soros bezahlte Bürgerverbände in Ferguson für die Organisation der Proteste. (Foto: dpa)

US-Investor George Soros. (Foto: dpa)

Vergangene Woche hatte Soros in einem Gastbeitrag der Zeitung Guardian exakt dieses Szenario vorausgesagt, wobei er von einem Einbruch des Pfunds von insgesamt 20 Prozent ausgeht. Zuvor hatte das Soros Fund Management mehrere Aktien-Pakete abgestoßen und stattdessen Gold und Anteile an Gold-Minen erworben. Soros Fund Management verwaltet insgesamt 30 Milliarden Dollar, berichtet das Wall Street Journal. Der US-Investor hatte bereits im Jahr 1992 gegen das britische Pfund gewettet und einen großen Gewinn eingestrichen.

Das britische Pfund verzeichnete nach dem Referendum den heftigsten Kursverlust zum Dollar seit mindestens 30 Jahren, berichtet Market Watch. Der Kurs liegt derzeit bei etwa 1,38 Dollar, doch nach Ansicht des US-Investors George Soros könnte es bis auf 1,15 Dollar fallen. Ein billiges Pfund macht britische Produkte anderswo billiger, verteuert aber Importe und kann so zu höherer Inflation und sinkender Kaufkraft führen.

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