Politik

Nordkoreas Kronprinzessin: Kim Ju-Ae rückt ins Zentrum der Macht

Kim Jong-Un präsentiert die Zukunft Nordkoreas – und sie trägt Handtasche. Seine Tochter Kim Ju-Ae tritt als neue Machtfigur auf. Was steckt hinter dem Aufstieg?
18.07.2025 17:44
Lesezeit: 2 min
Nordkoreas Kronprinzessin: Kim Ju-Ae rückt ins Zentrum der Macht
Kim Ju-Ae an der Seite ihres Vaters Kim Jong-Un: Die auffällig inszenierten Auftritte der jungen Tochter nähren Spekulationen über eine weibliche Thronfolge in Nordkorea. (Foto:dpa) Foto: -

Kim Jong-Un's Tochter wird zur Nachfolgerin aufgebaut.

Wird Nordkoreas nächster Diktator eine Frau sein? Analysten halten es für wahrscheinlich, dass die Thronfolge der Kim-Dynastie auf Kim Ju-Ae hinausläuft – die modebewusste Teenager-Tochter von Machthaber Kim Jong-Un.

Seitdem sie vor einem Jahr erstmals öffentlich gezeigt wurde, tritt Kim Ju-Ae zunehmend in Erscheinung. Die Zwölf- oder Dreizehnjährige begleitete ihren Vater zu mehreren symbolischen Anlässen, darunter ein Raketenstart und der Stapellauf eines Kriegsschiffs. Ihre auffallende Körpergröße löste Diskussionen aus. Viele Beobachter sehen darin auch einen Beleg für die Sonderbehandlung, die sie als Mitglied der Kim-Familie genießt.

Dynastie in vierter Generation

Mehrere Analysten glauben, dass Kim Ju-Ae auf die Macht vorbereitet wird, sollte Kim Jong-Un zurücktreten oder sterben. Ihre familiäre Abstammung vom Staatsgründer Kim Il-Sung sichert ihr die dynastische Legitimität. Professor Andrew Yeo von der Brookings Institution sagt: „Sie scheint für diese Rolle vorbereitet zu werden.“

Kim Jong-Un selbst kam als 27-Jähriger überraschend an die Macht, als sein Vater Kim Jong-il verstarb. Auch seine Schwester Kim Yo-Jong galt lange als mögliche Nachfolgerin. Sie ist eine einflussreiche Diplomatin und trat auf internationalen Gipfeln auf. Doch Experten wie Victor Cha vom CSIS betonen: Die Macht übergehe traditionell vertikal innerhalb der Familie, also von Vater zu Kind.

Ob das patriarchale Nordkorea bereit für eine Frau an der Spitze ist, bleibt unklar. Der Geheimdienst Südkoreas geht davon aus, dass Kim Jong-Un zwei weitere Kinder hat, darunter einen Sohn. Allerdings wurden diese bislang nicht öffentlich gezeigt. Ein europäischer Nordkorea-Kenner meint: „Meine Kontakte dort glauben nicht, dass eine Frau die Macht übernimmt.“

Propaganda oder echte Macht?

Analysten vermuten, Kim könne seine Tochter bewusst inszenieren, um ein Bild von Sicherheit und Kontinuität zu vermitteln. Die Botschaft an die Bevölkerung lautet: Die nukleare Abschreckung des Landes ist auch in der nächsten Generation gesichert.

Hong Min vom Korea Institute for National Unification sieht in Ju-Aes Auftritten bewusste Symbolpolitik. Andere Analysten betonen, Kim wolle mit ihrer Darstellung als moderne junge Frau – mit Designerbrille, westlicher Kleidung und Accessoires – auch ein menschlicheres Bild des Regimes prägen.

Laut US-Stylistin Lauren Rothman zeigt Kim Ju-Aes Auftreten sowohl das Kind als auch die zukünftige Herrscherin. Im Vergleich zu Kim Yo-Jong wirke ihr Erscheinungsbild gezielter und stilisierter.

Die Regierung könnte zudem versuchen, mit Ju-Ae die Jugend des Landes für sich zu gewinnen. Diese ist trotz staatlicher Zensur nicht immun gegen den kulturellen Einfluss Südkoreas, dessen Popkultur über versteckte Kanäle ins Land gelangt.

Einblicke in Nordkoreas Transformation

Nordkoreas Wirtschaft wuchs 2023 laut südkoreanischer Zentralbank um 3,1 Prozent – der höchste Anstieg seit 2016. Treiber waren unter anderem Waffenexporte nach Russland. Dennoch liegt das BIP pro Kopf mehr als 20-mal unter dem Südens.

Trotzdem modernisiert sich Nordkorea sichtbar. Neue Hochhäuser in Pjöngjang, Luxusautos wie Toyota und Mercedes sowie ein Großprojekt automatisierter Gewächshäuser sollen das Land unabhängiger machen – und die Eliten versorgen.

Bedeutung für Deutschland und den Westen

Für Deutschland und Europa birgt ein möglicher Machtwechsel in Pjöngjang geopolitische Risiken. Eine Kim Ju-Ae an der Spitze könnte sowohl neue Chancen für diplomatische Annäherung als auch das Fortbestehen autoritärer Strukturen bedeuten. Der Westen muss sich darauf einstellen, dass Nordkorea seine Symbolpolitik modernisiert, ohne an der politischen Realität etwas zu ändern. Auch mit Blick auf Menschenrechte, Atomwaffen und regionale Sicherheit ist eine kritische Beobachtung der dynastischen Nachfolge dringend geboten.

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