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Investor Bell: „Der weltweite Kampf um Lebensmittel hat begonnen“

Der Investor Doug Bell warnt vor einer fortgesetzten, brutalen Ausbeutung der landwirtschaftlichen Nutzflächen. In Uruguay will er mit einem Musterprojekt zeigen, dass es auch ohne Monsanto geht. Das Projekt setzt auf lokale Firmen und Kooperativen - und kommt ohne Weltbank oder IWF zu nachhaltigen Ergebnissen.

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In Santa Catalina in Uruguay versuchen amerikanische Investoren gemeinsam mit lokalen Unternehmen ein Gegenmodell zur industriellen Landwirtschaft aufzuziehen. (Foto: Grasslands)

In Santa Catalina in Uruguay versuchen amerikanische Investoren gemeinsam mit lokalen Unternehmen ein Gegenmodell zur industriellen Landwirtschaft aufzuziehen. (Foto: Grasslands)

Der Investor Doug Bell hat in Uruguay ein Projekt aufgezogen, mit der jenseits des großen Börsen-Kasinos oder der spekulativen Finanzderivate eine nachhaltige, kleinteilige Landwirtschaft gefördert werden soll. Bell sagte den Deutschen Wirtschafts Nachrichten, dass die Politik der Zentralbanken dazu führe, dass es heute für Investoren von entscheidender Bedeutung sei, ihr Geld in Unternehmen zu investieren, die von den großen Manipulationen der Märkte ausgenommen werden können. Bell glaubt, dass mit Lebensmitteln, Wasser und Energie jene Bereiche besonders verantwortungsvolle Investments benötigen, die für das Überleben der Menschheit von entscheidender Bedeutung sind. Daher hat Bell mit einigen Family-Offices begonnen, in Uruguay in landwirtschaftliche Projekte zu investieren. Das Grasslands-Projekt ist der Versuch, der Falle von Manipulation und Zerstörung zu entrinnen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Wie kam es zu Ihrer Entscheidung, Grasslands zu gründen?

Doug Bell: Grasslands ist eine Strategie zur Vermögenserhaltung. Über 23 Jahre leitete ich eine Filiale der US-Frisörkette Supercuts – der McDonald’s beim Haareschneiden. Mir gelang es, unser Geschäft zu einem der führenden 50 Läden zu machen. Auf der Suche nach Startup-Kapital schuf ich einen Investment-Fonds, den ich 17 Jahre lang bis zu seiner Auflösung managte.

Meine Familie kommt aus der Landwirtschaft, und meine Frau und ich interessierten uns für Investitionen in Nahrungsmittel, Wasser oder Energie – dabei sind Nahrung und Wasser am wichtigsten. Menschen müssen essen. Nachdem ich also mein Supercuts-Geschäft aufgelöst hatte, wurde klar, dass ich zu meinen Wurzeln in der Landwirtschaft zurückkehren wollte. Ich wollte anderen ermöglichen, daran teilzuhaben, indem ich einen weiteren Investment-Fonds startete.

Die Kernelemente unserer Geschäftsidee sind:

Die extreme Belastung in der Nahrungsmittelproduktion: kontinuierlich fallende Erträge aus den weithin akzeptierten landwirtschaftlichen Methoden; zunehmende Investitionskosten; eine exponentiell wachsende Bevölkerung; zunehmender Kalorienbedarf; schrumpfende Anbaufläche; ernsthafte Problem mit Wassermangel.
Wissenschaft und Technologien haben in den letzten 60 Jahren einen Fortschritt in der Nahrungsmittelproduktion bewirkt und die Erträge außerordentlich gesteigert. Aber diese Erträge gehen nun trotz verstärkter Investitionen zurück, und die landwirtschaftliche Technologie hat dafür keine unmittelbaren Lösungen parat.

Die andauernden schonungslosen inflationären Effekte der Zentralbankpolitik. Auch wenn der Prozess des Schuldenabbaus nach der letzten Finanzkrise letztlich deflationär wirken könnte, ist der Schuldenabbau inflationär für Nahrungsmittel und folglich auch für Ackerland. Die grundlegende Schuldenstruktur des privaten Monopols der US-Zentralbank zerstört weiter die Kaufkraft der anderen Währungen der Welt.
Unsere steigenden Kosten für Güter und Dienstleistungen sind kein Zeichen für eine Zunahme des wirklichen Wertes. Vielmehr spiegeln die steigenden Kosten einen Verfall der Kaufkraft unseres Dollars wider. Die Kaufkraft eines Dollars des Jahres 1913 entspricht heute drei Cent (0,03 Dollar).

Diese entscheidenden Elemente haben uns überzeugt, dass Investitionen in Ackerland eine gut fundierte Idee sind.

Menschen brauchen Nahrung, jeder muss essen … jeden Tag. Die Dynamik der Nahrungsmittelproduktion spricht für eine größere Nachfrage und weiteres Wachstum im Ackersektor, was den Aufwärtsdruck auf die Nahrungspreise aufrechterhalten wird. Die Preise für Ackerland werden weiterhin den steigenden Nahrungsmittelpreisen folgen. Ackerland und Nahrungsmittelpreise korrelieren positiv mit der Inflation, und es wird immer Nachfrage nach dem besten Ackerland geben.

Daher begannen wir, eine primäre Region in der Welt zu identifizieren, wo Pflanzen effizient und profitabel angebaut werden können, ein Land mit einem möglichst geringen politischen, sozialen und finanziellen Risiko. Wir kamen zu dem Schluss, dass Uruguay von einigen wichtigen Gesichtspunkten aus eine sinnvolle, sogar ideale Lösung ist. Grasslands hat eine sehr pragmatische Herangehensweise an Geschäfte und Landwirtschaft. Wir nutzen Direktsaat (pfluglose Bodenbearbeitung) und einige biologische Techniken, um das Land unter unserer Verantwortung zu erhalten und anzureichern.

Das Mercosur-Becken (Uruguay, Argentinien, Paraguay und Brasilien) ist die neue Kornkammer der Welt. Hier sind einige der aufschlussreichen Statistiken über die Landwirtschaft Uruguays:

• Viertgrößter Exporteur von Milchprodukten
• Sechstgrößter Exporteur von Sojabohnen
• 5 Prozent der weltweiten Rindfleisch-Exporte kommen aus Uruguay
• In Uruguay befinden sich die größten und modernsten Papierfabriken der Welt – Finnlands UPM und Schwedens Stora Enso – dies liegt an dem dortigen schnellen Wachstum des Eukalyptus

Die Lösung von Grasslands ist folglich eine Strategie zur Erhaltung von Vermögen, bei der wir uns an der sinnvollen Ernährung des Planeten beteiligen. Ackerland ist eine greifbare Anlage, die positiv mit der Inflation korreliert. Es erbringt Einkommen aus Nahrungsmitteln und liefert die Gelegenheit der Steigerung der Bodenpreise.
Wir konzentrieren uns auf Uruguay. Denn es verbindet es erhebliches Potential, mit Ackerland Geld zu machen, mit Nahrungsmittel-Chancen. Die Landwirtschaft ist heute einer der dynamischsten Sektoren für Investitionen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was unterscheidet Grasslands von anderen Initiativen in der Landwirtschaft?

Doug Bell: Bei Grasslands haben Investoren die Vorteile, die sich aus dem direkten Besitz von Ackerbau ergeben, ohne dass sie dieses managen müssen. Zudem gibt uns der Besitz vieler Farmen mit vielen Investoren eine zahlenmäßige Stärke, und wir sind in der Lage, das landwirtschaftliche Risiko abzumildern und eine geordnete Ausstiegsoption für Investoren zu bieten. Eine primäre Herausforderung beim Besitz von Ackerland ist die Illiquidität.

Außerhalb von Grasslands können Investoren Aktien kaufen oder eine einzelne Farm selbst besitzen. Der Aktienkauf bietet leichte Liquidität, begrenzt aber die Teilhabe an der Wertsteigerung des Ackerlands und an Nahrungsmittel-Dividenden. Der Besitz einer Farm fordert Zeit und Fachwissen bei der Steuerung der Profitabilität.

Hier sind einige Vorteile der Landwirtschaft in Uruguay:

• Eigentumsrechte von Ausländern sind verfassungsmäßig geschützt.
• Ergiebige, fruchtbare Ackerböden im massiven Becken des Rio de la Plata, das Wasser aus den Anden erhält
• Ackerland kostet nur halb so viel wie vergleichbares Ackerland in den USA.
• Große Erfahrungen beim geschäftlichen und landwirtschaftlichen Management, bei der Landvermittlung und bei der rechtlichen und steuerlichen Beratung

Der Kostenvorteil beim Ackerland und die Fähigkeit, den Ertrag zu verdoppeln geben Grasslands einen bedeutsamen vierfachen Vorteil für Investitionskapital im Vergleich mit den USA.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Nahrungsmittel sind zum Spekulations-Objekt geworden. Welche Folgen hat das?

Doug Bell: Der Handel auf dem freien Markt wird immer Spekulanten anziehen. Nahrungsmittel sind seit tausenden Jahren ein Herzstück des Markts.
Während die Spekulation im letzten Jahrzehnt viele Rohstoffpreise getrieben hat, haben auch die grundlegenden Kräfte Angebot und Nachfrage einen großen Einfluss. Zudem diktieren China, Argentinien und Russland den Bauern die lokalen Getreidepreise. Sie können auch Exporte stoppen, wenn sie eine schlechte Ernte haben. Diese zentralistischen, kontrollierenden Maßnahmen greifen in die Preisbildung des freien Marktes ein.

Immer wieder feuern hohe Inflationsraten die Spekulation an. Wenn der durchschnittliche Anstieg des S&P in den letzten Jahrzehnten bei 8 Prozent lag, die Inflation aber bei 10 Prozent, dann werden die Leute nach riskanteren Investitionen suchen, um dem Kaufkraftverlust zu entgehen.

Zudem erzeugt Ackerland Nahrung, und das beste Ackerland wird immer einen Wert haben. Darum besitzen wir ertragsstarkes Ackerland und bauen Getreide an (Soja, Weizen, Mais, Gerste und Sorghum).

Die Nahrungsmittelspekulation und die dazugehörenden Auswirkungen der Zentralbankpolitik werden die Nahrungspreise weiter treiben, was den Wert der zugrundeliegenden Ackerböden mitziehen wird, auf denen die Nahrungsmittel angebaut werden. Die Korrelation mit der Inflation führt dazu, dass Ackerland eine optimale Anlage zur Vermögenserhaltung ist.

Doug Bell will in Uruguay ohne Pestizide und ohne großindustrielle Strukturen anbauen. (Foto: Grasslands)

Doug Bell will in Uruguay ohne Pestizide und ohne großindustrielle Strukturen anbauen. (Foto: Grasslands)

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Eine Studie der University of Colorado zeigt, dass Ackerland massiv durch Chemikalien zerstört worden ist. Sehen Sie hier eine globale Dimension?

Doug Bell: Der britische Telegraph berichtet über ähnliche Ergebnisse: „Amerikanische Wissenschaftler haben eine beunruhigende Entdeckung gemacht. Der Nahrungsmittelanbau in den Prärien hat seit dem späten 19. Jahrhundert einen Zusammenbruch der im Boden befindlichen Mikroben verursacht, die das Ökosystem zusammenhalten.“

Die Agrarrevolution (industrieller Ackerbau) benötigt schwere Maschinen, Dünger, Pestizide und nun genetisch verändertes Saatgut. Auch wenn dies ein umstrittenes Thema geworden ist, haben diese Vorteile in den vergangenen 60 Jahren eine wichtige Rolle bei der Ernährung der Weltbevölkerung gespielt. Doch trotz des verstärkten Einsatzes von Chemikalien und der Veränderungen des Saatguts erzeugt dieser Ansatz in den letzten Jahren zurückgehende Erträge. Ebenso besorgniserregend sind die andauernden Berichte über den weltweiten Rückgang der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche. Als Ursache werden das Vordringen der Städte, Bodenerosion, Bodenverunreinigung oder die Erschöpfung der Böden angesehen.

Insofern als die Praktiken seit der Agrarrevolution sich weltweit ausgebreitet haben, haben sich auch die langfristigen schädlichen Wirkungen ausgebreitet. Die gute Nachricht ist, dass Direktsaat-Methoden einen Ausweg aus dieser Sackgasse bieten.
Nach vier Jahren mit schlechten Ernten war Gabe Brown aus North Dakota gezwungen, die moderne Landwirtschaft aufzugeben und wieder zur pfluglosen Bodenbearbeitung zurückzukehren. Brown hat die Gesundheit und Ergiebigkeit seines Bodens massiv erhöht und bietet ein nützliches Modell für den Übergang weg von der industriellen Landwirtschaft.

In Uruguay wird die Direktsaat-Methode landesweit angewandt. Sie fügt den Boden weniger Schäden zu und benötigt weniger Chemikalien. Wir glauben, dass guter Ackerbau wesentlich ist für unsere Fähigkeit, den Planeten zu ernähren. Auch Grasslands praktiziert ausnahmslos die pfluglose Bodenbearbeitung. Wir denken, die Direktsaat-Methode bietet eine Möglichkeit, gute, gesunde Böden wiederherzustellen und zu erhalten.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Die meisten Märkte werden manipuliert. Ackerland ist eine attraktive Vermögensanlage geworden. Wie kann die Welt sicherstellen, dass es auf ethische Art und Weise genutzt wird?

Doug Bell: Besonders Uruguay genießt einige einzigartige Vorteile für die verantwortungsvolle und ethische Nutzung des Ackerlandes. Die Regierung Uruguays erkennt den Wert des Ackerlandes und hat verschiedene Maßnahmen zum Schutz und zur Erhaltung ihres nationalen Schatzes eingeleitet. Jeder Quadratmeter Ackerland im Land wird durch das transparente Coneat-System empirisch nach seiner Produktivität bewertet. Zudem zeichnen sie den Anbau auf, um nachhaltige Rotationen sicherzustellen.

Es gibt keine erzwungenen oder kontraproduktiven staatlichen Subventionen, die den lokalen freien Anbau und betriebliche Entscheidungen beeinflussen. Als kleines Land mit 3,5 Millionen Einwohnern genießen sie den „Kleinstadt“-Vorteil: Die Leute sind meist ehrlich, respektvoll und herzlich. Die Familie hat einen hohen Stellenwert. Das Rechtssystem ist bürgerliches Recht und respektiert das Recht, wie es geschrieben ist. Das ist ein deutlicher Unterschied zum richterrechtlichen Gewohnheitsrecht, das durch richterlichen Aktivismus und Präzedenzfall-Recht getrieben wird wie in den USA. In den USA werden Gesetze immer wieder revidiert, was zu schikanösen Klagen und einer Verschwendung öffentlicher Gelder im Justizsystem führt.

Uruguay verzichtet auf eine übermäßige Regulierung oder Subventionierung der Landwirtschaft – im Gegensatz zu den USA, wo die Landwirtschaft oft unter Konflikten zwischen den Bundesstaaten und der US-Regierung und kontraproduktive Subventionen leidet, die Anreize zu unproduktiven landwirtschaftlichen Absichten setzen.

Im Hinblick auf das beispiellose Vorgehen der Zentralbanken als Reaktion auf die Finanzkrise suchen die Investoren nach einem sicheren Hafen, um ihr Vermögen zu sichern, und Ackerland bietet diesen Schutz. Ackerland ist eine wichtige alternative Investitions-Option. Es ist eins der wenigen Anlagen, die weder mit Aktien noch mit Anleihen korrelieren, und eine natürliche Absicherung gegen die Inflation.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Die UN unterstützen globale Nahrungsmittel-Aktivitäten, mit großen negativen Folgen für die lokalen Bauern. Wie sehen Sie das?

Doug Bell: Wir sind nicht sicher, welchen konkreten Einfluss die UN auf die Landwirtschaftspolitik in Uruguay haben wird. Offensichtlich basiert die Verfassung Uruguays ausdrücklich auf dem Prinzip der souveränen Eigentumsrechte. Uruguay Vorgehen ist weiterhin beispielhaft unternehmerfreundlich und steuerfreundlich.

Die Ernährung des Planeten ist jetzt und in Zukunft eine enorme Herausforderung und sicherlich eine weltweite Sorge. Uruguay konzentriert sich auf das Wachstum seiner Wirtschaft und die Zunahme seines Ansehens in der weltweiten Finanzgemeinde im Hinblick auf Investitionen.

Investoren, die sich für die Landwirtschaft interessieren, müssen nach Ländern suchen, die gutes Ackerland, ein vernünftiges politisches und wirtschaftliches Umfeld und gute landwirtschaftliche Betriebe und Logistik bieten. Eine Studie der University of Wisconsin zu landwirtschaftlich nutzbarem Land bewertet das Ackerland der gesamten Welt. Die Studie bewertet Uruguays Ackerland als das beste Ackerland in der Welt.
Aus diesem und vielen anderen Gründen denken wir, dass Uruguay zu den besten Alternativen in der Landwirtschaft gehört. Was die Unterstützung der lokalen landwirtschaftlichen Infrastruktur angeht, beschäftigt Grasslands lokale Firmen, um den Betrieb zu managen, und unterstützt auf diese Weise Uruguays kleine Farmen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: In Europa sehen wir, dass die EU die großen landwirtschaftlichen Betriebe subventioniert, während die lokalen Betriebe Probleme haben, im Geschäft zu bleiben. Sollten wir uns mehr in Richtung kleiner Betriebe orientieren?

Doug Bell: Da wir leicht beobachten können, dass einige der klügsten Leute nach Lösungen dieses bedeutenden Problems suchen, können wir meiner Ansicht nach davon ausgehen, dass es für dieses globale Problem keine einfache Antwort zur Koordinierung der Produktion gibt, zur Umsetzung und Verteilung, sowohl mit großen als auch kleinen Teilnehmern.

Wir vertreten die Ansicht, dass die besten Lösungen von denen gefunden werden, die am nächsten am Betrieb und der Umsetzung dessen sind, worum es geht. Ohne verzerrende Regulierungen und rechtliche Entscheidungen könnten die natürliche Funktionsweise des Markts und die soziale Ordnung die lokale Kontrolle verstärken und kooperative landwirtschaftliche und unternehmerische Anstrengungen anregen. Jeder leistet seinen Beitrag zu diesem Prozess.

Wie jeder andere Markt oder jedes Ökosystem, groß und klein, sind alle Sorten von Teilnehmern notwendig für ein gesundes Umfeld, und angesichts der menschlichen Natur werden einige größer sein als andere. Derzeit gehen die Erträge der industriellen Landwirtschaft zurück, und kleinere Farmen bieten Innovationen durch den Einsatz von Direktsaat, biologische und Poly-Phase-Methoden. (siehe Gabe Brown oben)
Uruguay ist kein optimaler Ort für riesige landwirtschaftliche Unternehmen wie Adecoagro, das entschieden hat, seine primäre Betriebsbasis in Brasilien und Argentinien aufzubauen. Als kleinerer, familienbetriebener Betrieb hat Grasslands Uruguay für seine nachhaltigen landwirtschaftlichen Methoden und seien Fokus auf gute Landwirtschaft ausgewählt, um ein wertvolles Vermögen zu schützen. In den letzten zwei Jahren wurde Uruguays Investitions-Status zweimal von Moody’s, Fitch und S&P heraufgestuft. Der Economist bewertete Uruguay als demokratischer als die USA; und neben Chile als das transparenteste und korruptions-ärmste Land in Südamerika. Kürzlich feierte der Economist Uruguay als das „Land des Jahres“.
„Uruguay weist ein Modell der wirtschaftlichen Entwicklung auf, das auf die Förderung von Investitionen und internationaler Einbindung zielt. So ist es als ideales Ziel für Investoren bekannt worden.“ (World Finance – 13. September, 2013)

Deutsche Wirtschafts Nachrichten:  Die Risikokapitalgeber (Venture Capitalists) in den USA reden viel über künstliche Nahrungsmittel. Werden diese irgendwann die natürliche Nahrung ersetzen?

Doug Bell: Unabhängig vom Aufkommen künstlicher Nahrung denken wir, dass es immer eine Nachfrage nach hochwertigen Getreideprodukten für anspruchsvolle Kunden geben wird. Für Qualität wird immer einen Platz auf dem Markt geben. Angesichts der hochwertigen Böden Uruguays und der überragenden Fähigkeit, exzellente Getreide zu produzieren, erwarten wir, dass Uruguay an der Weltspitze der Getreidehersteller bleibt.

Die Nachfrage nach Nahrung ist gewaltig. Die Welt wird weiter vor der Herausforderung stehen, qualitativ hochwertige Nahrung zu produzieren und zu verteilen. Alle Aspekte der Produktion, der Lieferung und des Konsums von Nahrung müssen verbessert werden, um bis 2050 die Nachfrage von zusätzlichen Milliarden Menschen zu befriedigen. Wir glauben, dass die vielseitige Nachfrage an unser Nahrungssystem eine ebenso vielseitige Antwort erfordert. Den Planeten zu ernähren, ist jetzt und in Zukunft eine entscheidende Situation.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Werden wir in naher Zukunft einen globalen Kampf um Nahrungsmittel erleben?

Doug Bell: Den gibt es schon jetzt. Zusätzlich zum politischen Hintergrund waren die Nahrungsmittel-Inflation und die Unfähigkeit der Leute, sich zu ernähren, Auslöser des Arabischen Frühlings. Das Gleichgewicht aus Angebot und Nachfrage ist sehr angespannt mit geringem Spielraum für unvorhergesehene Ereignisse.

Bei einer Bevölkerung von 7 Milliarden Menschen kann eine kleine Veränderung im Nahrungsangebot sich auf viele Millionen Menschen auswirken. Auch wenn es statistisch gesehen wenig ist, sind die sozialen Folgen riesig.

China hat kürzlich 10 Prozent des Ackerlands der Ukraine für die kommenden 50 Jahre gekauft, die eine der vier größten Exportregionen für Getreide ist. Viele andere Staaten tun dasselbe, wenn sie dazu in der Lage sind.

Nahrung ist für das Überleben notwendig. Das Ackerland der Welt, wo Nahrung angebaut wird, ist endlich und erreicht seine Grenzen. Hier sind die Probleme, vor denen wir stehen:

– Landwirtschaftlich nutzbares Land wird weniger
– Die Wetterschwankungen haben zugenommen, was Probleme für die Ernten hervorruft
– Die Wasservorkommen nehmen ab
– Die Weltbevölkerung nimmt zu
– Mehr Menschen essen Fleisch
– Die Produktionskosten in der Landwirtschaft nehmen zu

Es ist leicht zu sehen, dass die Weltproduktion kaum mit der Nachfrage Schritt halten kann. Es wird weithin anerkannt, dass die Nahrungsmittelproduktion bis 2050 um 70 Prozent zunehmen wird, um die erwarteten 9 Milliarden Menschen zu ernähren. Angesichts der oben genannten Einschränkungen denken wir, dass es erhebliche Probleme bei der Bewältigung dieser Nachfrage geben wird.

Mehr über Grasslands Uruguay hier auf der Website der Initiative.

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Zentralbanken können der Weltwirtschaft nicht mehr helfen
Zentralbanken können der Weltwirtschaft nicht mehr helfen
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich sieht die Zentralbanken am Ende ihrer Möglichkeiten – mit ihrer expansiven Geldpolitik ließe sie die Weltwirtschaft nicht mehr stimulieren. Dringend notwendig sei eine radikale Neuausrichtung und ein Abbau der hohen Schulden.
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Fed-Chefin Janet Yellen, EZB-Präsident Mario Draghi und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bei G7-Treffen 2016 in Japan. (Foto: dpa)

Fed-Chefin Janet Yellen, EZB-Präsident Mario Draghi und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bei G7-Treffen 2016 in Japan. (Foto: dpa)

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) – eine Art Zentralbank der Zentralbanken – plädiert für eine grundlegende wirtschaftspolitische Neuausrichtung. Anders sei der Abschwung der Weltwirtschaft und die hohe Verschuldung nicht mehr in den Griff zu bekommen, schreibt die BIZ in ihrem aktuellen Jahresbericht.

Eine „riskante Dreierkonstellation“ aus einem ungewöhnlich niedrigen Produktivitäts-Wachstum, beispiellos hohen Schuldenständen weltweit und einem äußerst engen wirtschaftspolitischen Handlungsspielraum verhindere eine nachhaltige Erholung der Weltwirtschaft nach der Krise von 2008/2009, so die BIZ.

Zwar „lag das globale BIP-Wachstum pro Person im erwerbsfähigen Alter leicht über seinem historischen Durchschnitt, und die Arbeitslosenquoten waren im Allgemeinen rückläufig“ – von einer grundlegenden Erholung der Volkswirtschaften könne aber keine Rede sein, schreibt die BIZ. Dafür machen die Ökonomen insbesondere die Nachwirkungen zahlreicher Auf- und Abschwünge an den Finanzmärkten und den immensen Schuldenaufbau verantwortlich.

Während die Industrieländer kaum nennenswerte Impulse lieferten, kühle sich gleichzeitig das Wachstum in den aufstrebenden Schwellenländern ab. „In den rohstoffexportierenden aufstrebenden Volkswirtschaften verstärkte der Abschwung im inländischen Finanzzyklus zumeist den Verfall der Exportpreise und die Währungsabwertungen, während sich gleichzeitig die Wirtschaftslage verschlechterte. Im Allgemeinen verschärfte der restriktivere Zugang zu Dollarmitteln diese Entwicklungen noch“, heißt es im Jahresbericht.

Die Zentralbanken, so die BIZ, hätten ihre Möglichkeiten fast ausgeschöpft und seien offenbar nicht mehr in der Lage, nachhaltige Impulse für die Realwirtschaft zu liefern. Zwar unterstütze eine expansive Geldpolitik die Volkswirtschaften prinzipiell, aber ihr Handlungsspielraum werde immer enger und eine Normalisierung der Geldpolitik immer weiter verschoben. Das Phänomen von Null- oder Negativzinsen als Konsequenz verzerre die Märkte und stelle Sparer und Anleger vor ernsthafte Schwierigkeiten: „Die inflationsbereinigten Leitzinssätze sind noch weiter unter null gefallen und verlängern damit die längste Negativzinsphase seit dem Zweiten Weltkrieg.  Diese Zinssätze sagen einiges aus: Die Marktteilnehmer blicken mit einer gewissen Besorgnis in die Zukunft; trotz der massiven Zentralbankmaßnahmen seit der Krise verharrt die Inflation hartnäckig auf niedrigem Niveau und das Produktionswachstum ist enttäuschend; und von der Geldpolitik wird schon viel zu lange zu viel verlangt.“

Die Schulden, beklagen die BIZ-Ökonomen, nähmen weltweit unvermindert zu und würden Unternehmen und Staaten an Investitionen hindern. Dieser Befund ist eigentlich keine Neuigkeit: es ist bekannt, dass ein auf Zinseszinsen aufgebautes Finanzsystem zwangsläufig zur Folge hat, dass sich immer größere Guthaben ansammeln, während die Schulden spiegelbildlich weiter anwachsen. „In den von der Krise am stärksten betroffenen fortgeschrittenen Volkswirtschaften stand einer begrüßenswerten Verringerung bzw. Stabilisierung der Verschuldung des privaten Sektors tendenziell ein weiterer Anstieg der Verschuldung des öffentlichen Sektors gegenüber. In anderen Ländern nahm die Verschuldung im privaten Sektor entweder im Gleichklang mit der Verschuldung im öffentlichen Sektor zu oder ihr Anstieg überwog den Schuldenabbau im öffentlichen Sektor“, lautet der Befund der BIZ.

Die BIZ plädiert für eine grundlegende und international koordinierte Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik. Diese gehe mit einer Entlastung der Geldpolitik einher. Um harte Strukturreformen kämen die allermeisten Staaten nicht mehr herum. Diese sollten zudem die verbliebenen fiskalischen Spielräume nutzen, um Schulden abzubauen.

Die Zentralbanken der G7-Staaten haben nach Angaben der Gruppe Schritte eingeleitet, um eine angemessene Liquidität zu gewährleisten und das Funktionieren der Märkte zu unterstützen. Die G7 gingen weiter davon aus, dass die britische Wirtschaft und der Finanzsektor widerstandsfähig blieben.

IWF-Chefin Christine Lagarde fordert die Verantwortlichen in Großbritannien und Europa auf, bei der Gestaltung der neuen Wirtschaftsbeziehungen zwischen dem Königreich und der EU nach dem Brexit auf einen sanften Übergang hinzuarbeiten. Sie befürworte die Maßnahmen der Bank of England und der EZB, das Bankensystem mit ausreichend Liquidität zu versorgen.

Wegen Brexit: Tschechien fordert Rücktritt von Juncker
Wegen Brexit: Tschechien fordert Rücktritt von Juncker
Der tschechische Außenminister fordert den Rücktritt von EU-Präsident Juncker. Juncker hätte nicht energisch genug für den Verbleib Großbritanniens in der EU gekämpft.
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EU-Präsident Jean-Claude Juncker und Angela Merkel beim Gipfel am 23. September 2015 in Brüssel. (Foto: dpa)

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Nach dem britischen Votum für den Ausstieg aus der Europäischen Union hat Tschechiens Außenminister Lubomir Zaoralek sich für den Rücktritt von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ausgesprochen. Juncker sei derzeit „nicht der richtige Mann für den Job“, sagte Zaoralek am Sonntag in einer Fernsehdebatte. „Jemand in der EU sollte vielleicht einen Rücktritt erwägen“, weil er für das Brexit-Votum verantwortlich sei, ergänzte der Minister.

Zaoralek warf Juncker vor, sich vor dem Referendum in Großbritannien nicht genügend engagiert und nicht vor Ort für den Verbleib in der EU geworben zu haben. „Ich hätte mir vorgestellt, dass die Kommission von einem ehrbaren, vertrauenswürdigen Mann angeführt wird, der in einer Situation, wo uns der Verlust eines Beines oder Armes droht, selbst in das Land geht und den Briten sagt: ‚Wir wollen, dass ihr bleibt'“, kritisierte er.

Nomura: Brexit birgt hohe Ansteckungs-Gefahr für Finanzmärkte
Nomura: Brexit birgt hohe Ansteckungs-Gefahr für Finanzmärkte
Die Finanz-Holding Nomura warnt vor vielfältigen negativen Folgen des EU-Austritts Großbritanniens – besonders für die Finanzwelt und die Psychologie der Anleger. Andere Beobachter vermuten hingegen, dass der Brexit als Erklärung für die selbstverschuldete Krisen der Unternehmen und der Staaten herhalten…
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Händler an der New York Stock Exchange. (Foto: dpa)

Händler an der New York Stock Exchange. (Foto: dpa)

Das japanische Finanzunternehmen Nomura warnt davor, dass sich der Austritt Großbritanniens aus der EU in vielfältiger Weise negativ auf die Entwicklung der Weltwirtschaft und der Finanzmärkte auswirken werde. Da sich die meisten Beobachter auf den Handel zwischen Europa und Großbritannien konzentrierten, werde den Auswirkungen auf die globalen Finanzmärkte und die Weltwirtschaft viel zu wenig Bedeutung beigemessen, so Nomura.

Die Finanzmärkte aber würden die durch den Brexit hervorgerufene Unsicherheit mindestens ebenso deutlich zu spüren bekommen wie der Handel. Schließlich beherberge Großbritannien mit der City of London eines der weltweit wichtigsten Finanzzentren. „Diese extreme Unsicherheit in der City of London ist den globalen Finanzmärkten ein Dorn im Auge, insbesondere, wenn die Weltwirtschaft so fragil ist wie derzeit und wenn es nur noch geringe geldpolitische und fiskalische Puffer in den meisten Volkswirtschaften gibt“, schreibt Nomura.

Nomura geht davon aus, dass der Austritt Großbritanniens aus der EU die Psychologie der Marktteilnehmer nachhaltig verändern werde. Interessanterweise stellen die Analysten dabei einen Bezug zur Präsidentschaftswahl in den USA her. Eine Wahl des protektionistisch eingestellten Kandidaten Donald Trump stelle demnach einen ähnlichen Schlag für das Grundvertrauen der Investoren dar, wie dies der Austritt Großbritanniens gewesen sei.

Warnungen vor der Wahl Trumps oder vor dem Brexit werden in der Öffentlichkeit zunehmend kritisch hinterfragt. Die Targo-Bank wies bereits darauf hin, dass ein Brexit künftig von vielen Unternehmen und Regierungen als ideale Ausrede gebraucht werde, um maue Konjunkturzahlen oder schlechte Unternehmensergebnisse zu rechtfertigen. In Deutschland könnte dies beispielsweise für die angeschlagenen Lebensversicherer und Pensionskassen gelten, die von ihrer Unterfinanzierung ablenken könnten, indem pauschal auf Turbulenzen verwiesen wird, die angeblich das Resultat des Brexit seien.

Helaba: Friedliche Einigung der EU mit Großbritannien wahrscheinlich
Helaba: Friedliche Einigung der EU mit Großbritannien wahrscheinlich
Die Helaba präsentiert drei Szenarien, wie sich das Verhältnis zwischen Großbritannien und der EU entwickeln könnte. Am wahrscheinlichsten sei eine geordnete "Scheidung". Es bestehe aber auch die Möglichkeit, dass es zu tiefgreifenden Konflikten komme, unter denen beide Seiten leiden.
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Die kommenden Monate werden von großer Unsicherheit geprägt sein. (Foto: dpa)

Die kommenden Monate werden von großer Unsicherheit geprägt sein. (Foto: dpa)

Die Helaba hat in einer interessanten Analyse drei Szenarien ausgearbeitet, wie sich das Verhältnis Großbritanniens zur EU verändern und welche Seite davon mehr profitieren könnte:

Szenario Kompromiss (60 %)

Am wahrscheinlichsten ist, dass sich die Briten mit der EU auf einen „Scheidungsvertrag“ im Zeitrahmen von zwei Jahren einigen. Das Land behält den weitgehenden Zugang zum EU-Binnenmarkt bei Waren. Bei Dienstleistungen, insbesondere im Finanzsektor, gibt es einige Einschränkungen. Grundsätzlich behält aber der Finanzplatz London seine dominante Rolle. Die Briten können über manche Belange selbst bestimmen und z.T. deregulieren. Die langfristigen wirtschaftlichen Konsequenzen halten sich in Grenzen, zumal das Land nicht wirklich unabhängig von der EU ist, da viele Regeln weiterhin aus Brüssel kommen.

Nach dem Wegfall der Unsicherheit können sich die Investitionen von der Delle wieder erholen, die konjunkturelle Entwicklung verläuft danach in gewöhnlichen Bahnen. Großbritannien erleidet nur überschaubare Wohlfahrtsverluste, neue Wachstumsimpulse außerhalb der EU werden jedoch auch kaum generiert. Mit dem sich abzeichnenden Kompromiss beruhigen sich die Finanzmärkte. Das ausländische Kapital fließt wieder ins Land: Das Pfund Sterling und die Aktienmärkte erholen sich. Bei den Staatsanleihen entfallen die Risikoprämien, allerdings könnte eine Normalisierung der Geldpolitik belasten. Britische Immobilien gewinnen an Attraktivität zurück. Da die Briten ohne nachhaltig große Verluste die EU verlassen, könnten die politischen Spannungen in der EU zunehmen und im Trend der Euro an Attraktivität verlieren.

Szenario Konflikt (30 %)

Im vorgegeben Zeitrahmen können sich die Briten nicht auf ein Abkommen mit der EU einigen, sodass es zwangsläufig in einer „schmutzigen Scheidung“ endet. Das Vereinigte Königreich verliert den uneingeschränkten Zugang zum EU-Binnenmarkt. Im Außenhandel mit der EU gelten nun automatisch die WTO-Regeln. Zölle sowie nicht-tarifäre Handelshemmnisse erschweren den Handel, so dass vor allem die britische, aber auch die deutsche Exportwirtschaft erhebliche Einbußen verzeichnet.

Insbesondere bei Finanzdienstleistungen wird der grenzüberschreitende Verkehr durch neue Regulierungen erschwert, so dass der Finanzplatz London zu Gunsten von Frankfurt und Paris erheblich leidet. Die Briten können zwar ohne Rücksicht auf die EU die Migration beschränken und die Regulierungen lockern, die wirtschaftlichen Impulse sind aber kaum fühlbar. Die britischen Exporte, ebenso bei Finanzdienstleistungen, brechen in diesem Szenario ein. Die Unternehmensinvestitionen sinken, sogar der private Konsum gibt merklich nach. Großbritannien fällt in eine markante Rezession. Da sich ausländische Investoren nachhaltig zurückhalten, bereitet die Finanzierung des Leistungsbilanzdefizits Probleme. Das Pfund wertet massiv ab. Die Aktienmärkte verzeichnen kräftige Kursverluste, an den Immobilienmärkten verschärft sich die Talfahrt.

Trotz einer expansiveren Geldpolitik der Bank of England leiden sogar britische Staatsanleihen, da die Risikoprämien kräftig ansteigen. Der Verlust an Steuereinnahmen liegt um einiges höher als die Ersparnis bei den Beiträgen zum EU-Haushalt. Entsprechend hoch sind die Wohlfahrtsverluste für Großbritannien. In der EU erleichtert das abschreckende Beispiel des Austritts die politische Zusammenarbeit. Trotz Einbußen beim Außenhandel dürfte die Union mehr Kapital anziehen.

Szenario Rosinenpicker (10 %)

Das am wenigsten wahrscheinliche, wenngleich nicht unmögliche Szenario ist, dass die Briten im „Scheidungsvertrag“ zu Lasten der EU deutliche Vorteile heraushandeln, sich also noch „Rosinen herauspicken“ können. Großbritannien behält den weitgehenden Zugang zum EU-Binnenmarkt und kann dennoch Sonderregeln u.a. für die Migration aushandeln. Dank einer lockereren Regulierung als in der EU gewinnt der Standort Großbritannien, nicht zuletzt der Finanzplatz London, an Attraktivität und zieht frisches Kapital an.

Insgesamt profitiert das Land vom Austritt, während die EU die Kosten trägt. Die politischen Spannungen nehmen zu, der Bestand der Währungsunion wird zunehmend hinterfragt. Die politischen Probleme in der EU schlagen auf das Wachstum durch. Während der Euro deutlich nachgibt, kann das Pfund erheblich zulegen. Die britische Konjunktur läuft vergleichsweise besser als in der EU. Gleiches gilt für Aktien- und Immobilienmärkte.

Gegen Sanktionen: Deutsche Unternehmen bauen Fabriken in Russland
Gegen Sanktionen: Deutsche Unternehmen bauen Fabriken in Russland
Russland profitiert auf unerwartete Weise von den EU-Sanktionen: Die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen erreichen neue Höchststände, weil die Unternehmen direkt in Russland Fabriken bauen. Sie wollen den wichtigen russischen Markt nicht wegen der Sanktionen verlieren.
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Gerhard Schröder mit Russlands Präsident in St. Petersburg. (Foto: dpa)

Gerhard Schröder mit Russlands Präsident in St. Petersburg. (Foto: dpa)

Deutsche Unternehmen investieren verstärkt direkt in Russland. Wegen der Export-Sanktionen bauten Mittelständler und Konzerne dort nun eigene Fabriken auf, um weiter im Geschäft zu bleiben, berichtete die Welt am Sonntag unter Berufung auf eine Statistik der Deutschen Bundesbank.

Die Direktinvestitionen deutscher Firmen seien laut Bundesbank im Jahr 2015 auf 1,78 Milliarden Euro gestiegen, berichtete die Zeitung. Dieser Wert sei nur in den Boomjahren von 2006 bis 2008 sowie im Jahr 2010 übertroffen worden.

Dieses Jahr könnte ein neuer Rekord erreicht werden. Bereits im ersten Quartal summierten sich laut „WamS“ die Direktinvestitionen aus Deutschland bereits auf fast 1,1 Milliarden Euro.

Die deutschen Unternehmen haben keine Alternativen zu diesem Weg. China ist drauf und dran den Europäern den wichtigen russischen Absatzmarkt abzujagen. Bundeskanzlerin Merkel ist davon nicht beeindruckt und hat sich in der EU für die Verlängerung der Sanktionen stark gemacht.

Schauspieler Götz George ist tot
Schauspieler Götz George ist tot
Der deutsche Schauspieler Götz George ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Er starb bereits am 19. Juni. Er hatte sich einen privaten Abschied im engsten Kreis gewünscht.
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Die Schauspieler Eberhard Feik (l) als Thanner und Götz George als Schimanski stehen am 29.09.1987 im Hafen von Duisburg für Dreharbeiten vor der Kamera. (Foto: dpa)

Die Schauspieler Eberhard Feik (l) als Thanner und Götz George als Schimanski stehen am 29.09.1987 im Hafen von Duisburg für Dreharbeiten vor der Kamera. (Foto: dpa)

Der Schauspieler Götz George ist tot. Wie seine Agentin am späten Sonntagabend in Berlin mitteilte, starb George bereits am 19. Juni nach kurzer Krankheit im Alter von 77 Jahren. „Götz George hat sich eine Verabschiedung im engsten Kreis gewünscht“, hieß es in der Mitteilung. Von weiteren Nachfragen solle aus Rücksicht auf die Privatsphäre der Familie abgesehen werden.

Götz George liebte es, er selbst zu sein. Eigen, manchmal ruppig und meist unbequem, begegnete er seinem Gegenüber. Seien es nun Film- und Fernsehjournalisten, Fans oder Kollegen. Kurz vor seinem 75. Geburtstag – vor fast drei Jahren – gab es auch so einen dieser besonderen George-Momente voller Schnodderigkeit. Als er in Berlin den Film «George» über seinen Vater Heinrich vorstellte, ließ er sich zwar aufs Podium bitten, schmetterte vor dem gespannten Premierenpublikum aber jede Frage gnadenlos ab. Sie sei falsch gestellt, dazu könne er nichts sagen und überhaupt sei er nicht der richtige Ansprechpartner. Punkt und Rumms.

Götz George durfte das, musste es zuweilen sogar. Vielleicht war es sein Schicksal. Der Ausnahmeschauspieler pflegte stets sein Image als Raubein – und das Publikum liebte ihn dafür. Klar, wer 32 Jahre lang mit abgewetztem Parka als Ruhrpottkommissar Horst Schimanski vor der Kamera stand, musste einfach ein krasser Typ sein und möglichst oft «Scheiße» sagen. So einem verzeiht man das.

Mit dem gebrochenen Draufgänger aus Duisburg hat der gebürtige Berliner George Fernsehgeschichte geschrieben. Anders als die distinguierten, abgeklärten Herren, die vor und neben ihm in deutschen Krimis ermittelten, verkörperte er 1981 erstmals einen schnodderigen Cop, der mit lockeren Sprüchen, harten Prügeleien und reichlich Bier auf Verbrecherjagd geht. «Was quatschst du mich so blöd an, du Spießer, nur weil ich ’ne Fahne habe?», raunzte der attraktive Kommissar sein Gegenüber einmal an.

29 «Schimmi»-Folgen liefen zwischen 1981 und 1991 im Rahmen der ARD-Krimireihe «Tatort». Zweimal war er im Kino sehen und 1997 widmete das Erste seinem erfolgreichen Helden eine eigene Reihe mit dem Kult-Logo «Schimanski». Der war zwar inzwischen Rentner und hatte einen Gang zurückgeschaltet, aber immer noch ein Straßenfeger. Allein die erste Folge «Die Schwadron» sahen fast 13 Millionen Menschen. Im Jahr 2013 war dann Schluss damit, nach 48 Folgen.

Trotzdem hat sich George nie gern in die Krimischublade stecken lassen. Mit Ehrgeiz, Spielfreude und unglaublicher Vitalität profilierte er sich in seiner langen Karriere als einer der vielseitigsten deutschen Schauspieler.

Er spielte den KZ-Arzt Josef Mengele («Nichts als die Wahrheit») und einen an Alzheimer erkrankten Busfahrer («Mein Vater»), einen Taschendieb («Das Trio») und einen blinden Klavierlehrer («Der Novembermann»), einen Öko-Aktivisten («Lüg weiter, Liebling») und einen todgeweihten Staatsanwalt («Nacht ohne Morgen»).

Eine seiner berühmtesten Rollen hatte er als homosexueller Massenmörder Fritz Haarmann in «Der Totmacher», der 1995 das Filmfestival von Venedig eröffnete. Zugleich bewies er in Satiren wie «Schtonk!» oder «Rossini» auch sein komödiantisches Talent. 2007 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Deutschen Fernsehpreis geehrt, 2014 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

Erst «George», der Film über seinen legendären, wegen seiner Karriere in der Nazi-Zeit aber auch umstrittenen Schauspieler-Vater Heinrich George (1893-1946), aber machte deutlich, wie sehr der Sohn zeitlebens von dem «Übervater» geprägt war – und getrieben.

«Du hast mich halt immer überholt. Du warst halt immer besser, besessener», sagte George in einer ARD-Dokumentation anlässlich seines 75. Geburtstages im Jahr 2013 an die Adresse seines toten Vaters. Von der Lieblingsrolle des Vaters, Goethes «Götz von Berlichingen», hatte er übrigens auch seinen Vornamen.

Der kleine Götz ist acht, als der Vater in sowjetischer Gefangenschaft stirbt. Für ihn und den älteren Bruder Jan wird die Mutter Berta Drews zur zentralen Bezugsperson. Selbst Schauspielerin, weckt sie auch in ihrem «Putzi», wie sie den Sohn bis an ihr Lebensende nennt, die Liebe zum Theater. Mit elf steht er erstmals auf der Bühne, mit 15 hat er neben Romy Schneider seinen ersten Filmauftritt in der Romanze «Wenn der weiße Flieder wieder blüht».

40 Hauptrollen auf der Bühne und 120 Kino- und Fernsehfilme folgen – angefangen von den Karl-May-Abenteuern in den 1960er Jahren bis zum ARD-Krimidrama «Böse Wetter», das noch nicht ausgestrahlt ist. Seine physische und psychische Präsenz, seine Wandlungsfähigkeit und sein Rollenverständnis trugen ihm immer wieder gute Kritiken ein. «Ich muss die Figuren inhalieren, anders kann man es gar nicht sagen, ich inhaliere sie, ohne intellektuell darüber nachzudenken», verriet er einmal.

Zu den Medien hatte George trotz seines Erfolgs ein gespanntes Verhältnis; dem Fernsehen warf er mal vor, «nur noch auf Kohle und Quote» zu schauen. Legendär sein Zoff mit Thomas Gottschalk in der ZDF-Sendung «Wetten, dass..?» 1998. Der 1a-Mime warf dem 1a-Moderator Unwissenheit vor und bezeichnete ihn als «Oberlehrer», die Zuschauer pfiffen. Echte Emotionen oder Inszenierung? Fast egal, auf jeden Fall war es George pur. Auch wenn es fünf Jahre später eine medienwirksame Versöhnung gab, Georges Kritik war durchaus ernst gemeint.

Er sei in Deutschland nur mehr zum Arbeiten und Steuern zahlen, wie er einmal sagte. Ansonsten zog er sich mit seiner gut 20 Jahre jüngeren Lebensgefährtin Marika Ullrich in sein Refugium auf Sardinien zurück. Schlagzeilen machten ein schwerer Badeunfall 1996 und eine Herzoperation 2007.

Vor knapp zwei Jahren verkündete George, er wolle sich weitgehend aus dem Filmgeschäft zurückziehen. «Ich möchte gerne nach 65 arbeitsreichen Jahren Feierabend machen», sagte der damals 76-Jährige der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung». Es sei einfach zu viel Stress. So machte er sich in den Öffentlichkeit rar, drehte nur noch wenig und erfüllte sich selbst einen Wunsch: «Auf der Bühne, wie es bei Schauspielern immer heißt, will ich sicher nicht sterben.»

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