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Gefahr für Europa: Eine Krise der Weltwirtschaft am Horizont

Die größte Gefahr für die Wirtschaft in Europa kommt nicht aus Griechenland: Alle Zeichen deuten darauf hin, dass die Weltwirtschaft in eine globale Krise treibt. Die EU müsste vor diesem Hintergrund ihre Nabelschau beenden - und mit dem Gegensteuern beginnen. Deutschland könnte schon sehr bald gezwungen sein, sich vom Austeritäts-Kult zu verabschieden - nicht aus Mitleid, sondern im nackten Eigeninteresse.

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Die Weltwirtschaft steuert auf ein Ende des scheinbar grenzenlosen Wachstum zu, und dies seit rund einem Jahr. Dies ist der Fall in den Vereinigten Staaten, in China, in Japan, in den BRICS, in den Erdöl-Produzentenländern und in vielen Schwellenländern. Als Wirtschaftsraum sticht nur das Vereinigte Königreich positiv heraus. Die Eurozone hat sich zumindest stabilisiert. Die Debatte über die Zukunft der Währungsunion könnte deshalb von ganz neuen Interessenlage geprägt sein.

Was steckt hinter diesen globalen Trends? In China strebt die Regierung nach einem Jahrhundert-Boom im Immobilienmarkt eine weiche Landung an. Das Wachstum soll sich vom Export und den Bauinvestitionen zum Konsum verlagern. Die Wirtschaft soll effizienter im Energieverbrauch, die Umweltbelastung drastisch abgebaut werden. Das ist ein gewaltiger Umbau des Wachstumsmodells. Die offiziellen Konjunkturzahlen sagen, dass die Regierung immer noch auf Kurs ist. Wer etwas dahinter sieht, erkennt eine unverhüllte Datenmanipulation. Importe und Exporte fallen stark.

Der Preiseinbruch bei Eisenerz, Kokskohle und Stahlpreisen deutet auf eine drastische zukünftige Kontraktion der Bautätigkeit hin. Der Grund ist das enorme Überangebot leer stehender und unverkäuflicher Wohnungen. Neukredite an die Immobilien-Entwickler werden deshalb rationiert. Diese sollen zu Verkäufen und zu tieferen Preisen gezwungen werden. Um die makroökonomische Wirkung zu begrenzen, hat China die Geldpolitik in Bezug auf Zinsen und Kreditbedingungen gelockert, dies teilweise in leichtsinniger Weise.

Damit wurde eine kreditgetriebene Aktienhausse wie Ende der 1920er Jahre in den USA entfacht. Die Bewertungen stiegen ins Exorbitante, eine wahre Spekulationsblase setzte ein. Diese ist vor wenigen Wochen durch die Behördenintervention geplatzt. Ob die Behörden den Schaden nach dem ersten Absturz begrenzen können, steht in den Sternen. In einem längerfristigen Kontext stellen das Alarmsignale dar. Eine harte Landung kann nicht ausgeschlossen werden.

In USA ist der Erdöl- und Erdgasboom zu Ende. Der Aufschwung seit 2009 war hauptsächlich davon angetrieben. In den Bundesstaaten mit starker Exposition zum Erdöl, etwa in Texas, Ohio oder Kalifornien, fand ein enormer Bauboom statt. Der Einbruch der Ölpreise wird dort eine heftige Rezession auslösen, mit Leerständen und den üblichen Folgewirkungen. Der Fall der Energiepreise wird aber nicht unbedingt einen grossen Boom im Rest des Landes auslösen. Das ist die bekannte asymmetrische Wirkung von Erdölschocks. Rasche Preissteigerungen dämpfen das Wachstum, rasche Preisfälle stimulieren aber nicht mit der gleichen Wirkung. Das Wirtschaftswachstum dürfte gedämpft bleiben, ein weiterer scharfer Absturz der Erdölpreise stellt ein Risiko dar.

In den Erdöl produzierenden Ländern geht die Party zu Ende. Die Preise sind bedingt durch mehrere Faktoren in einer scharfen Kontraktion: Das Überangebot aus der Shale-Produktion in den Vereinigten Staaten, die bewusste Überproduktion Saudi-Arabiens, welches eine Marktbereinigung herbeiführen will, die Perspektive Irans, nach der Beendigung der Sanktionen wieder als großes Produzentenland aufzutreten. Nicht zu vergessen sind große latente Preisrisiken. Im Erdölmarkt herrscht eine ungewöhnlich Contango-Situation: Die Spotpreise sind viel tiefer als die Futures-Peise für die nächsten drei Jahre. Als Folge davon haben die Produzenten viele Schiffe gechartert, um als fahrende Erdöllager zu dienen. Wenn Spot- und Futurespreise unter Druck kommen, entsteht das Risiko eines sich selbst verstärkenden Preisfalls. Das ganze schwimmende Warenlager könnte dann auf den Markt kommen und einen wahren Preissturz im Erdölmarkt auslösen.

Die BRICS spüren das Ende des China- und Rohstoffbooms. Die Rohstoffpreise sind weltweit und auf breiter Front am Fallen. Viele Indizes geben deutliche Warnsignale. Was bei solchen Konstellationen sichtbar wird, sind die schwach gebliebenen Strukturen. Unfähige Regierungen gibt es nicht nur in Griechenland, sondern auch in vielen Schwellenländern. Ist die Rohstoff-Hausse einmal vorbei, kommen die Schwachstellen unverhüllt zu Tage.

Damit ist klar: Von außerhalb Europas kommt eine massive Verlangsamung des Wachstums der Weltwirtschaft, mit dem Risiko zu einem eigentlichen Einbruch. Deutschland wird davon getroffen werden, was auch immer die aktuellen Konjunkturzahlen sagen. Als Investitionsgüterproduzent und Produzent teurer Premium-Automobile wird das Land diese Wachstumsverlangsamung spüren.

Die Wachstumsaussichten sind schwach, eigentlich miserabel, verglichen mit den letzten 15 Jahren. Sie sind bisher nicht so schlimm wie 2009, aber es wird eine massive Wachstumsverlangsamung geben. Anders als 2009 ist kein Potential für einen weltweit spürbaren Stimulus aus China und den USA zu erwarten.

In Europa sind die Wachstumsaussichten ungleich: In den Peripherieländern außer in Griechenland sind sie erstmals deutlich verbessert. Eine in Deutschland populäre Sage schreibt diese Erfolge den Arbeitsmarkt- und anderen Reformen zu. Das ist blanker Unsinn.

Die wirklichen Gründe sind der Fall der Erdölpreise, rekordtiefe Zinsen und teilweise Fiskalstimulus. Die Peripherieländer haben eine hohe Energieabhängigkeit, sie importieren viel Energie. Deshalb profitieren sie überdurchschnittlich vom Fall der Erdölpreise. Die tiefen Zinsen helfen den Peripherieländern zusätzlich. Die Bankkreditsätze etwa für Hypotheken und langfristige Unternehmenskredite sind nicht fix sind wie in der Kern-Eurozone. Sie sind variabel und werden mit einem Spread zu Euribor gepreist. Beides hilft dem Konsum, entlastet zusätzlich auch die stark verschuldeten Unternehmen. Schließlich sind teils ganz erhebliche Fiskalstimuli am Werk. Die spanische Regierung etwa subventioniert die Autoverkäufe mit hohen Verschrottungsprämien. Die so gestützten Autoverkäufe tragen die Konjunktur ganz maßgeblich. Das letzte Motiv ist eindeutig Wahlpolitik. Spätestens gegen Jahresende sind nationale Wahlen. Ohne Wirtschaftserfolge würde die konservative Regierung aufgrund der miserablen Arbeitsmarktlage und der Skandale abgewählt.

In einigen Ländern Nord- und Ostmitteleuropas dagegen haben sich die Konjunkturperspektiven eingetrübt. In Norwegen wegen des Falls der Erdölpreise, indirekt auch in Finnland, das zudem von den Sanktionen gegen Russland gebremst wird. Die Unsicherheit über die Absichten Russland hemmen auch in den baltischen Ländern die Konjunktur.

Umgekehrt fühlt sich die Stimmung in Deutschland sehr gut und durchaus selbstzufrieden an. Doch das Land ist aufgrund seiner hohen Exportquote, der Struktur seines Außenhandels und der Internationalisierung seiner Großkonzerne sehr abhängig davon, was in diesen Zonen passieren wird – außerhalb Europas und in der Eurozone. Zwei Faktoren können als hauptsächliche Risiken identifiziert werden: Die Aussichten Chinas und der Erdölpreis. Wenn China eine harte Landung verzeichnen sollte, wird dies Deutschland mehr und direkter als andere treffen. Nicht nur der Exporte wegen, sondern auch aufgrund der Resultatbeiträge der chinesischen Tochterunternehmen der Großkonzerne.

Indirekt werden auch andere Wachstumsregionen der Weltwirtschaft ihre Investitionen zurückfahren. Deutsche Maschinen- und Anlagebauer würden dies zu spüren bekommen, ebenso die Autokonzerne. Das zweite Risiko ist der Erdölpreis. Erfahrungsgemäß reagieren die Produzentenländer mit einer zeitlichen Verzögerung hart auf solche Preisfälle. Sie schränken die Käufe eben dieser Güter massiv ein.

Angesichts der mittel- und längerfristig sehr unsicheren und risikobehafteten Wachstumsperspektiven außerhalb Europas wäre es sehr wichtig, Europa wieder als Wachstumszone zu etablieren. Davon kann aber leider keine Rede sein.

Was in ganz Europa bremst, ist die enorme Schwäche der Bauinvestitionen. Überall ist die Bautätigkeit trotz tiefer Zinsen sehr gering. Und zwar der Wohnungsbau und die gewerblich-kommerzielle Bauinvestitionen wie auch die staatlichen Infrastrukturbauten. Dieses Muster ist ein Bruch mit der Vergangenheit. Die sehr tiefen Zinsen lösten immer einen Schub des Wohnungsbaues aus, und belebten auch die Bauinvestitionen des Unternehmenssektors. Diesmal kann keine Rede davon sein. Vier Gründe sind dafür verantwortlich:

Leerstände durch Überinvestitionen bis 2008 und die schwache Konjunktur seither lassen zuerst das hohe Inventar an ungenutzten Wohnungen, Häusern und Büro- und Industrieflächen verschwinden, bevor neu gebaut werden wird. Selbst wenn die gesamtwirtschaftliche Nachfrage länger anzieht.

• Die viel zu schwache Eigenmitteldecke der Banken, prozyklische Risikomodelle wie auch regulatorische Vorgaben über die Eigenmittel führen gerade in diesem Bereich zu Kreditrationierung.

• Ein ausgeprägter Demographie-Bruch. Angesichts unsicherer Arbeitsmarkt-Perspektiven gibt es weniger Familiengründungen. Nicht nur in Deutschland, sondern vor allem in den Peripherieländern. Das sind die langfristigen Kosten der sogenannten Arbeitsmarkt-Reformen. Rund die Hälfte bis zwei Drittel der erwerbstätigen Bevölkerung leben in grossen Teilen Europas in prekären Arbeitsmarkt-Konstellationen. Bis zu einem Viertel sind illegale Einwanderer zumeist ohne Sozialversicherungen, ein Drittel Zeitarbeiter ohne Jobsicherheit. Völlig perspektivlos stellt sich Arbeitsmarktlage und Zukunft für die Jugend dar. Selbst in Deutschland, wo die Konjunktur so gut sein soll, bietet der Arbeitsmarkt im historischen Vergleich ein eher durchzogenes Bild. Das Arbeitsvolumen, die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden, hat seit 2000 kaum zugenommen und lässt keine Dynamik erkennen.

• Europaweit sind auch die staatlichen Investitionen auf einem Tiefpunkt. Die angespannte Haushaltlage und Verschuldung lassen angesichts der Austeritäts-Vorgaben aus dem Stabilitäts- und Wachstumspakt wenig Spielräume.

Die Baubewilligungen sind ein guter vorlaufender Indikator für die Bauinvestitionen, vor allem weil sie in vielen Ländern auch Ausbauten und Umbauten umfassen. Die Perspektiven sind auf Jahre hinaus düster (siehe Graphik). Im Übrigen zeigen die vorhandenen Monats- und Quartalsdaten kaum eine Verbesserung in der ersten Jahreshälfte 2015 an. Aufgrund der zeitlichen Verzögerung zwischen Baubewilligungen und Fertigstellungen muss bis 2017 mit anhaltend geringer Bauinvestitionstätigkeit gerechnet werden.

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Dies ist der Hintergrund für die wahre Debatte über die zukünftige Architektur der Eurozone. Die deutsche Bundesregierung hat mit ihrem seltsamen Auftritt am Brüsseler Gipfel vor einer Woche ein Signal gesetzt. Sie will an Griechenland ein Exempel statuieren. Sie stärkt ihr Ansehen bei den Medien im Inland, die nach Katharsis und Härte geifern. Das Resultat ist nicht nur für das Land und für Europa hanebüchener Unsinn. In der Situation einer dramatischen Liquiditäts- und Bankenkrise werden Griechenland eine drastische diskretionäre Fiskalkontraktion sowie die vollständige Ausschaltung aller automatischen Stabilisatoren der Finanzpolitik verschrieben. Ein neues Rettungspaket wird zusätzlich dafür gesprochen, dass die alten Schulden bedient werden können.

Eine Mischung zwischen makroökonomischem Kahlschlag und finanziellem Kartenhaus und Ponzischema, wie sie in der Geschichte noch selten vorgekommen ist. Der Gipfel wird aufgrund seines abstrusen Resultats und des Verhaltens seiner Akteure als Wendepunkt in der Eurokrise eingehen. Die Regierungen in Frankreich, Italien und in anderen Peripherieländern haben jetzt gemerkt, was die strategische Orientierung und Zielsetzung der aktuellen Bundesregierung Deutschlands ist.

Griechenland ist ein Warnsignal an sie selber. Die Debatte über das dritte Paket für Griechenland könnte deshalb eine ganz andere Richtung nehmen. Was in Europa auf den Tisch kommen wird, eine längst fällige Debatte über die gesamte Krisenpolitik in einem sehr gefährlich gewordenen globalen Umfeld: Die falschen Wirtschaftszahlen als Grundlage der Entscheidungsfindung, die Politik der Lohnsenkungen, die harsche, viel zu kurzfristig orientierte Budgetausterität mit dem Schwergewicht ausgerechnet auf Steuererhöhungen, die Passivität gegenüber dem blockierten und unterkapitalisierten Bankensektor, eine verheerend prozyklische Bankenregulierung, die Absenz sinnvoller staatlicher Infrastrukturprogramme.

Und anders als in den vergangenen fünf Jahren könnte Deutschland sehr rasch eine verbesserte Konjunktur in der Eurozone benötigen, weil die bisherigen externen Wachstumstreiber wegfallen bzw. sogar einbrechen. Die überdimensionierte Exportwirtschaft wäre dann auf Gedeih und Verderben auf starkes Wachstum in der Eurozone angewiesen. Sie würde nicht mehr durch Austerität und Kreditrationierung in den Peripherieländern Wettbewerbsvorteile gewinnen.

Die deutschen Industrieverbände sind noch in der Vergangenheit verhaftet und folgen naiv ihrer Regierung. Sie könnten ihre Position rasch und drastisch ändern müssen. Die Debatte in der zweiten Jahreshälfte und darüber hinaus in 2016 könnte eine ganz andere Richtung nehmen, als die taktisch gewiefte, aber strategieschwache Kanzlerin und ihr Finanzminister sich das vor dem vergangenen Wochenende ausgedacht haben.

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Ermittler: Schwere Vorwürfe gegen Hillary Clinton wegen Amtsführung
Ermittler: Schwere Vorwürfe gegen Hillary Clinton wegen Amtsführung
Hillary Clinton gerät unter massiven Druck: Ein Ermittler des Außenministeriums erteilte Clinton eine scharfe Rüge im Zusammenhang mit ihren verschwundenen Emails. Der Skandal wirft die Frage auf, wenn Clinton als Außenministerin bedient hat und wie sie als US-Präsidentin für ihre…
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Hillary Clinton im Wahlkampf. (Foto: dpa)

Hillary Clinton im Wahlkampf. (Foto: dpa)

Die demokratische US-Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton ist für ihren Umgang mit ihren E-Mails während ihrer Amtszeit als Außenministerin unter erheblichen Druck geraten. Der unabhängige Generalinspektor des Außenministeriums lieferte eine schwere Rüge gegen Clinton ab und stellte in einem am Mittwoch veröffentlichten Prüfbericht fest, dass es im Ministerbüro „seit langem bestehende, systematische Schwächen bezüglich der elektronischen Akten und Kommunikation“ gegeben habe. Dies betraf demnach neben Clinton auch bereits ihre Vorgänger.

Ein besonderer Vorwurf des Generalinspektors: Clinton habe sich geweigert, mit der Untersuchung zusammenzuarbeiten. Diese Beurteilung wird von Kommentatoren in den US-Networks dahingehend interpretiert, dass Clinton etwas zu verbergen suche. Gleichzeitig zur Untersuchung durch das Außenministerium läuft eine Untersuchung des FBI, welches herausfinden will, ob Clinton konkreten Amtsmissbrauch begangen hat.

Clinton habe sich am deutlichsten von allen Außenpolitikern über alle Regeln hinweggesetzt, schreibt der Ermittler. Clintons frühere Aussage, sie habe das private Email-Konto genutzt, nachdem sie die Erlaubnis erhalten habe, entpuppt sich nun als ziemlich dreiste Lüge: Zur Zeit ihres Amtsantritts 2009 galt demnach bereits die Anweisung, ein autorisiertes E-Mailsystem zu benutzen. Clinton habe aber weder um eine Erlaubnis gebeten, noch eine solche erhalten, ein privates Konto zu benutzen.

Die Ermittler sind außerdem aufgebracht, weil Clinton in der Öffentlichkeit bisher versucht hatte, die Sache herunterzuspielen. Sie hatte mehrfach gesagt, sie kooperiere mit den Behörden. Nun schreibt der Ermittler ausdrücklich, dass Clinton die einzige Person gewesen sei, die eine Kooperation abgelehnt habe. Nach der Veröffentlichung des Berichts sagte Clintons Wahlkampfbüro, Clinton habe nichts anderes getan als ihre Amtsvorgänger. Auch das entspricht im Lichte des Berichts nicht der Wahrheit. 

Clinton hatte in ihrer Zeit als Außenministerin von 2009 bis 2013 ein privates E-Mailkonto verwendet und die E-Mails auf einem privaten Server gespeichert. Die einstige First Lady, die aller Wahrscheinlichkeit nach bei der Präsidentenwahl im November für die Demokraten antritt, hatte mit dieser Praxis gegen geltende Sicherheitsregeln verstoßen. Kritiker warfen ihr zudem vor, sie habe ihre E-Mail-Kommunikation der Kontrolle entziehen wollen. Die Affäre belastet seit Monaten ihren Wahlkampf.

Laut dem Prüfbericht verwendete auch Clintons republikanischer Vorgänger Colin Powell ein privates E-Mailkonto. Clinton habe an dieser Praxis aber auch noch festgehalten, nachdem strengere Sicherheitsregeln beschlossen worden seien, kritisierte der Generalinspektor.

Das Problem besteht darin, dass nicht mehr nachzuvollziehen ist, ob Clinton ihr Amt missbraucht und vertrauliche Informationen genutzt hat, um sie an Freunde in ihrem Netzwerk weiterzuleiten. Die Gefahr, dass die Emails gehackt werden hätten können, stellt in diesem Zusammenhang ein eher untergeordnetes Problem dar. Es geht um das Amtsverständnis und die Glaubwürdigkeit von Hillary Clinton. Der Investor Marc Faber sagte auf Bloomberg, die Wahl Clintons wäre das Schlimmste, was den USA passieren könnte – weil Clinton eine „Lügnerin“ sei, die sich vor allem für ihre Netzwerke einsetzt, nicht aber für das amerikanische Volk. Interessanterweise sagt Faber, dass er – eigentlich ein radikaler Marktwirtschaftler – lieber Bernie Sanders als Spitzenkandidat der Demokraten sähe als Clinton.

Der New York Post veröffentlichte vor einigen Tagen die Liste der größten Clinton-Spender von 2013 bis 2015. Die Liste vermittelt einen Druck, für wen Clinton als US-Präsidentin arbeiten könnte:

4/18/2013, Morgan Stanley, Washington, DC: $225,000
4/24/2013, Deutsche Bank, Washington, DC: $225,000
4/24/2013, National Multi Housing Council, Dallas, Texas: $225,000
4/30/2013, Fidelity Investments, Naples, Fla.: $225,000
5/8/2013, Gap Inc., San Francisco, Calif.: $225,000
5/14/2013, Apollo Management Holdings LP, New York, NY: $225,000
5/16/2013, Itau BBA USA Securities, New York, NY: $225,000
5/21/2013, Vexizon Communications Inc., Washington, DC: $225,000
5/29/2013, Sanford C. Bernstein and Co. LLC, New York, NY: $225,000
6/4/2013, The Goldman Sachs Group, Palmetto Bluffs, SC: $225,000
6/6/2013, Spencer Stuart, New York, NY: $225,000
6/16/2013, Society for Human Resource Management, Chicago, Ill.: $285,000
6/17/2013, Economic Club of Grand Rapids, Grand Rapids, Mich.: $225,000
6/20/2013, Boston Consulting Group Inc., Boston, Mass.: $225,000
6/20/2013, Let’s Talk Entertainment Inc., Toronto, Canada: $250,000
6/24/2013, American Jewish University, Universal City, Calif.: $225,000
6/24/2013, Kohlberg Kravis Roberts and Company LP, Palos Verdes, Calif.: $225,000
7/11/2013, UBS Wealth Management, New York, NY: $225,000
8/7/2013, Global Business Travel Association, San Diego, Calif.: $225,000
8/12/2013, National Association of Chain Drug Stores, Las Vegas, Nev.: $225,000
9/18/2013, American Society for Clinical Pathology, Chicago, Ill.: $225,000
9/19/2013, American Society of Travel Agents Inc., Miami, Fla.: $225,000
10/4/2013, Long Island Association, Long Island, NY: $225,000
10/15/2013, National Association of Convenience Stores, Atlanta, Ga.: $265,000
10/23/2013, SAP Global Marketing Inc., New York, NY: $225,000
10/24/2013, Accenture, New York, NY: $225,000
10/24/2013, The Goldman Sachs Group, New York, NY: $225,000
10/27/2013, Beth El Synagogue, Minneapolis, Minn.: $225,000
10/28/2013, Jewish United Fund/Jewish Federation of Metropolitan Chicago, Chicago, Ill.: $400,000
10/29/2013, The Goldman Sachs Group, Tuscon, Ariz.: $225,000
11/4/2013, Mase Productions Inc., Orlando, Fla.: $225,000
11/4/2013, London Drugs Ltd., Mississauga, Canada: $225,000
11/6/2013, Beaumont Health System, Troy, Mich.: $305,000
11/7/2013, Golden Tree Asset Management, New York, NY: $275,000
11/9/2013, National Association of Realtors, San Francisco, Calif.: $225,000
11/13/2013, Mediacorp Canada Inc., Toronto, Canada: $225,000
11/13/2013, Bank of America, Bluffton, SC: $225,000
11/14/2013, CB Richard Ellis Inc., New York, NY: $250,000
11/18/2013, CIIE Group, Naples, Fla.: $225,000
11/18/2013, Press Ganey, Orlando, Fla.: $225,000
11/21/2013, U.S. Green Building Council, Philadelphia, Pa.: $225,000
01/06/2014, GE, Boca Raton, Fla.: $225,500
01/27/2014, National Automobile Dealers Association, New Orleans, La.: $325,500
01/27/2014, Premier Health Alliance, Miami, Fla.: $225,500
02/06/2014, Salesforce.com, Las Vegas, Nev.: $225,500
02/17/2014, Novo Nordisk A/S, Mexico City, Mexico: $125,000
02/26/2014, Healthcare Information and Management Systems Society, Orlando, Fla.: $225,500
02/27/2014, A&E Television Networks, New York, NY: $280,000
03/04/2014, Association of Corporate Counsel – Southern California, Los Angeles, Calif.: $225,500
03/05/2014, The Vancouver Board of Trade, Vancouver, Canada: $275,500
03/06/2014, tinePublic Inc., Calgary, Canada: $225,500
03/13/2014, Pharmaceutical Care Management Association, Orlando, Fla.: $225,500
03/13/2014, Drug Chemical and Associated Technologies, New York, NY: $250,000
03/18/2014, Xerox Corporation, New York, NY: $225,000
03/18/2014, Board of Trade of Metropolitan Montreal, Montreal, Canada: $275,000
03/24/2014, Academic Partnerships, Dallas, Texas: $225,500
04/08/2014, Market° Inc., San Francisco, Calif.: $225,500
04/08/2014, World Affairs Council, Portland, Ore.: $250,500
04/10/2014, Institute of Scrap Recycling Industries Inc., Las Vegas, Nev.: $225,500
04/10/2014, Lees Talk Entertainment, San Jose, Calif.: $265,000
04/11/2014, California Medical Association (via satellite), San Diego, Calif.: $100,000
05/06/2014, National Council for Behavioral Healthcare, Washington, DC: $225,500
06/02/2014, International Deli-Dairy-Bakery Association, Denver, Colo.: $225,500
06/02/2014, Lees Talk Entertainment, Denver, Colo.: $265,000
06/10/2014, United Fresh Produce Association, Chicago, Ill.: $225,000
06/16/2014, tinePublic Inc., Toronto, Canada: $150,000
06/18/2014, tinePublic Inc., Edmonton, Canada: $100,000
06/20/2014, Innovation Arts and Entertainment, Austin, Texas: $150,000
06/25/2014, Biotechnology Industry Organization, San Diego, Calif.: $335,000
06/25/2014, Innovation Arts and Entertainment, San Francisco, Calif.: $150,000
06/26/2014, GTCR, Chicago, Ill.: $280,000
07/22/2014, Knewton Inc., San Francisco, Calif.: $225,500
07/26/2014, Ameriprise, Boston, Mass.: $225,500
07/29/2014, Coming Inc., Coming, NY: $225,500
08/28/2014, Nexenta Systems Inc., San Francisco, Calif.: $300,000
08/28/2014, Cisco, Las Vegas, Nev.: $325,000
09/04/2014, Robbins Geller Rudman & Dowd LLP, San Diego, Calif.: $225,500
09/15/2014, Caridovascular Research Foundation, Washington, DC: $275,000
10/02/2014, Commercial Real Estate Women Network, Miami Beach, Fla.: $225,500
10/06/2014, Canada 2020, Ottawa, Canada: $215,500
10/07/2014, Deutsche Bank AG, New York, NY: $280,000
10/08/2014, Advanced Medical Technology Association (AdvaMed), Chicago, Ill.: $265,000
10/13/2014, Council of Insurance Agents and Brokers, Colorado Springs, Colo.: $225,500
10/14/2014, Salesforce.com, San Francisco, Calif.: $225,500
10/14/2014, Qualcomm Incorporated, San Diego, Calif.: $335,000
12/04/2014, Massachusetts Conference for Women, Boston, Mass.: $205,500
01/21/2015, tinePublic Inc., Winnipeg, Canada: $262,000
01/21/2015, tinePublic Inc., Saskatoon, Canada: $262,500
01/22/2015, Canadian Imperial Bank of Commerce, Whistler, Canada: $150,000
02/24/2015, Watermark Silicon Valley Conference for Women, Santa Clara, Calif.: $225,500
03/11/2015, eBay Inc., San Jose, Calif.: $315,000
03/19/2015, American Camping Association, Atlantic City, NJ: $260,000
Total: $21,667,000

Erdogan droht Merkel mit Aufkündigung des Flüchtlings-Deals
Erdogan droht Merkel mit Aufkündigung des Flüchtlings-Deals
Der Deal von Bundeskanzlerin Merkel mit der Türkei steht auf der Kippe. Der türkische Präsident Erdogan sagte, die Türkei werde keine Flüchtlinge zurücknehmen, wenn die Visafreiheit nicht kommt. Erdogan beklagte außerdem, dass er bis heute keine Geld von der EU…
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Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. Der Flüchtlingspakt steht auf der Kippe. (Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit dem türkischen Präsidenten Erdogan. (Foto: dpa)

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat in der Flüchtlingskrise mit einem Bruch der Abmachungen mit der EU gedroht. Ohne Fortschritte im Streit um die EU-Visumfreiheit werde er das Abkommen mit der EU zur Rücknahme von Flüchtlingen ab 1. Juni nicht in Kraft treten lassen, sagte Erdogan zum Abschluss des UN-Nothilfegipfels am Dienstag in Istanbul. In diesem Fall werde das türkische Parlament den entsprechenden Beschluss nicht ratifizieren.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte am Montag nach einem Gespräch mit Erdogan in Istanbul deutlich gemacht, dass der angestrebte Termin für die Visumfreiheit zum 1. Juli nicht mehr haltbar ist. Hintergrund ist die Weigerung Erdogans, die Anti-Terror-Gesetze der Türkei zu reformieren. Das ist aber eine Voraussetzung der EU, um die Visumpflicht für Türken bei Reisen in den Schengen-Raum aufzuheben.

Erdogan bezieht sich auf ein Abkommen mit der EU zur Rücknahme von Flüchtlingen und zur Visaliberalisierung von Ende 2013. Darin war ursprünglich die Rücknahme von Flüchtlingen aus Drittstaaten erst ab Oktober 2017 vorgesehen. Bei Erdogans Drohung vom Dienstag dürfte es um eine Vereinbarung der EU und Ankaras gehen, die Rücknahme durch die Türkei auf den 1. Juni diesen Jahres vorzuziehen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wollte auf die Androhung des türkischen Staatspräsidenten Erdogan zunächst nicht reagieren. „Das möchte ich jetzt nicht kommentieren, zumal ich das jetzt auch nur aus der Presse gehört habe“, sagte de Maizière am Dienstag am Rande der Klausur der Bundesregierung in Meseberg bei Berlin.

Die Rücknahme von illegalen Migranten durch die Türkei erfolgt derzeit nicht im Rahmen des Ende 2013 vereinbarten Abkommens. Sie ist im EU-Flüchtlingspakt im März als Sofortmaßnahme in der Krise verabredet worden. Diese Rücknahme läuft auf Grundlage eines Abkommens zwischen der Türkei und Griechenland und erstreckt sich nur auf die griechischen Ägäis-Inseln. Vom 1. Juni an sollten Flüchtlinge aus Drittstaaten auf Basis des breiter gefassten Rücknahmeabkommens zwischen der EU und der Türkei von Ende 2013 zurückgeschickt werden.

Merkel hatte am Montag weitere Gespräche mit der Türkei angekündigt. Erdogan sagte am Dienstag, unter anderem der türkische Außenminister werde die Visumverhandlungen mit der EU nun weiterführen. Sollten die Gespräche keine Resultate bringen, werde vom Parlament in Ankara „kein Beschluss und kein Gesetz bezüglich des Rücknahmeabkommens und des Implementierungsprozesses verabschiedet werden“.

Erdogan warf der EU erneut vor, die Reform der Anti-Terror-Gesetze erst nachträglich gefordert zu haben. Exakt diese Forderung ist aber bereits Teil des Abkommens von Ende 2013 gewesen, das Erdogans Regierung mit der EU abgeschlossen hatte. Erdogan hatte das Abkommen – damals noch als Ministerpräsident – einen „Meilenstein“ genannt.

Erdogan sagte am Dienstag mit Blick auf die EU: „Sie sollen uns nicht ständig Kriterien aufzwingen. Das hier ist die Türkei.“ Der Präsident warnte: „Das kann man bis zu einem gewissen Punkt tolerieren und bis zu einem gewissen Punkt aushalten. Aber nachdem sie es bis zu einem gewissen Punkt ausgehalten hat, fasst die Türkei einen endgültigen Entschluss. Und nachdem sie den Entschluss gefasst hat, dann, nichts für ungut, sagen wir: Denkt doch ihr jetzt nach.“

Merkel hatte am Montag gesagt, sie habe Erdogan deutlich gemacht, dass der Weg zur Visafreiheit auf den 72 Bedingungen beruhe, die bereits Ende 2013 verabredet gewesen seien. Ankara müsse alle Punkte erfüllen. Im Zuge der Verhandlungen über ihren Flüchtlingspakt hatten die EU und die Türkei verabredet, die für Oktober geplante Visafreiheit auf den 1. Juli vorzuziehen. Die 72 Bedingungen würden allerdings auch für den späteren Oktober-Termin gelten.

Trotz Sanktionen: Russland beschafft sich Geld am Kapitalmarkt
Trotz Sanktionen: Russland beschafft sich Geld am Kapitalmarkt
Der internationale Kapitalmarkt zeigt sich von den Sanktionen gegen Russland unbeeindruckt: Russland hat am Dienstag erfolgreich eine Anleihe begeben. Dies bedeutet, dass die Investoren die Risiken in Russland für überschaubar halten.
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Russlands Präsident Wladimir Putin. Trotz Sanktionen beschafft sich Russland Geld am Kapitalmarkt. (Foto: dpa)

Russlands Präsident Wladimir Putin. (Foto: dpa)

Russland hat Finanzkreisen zufolge erstmals seit Beginn der Sanktionen im Ukraine-Konflikt mit einem Eurobond den internationalen Kapitalmarkt angezapft. Der Staat habe mit der Emission der Fremdwährungsanleihe 1,75 Milliarden Dollar erlöst, sagten Insider am Dienstag laut Reuters. Drei Viertel der Summe sei von ausländischen Investoren aus Europa, den USA und Asien gekommen. Die Rendite habe mit 4,75 Prozent in der Mitte der angepeilten Preisspanne gelegen. Mit dem Geld kann die Regierung Löcher im Haushalt stopfen, die von den Sanktionen und der Wirtschaftskrise im Land gerissen wurden.

Zugleich war dies für Russland ein wichtiger Test, ob der Staat trotz der Sanktionen an westliches Investorengeld kommen kann. Die Strafmaßnahmen wurden nach der russischen Annexion der Halbinsel Krim 2014 verhängt. Sie verbieten zwar nicht den Handel mit russischen Staatsanleihen, sie sorgen aber für ein erhöhtes Risiko und für Unsicherheit unter den Investoren.

EZB deutet erstmals Ende der Niedrig-Zinsen an
EZB deutet erstmals Ende der Niedrig-Zinsen an
Die EZB überrascht die Märkte: Erstmals lässt die durchklingen, dass die Zeit der niedrigen Zinsen früher vorbei sein könnte als gedacht. Grundlage könnten die vergleichsweise guten Zahlen aus der Eurozone sein.
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EZB-Chef Mario Draghi und sein portugiesischer Vize Vitor Constancio, Anfang Dezember in Frankfurt. (Foto: dpa)

EZB-Chef Mario Draghi und sein portugiesischer Vize Vitor Constancio, Anfang Dezember in Frankfurt. (Foto: dpa)

Der Vize-Präsident der EZB, Vitor Constancio, hat erstmals auf das mögliche Ende der niedrigen Leitzinsen hingewiesen, falls die Geldpolitik Wirkung zeige. Marktbeobachter könnte dies hellhörig machen. Erste Ökonomen weisen bereits auf den Umstand hin, dass nur in den USA eine Zinswende eingeleitet wurde, obwohl die Fundamentaldaten in Europa besser seien.

Unter bestimmten Bedingungen sei ein Ende der Phase niedriger Zinsen möglich, so Constancio. „Sollte die Wirkung der EZB-Geldpolitik hinreichend stark sein, würde es keine lange Phase mit niedrigen Zinssätzen geben“, sagte er. Constancio ist direkt in die Zinsentscheidungen der EZB eingebunden – seine Aussagen besitzen am Markt deshalb Glaubwürdigkeit.

Marktbeobachter sind daraufhin hellhörig geworden. So interpretiert der Chefvolkswirt der Bremer Landesbank, Folker Hellmeyer, die Aussagen Constancios vor dem Hintergrund der konjunkturellen Entwicklung in Europa und den USA. Obwohl die amerikanische Wirtschaft die schwächeren Fundamentaldaten vorweise, wurde nur dort eine Zinswende eingeleitet – in der Eurozone sei davon bislang trotz einer robusten Entwicklung keine Rede gewesen:

„Der Euro steht unter Druck, obwohl die Daten und Nachrichten reihenweise positive Akzente setzen. Keine Analysten kommen derzeit auf die Idee, dass die EZB wegen dieser Daten und Nachrichten über ein zügiges Ende der Extrempolitik der EZB mit Negativzinsen und aggressiver QE-Politik räsonieren könnte. Ein zartes Signal lieferte der EZB-Vize Constancio. Anders ausgedrückt wurde der erste Warnschuss geliefert. Wir wollen aktuell noch nicht allzu viel daraus machen, aber es ist nahezu absurd, dass die US-Zentralbank bei der schwächsten Wachstumsdynamik seit Jahren multiple Zinserhöhungen in den Raum stellt und die EZB bei einem Wachstum am Potential noch nicht einmal ernsthaft ein Ende der Extremmaßnahmen auf die Agenda nimmt, nachdem Aufschwung der Eurozone unterschätzte.“

Hellmeyer verweist bei seiner Einschätzung der europäischen Wirtschaft unter anderem auf die Zunahme des deutschen GfK-Konsumklimaindex, welcher den höchsten Wert seit Juni 2015 erreichte. Auch der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Mai überraschend deutlich von 106,7 auf 107,7 Punkte. Zudem legte der französische Geschäftsklimaindex zu und die irische Arbeitslosenquote ist auf den tiefsten Stand seit der Finanzkrise gesunken. In den USA hingegen zeigen sich die Konjunkturindices durchwachsener. Hellmeyer weist beispielsweise darauf hin, dass derzeit so viele jungen Menschen noch bei ihren Eltern leben wie seit der Großen Depression der 1930er Jahre nicht mehr – einen Umstand, den er als Zeichen für finanziellen Stress in weiten Teilen der Bevölkerung deutet.

Inzwischen haben sich auch andere Vertreter der EZB zu den Grenzen der Geldpolitik und negativen Nebenwirkungen geäußert. Aus Sicht des niederländischen Notenbank-Chefs Klaas Knot stößt die EZB mit ihren geldpolitischen Mitteln zur Ankurbelung der Konjunktur allmählich an Grenzen, wie Reuters am Mittwoch berichtete. „Was Geldpolitik erreichen kann, das Wachstum betreffend, ist sehr eingeschränkt“, sagte Knot am Mittwoch auf einer Konferenz in Madrid. „Der geldpolitische Anreiz erreicht seine Grenzen und hat, wenn er zu lange beibehalten wird, negative Nebeneffekte.“

USA: Sanders wirft Clinton Manipulation bei Vorwahl vor
USA: Sanders wirft Clinton Manipulation bei Vorwahl vor
Der Demokrat Bernie Sanders hat eine Neuauszählung der Stimmen in Kentucky durchgesetzt. Er bezichtigt Hillary Clinton der Manipulation: Eine enge Freundin von Clinton ist Wahlleiterin in Kentucky, Clinton siegte nur ganz knapp.
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Hillary Clinton im Wahlkampf. Clinton siegte bei der Vorwahl in Kentucky nur knapp. (Foto: dpa)

Hillary Clinton im Wahlkampf. (Foto: dpa)

Nach dem hauchdünnen Sieg Hillary Clintons bei der Vorwahl der US-Demokraten im Bundesstaat Kentucky wird das Wahlergebnis überprüft. Clintons knapp unterlegener Gegenkandidat Bernie Sanders beantragte eine Prüfung der Briefwahlunterlagen sowie der Wahlautomaten. Wie Wahlleiterin Alison Grimes am Dienstag erklärte, soll das am Donnerstagmorgen (Ortszeit) geschehen.

Sanders hatte bei der Abstimmung am 17. Mai nur mit weniger als einem halben Prozentpunkt und weniger als 2000 Stimmen Rückstand auf Clinton verloren. Jüngste Äußerungen ließen seinen Ärger über Grimes erkennen, die vor laufenden Fernsehkameras Clinton zur Siegerin erklärt hatte. Die Politikerin aus Kentucky zählt seit langem zu den Unterstützerinnen der ehemaligen Außenministerin.

Sanders liegt im Clinch mit großen Teilen der Parteiführung. Die Überprüfung der Stimmen in Kentucky bringt ihm im besten Falle einen weiteren Delegierten – sein Rückstand auf Clinton beträgt aber mehrere Hundert. Ungeachtet einiger Zugeständnisse seitens der Partei hatte Sanders kürzlich angekündigt, der Nominierungsparteitag der Demokraten im Juli in Philadelphia könnte „chaotisch“ werden.

Russland lässt ukrainische Kampfpilotin Sawtschenko frei
Russland lässt ukrainische Kampfpilotin Sawtschenko frei
Russland hat die ukrainische Kampfpilotin Nadja Sawtschenko nach zweijähriger Haft entlassen. Im Gegenzug ließ die Ukraine zwei festgehaltene Russen frei.
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Nadia Sawtschenko mit ihrer Schwester Vera (R) bei der Ankunft am Flughafen Boryspil International bei Kiew. (Foto: dpa)

Nadia Sawtschenko mit ihrer Schwester Vera (R) bei der Ankunft am Flughafen Boryspil International bei Kiew. (Foto: dpa)

Die ukrainische Kampfpilotin Nadja Sawtschenko kehrt aus russischer Haft in ihre Heimat zurück. Sawtschenko sei nach fast zwei Jahren Gefangenschaft freigelassen worden und werde am Nachmittag in Kiew erwartet, verlautete am Mittwoch aus dem Umfeld der ukrainischen Präsidentschaft in Kiew. Offenbar erfolgte die Freilassung im Rahmen eines Gefangenenaustausches: Die Ukraine begnadigte zwei russische Männer und ließ sie nach Russland ausreisen.

Sawtschenko ist in der Ukraine zur Nationalheldin geworden, weil sie in den Reihen eines Freiwilligenbataillons gegen die pro-russischen Separatisten im Osten des Landes kämpfte. Sie geriet in russische Gefangenschaft und wurde wegen des Todes von zwei russischen Journalisten zu einer 22-jährigen Haftstrafe verurteilt.

Die Kampfpilotin hatte stets jegliche Beteiligung an den Kampfhandlungen, die zum Tod der Journalisten führten, bestritten. Nach eigener Darstellung wurde sie in der Ost-Ukraine von pro-russischen Kämpfern entführt und nach Russland verschleppt. Zeitweise war Sawtschenko in russischer Haft im Hungerstreik.

Das ukrainische Präsidialamt kündigte für Mittwochnachmittag (14.15 Uhr MESZ) eine Zeremonie an. Präsident Petro Poroschenko wolle die 35-jährige Kampfpilotin auszeichnen, hieß es in Kiew.

Bereits am Vormittag waren die beiden russischen Staatsbürger Aleksandr Aleksandrow und Jewgeni Jerofejew aus ukrainischer Haft entlassen worden und laut einer Anwältin nach Russland zurückgekehrt. Die beiden waren für ihren Kampf an der Seite pro-russischer Einheiten in der Ost-Ukraine zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Russland hat nicht bestritten, dass die beiden Männer Armeeangehörige waren, hatte jedoch gesagt, dass die beiden Männer zum Zeitpunkt ihrer Festnahme nicht im Dienst gewesen seien.

Die Ukraine hatte seit Monaten auf einen Gefangenenaustausch gedrängt, um Sawtschenko freizubekommen. Auch die Bundesregierung in Berlin hatte immer wieder auf ein solches Vorgehen zur Beilegung des Falls gedrängt. Im April hatte Präsident Poroschenko gesagt, er erwarte Sawtschenkos Freilassung innerhalb weniger Wochen.

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