Die Arbeiter verlieren: Weltweit steigen die Löhne nicht mehr

Weltweit sind seit den 1980er Jahren die Löhne langsamer gestiegen als die Produktivität. Die Internationale Arbeitsorganisation empfiehlt den Industrie-Ländern, die Lohn-Stagnation über den Mindestlohn auszugleichen. Eine Umverteilung von Reich nach Arm über das Steuer-System sei der falsche Weg.

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In den Industrieländern gibt es eine große Unverhältnismäßigkeit zwischen der Arbeits-Produktivität und den Real-Löhnen. (Grafik: Global Wage Report - International Labour Organization)

In den Industrieländern gibt es eine große Unverhältnismäßigkeit zwischen der Arbeits-Produktivität und den Real-Löhnen. (Grafik: Global Wage Report – International Labour Organization)

In den Industrieländern haben die Arbeiter von der Erholung der Weltwirtschaft bisher nichts gespürt. Die Arbeitslöhne sind jedenfalls nicht sonderlich gestiegen.

Der durchschnittliche Reallohn in den Industrieländern stieg 2012 nur um 0,1 und im vergangenen Jahr um 0,2 Prozent. Doch die Arbeiter der reichsten Volkswirtschaften – wie Italien, Japan und Großbritannien- verdienten weniger als im Jahr 2007. Das schwache Lohnwachstum in den Industrieländern führt zu schlechten Lebensbedingungen, insbesondere für ohnehin ärmere Arbeiter.

Deshalb hatte US-Präsident Barack Obama eine Kampagne ins Rollen gebracht, um den Mindestlohn zu erhöhen. Doch der Vorstoß Obamas wurde von der republikanischen Opposition im US-Kongress vereitelt. Der Deutsche Bundestag hingegen hat 2014 den ersten Mindestlohn des Landes beschlossen.

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) ist der Ansicht, dass die Lohn-Stagnation nicht nur auf den Finanz-Crash 2008 zurückzuführen sei, der eine hohe Arbeitslosigkeit und ein geringes Wirtschafts-Wachstum ausgelöst hatte. Vielmehr sei dies das Resultat eines langfristigen Niedergangs-Prozesses der Gewerkschaften, der technologischen Innovationen und der allgemeinen Globalisierung.

Seit den 1980er Jahren sind die Löhne langsamer gestiegen als die Produktivität. Die Arbeiter erhalten einen schrumpfenden Anteil am Wirtschaftswachstum. Dieser Trend hält in den meisten Staaten an. Die Ausnahmen sind Frankreich und Großbritannien, wo der Einkommensanteil der Arbeiterschaft relativ stabil aber das Lohnwachstum noch immer schwach geblieben sind.

Die ILO empfiehlt Regierungen, die Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt angehen möchten, den Mindestlohn zu nutzen und Tarifverhandlungen voranzutreiben. Von steuerpolitischen Maßnahmen, die eine Umverteilung von Reich nach Arm vornehmen, rät die ILO ab.

In der Zwischenzeit sind die Löhne in den Entwicklungsländern gestiegen. Doch sie sind immer noch weit davon entfernt, die reichen Länder einzuholen. Der durchschnittliche Monatslohn in den Entwicklungsländern beträgt etwa 1.000 US-Dollar in Entwicklungsländern, was einem Drittel des Durchschnittslohns der Industrie-Länder entspricht.

Die Löhne in Asien, Osteuropa und Asien sind durchschnittlich um sechs Prozent gestiegen. In Afrika und Lateinamerika gab es einen Anstieg von weniger als einem Prozent in Afrika und Lateinamerika. Der Anteil des Arbeitseinkommens am Wirtschaftswachstum ist in China, Mexiko und der Türkei geschrumpft. Doch in Russland hat sich jener Anteil erhöht.

Die Einkommensungleichheit in etwa der Hälfte aller Industrie- und Entwicklungsländer zwischen 2006 und 2010 ist angestiegen. In den anderen Ländern hat sie sich entweder verringert oder blieb stabil. Unter allen Ländern ist die Einkommensungleichheit in Brasilien und Argentinien besonders zurückgegangen.


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