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Das Versagen von Köln: Was wirklich in den Medien geschah

Haben die Medien die Beteiligung von Asylbewerbern an den Kölner Massenbelästigungen bewusst verschwiegen? Die Analyse zeigt: Die meisten sind am Neujahrstag in die Falle einer unübersichtlichen Nachrichtenlage getappt, an deren Anfang der falsche Terror-Alarm von München stand. Dann nahm das Unheil seinen Lauf.

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Die Gründe für die späte Medien-Reaktion auf Köln sind einerseits banal. Zum anderen zeigt die Fehler-Kette, dass die inflationäre Anwendung des Rassismus-Begriffs geeignet ist, echten Rassismus und Ressentiments anzufachen und damit der Gesellschaft und allen Minderheiten massiven Schaden zuzufügen.

Wir wollen im Folgenden die Nachrichtenlage in der Silvesternacht und am Neujahrstag analysieren, wie sie sich einer durchschnittlichen Zeitungsredaktion gestellt hat, und herausfinden: Haben die Medien manipuliert und bewusst verschwiegen, dass unter den Tatverdächtigen Flüchtlinge und Asylbewerber waren?

Wir können hier nur die Abläufe von privaten Medien untersuchen, die mit durchschnittlichen redaktionellen Mitteln arbeiten. Warum ARD und ZDF mit ihren tausenden Redakteuren keinen einzigen Mann oder Frau am Ort des Geschehens hatten, entzieht sich unserer Kenntnis. Auch alle anderen Fälle – Freiburg, Bielefeld, Hamburg, Frankfurt, Berlin, Stuttgart – wurden nicht über Sender bekannt, sondern durch Informationen, die Betroffene oder die Polizei den Zeitungen oder Blogs zuspielten. Sie kamen alle erst ab Mittwoch – also lange nach der Silvesternacht. Es entzieht sich unserer Kenntnis, warum sich kaum ein Informant an die die öffentlich-rechtlichen Sender gewandt hat. Dies sollte diesen mit 8 Milliarden Euro jährlich zwangsfinanzierten Medien sehr zu denken geben.

Wie sind also die Stunden vor und nach Silvester in einem durchschnittlichen privaten Medium verlaufen?

Der Neujahrstag ist in allen Redaktion traditionell der am schlechtesten besetzte Tag. Die Chefs schlafen lange und die Bereitschaftsdienste werden nur mobilisiert, wenn wirklich erkennbar etwas Gravierendes geschehen ist. Wenn, wie in diesem Fall, Neujahr auf einen Freitag fällt, gehen 90 Prozent aller leitenden Redakteure für einige Tage auf Urlaub. Sie schalten ihre Handys ab und twittern weniger. Sie versuchen, ihrem täglichen Stress zu entkommen.

Den Neujahrsdienst machen in den meisten Redaktionen entweder junge Kollegen oder solche, die man vorher breitklopfen musste, den Dienst zu schieben. Diese tun ihr Bestes, um die Routine, die normalerweise mit vielen Leuten abläuft, in Minimalbesetzung mit Anstand zu bewältigen.

Im Fall von Neujahr 2016 wurden die Rumpf-Redaktionen um 22.40 Uhr per Twitter aus ihrer Routine geweckt. Dieser Tweet beendete kurz vor Mitternacht die bis dahin beschauliche Nachrichtenarbeit:

In den folgenden Stunden waren die Redaktionen vollauf damit beschäftigt, die spektakuläre Terror-Warnung von München aufzuarbeiten. Terror ist immer besonders schwierig, weil viele Halb- und Desinformationen über den Computer schwirren. Um 2 Uhr nachts gab der bayrische Innenminister Joachim Herrmann eine Pressekonferenz, aus der man nicht wirklich schlau wurde. Sie wurde als wackeliger Livestream mit sehr schlechter Tonqualität von der Polizei übertragen. Man erfuhr nichts, außer, dass die Informationen von irgendwelchen Geheimdiensten stammten und dass es der IS gewesen sein soll. Informationen von Geheimdiensten sollten von Medien niemals für bare Münze genommen werden. Leider hat sich die Unsitte eingebürgert, dass Aussagen von anonymen „Diensten“ behandelt werden wie Fakten. Werden diese dann noch von Politikern vorgetragen, dann gehen viele obrigkeitsgläubige Redakteure davon aus, dass es stimmen muss.

Am Neujahrstag wurde das Interesse der Redaktionen noch einmal besonders nach München gelenkt, weil der Bahnhof Pasing erneut wegen eines verdächtigen Rucksacks kurzzeitig gesperrt wurde. Der Wissensstand an diesem Tag war, dass nach den Tatverdächtigen mit Hochdruck gefahndet werde. Man musste Polizeimeldungen zufolge, die in vielen Sprachen und höchster Dramatik über Twitter gejagt wurden, damit rechnen, dass schwer bewaffnete Islamisten in München unterwegs sind. Es war damit zu rechnen, dass diese Terroristen mehrere Attentate nach dem Pariser Vorbild verüben könnten.

Innenminister Herrmann wirkte bei der PK zwar erstaunlich aufgeräumt, was einem solchen Anlass nicht angemessen erscheint. Doch erst am Montag wurde klar, dass sich die Verdächtigen in Luft aufgelöst hatten und die Polizei bei Islamforschern nachfragte, was eine Liste von „arabischen Allerweltsnamen“ zu bedeuten habe.

Bis dahin waren die wirklich dramatischen Tweets der Münchner Polizei der einzige Anhaltspunkt. Darin hieß es unter anderem, dass die Gefahr so ernst sei, dass man „das nicht mehr unter den Teppich kehren könne“. Dies bestätigte auch die Nachrichtenagentur dpa.

In solch einer Situation sind kleine Mannschaften in einer Redaktion gehalten, ihre volle Aufmerksamkeit auf München zu lenken – auch aus der Verpflichtung, die Leser gegebenenfalls warnen zu können, falls wirklich etwas passiert. Einen zweiten Schwerpunkt haben die Redaktionen außerdem auf die Fan-Meile in Berlin gelegt: Nach den Absagen der Feiern in Brüssel und der Sperre des Roten Platzes in Moskau musste man im Hinblick auf Berlin besonders auf der Hut sein. Wenn es zu Terror kommt, dann in Berlin – so die Arbeitshypothese vieler Redaktionen. Die Terror-Warnung in München führte dazu, dass die Reaktionen sich teils auf München, teils auf Berlin konzentrierten – mit sehr kleinen Mannschaften.

Auf Köln hat am Neujahrstag kaum jemand aus den Nachrichtenredaktionen geschaut. Denn die Kölner Polizei hatte am Morgen eine erste Pressemeldung herausgegeben. Darin hieß es unter dem Titel „Ausgelassene Stimmung – Feiern weitgehend friedlich“. Darin hieß es: „Um eine Massenpanik durch Zünden von pyrotechnischer Munition bei den circa 1000 Feiernden zu verhindern, begannen die Beamten kurzfristig die Platzfläche zu räumen. Trotz der ungeplanten Feierpause gestaltete sich die Einsatzlage entspannt – auch weil die Polizei sich an neuralgischen Orten gut aufgestellt und präsent zeigte.“ Dies war der einzige Hinweis auf die Ereignisse, die erst in den kommenden Tagen in ihrem ganze Ausmaß bekannt wurden. Diese Pressemitteilung wurde dem Polizeipräsidenten von Köln am Freitag zum Verhängnis, denn man warf ihm vor, bewusst etwas unterdrückt zu haben. Bei genauerem Lesen war die Pressemeldung jedoch ein besserer Statistik-Bericht: Irgendein Journal-Dienst hat die offiziellen Anzeigen gesammelt, gezählt und ausgewertet. Um den Redaktionen nicht einen reinen Zahlenfriedhof zu liefern, hat die Pressestelle der Polizei eine kleine Zusammenfassung vorangestellt, in der es hieß, alles sei friedlich verlaufen.

An dieser Stelle kommt die Deutsche Presseagentur (dpa) ins Spiel. Sie ist für 99 Prozent aller überregionalen Medien die zentrale Informationsquelle, wenn es um die Einschätzung geht, ob ein lokales Ereignis überregionale Bedeutung hat. Reuters und die AFP sind in erster Linie Wirtschafts- und Auslandsagenturen. Reuters stieg erstmals am Dienstag in das Thema ein, die AFP am Montag.

Die dpa schickte am Samstag, 2. Januar, um 18.07 Uhr die erste Meldung zu Köln über den Ticker. Sie trug den nicht besonders dramatischen Titel: „Übergriffe auf Frauen in Köln – Polizei gründet Ermittlungsgruppe“. Die Meldung lautete:

„Köln (dpa) – Nach einer Reihe von Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht hat die Kölner Polizei eine eigene Ermittlungsgruppe aufgestellt. Knapp 30 Betroffene hätten sich bereits gemeldet und von ähnlichen Vorfällen im Getümmel rund um den Dom und am Bahnhof berichtet, teilten die Beamten am Samstag mit. Die Frauen seien von mehreren Männern umzingelt und angefasst worden. Zum Teil sei das zur Ablenkung geschehen, um Geldbörsen und Handys zu stehlen. In einigen Fällen seien die Frauen aber auch unsittlich berührt worden. Die Größe der Männergruppe habe nach Zeugenaussagen zwischen 2 und 20 Personen geschwankt. Die Polizei will nun unter anderem im großen Umfang Videoaufnahmen auswerten.“

Abgesehen von der Tatsache, dass jeder einzelne sexuelle Übergriff kriminell und untragbar ist, hat auch diese Meldung noch nicht ausgereicht, um sie überregional relevant zu machen. Die Methode, Leute zu umzingeln, zu belästigen und auszurauben, ist in Köln seit Jahren bekannt und ein riesiges Problem für die Polizei und für die Bürger. Dass es zu Silvester zu vermehrter Kriminalität kommt, ist nichts Ungewöhnliches.

Die dpa verweist unter ihren Meldungen immer wieder auf Originalquellen. In diesem Fall war unter der Meldung ein Link mit dem Titel „Mitteilung der Polizei“. Klickt man auf diesen Link, so konnte man folgende Pressemitteilung lesen, die um 16.58 publiziert worden war:

„POL-K: 160102-1-K Übergriffe am Bahnhofsvorplatz – Ermittlungsgruppe gegründet

Köln (ots) – Im Laufe des Neujahrtages (1. Januar) erhielt die Polizei Köln Kenntnis über unterschiedliche Vorfälle bei denen Frauen Opfer von Übergriffen geworden sind. In der Silvesternacht nutzten Tätergruppen das Getümmel rund um den Dom und begangen Straftaten unterschiedlicher Deliktsbereiche. Die Polizei Köln hat eine Ermittlungsgruppe zur Aufklärung der Fälle eingerichtet.

Bei der Polizei Köln und der Bundespolizei erstatteten bis zum jetzigen Zeitpunkt knapp 30 Betroffene Anzeige und schilderten in diesen Fällen die gleiche Vorgehensweise der Täter. Die Geschädigten befanden sich während der Neujahrsfeier rund um den Dom und auf dem Bahnhofsvorplatz, als mehrere Männer sie umzingelten. Die Größe der Tätergruppen variierte von zwei bis drei, nach Zeugenaussagen nordafrikanisch Aussehenden bis zu 20 Personen. Die Verdächtigen versuchten durch gezieltes Anfassen der Frauen von der eigentlichen Tat abzulenken – dem Diebstahl von Wertgegenständen. Insbesondere Geldbörsen und Mobiltelefone wurden entwendet. In einigen Fällen gingen die Männer jedoch weiter und berührten die meist von auswärts kommenden Frauen unsittlich.

Zur Klärung der Taten und Tatzusammenhänge hat die Polizei Köln eine Ermittlungsgruppe gegründet. Zur Arbeit der Ermittler gehört unter anderem die Auswertung umfangreicher Videoaufnahmen.

Weitere Geschädigte, die sich in der Silvesternacht am Bahnhofsvorplatz und um den Dom in der Zeit zwischen Mitternacht und vier Uhr aufgehalten haben und noch keine Anzeige erstattet haben, werden gebeten sich mit der Polizei in Verbindung zu setzen.“

Viele Redaktionen dürften nicht auf diese PM geklickt haben, die meisten übernahmen die dpa. Doch selbst wenn man diese PM liest, muss man sich als Journalist fragen: Kann man in dieser Allgemeinheit über „nordafrikanisch Aussehende“ schreiben? Was heißt das? Nach welchen Kriterien hat die Polizei entschieden, dass die Verdächtigen wie „Nordafrikaner“ aussehen? Hat die Polizei Vorlagen, nach denen sie auswählt?

Der Hinweis auf „nordafrikanisch Aussehende“ muss von jedem Redakteur mit humanistischer Grundbildung als rassistisch interpretiert werden. Denn vom Aussehen kann man auf überhaupt nichts schließen. Es gibt in Schwaben, Bayern, Berlin und Kassel sicher jede Menge Menschen, die „nordafrikanisch“ aussehen. Schwarze Haare, dunkler Teint, dunkle Augen, hervorstehende Backen-Knochen – das kann jeder haben. Der Rassen-Irrsinn der Nationalsozialisten hat auf genau solche Merkmale abgestellt, um Menschen anhand ihrer äußeren Merkmale als minderwertig zu klassifizieren. Und daher tun Journalisten im Deutschland des 21. Jahrhunderts gut daran, solche Begriffe nicht zu verwenden.

Und daher hat die dpa vermutlich darauf verzichtet, diese Beschreibung in ihre Agenturmeldung zu übernehmen. Redaktionen, die die PM der Polizei an diesem Abend gelesen haben, werden in der Regel so reagiert haben: Die dpa streicht es raus, also sind wir auf der sicheren Seite, wenn wir es auch weglassen. Wer möchte am Montag vor seinen Chef treten, wenn sich herausstellt, dass es andere Gruppen waren – die Russenmafia, Rechtsextreme, deutsche Trunkenbolde – und sich dafür rechtfertigen, dass er die dpa korrigiert hat? Kein Journalist macht das, schon gar nicht an Neujahr, ohne die Möglichkeit, sich rückzuversichern.

Wir haben den Chefredakteur der dpa, Sven Gösmann, befragt, warum die Agentur diese Qualifizierung aus der Pressemeldung der Polizei nicht in die Agentur übernommen hat. Ein Sprecher des dpa-Chefredakteurs teilte uns dazu mit:

„dpa hat auf die Polizei-Pressemitteilung vom Samstag, ca. 17.00 Uhr, mit einer Meldung um kurz nach 18.00 Uhr reagiert. Zuvor hatte die Polizei die Silvesternacht in der Innenstadt als „friedlich“ bezeichnet. Dies war auch die Einschätzung bei unserer telefonischen Anfrage im Laufe des Neujahrstages bei den Lagediensten im Land gewesen.

In der Pressemitteilung der Polizei ist ebenso wie in der dpa-Meldung von einer Tätergruppe die Rede, deren Größe nach Zeugenaussagen zwischen 2 und 20 Personen geschwankt habe. Zur Nennung der Nationalität bzw. ethnischer Zugehörigkeit mutmaßlicher Täter möchten wir auf den entsprechenden Passus im Pressekodex verweisen, an den sich dpa hält. In der Richtlinie 12.1 heißt es dazu: ,In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte.‘

In der Pressemitteilung vom Samstag berichtete die Polizei unter anderem: ,Die Verdächtigen versuchten durch gezieltes Anfassen der Frauen von der eigentlichen Tat abzulenken – dem Diebstahl von Wertgegenständen. Insbesondere Geldbörsen und Mobiltelefone wurden entwendet.‘ In einer weiteren Pressemitteilung am Sonntag ging es dann konkret um das Bedrängen von Personen durch sogenannte ,Antänzer‘. Dieses Vorgehen von Kriminellen ist in der Tat ein Vorgang, der regelmäßig von Polizeistellen – nicht nur in NRW – berichtet wird.

Selbstverständlich wertet dpa kontinuierlich und unabhängig vom Verbreitungsweg regionale, überregionale und internationale Medien aus.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die dpa-Kollegen die am Samstag vorliegenden Informationen korrekt bewertet und angemessen in Berichterstattung umgesetzt haben.“

Am Sonntag haben die Lokal-Medien wie der Kölner Express und der Kölner Stadtanzeiger über die Vorfälle berichtet. Deren Berichte ließen jedoch nicht eindeutig erkennen, dass es sich um Asylbewerber gehandelt hat. Schon gar nicht war zu erkennen, dass es sich um 1.000 Gewalttäter gehandelt hat, wie der Polizeipräsident am Montag bekanntgab. Am Sonntag waren auch erste Videos von Privatpersonen im Umlauf. Sie zeigte zahlreiche junge Männer, aber auch Frauen und ältere Leute, am Bahnhofsvorplatz beim Böller-Schießen. Wir bei den DWN haben das Videomaterial gesichtet und kamen zu dem eindeutigen Ergebnis: Das sind zwar ziemlich rustikale Praktiken, wie die Feuerwerkskörper da abgefeuert wurden. Doch das läuft zu Silvester in jeder Großstadt so ab. Die Jugendlichen, so ergab sich zumindest aus den vorliegenden Videos, veranstalteten keinen „Krieg“, wie ein Video betitelt war. Sie waren grenzenlos leichtsinnig und handelten sicher unverantwortlich. Aber es war in diesen Videos keinerlei Aggressivität gegen andere zu erkennen. Die Auswertung von Facebook und anderen sozialen Netzwerken war zu diesem Zeitpunkt schwierig: Eine Facebook-Seite, die schon früh auf die Ereignisse hingewiesen hat, hätte die Redaktion auf ihre Glaubwürdigkeit hin überprüfen müssen – eine Tätigkeit, die mindestens einen Tag in Anspruch nimmt, wenn sie seriös durchgeführt wird.

Am Sonntagabend konnten die Medien also nicht zweifelsfrei erkennen, dass es sich um Massenbelästigungen und sexuelle Übergriffe gehandelt hat, an denen Asylanten beteiligt waren. Die Bild-Zeitung war in dieser Causa überhaupt kein Leitmedium. Sie titelte andauernd vom „Sex-Mob“, worunter man sich etwas anderes vorstellt als Gewalttaten von Asylanten oder Flüchtlingen.

Am Montag gab der Kölner Polizeipräsident schließlich bekannt, dass es sich bei den Tätern um Männer handeln soll, die „dem Aussehen nach aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum“ stammen. Genauso wurde der Präsident auch von der dpa zitiert – die nun offenbar zu dem Ergebnis gekommen war, dass die Herkunft wichtig werden könnte. Die Deutschen Wirtschafts Nachrichten veröffentlichten diesen Beitrag am Montag um 19.14 Uhr, nachdem wir mehrere Kölner Quellen befragt hatten, ob diese Aussage des Polizeipräsidenten plausibel sei.

Dem Zögern der Medien, die in der Regel sehr stark der dpa folgen, liegt in eine wichtige journalistische Praxis zugrunde, der die meisten hier offenbar instinktiv gefolgt sind: Das Aussehen ist für einen Täter-Begriff irrelevant. Es ist rassistisch, weil mit der Berufung auf das „Aussehen“ eine viel zu große Gruppe wegen ihrer ethnischen Herkunft unter Verdacht gerät – wie die oben erwähnten Ärzte, Taxifahrer, Künstler usw., die allesamt „arabisch“ oder „nordafrikanisch“ aussehen können, aber deutsche oder EU-Staatsbürger oder ganz und gar unbescholtene Ausländer sind und mit den Gewalt-Exzessen in Köln und in anderen Städten genauso wenig zu tun haben wie ein blonder schwedischer Student oder eine rothaarige französische Kellnerin.

Die Polizei hat den Begriff vermutlich in Panik gewählt, weil sie unter erheblichem politischen Druck steht – wie die ganze deutsche Gesellschaft. Ihr wurde eingeschärft, dass bei den Flüchtlingen gilt: „Wir schaffen das!“. Wie tief die Verunsicherung sitzt, zeigen die Beispiele von Hessen und NRW: Dort haben die Behörden offenbar eine Anweisung, Straftaten mit Flüchtlingen unter Verschluss zu halten.

Genau diese falsch verstandene Diskretion, die auf eine politische Indoktrination zurückzuführen ist, führt allerdings direkt zum Rassismus: Das „Aussehen“ stellt automatisch Menschen unter Generalverdacht, weil sie einer ethnischen Gruppe angehören. Die Verdächtigung einer Person aufgrund ihres Aussehens ist rassistisch. Die Praxis der deutschen Polizei, die vor einigen Monaten in den Zügen „Verdächtige“ herausgefischt hat, weil sie in deren „Aussehen“ einen Hinweis sahen, dass es sich um einen illegalen Einwanderer handelt, wurde aus genau diesem Grund als rassistisch bezeichnet.

Diese Entwicklung würde verhindert, wenn Deutschland oder die EU ihre Grenzen wirksam schützen und kontrollieren würden: Ob sich jemand in Deutschland illegal aufhält, kann man niemals an seinem Aussehen erkennen, wohl aber an seinen Reisedokumenten.

Der zentrale Denkfehler, der auch der dpa unterlaufen ist, besteht darin, dass der Pressekodex ganz klar ist, wenn er sagt, dass die Zugehörigkeit „zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten“ nicht gesondert hervorgehoben werden darf. Der Pressekodex spricht ausdrücklich nicht von anderen Nationalitäten oder Personengruppen, die einen bestimmten Status in der Gesellschaft innehaben: Die Nennung der Tatverdächtigen als „Asylbewerber“ ist zwar, wie ein Kölner Polizist gesagt hatte, schmerzhaft, weil wir allem wollen, dass jedem einzelnen, der nach Deutschland kommt, die Integration gelingt und er hier ein glückliches und erfolgreiches Leben führt. Jemand, der als Asylbewerber einer Straftat verdächtigt wird, darf auch als Asylbewerber bezeichnet werden – vor allem in einer gesellschaftlichen Situation, wo hunderttausende Flüchtlinge und Immigranten sich in Deutschland aufhalten und die Gesellschaft verständlicherweise besonders korrekte und sachliche Aufklärung erwartet.

Diese entbindet die Medien allerdings nicht einer besonderen Verantwortung. Sie müssen so berichten, dass auch nur der Anschein von pauschalen Verurteilungen vermieden wird.

Sehr wichtig ist in diesem Zusammenhang die Rolle verschiedener Meinungsmacher – auch und gerade in der Politik, aber auch in den Medien – die keine Gelegenheit auslassen, um jeden, der auf Missstände hinweist oder vor Gefahren warnt, die die massenhafte, unkontrollierte Zuwanderung mit sich bringt, als Gegner der Gesellschaft denunziert. Dieses Trommelfeuer von seltsamen Agitatoren, das in Deutschland von den Netzwerken aus dem Umfeld der Öffentlich-Rechtlichen, den hierzulande tätigen US-Medien oder etwa der aus den USA stammenden Wikipedia munter betrieben wird, führt zu Verunsicherung nicht nur bei der Polizei, sondern auch bei den kritischen Medien.

Die Medien müssten aus dem Kommunikations-Desaster von Köln eine wichtige Erkenntnis ziehen: Der Asylanten-Status drückt nicht die Zugehörigkeit „zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten“ aus, sondern beschreibt den personenrechtlichen Stand eines vor einem Krieg Geflohenen. Der Begriff Migrant beschreibt den Lebensweg eines Menschen, der seine ursprüngliche Heimat verlassen hat – aus welchen Gründen auch immer. Er beschreibt nicht die Zugehörigkeit „zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten“. Und selbst die Erwähnung der Zugehörigkeit „zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten“ wäre laut Presserat zulässig, wenn für diese „für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht“.

Wie absurd die Debatte in der Folge wurde, zeigt das kleine Detail, dass viele Medien einen Zusammenhang herstellten, der von Politikern und der sich rechtfertigenden Polizei in Umlauf gebracht wurde: Ein Großteil der Täter soll betrunken gewesen sein – und daraus wurde dann eine Warnung konstruiert, dass eine „muslimische Männlichkeitskultur“ von Deutschland fernzuhalten sei. Gläubige Muslime trinken keinen Alkohol.

Die Medien stehen, wie die Polizei und die ganze deutsche Gesellschaft, vor einer großen Herausforderung. Die späte Berichterstattung von Köln war, so kann man für die deutschen Medien feststellen, keine konzertierte Aktion. Sie war einerseits der Tatsache geschuldet, dass man sich als Medium – trotz der Schwalls an Internet-Postings – in einem kritischen Fall auch mal zwei Tage Zeit nehmen muss, um sich Klarheit über die Fakten zu verschaffen.

Die Erschütterung, die in vielen Medien wegen des „Versagens“ förmlich mit Händen zu greifen ist, sollte nun einer nüchternen Überprüfung der Arbeitsweise weichen. Dazu gehören handwerkliche Mittel, Check- und Gegen-Check und gelegentlich einmal das Nicht-Berichten – wenn man eben keine präzisen Informationen hat.

Die lange Verzögerung der Medien bei der Berichterstattung über die Ereignisse an Silvester in Köln hat ihre Ursache nicht darin, dass die privaten Medien in diesem Fall bewusst etwas verschwiegen haben. Das heißt nicht, dass es andere Fälle gibt, in denen das aus unterschiedlichen Gründen geschieht. Doch in diesem konkreten Fall trifft der Vorwurf für die meisten privaten Medien nicht zu. Die Tatsache, dass viele Medien ab Montag sehr ausführlich und ohne Voreingenommenheit berichtet haben, bestätigt diesen Befund.

Ob man den Medien dies als glaubwürdige Erklärung auch abnimmt, ist schwer vorherzusagen. Es wird entscheidend davon abhängen, ob die Journalisten ihre eigene innere Unabhängigkeit wiedergewinnen und sich nicht mehr von politischen PR-Maschinen und ideologischen Agitatoren beeindrucken lassen. Der guten Sache schadet der Journalist am meisten, wenn er sich mit ihr gemein macht.

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Das neue Buch von DWN-Herausgeber Michael Maier erscheint in wenigen Tagen beim Finanzbuch Verlag München. (Foto: FBV)

Das neue Buch von Michael Maier. (Foto: FBV)

DWN-Herausgeber Michael Maier hat sich in seinem neuen Buch auch mit der Rolle der Medien in den modernen Kriegen befasst: Sie werden zunehmend von Spin-Doktoren, PR-Firmen und politischer Einflussnahme unter Druck gesetzt. Die Folge sind tendenziöse Berichte, die den Lesern unterschwellig eine falsche Sicht auf die Zusammenhänge von Ereignissen liefern. Der Vorwurf der „Lügenpresse“ ist nach Maiers Einschätzung absurd. Vielmehr liegt das Problem darin, dass die Medien nicht mehr unbeeinflusst beurteilen können, was Fakten und was Manipulationen sind. Die Medien erleichtern mit ihrer oftmaligen Unterwürfigkeit gegenüber den Regierungen den Strippenziehern ihr mieses Spiel. 

Auf Amazon schreibt ein Leser-Rezensent zu dem Buch: „Michael Maier gelingt es mit Das Ende der Behaglichkeit, einen Erklärungs- und Lösungsansatz für die derzeitigen, künstlich erschafften Krisen zu bieten.“

Michael Maier: „Das Ende der Behaglichkeit. Wie die modernen Kriege Deutschland und Europa verändern“. FinanzBuch Verlag München, 228 Seiten, 19,99€. Bestellen Sie das Buch hier direkt beim Verlag.

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Polen verlangt von Merkel Erklärung zu Sicherheit in Deutschland
Polen verlangt von Merkel Erklärung zu Sicherheit in Deutschland
Polen verlangt von der Bundesregierung unter Bundeskanzlerin Merkel nach den jüngsten Gewaltexzessen eine Erklärung zur Sicherheit in Deutschland. Warschau sorgt sich um die eigenen Bürger: Am Sonntag war eine junge Polin von einem Flüchtling mit einer Machete ermordet worden.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der polnischen Ministerpräsidentin Beata Szydlo in Berlin. (Foto: dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel mit der polnischen Ministerpräsidentin Beata Szydlo in Berlin. (Foto: dpa)

Die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydlo hat von der Bundesregierung eine „Erklärung“ zu den jüngsten Gewalttaten in Deutschland gefordert. „Seit mehreren Wochen hören wir täglich von Terrorangriffen. Diese jüngsten Ereignisse haben auch polnische Bürger getroffen“, sagte Szydlo am Dienstag. Sie bezog sich dabei offenbar auf den Mord an einer Polin durch einen syrischen Flüchtling in Reutlingen.

„Der polnische Staat hat die Verpflichtung, eine Erklärung zu verlangen für die Ereignisse, eine ehrliche Information, weil sich das alles auf der anderen Seite unserer Grenze abspielt“, sagte Szydlo vor Journalisten. Die Regierung in Warschau steht der deutschen Flüchtlingspolitik seit langem kritisch gegenüber. Die Aufnahme von Flüchtlingen im Zuge einer europaweiten Quotenregelung lehnt sie entschieden ab.

Bereits am Montag hatte der polnische Außenminister Witold Waszczykowski die deutsche Regierung für die jüngsten Gewalttaten mitverantwortlich gemacht. „Die Sicherheitsdienste und die deutschen Politiker sind verantwortlich für die Sicherheit in Deutschland“, sagte Waszczykowski auf einer Reise im jordanischen Amman. „Wir erwarten, dass sie uns das Warum dieser Taten erklären.“

Er stellte dabei auch einen Zusammenhang zwischen der deutschen Flüchtlingspolitik und den islamistischen Anschlägen in Ansbach und Würzburg her, die von einem syrischen und einem afghanischen Flüchtling verübt worden waren. „Man versichert uns, dass es keine Probleme verursachen würde, Europa zu öffnen und eine derartige Welle von Migranten zu akzeptieren.“ Nun zeige sich, dass dies nicht der Fall sei, sagte Waszczykowski.

Orban: Ungarn braucht keinen einzigen Migranten für die Wirtschaft
Orban: Ungarn braucht keinen einzigen Migranten für die Wirtschaft
Ungarns Premier Orban sieht in den Flüchtlingen in Europa eine Gefahr für die öffentliche Ordnung. Österreich wird Ungarn beim Schutz der Grenze zu Serbien unterstützen.
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Österreichs Bundeskanzler Christian Kern mit dem ungarischen Premier Viktor Orban in Budapest. (Foto: dpa)

Österreichs Bundeskanzler Christian Kern mit dem ungarischen Premier Viktor Orban in Budapest. (Foto: dpa)

Der ungarische Ministerpräsident Victor Orban hat Einwanderung als „Gift“ und die Flüchtlinge als Sicherheitsrisiko bezeichnet. „Ungarn braucht keinen einzigen Migranten, damit die Wirtschaft funktioniert“, sagte Orban am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem österreichischen Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ). „Deswegen braucht es keine gemeinsame europäische Einwanderungspolitik. Wer immer Migranten braucht, kann sie nehmen, doch zwingt sie uns nicht auf, wir brauchen sie nicht“.

„Jeder einzelne Migrant stellt eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit und ein Terrorrisiko dar“, sagte Orban, der von Anfang an in der Flüchtlingspolitik eine harte Linie vertreten hat. Insbesondere lehnt er eine Verteilung der Asylbewerber auf die EU-Mitgliedsstaaten nach verbindlichen Quoten vehement ab. „Für uns ist Migration keine Lösung, sondern ein Problem. (…) Nicht Medizin, sondern ein Gift, wir wollen es nicht und schlucken es nicht“, sagte Orban.

Im vergangenen Jahr waren 400.000 Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak und anderen Kriegs- und Krisengebieten durch Ungarn gereist. Nachdem die Regierung die Südgrenze mittels eines Stacheldrahtzauns abgeriegelt hatte, ging die Zahl deutlich zurück. Rund 199.000 Flüchtlinge stellten 2015 einen Asylantrag in Ungarn, doch wurden nur 264 Asylbewerber angenommen. Seit der Schließung der Balkanroute kommen kaum noch Flüchtlinge.

Österreich und Ungarn wollen die Grenze zu Serbien gemeinsam sichern. Österreich wird zunächst 20 Polizisten abstellen. Bundeskanzler Kern sagte, Österreich wolle nach den „jüngsten Erschütterungen“ die Beziehungen zu Ungarn wieder verbessern.

Syrien und Russland kreisen Söldner-Truppen in Aleppo ein
Syrien und Russland kreisen Söldner-Truppen in Aleppo ein
Russen und Syrer haben die islamistischen Söldner in Aleppo komplett eingekreist, nachdem sie vergangenen Woche ihre Versorgungsroute gekappt hatten. Doch die Söldner könnten dazu übergehen, die Zivilbevölkerung von Aleppo als menschliche Schutzschilde einzusetzen.
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Die islamistischen Söldner von Fatah Halab haben keinen Ausweg mehr. (Screenshot)

Die islamistischen Söldner von Fatah Halab haben keinen Ausweg mehr. (Screenshot)

In der umkämpften syrischen Stadt Aleppo besteht die Gefahr, dass die islamistischen Söldner die Einwohner von Aleppo, deren Anzahl unbekannt ist, als menschliche Schutzschilde benutzen. Westliche Sicherheitskreise bestätigten den Deutschen Wirtschafts Nachrichten, dass dies eine reale Gefahr sei, weil die Söldner in der Vergangenheit auf dieses Mittel zurückgegriffen haben, um einen „Massenmord“ durch Russen und Syrer zu propagieren. Die pro-westliche Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) bestätigt diese Methode der „Rebellen“. Auffällig ist, dass vor allem die Söldner-Truppe Dschaisch al-Islam, die auch an den Genfer Gesprächen teilgenommen haben und vom Westen unterstützt werden, diese Methode einsetzt. Al Jazeera berichtete im vergangenen Jahr: „Syrische Rebellengruppen haben Menschen in Käfige gesperrt und sie in die Nähe von Damaskus gefahren, um sie als menschliche Schutzschilde gegen schwere Luftangriffe durch die Regierung einzusetzen.“

Die islamistischen Söldner der Gruppe Fatah Halab wurden am Dienstag in Aleppo von der syrischen Armee (SAA) komplett eingekesselt. Bereits vor eineinhalb Wochen wurde die Versorgung der Söldner gekappt, berichtet Al-Masdar News. Was besonders nachteilig für die Söldner ist, ist die Tatsache, dass die 4. Mechanisierte Division der SAA 90 Prozent des Al-Layramoun-Viertels, in der sich zahlreiche Industrieanlagen befinden, kontrolliert. Die Söldner haben nur noch die Kontrolle über die Bus-Station im Norden der Stadt.

Die SAA hat auch erstmals seit dem Jahr 2012 die Kontrolle über das Viertel Bani Zaid errungen. Die Söldner haben zwei Optionen: entweder sie führen einen aussichtslosen Kampf oder die ergeben sich der SAA und ihren russischen Verbündeten. Die New York Times berichtet, dass die SAA den Söldnern in Aussicht gestellt haben, sich zu ergeben. Zudem habe die SAA eine sichere Route aus der Stadt geschaffen, um den Söldnern den Ausweg zu ermöglichen, nachdem sie die Waffen niedergelegt haben.
Ausschlaggebend für den enormen Rückschlag gegen Fatah Halab waren die russischen Luftangriffe auf die Stellungen der Söldner in Aleppo. Nach Informationen des syrischen Spezial-Kommandos „Tiger Forces“ sollen die Russen zahlreiche Militärfahrzeuge der Söldner in Kafr Hamra, Bayyanoun, Hayyan, Harita und Anadan zerstört haben. Alleine in der Nacht von Montag auf Dienstag soll die russische Luftwaffe über 40 Luftschläge gegen die Islamisten ausgeführt haben, so Al-Masdar News.

US-Präsident: Demokraten nominieren Hillary Clinton als Kandidatin
US-Präsident: Demokraten nominieren Hillary Clinton als Kandidatin
Hillary Clinton wird gegen Donald Trump antreten. Doch über ihrer Kandidatur liegen erhebliche Schatten. Sie wird mit Manipulationen und Korruption in Verbindung gebracht. Die Demokraten fürchten weitere unangenehme Enthüllungen und haben vorsorglich die Russen für einen demaskierenden Leak verantwortlich gemacht.
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Meryl Streep am Dienstag auf dem Parteitag der Demokraten. (Foto: dpa)

Meryl Streep am Dienstag auf dem Parteitag der Demokraten. (Foto: dpa)

Die frühere Außenministerin Hillary Clinton ist nun auch offiziell die Präsidentschaftskandidatin der US-Demokraten. Bei einem Parteitag in Philadelphia stimmten am Dienstag mehr als 2381 Delegierte für Clinton, womit sie die erforderliche absolute Mehrheit erreichte.

Clinton ist in den vergangenen Tagen durch die Veröffentlichung der DNC-Emails unter Druck geraten. Aus den Emails geht nicht nur hervor, dass die Demokraten hinter einer ausgemachten Schmierenkampagne gegen Donald Trump stecken. Auch Bernie Sanders sollte diskreditiert werden – unter anderem, weil er Atheist ist. Die DNC-Vorsitzende Debbie Wasserman Schultz musste zurücktreten. Julian Assange von Wikileaks kritisierte, dass Clinton Wasserman Schultz nach dem Bekanntwerden ihres Fehlverhaltens lobte und ihr versprach, sie zum Teil ihrer Kampagne zu machen. Assage sagte auf Democracy Now, dass Clinton damit ihren Hang zur Korruption belege: Sie habe jemanden belohnt, dem Manipulation und Intrigen vorgeworfen wurden. Dies lasse nichts Gutes für eine mögliche Präsidentschaft von Clinton erwarten. Clinton habe damit gezeigt, dass sie für Korruption anfällig sei, weil ihr persönliche Loyalitäten wichtiger seien als das Wohl der Allgemeinheit.

An der Kür Clintons hatte kein Zweifel bestanden. Die Ex-Außenministerin hatte sich in den Vorwahlen der Demokraten gegen den linksgerichteten Senator Bernie Sanders durchgesetzt. Zudem hatte sie die große Mehrheit der sogenannten Superdelegierten hinter sich. Dies sind aktuelle oder frühere Amtsträger der Partei, die in ihrem Votum über den Kandidaten frei, also nicht an die Vorwahlergebnisse gebunden waren.

Gleichwohl zeigt der bisherige Verlauf des Parteitags, dass Clintons Kandidatur in der Partei nicht auf ungeteilte Begeisterung stürzt. Auch am zweiten Tag der Versammlung brachen Sanders-Anhänger immer wieder in stürmische „Bernie, Bernie“-Sprechchöre aus.

Banken-Stresstest: Zittern vor einem schwarzen Freitag
Banken-Stresstest: Zittern vor einem schwarzen Freitag
Am Freitag werden die Ergebnisse des Banken-Stresstests veröffentlicht. Es wird erwartet, dass die Ergebnisse eine neue Welle der Unsicherheit in den Finanzmärkten auslösen. In Deutschland stehen die beiden Großbanken Deutsche Bank und Commerzbank im Fokus.
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Die Börsen fürchten einen unerfreulichen Freitag. (Foto: dpa)

Die Börsen fürchten einen unerfreulichen Freitag. (Foto: dpa)

Neue Hiobsbotschaften von den deutschen Banken vor den Stresstest-Zeugnissen am Freitag: Die Commerzbank muss um ihren Milliardengewinn in diesem Jahr bangen und kämpft mit einer dünner werdenden Kapitaldecke. Und die mitten in der Sanierung steckende Deutsche Bank, ebenfalls nicht mit einem üppigen Puffer ausgestattet, sieht sich in den USA mit einer neuen Klage wegen undurchsichtiger Hypothekengeschäfte konfrontiert. Die Nervosität der Anleger steigt: Finanztitel zählten am Dienstag europaweit zu den Verlierern – auch weil weiterhin unklar ist, welche Register die italienische Regierung zieht, um ihre angeschlagenen Geldhäuser zu stabilisieren und einen Flächenbrand zu verhindern.

Im Dax büßten Commerzbank und Deutsche Bank am Dienstag mehr als vier Prozent ein und waren damit die Schlusslichter. Bei der Deutschen Bank erwarten von Reuters befragte Analysten angesichts der zahlreichen Sonderlasten ohnehin einen Verlust, wenn das Institut an diesem Mittwoch als erste richtig große europäische Bank ihre Zahlen vorlegt.

Die Enttäuschung war nun aber vor allem mit Blick auf die noch immer teilverstaatlichte Commerzbank groß. Dort offenbart sich für den neuen Vorstandschef Martin Zielke eine immer größere Not, ein neues Sparprogramm zu starten. Der Überschuss brach im zweiten Quartal um fast ein Drittel auf 209 Millionen Euro ein. Die Niedrigzinsen fressen sich tief in die Bilanz, und die Kreditnachfrage im Kerngeschäft mit dem Mittelstand schwächelt, warnte die Bank. „Eine klare Enttäuschung“, sagte Fondsmanager Helmut Hipper von Union Investment. „Was bleibt, ist die Hoffnung, dass der neue Vorstandschef Zielke einen überzeugenden Business-Plan vorlegt.“

Die neue Strategie wird im Herbst erwartet, große Sprünge sind angesichts der mauen Ausgangslage aber nicht drin. Zielke hatte schon unmittelbar zu seinem Amtsantritt im Mai prophezeit, es werde schwierig, das Vorjahresergebnis von mehr als einer Milliarde Euro zu wiederholen. Nach sechs Monaten stehen jetzt erst 372 Millionen Euro zu Buche – gut 40 Prozent weniger. Für die Branchenexperten der NordLB ist die Milliarde damit gegessen. Sie erwarten, dass die Commerzbank dieses Ziel am kommenden Dienstag offiziell kassiert. Dann soll der ausführliche Quartalsbericht veröffentlicht werden. An der veranschlagten Dividende von 20 Cent je Aktie will Zielke dagegen bislang nicht rühren.

In welcher Verfassung die Banken auf dem Kontinent sind, dürfte sich am Freitag zeigen. Dann werden die Ergebnisse des diesjährigen europaweiten Stresstests veröffentlicht. Allein die italienischen Institute schieben noch einen Berg fauler Kredite von 360 Milliarden Euro vor sich her. Dort ist inzwischen eine Debatte über ein neues Rettungspaket entbrannt. Allerdings können sich auch die deutschen Geldhäuser nicht zurücklehnen. Sie tun sich mit den strengeren Kapitalauflagen der Regulierer schwer.

Bei der Commerzbank schrumpfte die harte Kernkapitalquote per Ende Juni überraschend auf 11,5 Prozent, Ende März waren es noch 12,0 Prozent. Die Europäische Zentralbank will bei der Commerzbank bis 2019 eine Quote von 11,75 Prozent sehen. Der Grund für den jüngsten Rückgang: Offenbar bewertete die Commerzbank ihre Bilanzrisiken bislang zu lax – und musste nachbessern. Höhere Risikoaufschläge für italienische Staatsanleihen hinterließen ebenfalls Spuren. Das Engagement ist gewaltig: Ende März war die Commerzbank mit elf Milliarden Euro in Italien investiert. Alle deutschen Banken zusammen haben dort fast 26 Milliarden Euro im Feuer.

Ob die Deutsche Bank mit ihrer Kapitalausstattung im Frühjahr vorangekommen ist, ist offen. Sie hatte vor allem darauf gehofft, den bereits vereinbarten Verkauf der Beteiligung an der chinesischen Hua Xia Bank im zweiten Quartal abzuschließen. Das würde die Kapitalquote – die zu Jahresbeginn auf 10,7 von 11,1 Prozent gesunken war – um ein halbes Prozent verbessern. Finanzkreisen zufolge sind aber noch nicht alle Stempel auf den Vertragspapieren.

Dabei könnte Deutsche-Bank-Chef John Cryan gute Nachrichten dringend gebrauchen. Bei Deutschlands größtem Geldhaus sorgen sich Investoren vor allem darum, wann die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten endlich ad acta gelegt werden, die viel Geld kosten. US-Hypothekenklagen zählen schon länger dazu. Jetzt müssen sich die Frankfurter in den USA erneut vor Gericht gegen Vorwürfe verteidigen, im Vorfeld der Finanzkrise Risiken im Zusammenhang mit dem Immobilienmarkt verheimlicht und Investoren über den Tisch gezogen zu haben.

Die Commerzbank, die seit jeher ein kleineres Rad auf den internationalen Kapitalmärkten drehte, hat solche Probleme nicht. Aber auch der Heimatmarkt macht längst keinen Spaß mehr. Wegen der Geldflut der Notenbanken rufen die wichtigen Firmenkunden nicht mehr genug Kredite ab. Deshalb werden jetzt bei der sogenannten Mittelstandsbank die größten Einschnitte erwartet. Besser schlägt sich die Bank dagegen im Privatkundengeschäft, obwohl der Online-Broker Comdirect neuerdings schwächelt.

Apple und Twitter enttäuschen mit schlechten Zahlen
Apple und Twitter enttäuschen mit schlechten Zahlen
Apple und Twitter wachsen deutlich langsamer als erhofft. Apple verkauft weniger iPhones, Twitter kämpft noch immer mit einem nicht erkennbaren Geschäftsmodell.
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Apple und Twitter glänzen nicht mehr wie gewohnt. (Foto: dpa)

Apple und Twitter glänzen nicht mehr wie gewohnt. (Foto: dpa)

Apple hat erneut deutlich weniger iPhones verkauft. Der Absatz des Smartphones brach im abgelaufenen Quartal um 15 Prozent ein, wie der US-Technologiekonzern am Dienstagabend mitteilte. In den drei Monaten zuvor hatte es erstmals seit der Markteinführung 2007 ein Minus gegeben, damals von gut 16 Prozent. Apple ist seit Jahren stark abhängig vom iPhone. Es steht für etwa zwei Drittel der gesamten Erlöse.

Der Nettogewinn des lange Zeit erfolgsverwöhnten Unternehmens aus dem Silicon Valley stürzte um 27 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar ab. Der Umsatz sank um 14,6 Prozent auf 42,36 Milliarden Dollar, nicht ganz so deutlich wie von Analysten befürchtet. 40,4 Millionen iPhones gingen im Frühjahr über die Ladentische, ebenfalls etwas mehr als gedacht.

Apple-Aktien verteuerten sich daraufhin im nachbörslichen US-Handel um 6,5 Prozent.

Klare Einbußen verzeichnete die wertvollste börsennotierte Firma der Welt auch mit iPads und Mac-Computern. Positiv entwickelte sich dagegen die Servicesparte, zu der der App Store, der Bezahldienst Apple Pay sowie Cloud-Dienstleistungen zählen. Hier kletterten die Erlöse um knapp 19 Prozent auf sechs Milliarden Dollar.

Probleme hat Apple in China, eigentlich einer der Wachstumstreiber des US-Konzerns. Hier schrumpfte das Geschäft um ein Drittel, nachdem es im Vorjahreszeitraum noch ein Plus von 112 Prozent gab. In China wird die Konkurrenz immer stärker, vor allem von Anbietern günstigerer Smartphones. Zudem habe sich das konjunkturelle Umfeld seit Jahresbeginn verschlechtert, so Apple-Chef Tim Cook.

Im laufenden vierten Quartal des Geschäftsjahres 2015/16 rechnet das Unternehmen mit Umsätzen von 45,5 bis 47,5 Milliarden Dollar. Von Reuters befragte Analysten hatten zuletzt im Schnitt mit 45,71 Milliarden Dollar kalkuliert.

Twitter hat angesichts zunehmender Konkurrenz von Rivalen wie Snapchat und Instagram zwischen April und Juni das geringste Quartalswachstum seit dem Börsengang im Jahr 2013 hingelegt. Der Umsatz stieg binnen Jahresfrist um etwa ein Fünftel auf 602 Millionen Dollar, wie der Online-Kurznachrichtendienst am Dienstagabend mitteilte. Der Nettoverlust verringerte sich um gut ein Fünftel auf 107,2 Millionen Dollar. Die durchschnittliche Zahl der aktiven monatlichen Nutzer stieg im zweiten Quartal nur leicht auf 313 Millionen von 310 Millionen im ersten Vierteljahr. Die Twitter-Aktie brach nachbörslich um mehr als zehn Prozent ein.

Mit seinem Ausblick enttäuschte Twitter die Investoren: Für das laufende Quartal rechnet Twitter mit einem Umsatz von 590 bis 610 Millionen Dollar und damit deutlich weniger als Analysten mit 678 Millionen Dollar.

Twitter-Gründer Jack Dorsey hatte im Oktober das Zepter wieder dauerhaft übernommen, um das Unternehmen auf Vordermann zu bringen. Er setzt auf neue Videodienste und will Anzeigenkunden noch gezielter ansprechen. Unter anderem sollen Football-Spiele über Twitter übertragen werden. Doch auch die Konkurrenten Facebook, Snapchat und Youtube sind auf diesem Gebiet aktiv. Unter Analysten kursierte Skepsis: „Seit fast einem Jahr ist Dorsey zurück. Aber man kann nicht erkennen, ab wann eine Besserung einsetzt, die die Investoren glücklich macht“, sagte Patrick Moorhead von Moor Insights & Strategy.

In der jüngeren Vergangenheit hat Twitter seine Nutzerzahlen kaum noch steigern können. Das Unternehmen steht auch unter dem Druck verstärkter Konkurrenz von Facebook und Google. Facebook legt seine aktuelle Quartalsbilanz am Mittwochabend nach US-Börsenschluss vor.

Mitte Juni hatte Twitter mitgeteilt, beim Berliner Musikdienst Soundcloud einzusteigen. Laut dem Technologie-Onlineportal Re/Code hat Twitter rund 70 Millionen Dollar in das 2008 gegründete Startup investiert. Bei Soundcloud können Nutzer Musik und andere Audiodateien hochladen und sie teilen.

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