Politik

USA wollen geheimnisvollen Terror-Chef al-Bagdadi jagen

Die USA wollen den IS-Anführer al-Bagdadi außer Gefecht setzen. Das Problem: Niemand weiß, wo sich der Mann aufhält. Für einen Terror-Anführer ist er bisher auffallend selten in der Öffentlichkeit zu sehen gewesen.
23.10.2016 02:32
Lesezeit: 3 min

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Hillary Clinton hat in der Debatte mit Donald Trump ein neues Ziel für den Kampf gegen den IS vorgegeben: "Ich würde keine US-Bodentruppen in Syrien einsetzen. Ich halte es für falsch, wenn US-Truppen Territorien besetzt halten. Das ist keine intelligente Strategie. Ich halte den Einsatz von Spezialtruppen und Trainern, wie im Irak, für richtig. Ich würde nach Bagdadi suchen, ich würde speziell Bagdadi verfolgen (…) Ich würde auch die Kurden bewaffnen. Die Kurden sind unsere besten Partner in Syrien und im Irak. Ich weiß, dass hier einige Sorgen in einigen Kreisen gibt. Doch ich glaube, sie sollten die nötige Ausrüstung bekommen – die kurdischen und arabischen Kämpfer zu Boden -, so dass wir Rakka nach dem Sieg über ISIS im Irak befreien."

Das Problem: Der geheimnisvolle IS-Chef ist in der Öffentlichkeit kaum mehr aufgetreten - eine etwas ungewöhnliche Attitüde für den Anführer einer Organisation, die für sich reklamiert, ein Kalifat mit staatlichen Strukturen und einem Territorium errichten zu wollen. Die Bild-Zeitung, die für gewöhnlich sehr gut über geheimdienstliche Operationen informiert ist, berichtete am Samstag, dass al-Bagdadi sich bewusst abschirme, um nicht gefangenengenommen oder ermordet zu werden. Die Zeitung schreibt, dass die US-geführte Koalition beabsichtige, den Terror-Chef im Zuge der neuen Operationen im Irak außer Gefecht zu setzen.

Al-Bagdadi ist jedoch, anders als Osama bin-Laden, in der Öffentlichkeit bisher so gut wie nie aufgetreten. Es gibt zwei Videos, über deren Authetizität keine unabhängigen Belege existieren. In einem Video spricht ein Mann in einer Moschee, im anderen spricht ein deutlich dickerer Mann mit Kindern.

Das türkische Analyseportal OdaTv berichtet: „Al-Bagdadi wurde im Jahr 1971 in der irakischen Stadt Samara, die sich 125 Kilometer entfernt von Bagdad am östlichen Ufer des Tigris-Flusses befindet, geboren. Am 8. April rief sich Al-Bagdadi zum ,Emir' von ISIS aus. Am 29. Juni 2014 rief er das ,Kalifat' und gab sich selbst den Titel ,Kalif'. Sein wahrer Name ist Awad Ibrahim Al-Badri Al-Samarrai. Der ISIS-Führer meint, er stamme vom Propheten Mohammed ab. Die angeblichen biografischen Daten beruhen ausschließlich auf Informationen aus dem Internet, die von seinen Anhängern gestreut wurden. Nach der US-Invasion des Irak im Jahr 2003 schloss sich Al-Baghdadi einer islamistischen Widerstandsgruppe an. Im Februar 2004 wurde er von den Amerikanern inhaftiert und verbrachte bis Dezember 2004 seine Haft im US-Gefangenenlager Camp Bucca. Anschließend wurde er freigelassen.“

Nach Informationen von The Intercept soll Al-Baghdadi die meiste Zeit seiner Gefangenschaft nicht im Camp Bucca, sondern im US-Foltergefängnis Abu Ghraib verbracht haben. Dort soll er die Gefangenennummer US9IZ-157911CI gehabt haben. Der Sprecher der US-Armee, Troy A. Rolan Sr., bestätigte anhand der Gefangenennummer, dass sich Al-Baghdadi in Abu Ghraib befunden haben soll. Zudem soll sich die Haft von Al-Baghdadi bis zum Jahr 2006 hingezogen haben.

Das neokonservative American Enterprise Institute (AEI) ist gegen ein baldiges Ableben von Abu Bakr al-Baghdadi, wie das bei Osama bin-Laden der Fall gewesen sei. Das AEI wörtlich in einer Analyse vom 6. Oktober 2016: „Lassen Sie uns jedoch hoffen, dass Baghdadi nicht so schnell aus der Welt der Lebenden abtritt, wie Bin Laden. Schließlich wird der Kollaps des Islamischen Staats nicht den Schaden beenden, den Baghdadi ausgelöst hat. Hier ist der Fall von Ernesto ,Che‘ Guevara instruktiv. Während die CIA der bolivianischen Regierung dabei geholfen hat, ihn zu verfolgen und zu töten, ist der massenmörderische Psychopath 50 Jahre nach seinem Ableben zu einem Symbol für soziale Gerechtigkeit und eine Idol für die weltweite College-Jugend geworden.“

The Independent berichtete ebenfalls am 6. Oktober 2016 darüber, dass al-Baghdadi im Jahr 2013 sein erfolgreichstes Jahr gehabt habe und zur großen Prominenz gelangt sei. Nach Informationen der US-Regierung soll er sich angeblich aktuell in Syrien befinden. Unklar ist, warum The Independent drei Jahre später erneut darüber berichtet, dass der ISIS-Führer drei Jahre zuvor sehr prominent gewesen war.

Anfang Oktober soll der IS-Führer in der irakischen Provinz Beaaj vergiftet worden sein. Er sollte sich anschließend in einem ernsten Zustand befunden haben. Anschließend soll er an einen geheimen Platz gebracht worden sein, berichtete die irakische Nachrichtenagentur WAA am 3. Oktober. Er soll sich seitdem in einem ernsten Zustand befinden.

Das letzte Mal trat al-Baghdadi in einem Propaganda-Video von ISIS auf, wo er ISIS als ein „Amalgam aus Militär und Religion“ bezeichnet. Über das Video berichtete erstmals vocativ. Davor trat al-Baghdadi im Dezember 2015 in einem ISIS-Video auf. Ende des vergangenen Jahres soll er aufgrund von Luftschlägen im Irak nach Libyen geflohen sein, um dort in der Stadt Sirte unterzukommen, berichtete die iranische Nachrichtenagentur FARS.

The Independent berichtet, dass Medien im Iran, Irak, Russland und in der Türkei auf eine Desinformation über das Internet reingefallen sein, wonach al-Baghdadi bei einem US-Luftschlag umgebracht wurde. Später stellte sich heraus, dass der diesbezügliche Bericht nicht stimmt. Das Pentagon meldete, dass al-Baghdadis Tod nicht bestätigt werden könne, berichtet military.com.

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