Frankreichs Industrie: Verheerende Bilanz in der Ära Sarkozy

Die französische Industrie hat in den vergangenen fünf Jahren hunderttausende Jobs eliminiert. Für jedes zweite Unternehmen ist Innovation ein Fremdwort. Nun steht die Industrie vor einem Scherbenhaufen und bekennt: Man habe zwar die Finanzinvestoren glücklich gemacht, jedoch zu wenig für Frankreich getan.

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Mit der Eröffnung der heißen Phase des Wahlkampfs richten sich die Blicke auch auf die Industrie in Frankreich. Die Bilanz der Regentschaft von Nicolas Sarkozy fällt ernüchternd aus: 355.000 Jobs wurden eliminiert. 47 Prozent der Unternehmer sagen, dass es zwischen 2006 und 2008 keinerlei Innovationen durchgeführt haben.

Bei seinen Besuchen in Fabriken sprach Nicolas Sarkozy zwar viel von Innovation, geschehen ist jedoch wenig. (Foto: Elysées)

Bei seinen Besuchen in Fabriken sprach Nicolas Sarkozy zwar viel von Innovation, geschehen ist jedoch wenig. (Foto: Elysées)

Das Thema der De-Industrialisierung Frankreichs hängt auch mit der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft zusammen. Die Stundenlöhne der französischen Arbeiter sind in den vergangenen zehn Jahren um 31 Prozent gestiegen, während ihre deutschen Kollegen nur ein Plus von 19 Prozent verbuchen können. In der Slowakei zahlen die französischen Autobauer 10 Euro pro Stunde, in Frankreich sind es 35 Euro.

Obwohl viele französische Konzerne Weltgeltung haben, hat Frankreich ein Handelsbilanzdefizit von 70 Milliarden Euro und 10 Prozent Arbeitslosigkeit. Kein europäisches Land hat so viele Unternehmen in den Fortune 500 wie Frankreich. Firmen wie Schneider Electric, Saint-Gobain und Lafarge profitieren massiv von der Globalisierung. Frankreich dagegen profitiert nicht.

Jean-Louis Beffa, der mehr als 20 Jahre Chef von Saint-Gobain war, sieht die Ursachen nicht in erster Linie in den hohen Lohnstückkosten. Er sagte der FT, die französische Wirtschaft hätte sich, anders als die deutsche, in den vergangenen Jahren viel zu sehr nach den Wünschen der Märkte und von Finanzinvestoren gerichtet. Es hätte keine langfristigen Pläne gegeben, sondern kurzfristige Profitorientierung. Man könne ein erfolgreiches Unternehmen haben, das seine Profite außerhalb von Frankreich macht, aber nichts zu den Exporten beiträgt.

Dies muss die nächste Regierung ändern, wenn sie eine signifikante Schieflage in Frankreich verhindern will. Frankreich wird in jedem Fall mehr bieten müssen als nur den sozialen Kahlschlag. Gaëlle Monteiller von Peugeot empfiehlt, die Vorteile Frankreichs herauszustellen, um Innovatoren und Kreative anzuziehen – etwa die Lebenskultur. Ob diese jedoch in Zeiten der zu erwartenden harten Sparkurse ihre Attraktivität bewahren können, wird sich erst noch weisen.

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