Niederlande: Immobilienblase gefährdet Bankensystem

Die Niederlande läuft Gefahr, aus dem immer kleiner werdenen Club der Triple A Nationen zu fliegen. Neben der hohen Staatsverschuldung ist besonders die durch die Immobilienblase entstandene Privatverschuldung besorgniserregend. Das Bankensystem wankt.

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„Die Niederländer stehen am Rande eines negativen Rating-Vorgangs“, warnte Chris Pryce, der Experte für die Niederlande bei Fitch. „Sie gehen Risiken ein, wenn sie die Schulden weiter anschwellen lassen“, mahnte er und verwies darauf, dass der Fitch-Ratingausschuss im Juni zusammenkommen werde. Bereits im Januar hatte auch die Ratingagentur Standard & Poor’s eine Herabstufung in Aussicht gestellt. Die Gesamtverschuldung der Niederlande dürfte von 65 Prozent 2011 auf 73 Prozent im Jahr 2013 ansteigen. Besorgniserregend ist allerdings vor allem die Immobilienblase des Landes, die zunehmend die nationalen Banken gefährdet.

Die Verschuldung der privaten Haushalte in den Niederlanden ist die höchste in der Eurozone: Sie liegt bei 249 Prozent des Einkommens. In Irland macht sie 202 Prozent aus, in Großbritannien 149 Prozent, in Spanien 124 Prozent und beispielsweise in Deutschland lediglich 90 Prozent, sagen die Eurostat-Zahlen aus dem Jahr 2010. Die Niederländer sind es im Gegensatz zu Deutschland gewohnt, Eigentum zu haben. Zunächst wird in eine Wohnung investiert, wächst die Familie, wird die Wohnung verkauft und ein Eigenheim bezogen.

Das Problem ist jedoch, dass die Wirtschaft sich in einer leichten Rezession befindet und die Hauspreise aufgrund der Immobilienblase stark nachgelassen haben. Seit ihrem Höchststand im August 2008 sind die Preise um 11 Prozent gefallen und der niederländische Immobilienverband NVM rechnet mit einem weiteren Rückgang um 5 Prozent in diesem Jahr. Die Niederländer, die nun auf ihren Hypotheken sitzen, erhalten nicht annähernd den Wert für ihre Häuser, den sie ursprünglich zahlten. Entsprechend gingen die Baugenehmigungen gegenüber dem Vorjahr um neun Prozent zurück, auf den niedrigsten Stand seit 1953. Das wirkt sich wiederum auf das Baugewerbe aus.

Die Anzahl der unverkauften Immobilen hat sich seit 2008 auf 221.000 verdoppelt. „Die Aussichten für die Finanzstabilität in den Niederlanden ist besorgniserregend“, heißt es in einem Bericht der Niederländischen Zentralbank. „Niederländische Haushalte haben fast die höchsten Schulden der Welt“. Zudem üben, so die Zentralbank, sinkende Reallöhne und steigende Arbeitslosigkeit Druck auf die Einkommen aus. Die Fähigkeit, die Hypotheken zurück zu zahlen, nimmt rapide ab. Dies wiederum macht die niederländischen Banken anfällig. Dem Bericht der Zentralbank zufolge wuchsen während der Immobilienblase die vergebenen Kredite deutlich über die Einlagen der Kreditgeber hinaus, so dass die Banken abhängig von den wankelmütigen Kapitalmärkten sind. Die „kurzfristige Finanzierung kann über Nacht austrocknen, wie im Jahr 2008“. Die sinkenden Hauspreise gefährden die durch Hypotheken gedeckten Anleihen und es kann zu massiven Kreditausfällen kommen.

Eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit, die angesichts der Situation der niederländischen Banken und der hohen Staatsverschuldung nicht unwahrscheinlich ist, würde die Fremdkapitalkosten um 100 Basispunkte ansteigen lassen, schätzt der Gouverneur der Zentralbank Klaas Knot. Da die Niederlande das Defizitziel von drei Prozent zu erreichen, sind bereits Sparmaßnahmen ergriffen worden. Und genau diese könnten sich wiederum negativ auf die Wirtschaft des Landes auswirken.

Bisher genossen die Niederlande das Vertrauen der Ratingagentur Fitch: „Das Land wurde für eine lange Zeit durch vernünftige Parteien geführt und dies ermöglicht es uns, ein bisschen großzügiger zu sein“, so Chris Pryce. Aber nun könnte die niederländische Regierung mit ihrem neuen Sparpaket an dem Chef der PPV scheitern. Der Oppositionspolitiker Geert Wilders hat angekündigt, die Unterstützung der Minderheitsregierung zu beenden. Sie ist von der Unterstützung Wilders’ Partei abhängig, weil ihr sonst die Mehrheit fehlt, um Gesetze durchzusetzen. Seine Partei fordert ein Referendum und eine Rückkehr zum Gulden. Neuwahlen könnten die Folge sein (hier). Genau dieser Umstand könnte Fitch tatsächlich dazu bringen, ein Downgrade vorzunehmen.

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