Forschungsinstitut: Großbritannien wird Defizit-Ziel verfehlen

Entgegen der vorhergehenden Schätzungen wird die britische Wirtschaft 2012 um 0,5 Prozent schrumpfen, warnt ein britisches Wirtschaftsforschungsinstitut. Die Sparmaßnahmen der Regierung, die geringe Nachfrage und die Schuldenkrise hätten die schlecht aufgestellte britische Wirtschaft weiter geschwächt. Schatzkanzler George Osborne hofft indes, dass die Investoren wieder vermehrt in Großbritannien investieren.

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Der britische Premier, David Cameron, ist stolz auf die vermeintlichen Erfolge seiner Regierung: „Wir haben in den vergangenen zwei Jahren Fortschritte gemacht und unser Defizit um 25 Prozent gesenkt und die Wirtschaft hat über 800.000 neue Jobs geschaffen“ (mehr hier).Und auch  Standard & Poor’s bestätigte erst kürzlich das Top-Rating des Landes. Das unabhängige Wirtschaftsforschungsinstitut NIESR kommt jedoch zu einem anderen Schluss.

George Osborne wollte der große Sparer sein und gleichzeitig die britische Wirtschaft gut aufstellen - aber: Großbritannien ist zwar eine Insel, doch die Krise geht trotzdem nicht daran vorbei (Foto: EU Consilium)

George Osborne wollte der große Sparer sein und gleichzeitig die britische Wirtschaft gut aufstellen - aber: Großbritannien ist zwar eine Insel, doch die Krise geht trotzdem nicht daran vorbei (Foto: EU Consilium)

NIESR zufolge wird die britische Wirtschaft in diesem Jahr um 0,5 Prozent schrumpfen und somit das Defizitziel des Schatzkanzlers George Osborne verfehlen, so das Institut. Die wirtschaftliche Verschlechterung war „noch deutlicher“ als bislang prognostiziert. Die Sparmaßnahmen der Privatwirtschaft wurden durch die Haushaltskonsolidierung und ein „dysfunktionales“ Finanzsystem noch verschlimmert, heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Quartalsbericht des Instituts. George Osborne werde 12,5 Milliarden Pfund mehr Schulden aufnehmen müssen als bis März 2013 geplant.

„All diese Faktoren werden ein bedeutender Hemmschuh für wirtschaftliche Leistung sein“, so der NIESR-Ökonom Simon Kirby in einem Gespräch mit Bloomberg. „Das Hauptproblem in der britischen Wirtschaft ist der Mangel an Nachfrage, und nur die Regierung kann etwas unternehmen, um die Nachfrage zu steigern.“ George Osborne will aber vermeiden, die Wirtschaft durch zusätzliche Finanzen zu unterstützen. Seiner Meinung nach werden sich die Investoren aufgrund der Schuldenkrise in der Eurozone wieder auf Großbritannien konzentrieren und in das Land investieren.

Bereits in der Vergangenheit haben viele Ökonomen daran gezweifelt, dass es George Osborne schafft, das Defizit in diesem Jahr auf 120 Millionen Pfund zu reduzieren. Die Rezession, die sich deutlich verschärft hat (mehr hier), führt abgesehen davon, dass die Regierung mehr Schulden aufgenommen hat, zu geringeren Steuereinnahmen. Das kann das Defizit nicht verringern.

NIESR zufolge müsste die britische Regierung mehr unternehmen, um das Finanzsystem zu reparieren und betonte, die Geldschwemme zur Erhöhung der Kreditvergabe reiche nicht aus. 375 Milliarden Pfund wurden innerhalb eines Monats in den Finanzmarkt gespült (hier).

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