EU-Beamter: Nächste Tranche für Griechenland nicht vor Oktober

Die Auszahlung der nächsten Tranche, auf die Griechenland schon sehnsüchtig wartet, wird sich einem EU-Beamten zufolge weiter verzögern. Erst im Oktober soll über die nächste Zahlung entschieden werden. Ein großes Risiko für das Land, das wieder vor der Pleite steht. Aber die Troika hat nicht das Gefühl, dass Griechenland so dringend Geld benötige.

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Eigentlich sollte Griechenland, so sah es das Rettungsprogramm vor, die nächste Tranche in Höhe von 31 Milliarden Euro im Juni erhalten. 25 Milliarden Euro der 31-Milliarden-Trance sollten zur Rekapitalisierung der nationalen Banken genutzt werden. Aber wegen massiven Verzögerungen bei der Umsetzung der Sparmaßnahmen und der schwierigen Parlamentsbildung wurden die Griechen auf September vertröstet. Doch nun wird über die Auszahlung der Tranche erst im Oktober entschieden werden, sagte ein EU-Beamter dem WSJ.

Die Troika werde Anfang September wieder nach Athen gehen und „den ganzen Monat bleiben, um den Bericht der Eurogruppe im Oktober zu präsentieren“, so der EU-Beamte. Am 8. Oktober ist ein Treffen der Eurogruppe geplant. Und erst nach dem Bericht der Troika kann entschieden werden. Bisher war geplant, den Bericht der Troika bei einem informellen Treffen der Finanzminister der Eurozone Mitte September zu präsentieren. „Die Mitgliedsstaaten müssen ein klares Bild davon haben, was los ist und wo wir sind, bevor sie entscheiden, die Zahlung fortzusetzen“. Deswegen verzögere sich das Ganze.

Um den internationalen Gläubigern entgegenzukommen, hatte die griechische Regierung ein neuerliches Sparpaket in Höhe von 11,7 Milliarden Euro aufgesetzt. Doch Einsparungen in Höhe von 4 bis 5 Milliarden Euro des Sparpakets sind noch unklar (Rentenkürzungen stehen derzeit zur Debatte – hier) – ganz abgesehen davon, dass die Steuerschätzungen nicht verlässlich sind (hier). „Den September werden wir brauchen, um an den fehlenden 4,5 Milliarden Euro zu arbeiten, so dass dies auch konkret und umsetzbar ist, und nicht nur eine Anhäufung von leeren Worten“.

Der Zeitplan für die Auszahlungen der Tranchen entspreche dem Memorandum of Understanding des letzten Rettungspaketes, so der Beamte. Aber dieses sei „nicht mehr anwendbar“. Zudem, sagte er, sei die Troika zu der Schlussfolgerung gekommen, dass Griechenland vor dem Herbst keinerlei finanzielle Bedürfnisse habe. In Griechenland sieht man das jedoch anders. Die weitere Verschiebung der Auszahlung wird die griechische Regierung vor große Herausforderungen stellen. Griechenland versucht derzeit, zusätzliche kurzfristige Bonds zu emittieren, um die fällig werdenden 3,1 Milliarden Euro für die EZB am 20. August einzunehmen (denn schon jetzt sind die Kassen leer – hier).

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