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Risiko-Sucht: Bank-Manager wechseln in die Spekulanten-Branche

Durch die Finanzkrise haben viele Banker ihren Job verloren oder müssen eine schlechtere Bezahlung in Kauf nehmen. Deshalb wechseln sie nun verstärkt in die Spekulanten-Branche. Dort winken dank des höheren Risikos bessere Prämien.

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Aktuell: Unternehmen nützen Krise, um Menschen durch Roboter zu ersetzen

Hedge-Fonds können derzeit aus einem Zufluss von Investmentbankern ihr Personal auswählen. Die Banker sehen in ihrer Branche nicht mehr die Verdienstmöglichkeiten, wie vor der Finanzkrise. Entweder sie landeten infolge der Krise auf der Straße oder sie mussten bei ihrem Gehältern Abstriche machen. Auch die striktere Regulierung des Bankensystems in den USA treibt die Investmentbanker in die Spekulanten-Branche.

Durch den Sieg Obamas bei den Präsidentschaftswahlen können die Bank-Manager auch nicht mehr darauf hoffen, dass die Regulierungen, die mit dem U.S. Dodd-Frank-Gesetz eingeführt wurden, wieder abgemildert werden. Sie hatten auf einen Sieg Romneys gehofft, der die strengen aus Auflagen wieder gelockert hätte (hier).

„Wenn man in Betracht zieht, was Banken momentan für Schulden aufweisen und wie die Regulierung voranschreitet, dann ist Arbeit bei einem Hedge Fonds äußerst attraktiv“, sagte David Barenborg, Portfolio Manager bei BlackRock Alternative Advisors, der CNBC. Auch andere Händler verlassen die Banken.

Viele Banken reagierten schnell auf das neue Gesetz, aber andere warteten zu lange und müssen nun Kosten reduzieren. Investmentbanken haben seit der Finanzkrise 2008 massiv Stellen abgebaut. Auch aufgrund der schlechten Marktsituation mussten sie Kosten einsparen. So kündigte die UBS zum Beispiel an 10.000 Stellen zu streichen (hier). Auch die Commerzbank und ING planen einen massiven Stellenabbau (mehr hier).

Außerdem stehen die Banken unter Druck, die Bonuszahlungen an die Manager zu reduzieren. Dies veranlasst die Banker, sich nach lukrativeren Angeboten umzusehen und die finden sie in der Spekulanten-Branche.

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Endspiel: Euro könnte Ziel einer Attacke von Spekulanten werden
Endspiel: Euro könnte Ziel einer Attacke von Spekulanten werden
Wenn die EZB die Lage nicht unter Kontrolle hält, könnte der Euro von Spekulanten angegriffen werden. Als Vorbild würden die Attacken von George Soros auf europäische Währungen dienen.
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Ein finnischer Euro. (Foto: dpa)

Ein finnischer Euro. (Foto: dpa)

Investor George Soros im Oktober 2012 in Berlin.

Investor George Soros im Oktober 2012 in Berlin.

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Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ist die Euro-Krise überwunden? In welcher Verfassung sehen Sie den Euro?

Claudio Celani: Die Euro-Krise ist nicht überwunden. Ich denke eher, dass der Euro es nicht mehr lange machen wird. Der Euro ist eigentlich von Anfang an eine tote Währung gewesen. Seine Einführung war eine geopolitische Idee, die völlig von der Kredit- und Realwirtschaft abgekoppelt ist. Er ist eine rein monetäre Währung, die niemals funktionieren konnte.

Nur, die anhaltenden Erwartungen eines nominellen Wachstums im Euroraum bis 2008 haben den rigor mortis verzögert. Spätestens nach dem Ausbruch der Finanzkrise ist das klar geworden. Wenn die Wirtschaft eine Währung unterstützen muss, und nicht umgekehrt, ist die Währung tot.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Halten Sie es für möglich, dass gegen den Euro in seiner aktuellen Verfassung erneut spekuliert wird?

Claudio Celani: Ein anderer Name für Spekulanten sind Finanzmärkte. Letztere haben „Namen, Vornamen und Spitznamen“, wie der Wirtschaftsprofessor Federico Caffé sagte, und führen in der Regel Strategien aus. Wenn die EZB die Finanzmärkte einigermaßen mit Liquidität versorgt und damit für Gewinnchancen sorgt, wird der Euro von Spekulationsattacken verschont bleiben. Aber wenn die Lage außer Kontrolle gerät, gilt nur eine Regel: Hauptsache Gewinne erzielen, auch gegen den Euro.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ist der Euro besser gegen spekulative Attacken gerüstet, als es die die verschiedenen europäischen nationalen Währungen vor dessen Einführung waren?

Claudio Celani: Eine spekulative Attacke auf den Euro würde heute nicht in der Form passieren, wie die prä-Euro Attacken gegen Nationale Währungen. Damals wurde darauf spekuliert, dass die Zentralbanken nicht in der Lage wären, ihre Währungen zu verteidigen. Heute braucht Herr Draghi den Wert des Euro überhaupt nicht zu verteidigen, im Gegenteil.

Im Fall einer erneuten Euro-Krise, wie wir sie im Jahr 2011 erlebt haben, könnte auch heute wieder gegen den Euro spekuliert werden. Damals drohte beispielsweise ein Ausscheiden Italiens aus der Einheitswährung. Eine Spekulation gegen die italienischen Staatsanleihen wurde 2011 dazu benutzt, die Italiener zu zwingen, das Troika/EZB-Sparprogramm samt Viceroy Monti zu akzeptieren. Bei einer nächsten Attacke aber würde die Rechnung nicht aufgehen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Im Jahr 1992 mussten wir erleben, dass Spekulanten wie George Soros massiv gegen das britische Fund und die italienische Lira gewettet haben. Was war geschehen?

Claudio Celani: Man brauchte einen Schock, um in Italien radikale Reformen durchzusetzen, um sicherzustellen, dass Italien als Gründungsmitglied im Euroclub dabei ist. Wäre Italien nicht dabei gewesen, wäre es kaum denkbar gewesen, das Euro-Projekt zu starten.

Um sich als Euro-Mitglied zu qualifizieren, musste Italien nicht nur die Maastricht Konvergenzkriterien erfüllen, sondern auch seinen ganzen Bankensektor liberalisieren sowie die Staatkonzerne privatisieren. Damals betrug der staatliche Sektor mehr als ein Drittel der Wirtschaft. Alle Großbanken, mit der Ausnahme von Banco Ambrosiano, waren Teil des Staatskonglomerats IRI (Istituto per la Ricostruzione Industriale).

Wie man vorgehen sollte, wurde auf einem Treffen an Bord der königlichen Yacht „Britannia“ am 2. Juni 1992 diskutiert. Mario Draghi war dabei, damals General-Direktor des Finanz-(Schatz)Ministeriums, zusammen mit Bankiers der City of London – also den sogenannten „Finanzmärkten“ – und italienischen Politikern sowie Bankiers.

Man hat dieses Treffen auch den „Britannia Plot“ genannt. Kurz danach ist die Spekulationsattacke gegen die Italienische Lira gestartet worden.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Erläutern Sie uns bitte, auf welche Weise Soros gegen diese Währungen spekuliert hat. Wie genau ist er vorgegangen?

Claudio Celani: Der Rahmen wurde durch die Ratingagentur Moody’s gesetzt. Fast gleichzeitig mit der Ernennung von Giuliano Amato als Premierminister Ende Juni hat Moody’s das Rating für die italienische Lira abgewertet. In der Erwartung, daß die Banca d’Italia die Lira verteidigt, hat George Soros zusammen mit anderen Akteuren die Spekulationsattacken lanciert. Dank der Hebelwirkung der Derivatwetten, damals wenig bekannt, wusste Soros, dass seine Feuerkraft viel größer war als die der Banca d’Italia und dass er am Ende der Gewinner sein würde. Und so ist es geschehen.

Nachdem sie 48 Milliarden Dollar auf dem Schlachtfeld verloren hatte, hat die Banca d’Italia das Handtuch geworfen. Die Lira wurde um 30 Prozent abgewertet, das größte Sparprogramm der Nachkriegszeit wurde verabschiedet (damals 100 Billionen Lira) und die Privatisierungen wurden eingeleitet. Last but not least wurde die seit 1936 geltende Trennung von Geschäftsbanken und Investmentbanken aufgehoben.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Erläutern Sie uns bitte, was es mit diesem „Britannia Plot“ auf sich hat, den Sie eben erwähnt haben.

Claudio Celani: Das „Britannia Plot“ wurde von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen, obwohl damals zwei große Zeitungen darüber berichtet hatten und die Finanzzeitung „Il Sole 24 Ore“ sogar Draghis Rede veröffentlichte, was das Prinzip des Purloined Letter von Edgar Allan Poe sehr gut bestätigt. Bis im Dezember desselben Jahres die EIR Nachrichtenagentur einen Artikel unter dem Titel „Die anglo-amerikanische Strategie hinter den Privatisierungen“ veröffentlichte, der das Treffen auf Queen Elisabeths Schiff im Kontext der Destabilisierung Italiens analysierte. Ich war einer der Autoren zusammen mit William Enghdal und Giovanni Cilli. Unter anderem wurde bemerkt, daß die Abwertung der Lira das „Firmenshopping“ in Italien ziemlich günstig gemacht hatte.

Dieser EIR-Artikel war Auslöser von mehreren parlamentarischen Anfragen sowie Zeitungsartikeln und zwang Draghi zu einer Erklärung vor einem Parlamentsausschuss. Draghi konnte seine Beteiligung nicht dementieren. Er verteidigte sich, indem er sagte, er habe seine Rede gehalten, während die „Britannia“ im Hafen von Civitavecchia ankerte, in italienischen Gewässern also, und er sei sofort danach gegangen und habe nicht an der Kreuzfahrt teilgenommen.

Der Punkt ist, dass Draghi in seiner Rede eindeutig klargemacht hatte, dass die Hauptbehinderung zum Aufbau eines Finanzmarktes in Italien das politische System war. Daher ist es korrekt, das Treffen als „Plot“ zu bezeichnen, im Sinne einer „Open Conspiracy“. Wohlbemerkt, Mario Draghi mag es nicht, wenn er „Britannia Boy“ genannt wird, und manche Journalisten, die den Begriff benutzt haben, sahen sich vor Gericht wieder.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ihre Organisation hat seinerzeit Klage gegen George Soros eingereicht, wegen Insider-Handels. Aufgrund welcher Indizien? Und wie belastbar waren diese?

Claudio Celani: Es ist schwierig, George Soros auf rechtswidrige Finanzhandlungen festzunageln, denn wie er 1995 in einem Interview mit der „London Times“ sagte, habe er nach Regeln gehandelt, die von anderen bestimmt worden sind: „Wenn die Spekulanten sich bereichern, haben die Gesetzgeber versagt.“

Trotzdem erhob Movisol in 1995 Anklage gegen Soros, mit mehreren Anschuldigungen, unter anderem des Verstoßes gegen Art. 41 der Verfassung, der lautet: „Die Wirtschaftstätigkeit kann nicht gegen die Sozialnützlichkeit oder zum Schaden der Sicherheit, Freiheit und Menschenwürde betrieben werden“, aber auch der Kursmanipulation und des „Insider Tradings“. Für die Formulierung der Klage und der Anschuldigungen stand ihr ein erfahrener Rechtsanwalt bei, Giuseppe De Gori, der die Kleinanleger im Ambrosiano-Prozess verteidigt hatte.

Die Klageschrift bezog sich auf potentielle Insider-Quellen, wie z.B. Gerald Corrigan, der ehemalige Chef der Federal Reserve of New York, der einen „sehr engen und besonderen Kontakt“ zu Soros pflegte. Corrigan verließ die Fed und ging 1994 zu Goldman Sachs.

Eine andere in der Schrift erwähnte potentielle Insiderquelle war Isidoro Albertini, ein „enger Mitarbeiter“ von Soros in Italien. Albertini war ehmaliger Präsident der Börsenmakler (Agenti di cambio) und Vorstandsmitglied von Soros’ Quantum Fund.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Woher stammten die Gelder, mit denen Soros gegen die Lira spekulieren konnte?

Claudio Celani: Dank der Derivathebel konnte Soros mit 50 Millionen Dollar eine Milliarde gegen die Lira wetten und als Leittier die Spekulationswelle führen.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was wissen wir über diesen „Quantum Fund“? Wo ist er ansässig und wie finanziert er sich? 

Claudio Celani: Es besteht der fundierte Verdacht, dass Soros seinen „Quantum Fund“ mit Geldern der Rothschild-Bank aufgebaut hat. Der lässt sich damit begründen, dass mindest drei der ursprünglichen Vorstandsmitglieder des Funds offiziell für Rothschilds Interessen arbeiteten: Richard Katz, Niels O. Taube und George Karlweiß. Der „Quantum Fund“, oder besser die „Quantum Funds“, sind in den niederländischen Antillen ansässig, einem Steuerparadies. Soros hat keinen einzigen US-Bürger unter seinen Investoren, um zu vermeiden, dass die US-Behörden ihn irgendwann untersuchen könnten.

Das ist bizarr, wenn man überlegt dass Soros’ Stiftungen als inoffizieller Arm der US-Außenpolitik funktioniert, indem sie die sogenannten „Colored Revolutions“ massiv finanziert haben. In der Tat, ist Soros kein Agent der US-Regierung, sondern der Britischen Krone. Seine langjährige Freundschaft und Geschäftsbindung mit Mark Malloch-Brown, dem ehemaligen Chef des Foreign and Commonwealth Office, zeugt unter anderem davon. Malloch Brown leitet heute die International Crisis Group, eine „Denkfabrik“, die öfter das State Department und den Auswärtigen Ausschuss des US-Kongresses berät.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Gibt es auch Anhaltspunkte dafür, dass Gelder mafiösen Ursprungs in den „Quantum Fund“ geflossen sind?

Claudio Celani: Es gibt viele. Einige davon sind: Einer der „Quantum Fund“-Gründer, Georg Karlweiß, hatte ein paar Jahren davor die Karriere von Robert Vesco finanziert, der später in den USA wegen security fraud und Rauschgift-Handel gesucht wurde. Vesco war die US-Verbindung zum „Logistik“-Chef des Medellin-Kartells, Carlos Lehder Rivas.

Ein anderes Mitglied des „Quantum Fund“-Gremiums ist Edgar De Picciotto, einer der mächtigsten Finanziers unseres Planeten. Seine UBP (Union Bancaire Privée) war 1994 in einen Geldwäscheskandal verwickelt. UBP-Banker Handali wurde 1994 in Miami verhaftet. Die Schweiz sperrte damals wegen Geldwäsche-Verdachts 15 Millionen Dollar auf einem UBP-Konto. Der Swiss-Banker in „Der Wolf von Wall Street“ ist übrigens eine Parodie auf Handali.

Es gab auch Verbindungen zu Marc Rich, der auch in den USA wegen Steuerhinterziehung gesucht und dann begnadigt wurde.

Heute finanziert Soros aggressiv Kampagnen für die Liberalisierung von Drogen. Das Ziel dieser Kampagne, die von vielen liberalen Zirkeln in allen Nationen unterstützt wird, ist aber nicht, die Drogenmafia auszuschalten, sondern diese bedeutende Einnahmequelle des internationalen Bankensystems zu konsolidieren und aufzubauen. Der ehemalige Chef der UN-Drogenbehörde Antonio Maria Costa erklärte 2009 in Interviews, dass 2008 Drogengelder die Banken gerettet hätten. Ein Großteil der Gewinne der Drogenmafia, 352 Milliarden US-Dollar, ist das einzige Investitionskapital gewesen, das noch geflossen ist, während alle Banken in der Liquiditätskrise steckten.

Heute ist das Bankensystem vom Drogengeld abhängig geworden. Diese Einnahmequelle zu befestigen und zu legalisieren, ist das Ziel von Soros’ Kampagne.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Ließe sich denn mit Drogen noch so viel Geld verdienen, sollten sie liberalisiert werden? Wären sie dann nicht ein Produkt von vielen wie Kaffee oder Tabak? Wie würde dann die Wertschöpfungskette bei der Drogenproduktion und dem Drogenhandel aussehen und wäre es nicht denkbar, daß dann ganz andere Marktteilnehmer davon profitieren?

Claudio Celani: Sie haben die Frage schon beantwortet. Es geht um die „Rationalisierung“ der Produktions- und Handelskette, sodass einerseits die Gewinne maximiert werden, anderseits die Ware Rauschgift so wie andere Commodities behandelt wird, inklusive der ganzen Derivatkette.

Der andere Aspekt, den man nicht vernachlässigen sollte, ist, dass die Strategie von Soros heute jener der alten Finanz- und Handelsmächte ähnelt, die den Opium-Krieg im 19. Jahrhundert geführt haben; d.h., sie benutzen heute immer noch die Verbreitung von Drogen, um ganze Nationen zu schwächen und zu erobern. Eine drogenabhängige Bevölkerung ist leicht zu manipulieren und zu steuern.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Sind die Banken nicht vom Zentralbankgeld abhängig geworden?

Claudio Celani: Das ist die andere Quelle. Die beiden gehören zusammen und der Kreis schließt sich. Soros war ein Vorreiter des Finanzspielkasinos der Welt der Hedge Funds, der Derivatgeschäfte usw. Mittlerweile sind alle Banken in Hedge Funds und Wettgeschäfte verwickelt. Die Krise von 2008 hat das nicht gebremst: Die Lage ist sogar schlimmer geworden.

Die Verhältnisse stimmen nicht mehr, wie etwa bei der Deutschen Bank mit einem jetzigen Aktienkapital von knapp 20 Milliarden Euro und einer Bilanz von 1,7 Billionen Euro sowie Derivatgeschäften von 52 Billionen(!). Der Fall der anderen „systemrelevanten Banken“ ist nicht anders. Der Zusammenbruch des Systems ist unvermeidbar.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Was ist der Ausweg? Helicopter Money, wie es die EZB scheinbar ernsthaft abwägt?

Claudio Celani: Nein, Helikoptergeld wird die Lage schlimmer machen. Wir müssen das gescheiterte Modell der Universalbanken ablehnen und das Trennbankensystem nach Glass-Steagall wieder einführen. So lange die Geschäftsbanken und die Investmentbanken unter dem gleichen Dach leben, wird es unmöglich, bankrotte Institute fallen zu lassen. Wenn wir die zwei Sparten dagegen trennen und die reale, Güter produzierende Wirtschaft vom Finanzspielkasino abkoppeln, können wir erstere retten.

Movisol hat zu diesem Zweck seit 2012 eine ganze Reihe von Gesetzentwürfen für die „Separazione bancaria“ im Italienischen Parlament direkt oder indirekt gesponsert bzw. entworfen. Es gibt im Moment sieben Gesetzentwürfe im Senat und mindestens vier im Abgeordnetenhaus, und zwar von fast allen Parteien. Nur wurde die Legislative – wie in den meisten Euroländern – so sehr der Exekutive unterworfen, und letztere der EU, dass man hier schnell dafür sorgt, dass solche wichtigen Vorschläge nicht zur Debatte kommen.

Sanierte Geschäftsbanken aber brauchen Investitionschancen. Mit anderen Worten, es muss sowohl ein Angebot als auch eine Nachfrage von Investitionskredit her. Das Schlagwort hierfür heißt: öffentliche Infrastrukturprogramme.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Die EU hat schon ein Programm. Was halten Sie vom sogenannten Juncker-Plan?

Claudio Celani: Der Juncker-Plan reicht nicht. Gerade hat die EU-Kommission angekündigt, der erste Teil des Programms sei in Gang gesetzt worden und solle 76 Milliarden Euro Investitionen bringen. In Wirklichkeit sind aber nur 10 Milliarden von der EU da, der Rest muss von Privatinvestoren kommen.
Vor allem aber gibt es keine Strategie, keinen Gesamtplan! Es werden nur Einzelprojekte finanziert und dabei meistens kleine, die keine wesentliche makroökonomische Wirkung haben können.

Stattdessen sollte die EU am chinesischen Projekt der „Neuen Seidenstraße“ teilnehmen und vernünftige Summen für Investitionen in Infrastrukturkorridore zur Verfügung stellen. Der Wiederaufbau Syriens und anderer Länder in Nahost und Nordafrika könnte Teil dieser Strategie sein. Das könnte durch eine Entwicklungsbank finanziert werden, was wiederum erfordert, die ganze EU-Wirtschaftspolitik zu überdenken.

***

Claudio Celani ist Journalist bei EIR (Co-Redakteur der Newsletter EIR Strategic Alert) und Vize-Vorsitzender von Movisol (Movimento per i Diritti Civili – Solidarietà), des italienischen Zweigs der LaRouche-Bewegung. Movisol ist mit der deutschen Kleinpartei BüSo verbunden. Die „Bürgerrechtsbewegung Solidarität“ bezeichnet sich nach Angaben der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) selbst als Teil einer internationalen Bürgerrechtsbewegung, die für die unveräußerlichen Rechte aller Menschen kämpft. Dem Zusammenbruch des Finanzsystems solle demnach durch die Entwicklung eines gerechteren Weltwirtschaftssystems begegnet werden, in dessen Zentrum Deutschland als Motor für die Weltwirtschaft agiere. Eine Rückkehr zur D-Mark fordert die Partei ebenso wie die Schaffung von neuen Nationalbanken.

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Lebensversicherung: Das Ende der Überschüsse
Lebensversicherung: Das Ende der Überschüsse
Die Policen-Inhaber von Lebensversicherungen werden durch die Zinsbaisse hart getroffen. Policeninhaber aus den 1980er und 1990er Jahren fahren gut, während die Versicherten mit tieferen Garantiesätzen bestraft werden.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) unterhalten sich im Plenarsaal des Bundestages. (Foto: Rainer Jensen/dpa)

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) unterhalten sich im Plenarsaal des Bundestages. (Foto: Rainer Jensen/dpa)

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Das Tiefzinsumfeld bringt Lebensversicherungen in arge Schwierigkeiten. Sie haben in der Vergangenheit, vor allem in den Jahren 1995 bis und mit 2003, aufgrund einer rückwärts gewandten Formel hohe Garantiezinsen gewährt. Doch ihr Geschäftsmodell lässt sich bei der Zinsbaisse seit 2010 in Europa nicht mehr einhalten. Die buchhalterische Praxis und das ausgeklügelte System mit Reserven und Puffern gewähren etwas Aufschub, aber keinen vollständigen Schutz mehr. Die 2011 in Deutschland eingeführte Zinszusatzreserve beschleunigt in der Zukunft die Krise der Lebensversicherung. Die Garantien für die Altverträge mit hohen Garantiesätzen werden durch reduzierte Überschüsse bei den neueren Verträgen mit niedrigen Garantiesätzen finanziert.

Lebensversicherungen sind im Deutschland der Nachkriegszeit ein relativ junges Produkt. Sie sind ein wichtiges Sparprodukt, das vor allem seit den 1980er Jahren als Ergänzung zur umlagefinanzierten Rente regulatorisch und steuerlich gefördert wurde. Lebensversicherungen haben vor allem in den 1980er, 1990er Jahren und frühen 2000er Jahren massiv zugelegt. Dies war auch eine Folge der Deregulierung des Versicherungsmarktes in der Mitte der 1990er Jahren. Die Lebensversicherer schrieben Policen mit hohen Garantien von 3.5% (1987-94), 4% (1995-Juni 2000) und 3.25% von Juli 2000 bis Ende 2003.

Graphik: Prämieneinnahmen und Bilanzsumme der Lebensversicherungen in Deutschland (Quelle: GDV)

Graphik: Prämieneinnahmen und Bilanzsumme der Lebensversicherungen in Deutschland (Quelle: GDV)

Über diese hohen Garantien hinaus waren sie auch bis Anfang der 2000er Jahre fähig, hohe Überschüsse zu erwirtschaften, hauptsächlich weil sie in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre verstärkt in Aktien investierten.

Graphik: Performance-Indikatoren der Lebensversicherung. (Quelle: GDV, Assekurata)

Graphik: Performance-Indikatoren der Lebensversicherung. (Quelle: GDV, Assekurata)

Die Nettorendite der Anlagen der Versicherer (blaue Linie) bezeichnet die nominale Rendite auf den Buchwertanlagen. Sie schliesst neben den laufenden Renditen auch die Bewertungsgewinne oder – verluste auf Realisaten ein. Diese Nettorendite betrug bis zum Jahr 2000 immer 7% und mehr. Sie ist in den 2000er Jahren zunächst auf 5%, später auf 4% gefallen. In den letzten Jahren ist sie durch massive Realisate überzeichnet. Die laufende Rendite (rote Linie) gibt ein realistischeres Bild ab. Sie bezeichnet die Summe von Garantiesätzen und Überschusszuweisungen auf dem Altbestand. Sie ist von ebenfalls 7% bis und mit 2000 auf 4% in den 2000er Jahren und jetzt für 2016 erstmals unter 3% im Jahr 2016 gefallen. Die Rendite 10-jähriger Bundesanleihen (gelbe Linie) zeigt, wohin die Reise in der Zukunft gehen könnte.

Von ihrem Geschäftsmodell her investieren die Lebensversicherer hauptsächlich und – auf den ersten Blick erstaunlicherweise – zunehmend in festverzinsliche Anlagen. Heute beträgt der Anteil festverzinslicher Anlagen – Obligationen, Kredite, Fonds, die in festverzinsliche Instrumente investieren – über 90% der gesamten Anlagen. Einzelne Versicherer mit höheren Gewichten für Aktienanlagen machten in den Jahren 2002 und wieder 2008 sehr unangenehme Erfahrungen. Die Erträge der sehr guten Jahre 1995 bis 1999 oder 2004 bis 2007 mussten jeweils zu hohen Prozentsätzen an die Policenhalter ausgeschüttet werden, zu 50% als laufender Überschuss. Als aber wegen der Aktienbaisse hohe Verluste wie 2002 oder 2008 auftraten, wurden sie zu einem erheblichen Teil den Aktionären belastet. Dieser Asymmetrie des Geschäftsmodells, die teilweise auch buchhalterisch begründet liegt, ist die Risikoscheu der Lebensversicherer bei ihren Anlagen zuzuschreiben. Das aus heutiger Sicht suboptimale Geschäftsmodell ist der Tatsache geschuldet, dass eine asymmetrische Anreizstruktur bei kurzen Zeithorizonten für die Anlagen auftritt, typischerweise einem Jahr.

Betrachtet man die Struktur der Aktiven aller deutschen Lebensversicherungen etwas genauer, so lässt es sich als ein Portfolio von Festverzinslichen Instrumenten mit überdurchschnittlich hoher Duration und guter Kreditqualität charakterisieren. Die modifizierte Duration lag Ende 2014 bei über 10. Eine solch hohe Duration bedeutet lange, im Durchschnitt 17 bis 20-jährige Laufzeiten bei relativ niedrigen Zinsen und dadurch hohe Zinsempfindlichkeit der Obligationen. Der Wert der Obligationen fällt (steigt) sehr stark bei einer Verschiebung der Zinsen über die ganze Kurve hinweg.

Graphiken: Struktur der Anlagen der deutschen Lebensversicherer und Kreditqualität der Festverzinslichen (Quelle: Assekurata, Marktausblick zur Lebensversicherung 2015 / 2016)

Graphiken: Struktur der Anlagen der deutschen Lebensversicherer und Kreditqualität der Festverzinslichen (Quelle: Assekurata, Marktausblick zur Lebensversicherung 2015 / 2016)

Der Zukunftsertrag eines solchen Portfolios ist heute aufgrund des Nullzinsumfeldes und der Anleihenkäufe der EZB praktisch inexistent. Es gibt keinen Zins auf Jahre hinaus, und selbst die Werterhaltung ist nicht garantiert. Die ganze Zinskurve, auch bis in lange Ende, rentiert nicht mehr viel. Wäre das Portfolio deutscher Lebensversicherer ein zu Marktwerten bilanzierter Fonds mit Anteilscheinen, würde man als einzelner Investor die Anteile sofort verkaufen. Die Zinsen, gerade die langen Zinsen, sind in den letzten Jahren gewaltig gesunken. Dadurch haben die Obligationen mit langer und sehr langer Laufzeit sehr hohe Kursgewinne erzielt. Gewinne mitnehmen und eine andere Anlagemöglichkeit suchen wäre die Devise.

Was für den einzelnen Anleger in einen Fonds korrekt wäre, trifft für die Versicherten bei einer Lebensversicherung nicht zu. Vor allem bestimmte Gruppen von Versicherten haben allen Grund, an Bord zu bleiben. Drei Gründe sind hauptsächlich dafür verantwortlich.

  • Die viel höheren Buchwert-Renditen der Vergangenheit, welche die Obligationen im Portfolio enthalten, sind somit immer noch für die Bemessung der Zinsgutschriften wichtig. Eine Lebensversicherung bewertet ihr Obligationenportfolio für ihre Ausschüttungen nicht zu Marktwerten, sondern zu Buchwerten, genauer zu fortgeführten Anschaffungskosten (engl. amortized cost). Die jährliche Rendite einer Obligation oder eines Darlehens setzt sich dabei aus zwei Komponenten zusammen: Dem Zinssatz auf Verfall bei der Anschaffung, plus der linearen Wertkorrektur der Obligation bis zur Rückzahlung. Wurde eine Obligation statt zu pari zu 98 oder zu 105 Prozent Kurswert gekauft, wird sie bei Verfall zu 100% zurückbezahlt. Diese Differenz zwischen Kaufwert und Verkaufswert wird über die Zeit linear abgeschrieben. Sie kommt zum nominellen Zinsertrag hinzu.
  • Die Versicherten geniessen, was auch immer sich im Obligationen-Portfolio abspielt, einen garantierten Mindestzins und ebenso ihm bereits zugeschriebene und damit garantierte Überschüsse aus der Vergangenheit. Der Versicherte hat nicht nur Garantien und Anwartschaften, sondern auch Optionalitäten, die es attraktiv machen können, in der Lebensversicherung zu verbleiben.
  • Lebensversicherungen haben ein ausgeklügeltes System von Puffern, Reservefonds und Schutzmechanismen, welches robust ist. Allerdings ist es keineswegs für ein anhaltendes Tiefzinsumfeld konzipiert, doch dazu später.

Ein zentraler Teil der Wertschöpfung der Lebensversicherung ist oder besser war es, aus einem an sich sehr volatilen Portfolio (Obligationenportfolio mit hoher Duration und sehr guter Kreditqualität) eine über die Zeit hinweg ziemlich stabile Verzinsung einerseits und einen garantierten Zins andrerseits zu bieten, dies bei grosser Fairness zwischen den verschiedenen Gruppen von Versicherten. Denn ein Obligationenportfolio hoher Kreditqualität (und damit relativ gesehen niedriger Zinsen) und langer Duration unterliegt bei substantiellen Zinsverschiebungen hohen Schwankungen der Marktwerte.

Doch die buchhalterische Sonderbehandlung währt nicht ewig. Läuft eine gut rentierende Obligation aus, die vor 10 Jahren mit einer Rendite von 5% gekauft wurde, so muss sie im jetzigen Umfeld allenfalls durch eine Obligation mit Nullzins oder leicht darüber ersetzt werden. Und diese wird dann in die Erträge der nächsten 10 bis15 Jahre eingehen. Gemäß einer Bundesbank-Untersuchung von 2014 entspricht die Nettoverzinsung der Kapitalanlagen von Lebensversicherern in Deutschland über längere Zeiträume ungefähr der Rendite sechsjähriger Bundesanleihen plus einem Zuschlag für das Kreditrisiko.1

Die verschiedenen Erhebungen der Duration des Portfolios deutscher Lebensversicherer für die letzten drei Jahre2 zeigen, dass die durchschnittlichen Laufzeiten deutlich erhöht worden sind, dies in einem Tiefzinsumfeld. Die Lebensversicherer kauften vor allem Staatsanleihen mit langen Laufzeiten, hauptsächlich höchster und sehr hoher Kreditqualität (AAA und AA). Sie konzentrierten sich auf Bundesanleihen und Anleihen supranationaler Organisationen, teilweise aber auch Staatsanleihen anderer Euro-Länder, die mehr als die Bundesanleihen rentierten. Umgekehrt wurde aus aufsichtsrechtlichen Gründen die Eigenmitteldecke aufgestockt, indem die Lebensversicherer Realisate bei bisher gehaltenen Obligationen tätigten. Sie verkauften Obligationen mit hohen Renditen und Bewertungsreserven vor der Rückzahlung, und konnten so hohe einmalige Bewertungsgewinne erzielen. Deshalb die ungewöhnlich hohen Nettorenditen der Anlagen in den letzten Jahren.

Es ist deshalb nicht einfach, genau abzuschätzen, was die Effekte auf die Portfoliorendite einerseits und die Duration wirklich sind. Am wahrscheinlichsten ist, dass die Netto-Rendite des Portfolios exklusive der Realisate erheblich gesunken ist, und dass sich die Phase niedriger Zinserträge lange, über 10 Jahre und darüber hinaus, hinziehen wird. Eine Indikation liefert die Gesamtverzinsung des Altbestandes. Deren Rendite ist von über 5% im Jahre 2010 auf rund 3.5% für 2016 gefallen und dürfte in den Folgejahren einen weiteren steilen Absturz erleiden. Auch die Gesamtverzinsung enthält noch Realisate, vor allem in den Investment-Fonds.

Mit anderen Worten werden die Versicherten verzögert und über einen langen Zeitraum von bis zu 10 Jahren massiv rückläufige Erträge auf ihren Sparguthaben bei Lebensversicherern erhalten.

Doch das trifft nicht alle Versicherten gleichmäsßig, ganz im Gegenteil. Es gibt im gegenwärtigen Tiefzinsumfeld Versicherte, die enorm profitieren. Und andere sind dafür umso mehr benachteiligt. Um dies verstehen zu können, ist ein kleiner Exkurs über Lebensversicherungen nötig.

Eine Lebensversicherung ist vom Grundprinzip ein strukturiertes oder aus einem Risiko- und einem Sparteil zusammengesetztes Produkt. Der Risikoteil kann eine Todesfall- und/oder eine Invaliditäts-/ Berufsunfähigkeitsversicherung betreffen, der Sparteil eine Garantieversicherung oder eine fondsgebundene (engl. unit linked) Police. Die Prämie, die der Versicherte beispielsweise monatlich einzahlt, hat entsprechend eine Kosten-, eine Risiko- und eine Sparkomponente. Die Kosten für Vertrieb und Abschluss werden in den ersten Jahren der Vertrags-Laufzeit dem Versicherten belastet. Die Prämie für die laufenden Kosten spielt auch später eine nicht zu unterschätzende Rolle, vor allem bei niedrigen Zinsen. Am Anfang reduziert sich somit die Ersparniskomponente erheblich.

Die Garantieverzinsung wie allfällige Überschüsse bei einem Garantieprodukt beziehen sich immer nur auf den Sparteil der Prämie, nicht auf die gesamte Prämie. Kosten und Risiko stellen je nach Produkt, Versicherung und Vertragsbeginn ungefähr 10 bis 20% der Prämienzahlung dar.

Damit der Zinseffekt der Ersparnis erheblich werden kann, ist eine längere Ansparperiode von mehreren Jahren wichtig. Dann spielt die Verzinsung der angehäuften Sparprämien eine immer größere Rolle gegenüber den laufenden Einzahlungen wie auch gegenüber den laufenden Kosten. Das Sparprodukt wird entweder als einmalige Kapitalauszahlung, meist bei erreichtem Rentenalter, oder als laufende Rente bis zum Todesfall ausbezahlt. In Deutschland dominiert heute die laufende Rente gegenüber Kapitalauszahlungen, welche bis in die 1990er Jahre die überwältigende Mehrheit darstellten.

Die Erträge von Lebensversicherungen bestehen für die Versicherten im Wesentlichen aus drei verschiedenen Komponenten. Um zu verstehen, wie die Versicherten vom Anlageergebnis profitieren oder betroffen sind, ist ein kurzer Überblick wichtig, wie die Ersparnis versicherungstechnisch verbucht wird.

  1. Dem Garantiezins, der zum Zeitpunkt des Abschlusses der Lebensversicherung galt, und der dem Kunden für die ganze Laufzeit der Police auf seinem Sparbeitrag garantiert ist. Versicherte, welche 1995 bis Juni 2000 einen Vertrag abschlossen, erhalten 4%, unabhängig bei welcher Versicherung sie den Vertrag abschlossen. Versicherte, welche seit 2014 einen Vertrag abgeschlossen haben, dagegen nur 1.25%, unabhängig von der Versicherung.
  2. Den laufenden Überschüssen über den Garantiezins hinaus, die den Kunden während der Laufzeit des Vertrages pro Jahr gutgeschrieben werden. Diese laufenden Überschüsse sind im Voraus nicht garantiert, sondern abhängig vom Investitionserfolg des Versicherungs-Portfolios im vergangenen Jahr. Sie werden jedes Jahr von der Versicherung gegen Jahresende neu festgelegt, dann dem Kunden gutgeschrieben. Sind die Gutschriften einmal gutgeschrieben, so sind sie genauso garantiert wie die Garantiebestände. Im Unterschied zu den Garantiezinsen differieren die laufenden Überschüsse je nach Versicherung, und teils systematisch über die Zeit hinweg.
  3. Den Schlussüberschüssen, die bei Ablauf der Vertragsdauer zur Verfügung stehen. Die Versicherung wird, auch aus regulatorischen Gründen, nicht alle Überschüsse sofort ausschütten, sondern eine Reserve aufbauen. Diese steht dann als Schlussüberschuss für einmalige Kapitalleistungen oder für laufende Renten zur Verfügung. Dieser Schlussüberschussfonds stellt einen Puffer und eine Reserve für unvorhersehbare Entwicklungen dar. Auch diesbezüglich gibt es Unterschiede zwischen den Versicherungen.

Die folgende Graphik zeigt nun, wie sich diese Komponenten über die Zeit hinweg entwickelt haben. Sie vermitteln auch einen Eindruck, was die zukünftige Dynamik sein wird.

Graphik: Komponenten der Renditen auf dem Sparteil von Lebensversicherungen (Quelle: Assekurata, verschiedene Studien seit 2004)

Graphik: Komponenten der Renditen auf dem Sparteil von Lebensversicherungen (Quelle: Assekurata, verschiedene Studien seit 2004)

Was sich abzeichnet, sind verschiedene Trends: Die Garantiezinsen auf dem Altbestand und die laufenden Überschüsse fallen seit rund 2010 deutlich zurück. Die jährlich verbuchten Garantiezinsen sind von durchschnittlich 3.30% im Jahr 2010 auf 2.59% im Jahr 2015 gefallen. Die durchschnittlich gutgeschriebenen laufenden Überschüsse von 0.9% auf 0.6%. Die Schlussüberschüsse resp. die Schlussüberschussfonds dagegen sind bisher praktisch unverändert geblieben.

Doch hinter diesem Bild verstecken sich eine Komplexität und ein erhebliches Risikopotential.

Die Reduktion der Garantiesätze ist nicht nur das Ergebnis der natürlichen Umwälzung des Kundenportfolios und der stark gesunkenen Garantiesätze im Neugeschäft. Die reduzierten Garantiesätze entspringen vor allem auch prudentiellen Eingriffen durch den Regulator. Auf dem Altbestand sinken die durchschnittlichen Garantiesätze normalerweise jedes Jahr nur einige wenige Basispunkte. Sie liegen aktuell bei rund 2.97%. Als die Zinsbaisse sich abzuzeichnen begann, hat die BaFin 2011 vorsorglich eine zusätzliche Sicherung eingebaut, die so genannte Zinszusatzreserve. Diese repräsentiert eine zusätzliche Deckungssicherheit auf der Passivseite der Versicherungsbilanz. Sie zu äufnen bedeutet in der Gewinn- und Verlustrechnung einen Aufwand, der durch einen zusätzlichen Ertrag erwirtschaftet werden muss. Dieser Ertrag resultiert in den meisten Fällen aus Verkäufen von Obligationen oder anderen festverzinslichen Instrumenten mit Bewertungsreserven. Mit anderen Worten tritt ein außerordentlicher Ertrag ein, welcher der Realisierung von stillen Reserven entstammt. Bilanzmäßig bedeutet dies eine Verlängerung der statutarischen Bilanz. Die Aktiven werden durch die Realisate erhöht, und auf der Passivseite werden dadurch zusätzliche Reserven geschaffen. Ziel dieser Übung ist es explizit, den ausgewiesenen Garantiesatz auf dem Altbestand zu senken.

Graphik: Wirkung der Zinszusatzreserve auf den durchschnittlichen Garantiesatz (Quelle: Assekurata, Überschussbericht 2015/16)

Graphik: Wirkung der Zinszusatzreserve auf den durchschnittlichen Garantiesatz (Quelle: Assekurata, Überschussbericht 2015/16)

Diese Differenz zwischen dem Garantiesatz vor und nach der Zinszusatzreserve ist 2015 auf 38 Basispunkte angestiegen, was schon viel ist. Sie wird sich in den kommenden Jahren enorm ausweiten, auf schätzungsweise 70 bis 100 Basispunkte. Grund dafür ist die Entwicklung des Referenzsatz für die Zinssatzreserve.

Graphik: Referenzsatz für die Zinszusatzreserve (Quelle: heistermannconsulting.de)

Graphik: Referenzsatz für die Zinszusatzreserve (Quelle: heistermannconsulting.de)

Ähnlich der Formel für den Garantiesatz im Neugeschäft hat das BaFin 2011einen gleitenden Durchschnitt der vergangenen 10 Jahre als Referenzsatz festgelegt (blaue Balken). Dies aber für die Zero-Coupon Swap-Rate mit 10-jähriger Laufzeit (jährliche Werte, grüne Balken). In den nächsten Jahren werden in diesem gleitenden 10-Jahresmittel jedes Jahr ein Zinssatz von rund 4% herausfallen und durch einen Satz von ca. 0% bis 1% ersetzt werden. Das bringt einen jährlichen Rückgang des gleitenden Mittels von rund 30 Basispunkten, vielleicht noch mehr.

Die Versicherungen müssen ihr Deckungskapital im Ausmass der Differenz zwischen diesem so berechneten Referenzsatz und dem Garantiesatz jeder Tarifgeneration als Zinszusatzreserve zurückstellen. Beispiel: Der Referenzsatz für die Zinszusatzreserve betrug 2011 erstmals weniger als 4%, nämlich 3.91%. Damit mussten für alle Verträge mit einem Garantiesatz von 4% Neun Vierhundertstel des Deckungskapital (0.09 von 4 Prozentpunkten) als Zusatzreserve zurückgestellt werden. Im Folgejahr 2012 sank der Referenzsatz auf 3.63%. Damit mussten von den Verpflichtungen mit 4% Garantiesatz weitere 28 Vierhundertstel des gesamten Deckungskapitals dieser Tarifgruppe zurückgestellt werden. 2013 sank der Referenzsatz auf 3.41%. Damit musste nicht nur weitere 22 Vierhundertstel des 4 % -Deckungskapitals, sondern erstmals auch Neun 350stel des 3.5% Garantie-Deckungskapitals zurückgestellt werden.

Graphik: Deckungskapital der Lebensversicherer nach Garantiesätzen 2015 (Quelle: Assekurata, Überschussbericht 2015/16)

Graphik: Deckungskapital der Lebensversicherer nach Garantiesätzen 2015 (Quelle: Assekurata, Überschussbericht 2015/16)

Der zu erwartende scharfe Rückgang des Referenzsatzes bewirkt also, dass jedes Jahr immer mehr Verträge – bisher mit Garantiesätzen von 4%, 3.5%, 3.25%, 2016 dann die Verträge mit 3%, 2017 wohl diejenigen mit 2.75% , 2018 dienenigen mit 2.25% – nachreserviert werden müssen. Die Summe der Zinszusatzreserve wird dadurch explosionsartig und exponentiell in die Höhe springen. Bisher, bis und mit 2015 betrifft diese Nachreservierung rund 32 Mrd. Euro. Bis 2019/20 kann diese Summe auf rund 150 Mrd. Euro ansteigen, wenn die Zinssätze auf dem gegenwärtigen Niveau verbleiben, oder erst recht wenn sie noch weiter sinken.

Die Zinszusatzreserve ist bisher ohne Nebengeräusche über die Bühne gegangen. Das hängt damit zusammen, dass ihre Größenordnung bisher limitiert ist und sie vom Regulator wie von den Versicherungsgesellschaften als Sicherstellung verkauft werden konnte. Sie hat tatsächlich diese eine vorteilhafte, aber daneben auch zwei unliebsame Wirkungen.

Die vorteilhafte Wirkung ist klar: Es gibt eine zusätzliche Deckungssicherheit, und der Garantiesatz im Altbestand sinkt durch diese Rückstellung beschleunigt. Das Bild bisher vermittelt den Eindruck, die Versicherung und die Versicherten zu stärken.

Doch das Ganze hat ganz erhebliche unliebsame Nebenwirkungen. Die Zinszusatzreserve wird primär durch Realisate geschaffen, vor allem auf Obligationen mit Bewertungsreserven. Die so geschaffenen Cash-Bestände müssen dann zu aktuellen Marktsätzen wieder in neue festverzinsliche Instrumente reinvestiert werden. In der Realität werden somit gut rentierende Obligationen aus der Vergangenheit durch solche mit praktisch Nullzinsen abgelöst.

Mit anderen Worten sinken nicht nur der Garantiesatz auf dem Altbestand, sondern ebenso die Portfoliorendite für die Zukunft. Die Rendite dieser Zukäufe liegt wieder viel tiefer als selbst die reduzierte Garantierendite auf dem Altbestand. Das vom BaFin vorgeschriebene Vorgehen zur Sicherstellung von hohen Garantien aus der Vergangenheit löscht also das Zukunftspotential dieses Portfolios beschleunigt aus. Wenn eine dauerhafte Niedrigzinsphase eintritt, dann hat dieses Vorgehen einen Beschleunigereffekt auf die Krise der Lebensversicherung. Das Vorgehen ist nur geeignet, vorübergehende Schwierigkeiten aufzufangen, aber keinesfalls eine lange Niedrigzinsphase zu bewältigen. Im Gegenteil: Die für die nächsten Jahre zu erwartende Zuweisungen in die Zinszusatzreserve gefährden Versicherung und Versicherte über den normalen, aus dem Verfall von Obligationen mit hohen Buchwertrenditen resultierenden Zinssenkungseffekt zusätzlich und vorzeitig.

Die Zinszusatzreserve stabilisiert die Garantieverpflichtungen der in den 1980er und 1990er Jahren verkauften Versicherungen mit hohen bis sehr hohen Garantiesätzen von 3.5% und 4%. Das sind hauptsächlich Kapitalversicherungen, die in den nächsten Jahren bis ungefähr 2030 ausbezahlt werden. Eine Kapitalversicherung beinhaltet eine einmalige Auszahlung des angesparten Kapitals bei Renteneintritt. Umgekehrt belastet sie vor allem diejenigen Rentenversicherungen mit tiefen Garantiesätzen. Das sind mehrheitlich Rentenversicherungen, die von 2007 an (2.25% Garantiezins) und vor allem in den 2010er Jahren (2.25%, 1.75% und 1.25% Garantiezins) gezeichnet worden sind. Diese Rentenversicherungen haben niedrige Garantiezinsen und werden bald sehr niedrige oder sogar keine laufenden Überschüsse mehr erhalten. Dies unter der Voraussetzung, dass die Zinsen in den nächsten Jahren nahe bei Null bleiben.

Damit zeichnet sich für die Versicherten folgende Gesamtdynamik bei den Lebensversicherungen ab. Sehr gut ist die Konstellation für diejenigen Versicherten, welche in den 1980er und 1990er Jahren eine Kapitalversicherung abgeschlossen haben. Sie haben damals in der Ansparphase bis zu Beginn der 2000er Jahre von laufenden Verzinsungen von rund 7% profitiert, dies Jahr für Jahr. Damit haben sie sehr rasch eine Ersparnis aufgebaut und haben auch in den 2000er Jahren noch anständige laufende Verzinsungen von 4% und darüber erhalten. Da sie hohe Garantiesätze von 3%, 3.5% und 4% haben, auch für die Zukunft, wird ihr bereits sehr stattlich gefülltes Kapital real, d.h. nach Abzug der Inflation und der laufenden Kosten, immer noch sehr gut verzinst werden. Diese Generation von Versicherten mit hohen Garantiesätzen machen rund 45% des gesamten Deckungskapitals aus. Weil sie aber schon lange und zu hohen Renditen angespart haben, handelt es zahlenmässig, von der Anzahl der Verträge her, um eine erstaunlich kleine Gruppe. Praktisch gleich gut gestellt sind die Versicherten mit Garantiesätzen aus dieser Zeit mit laufenden Renten.

Am anderen Ende der Skala stehen diejenigen Versicherten, welche in den 2010er Jahren eine laufende Rentenversicherung abgeschlossen haben. Sie sind mit niedrigen Garantiesätzen und laufenden Überschüssen gestartet und kommen dadurch einfach nicht auf die Gänge in der Ansparphase. Sie werden in den nächsten Jahren mehr oder weniger den Garantiesatz plus einige Krümel erhalten. Bei diesen niedrigen Zinsen fallen die laufenden Kosten eben auch ins Gewicht. Real, nach Abzug von Inflation und Kosten, können sie nur wenig bis nichts ansparen. Etwas besser oder weniger schlecht stehen die Rentenverträge mit einmaligen Einzahlungen da. Sie leiden zwar auch unter den niedrigen Garantiesätzen, haben aber bereits angespart.

Ebenfalls zu den Verlierern zählen dürften die rund 10 Millionen Versicherten mit Riester-Verträgen. An sich ist das Riester Modell mit der steuerlichen Subventionierung nicht grundlegend fehlkonstruiert. Aber tiefe Zinsen, Kosten und zu hohe indirekte Kosten durch die Garantien implizieren, dass die meisten Versicherten 85, 90 Jahre oder noch älter werden sollten, damit sie überhaupt so viel zurück erhalten, wie sie einbezahlt haben werden. Von einer realen Verzinsung ganz zu schweigen. Für diese Gruppe ist von Seiten der Politik dringender Handlungsbedarf gegeben.

Der Rest der Versicherten bewegt sich im Mittelfeld, mit großen Abweichungen in beiden Richtungen. Dabei spielt eine bedeutende Rolle, ob sie 3.25% Garantiesatz (2000- 2003), oder ob sie 2.75% (2003-2006) oder 2.25% (2007-2010) aufweisen. Denn bei diesen Garantiesätzen kombinieren sich Zinseffekt und Länge der Ansparphase bei noch auskömmlichen laufenden Verzinsungen.

Ganz wichtig ist aber auch die Situation je nach Versicherung. Es gibt bei gleicher Konstellation bedeutende Unterschiede zwischen den einzelnen Versicherungen. Es gibt Versicherungen mit sehr guten Leistungen selbst für Jahrgänge 2011 ff, und es gibt solche mit bescheidenen Erträgen auch für die 2000er Jahre. Dabei spielt nur schon die Definition der Rendite eine Rolle, um überhaupt vergleichbare Angaben zu bekommen. Um ein Bild zu erhalten, lohnt sich ein Blick in die Überschussberichte der Assekurata. Dies ist nicht Gegenstand dieses Artikels.

Die Zinszusatzreserve hat negative Seiten: Neben dem systemrelevanten Defekt, dass die Portfoliorendite beschleunigt abgesenkt wird, kommt eine Verletzung der Fairness zwischen den Tarifgenerationen zum Vorschein. Denn was passiert mit den Kunden? Bisher galt, dass die Versicherten gleich welcher Garantie-Generation praktisch dieselben Gesamterträge erhalten haben. Dies unabhängig davon, ob der Garantiesatz 3.5%, 4%, 2.75% oder 2.25% betrug. Die Versicherungen haben immer so argumentiert und die Lebensversicherungen mit Garantien so verkauft, dass die Leistungen bzw. Erträge unabhängig vom Garantiesatz seien. Dies galt so effektiv in der Vergangenheit. Ceteris paribus gälte rein versicherungstechnisch sogar, dass die Gesamterträge höher ausfallen, wenn die Garantiesätze möglichst gering sind.

Doch mit dem Fall der Zinsen und mit dem Entscheid zur Bildung von Zinszusatzreserven nach dieser Formel mit dem Referenzsatz wird diese Fairness oder Gleichbehandlung der Kunden abgeschafft. Es findet eine zusätzliche Umverteilung von den Kunden mit ohnehin niedrigen Renditeerwartungen zu denjenigen mit sehr hohen Garantiesätzen statt. Tendenziell gilt für die Zukunft, dass jeder Kunde genau seinen Garantiesatz auf dem Sparteil bekommt, und sonst keine laufenden Überschüsse mehr. Bei den sehr niedrigen Garantiesätzen von 1.25% und 1.75% wird es noch wenige Jahre für kleine laufende Überschüsse reichen. Die Schlussüberschüsse werden ebenfalls gekappt. Der Schlussüberschussfonds hingegen wird beibehalten, weil er Teil der Deckungsreserve ist.

Tendenziell gilt, dass die Kunden mit niedrigen Garantiesätzen wie 1.25%, 1.75% oder 2.25% durch den Verzicht auf erkleckliche laufende Überschüsse die Garantien der Kunden mit hohen Garantiesätzen aus den 1980er und 1990er Jahren finanzieren – eine grosse Ungerechtigkeit.

Im ersten Artikel (Alles falsch gemacht: Die Renten sind garantiert unsicher) wurden das Anlageumfeld für Lebensversicherungen charakterisiert. In diesem Artikel wurden die statutarisch-versicherungsmässigen Aspekte beleuchtet. Der Autor möchte hierfür Herrn Dr. Will von der Assekurata Rating Agentur für Informationen und Erklärungen herzlich danken. Die Darstellung und Schlussfolgerungen sind meine eigenen, und geben nicht die Meinung der Assekurata wieder. Im nächsten Artikel werden die Effekte der 2016/17 eingeführten Solvenz II Vorschriften, welche eine Marktwertbetrachtung beinhalten, für die Versicherten beleuchtet. Damit erst kann die Gesamtdynamik der Tiefzinspolitik für Lebensversicherungen und für die Versicherten voll erfasst werden.

1 Kablau, Anke und Weiß, Mathias: Wie wirkt sich das Niedrigzinsumfeld auf die Solvabilität der deutschen Lebensversicherer aus? Diskussionspapier Nr. 27/ 2014, Deutsche Bundesbank

2 Assekurata: Marktausblick zur Lebensversicherung 2015/16

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Mehr Fracking: USA erhöhen Druck auf Saudi-Arabien und Russland
Mehr Fracking: USA erhöhen Druck auf Saudi-Arabien und Russland
Mit steigenden Ölpreisen haben die ersten US-Fracking-Firmen die Förderung wiederaufgenommen oder gesteigert. Ein Preis um 50 Dollar pro Barrel scheint sich für viele aufgrund günstigerer Fördertechniken bereits zu rentieren. Letztendlich dürfte dadurch das globale Überangebot zementiert werden – worauf die…
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In den USA werden wieder mehr Bohranlagen in Betrieb genommen. (Foto: dpa)

In den USA werden wieder mehr Bohranlagen in Betrieb genommen. (Foto: dpa)

Die Preise für Erdöl haben sich seit Jahresbeginn wieder deutlich erholt. Im Januar und Februar kostete ein Barrel (159 Liter) der Sorten Brent und WTI zeitweise unter 28 Dollar – derzeit liegen die Preise zwischen 46 und 48 Dollar. Damit hat er bei einigen amerikanischen Frackingfirmen offenbar jene Breakeven-Schwelle erreicht, ab der ein Betrieb wieder rentiert.

Erste Unternehmen fahren ihre Produktion bereits wieder hoch. Dazu gehört der texanische Förderer Pioneer Natural Resources, der für das erste Quartal einen Produktionsanstieg von 3 Prozent verzeichnete und bekanntgab, dass man ab einem Ölpreis von 50 Dollar und positivem Ausblick zwischen fünf und zehn neue Bohranlagen eröffnen werde, wie der Finanzblog Zerohedge schreibt. Whiting Petroleum, ein im amerikanischen Westen beheimateter Produzent, plant, die tägliche Förderung von 131.000 Barrel auf knapp 137.000 Barrel zu erhöhen. Der Großkonzern ConocoPhillips rechnet damit, ab Preisen von 45 Dollar die Produktion aufrecht halten zu können.

Möglich ist die Rückkehr auf den Markt, weil viele Unternehmen ihre Produktionskosten deutlich zurückfahren konnten. Aus einer im Auftrag der Internationalen Energieagentur erstellten Analyse geht hervor, dass die Förderkosten in vier untersuchten amerikanischen Regionen im vergangenen Jahr zwischen 25 und 30 Prozent unter den entsprechenden Kosten im Jahr 2012 lagen. Die Gründe hierfür seien technologische Verbesserungen, die zu höherer Effizienz und Produktivität geführt hätten.

Ein Preis von 50 Dollar gilt in der Branche gewissermaßen als Wendepunkt. „Andere stimmen darin überein, dass – je näher der Preis 50 Dollar kommt – Saudi-Arabien umso besorgter sein dürfte, dass sein gegen die amerikanischen Frackingproduzenten gerichteter Plan scheitern dürfte. Bei einem durchschnittlichen Preis von 53 Dollar können die 50 größten Unternehmen der Branche ihre Verluste auffangen“, wird das Beratungsunternehmen Wood Mackenzie von Zerohedge zitiert. „Nabors Industries, welches über das größte Inventar an Bohranlagen verfügt, verkündete, dass man mit mehreren Großkunden über Pläne gesprochen habe, die Produktion im zweiten Halbjahr hochzufahren, wenn die Preise deutlich über die 50-Dollar-Schwelle steigen werden.“

Hält der Trend zur Rückkehr an den Markt, dürfte sich diese Entwicklung mittelfristig in einer Verfestigung des globalen Überangebots bemerkbar machen – woraufhin die Preise tendenziell wieder fallen und viele der kleineren US-Frackingfirmen abermals ihr Engagement zurückfahren müssten. Ein Teufelskreis, der sich bereits im vergangenen Jahr zeigte. „Was gerade passiert ist eine Wiederholung des letzten Sommers, als der Ölpreis erst sank und dann wieder hochschnellte – woraufhin die Fracking-Produktion anzog und der Ölpreis wieder sank“, heißt es bei Zerohedge.

Strukturelle Gründe sprechen gegen langfristig steigende Preise für Rohöl. Dazu gehört ein globales Überangebot, welches Schätzungen zufolge täglich um rund eine Million Barrel zunimmt und zu rekordhohen Lagerbeständen geführt hat. Die Rückkehr des Iran wird ebenfalls zu einer Ausweitung des Angebots führen. Teheran hatte mehrfach Appelle zur Drosselung seiner Produktion zurückgewiesen. Nicht zuletzt scheint der weltgrößte Produzent Saudi-Arabien an einer massiven Ausweitung interessiert zu sein, um die amerikanische Konkurrenz durch niedrige Preise zu schwächen. Vermutet wird außerdem, dass das saudische Königshaus einen Umsturz befürchtet und so viel Öl wie möglich verkauft, um die so verdienten Petro-Dollars anschließend außer Landes zu schaffen.

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Roboterautos: Fiat Chrysler verhandelt mit Google über Partnerschaft
Roboterautos: Fiat Chrysler verhandelt mit Google über Partnerschaft
Auto- und IT-Branche schließen sich immer enger zusammen. Fiat ist auf der Suche nach Fusionspartnern und verhandelt nun offenbar mit Google über eine technische Kooperation. Deutsche Autobauer sind offenbar skeptischer: Nach Daimler und BMW will auch VW nicht mit Apple…
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Fiat Chrysler könnte Googles Technologie für selbstfahrende Autos in seine Fahrzeuge übernehmen. (Foto: dpa)

Fiat Chrysler könnte Googles Technologie für selbstfahrende Autos in seine Fahrzeuge übernehmen. (Foto: dpa)

Die Auto- und IT-Branche schließen sich immer mehr zusammen. Die bei Google seit Jahren entwickelte Technik für selbstfahrende Autos könnte künftig bei Fahrzeugen von Fiat Chrysler zum Einsatz kommen. Der Autobauer verhandele mit der der Google-Mutter Alphabet über eine Zusammenarbeit, berichtet das Wall Street Journal. Während der Internet-Konzern eine Flotte aus mehreren Dutzend zum Teil selbstentwickelter Roboterwagen auf die Straßen schickt, erklärten die zuständigen Manager stets, man suche nur eine Partnerschaft mit etablierten Herstellern.

Fiat-Chrysler-Chef Sergio Marchionne ist schon länger auf der Suche nach Partnern und wirbt für eine Konsolidierung der Branche. Marchionne brachte bereits einen Zusammenschluss mit der Opel-Mutter General Motors, Volkswagen, Toyota und Ford als mögliche Fusionspartner ins Gespräch, wurde aber von den Konkurrenten bisher abgewiesen. Der Konzern liegt bei der Entwicklung eigener Systeme für autonomes Fahren hinter Konkurrenten wie Ford, General Motors oder Daimler.

Statt der traditionellen Autobauer hat nun offenbar der IT-Riese Google das Interesse erwidert, der ebenfalls seit längerem auf der Suche nach Partnern aus der Autobranche war: Der Chefentwickler der Google-Roboterwagen, Chris Urmson, hatte sich auf der Automesse IAA im vergangenen Herbst zuversichtlich gezeigt, dass sich Partner aus der Autobranche finden werden. „Wir sprechen intensiv mit Autoherstellern und so viele von ihnen denken vorausschauend, sehen die Herausforderungen, die vor uns als Gesellschaft liegen“, sagte er der dpa.

Google baute erst die Sensoren und Steuertechnik nur in Fahrzeuge anderer Hersteller ein, inzwischen sind auch bei dem Internet-Konzern selbst entwickelte kleine elektrische Zweisitzer auf den Straßen. Die Vision ist, bei den Fahrzeugen in Zukunft ganz auf Bedienelemente wie Lenkrad oder Pedale zu verzichten und die Autos komplett vom Computer steuern zu lassen.

Für viele Auto-Hersteller ist die Verschmelzung mit der IT-Industrie daher Teil der Zukunftsstrategie: Auch der ehemalige Hyundai-Manager John Krafcik, der seit vergangenem Herbst das Roboterauto-Projekt leitet, hatte Kooperationen als Ziel für die nächste Phase der Entwicklung ausgegeben. Fiat-Chef Marchionne erklärte wiederholt, dass sich die Auto-Industrie gegenüber Tech-Konzernen wie Alphabet oder auch Apple stärker öffnen sollte.

Die Größen der Auto- und IT-Branche haben dazu sogar  jüngst eine Allianz geschlossen, um Politik und Gesellschaft für fahrerlose Autos zu gewinnen. Dazu haben die Konkurrenten Google, Uber, Ford und Volvo eine gemeinsame Lobby-Gruppe gegründet. Ex-Mitarbeiter der US-Verkehrsaufsicht sollen dort künftig für Google sicherstellen, dass der Milliardenmarkt für selbstfahrende Autos durch eine günstige Gesetzgebung möglichst schnell erschlossen wird.

In Teilen der Autoindustrie wird jedoch befürchtet, man könne als Auftragshersteller für Tech-Schwergewichte für Apple oder Alphabet enden. Ende des Jahres wurde in Medienberichten Ford als potenzieller Google-Partner genannt – doch der Autobauer kündigte stattdessen einen Fokus auf die Entwicklung eigener Technologien an.

Auch deutsche Autobauer sind in Sachen Kooperationen skeptisch: Daimler und BMW wollen ebenfalls lieber selber entwickeln statt die Leitung an Silicon Valley abzugeben: Sie haben jüngst ein Angebot zur Zusammenarbeit mit Apple abgelehnt, um gemeinsam ein Auto herzustellen. Das Projekt soll an Streit um die Projekt-Leitung und die Datenhoheit gescheitert sein.

VW hat jüngst ebenfalls erklärt, man plane im Zuge der großen Veränderungen in der Autoindustrie keine Zusammenarbeit mit den Internet-Riesen Apple und Google. „Wir unterhalten uns nicht mit Apple und Google“, sagte VW-Chef Matthias Müller am Donnerstag in Wolfsburg.

Ganz ohne IT-Kooperation gehe es aber in Zukunft auch bei Volkswagen nicht: VW-Chef Müller hatte zuvor angekündigt, sich mehr für Partnerschaften und strategische Beteiligungen zu öffnen. „Die Zeiten, in denen unsere Branche sich abgeschottet hat, gehören endgültig der Vergangenheit an“, so Müller. Mit welchen Firmen nun im Einzelnen Partnerschaften geplant sind, wollte der VW-Chef nicht sagen.

Als alternativer Partner zu den IT-Riesen aus den USA könnte bringt sich derzeit auch der Zulieferer Bosch mit eigener Selbstfahr-Technologie ins Gespräch. Der weltgrößte Autozulieferer Bosch wird mit digitalen mobilen Produkten jedoch auch immer stärker zum Konkurrenten seiner wichtigsten Kunden, den Autoherstellern. „In der vernetzten Welt wird ein Kampf um die Endkunden-Schnittstelle sein“, sagte Bosch-Chef Volkmar Denner. Die scharfen Grenzen zwischen Autobauern und Zulieferern verschwämmen. „Das ist ein Spagat für Bosch, kein Zweifel.“ Denn normalerweise steckt in einem Auto viel Technik von Zulieferern, doch Kontakt zum Autofahrer für eigene Verkäufe haben sie nicht. Nach Denners Einschätzung wird es jedoch auch gemeinsame Geschäftsmodelle mit Autokonzernen geben, in denen jeder wieder seinen Platz finde.

Gentechnik: Pharmakonzern will Erbgut von zwei Millionen Menschen entschlüsseln
Gentechnik: Pharmakonzern will Erbgut von zwei Millionen Menschen entschlüsseln
In den vergangenen 15 Jahren wurde von schätzungsweise 100.000 Menschen das Erbgut sequenziert. Der Pharmakonzern AstraZeneca nun das Erbgut von zwei Millionen weiteren Menschen in den kommenden Jahren entschlüsseln.
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Wissenschaftler erhoffen sich von der Sequenzierung der Genome sehr viel. (Foto: AstraZeneca)

Wissenschaftler erhoffen sich von der Sequenzierung der Genome sehr viel. (Foto: AstraZeneca)

Während die Diskussionen über die moralische und ethische Verantwortung bei der Gentechnik fortschreiten, setzen Wissenschaftler und Pharmafirmen ihre Forschungen und Entwicklungen fort. Der Arzneimittelhersteller AstraZeneca hat nun angekündigt, die Genome von zwei Millionen Menschen zu sequenzieren. Zusammen mit dem Wissenschaftler Craig Venter, dem finnischen Institut für Molekulare Medizin und dem Wellcome Trust Sanger Institute in Cambridge soll dieses Ziel in den kommenden Jahren umgesetzt werden.

Der Wissenschaftler Craig Venter ist eine äußerst bekannte Größe, die sich AstraZeneca herangeholt hat. Venter ist einer der Pioniere des Human Genom Project gewesen. Nach einem Streit mit dem National Institutes of Health, das steuerfinanziert ist, hat er ein eigenes Projekt auf die Beine gestellt.

Nachdem 2010 die ersten beiden menschlichen Genome publiziert wurden, wurden in den vergangenen 15 Jahren etwa 100.000 Menschen sequenziert. Insofern ist die Zielvorgabe des Pharmakonzerns nicht zu klein gefasst. Die Nutzung und Erforschung von Genomen kann „neue Einblicke in die Biologie der Krankheiten liefern, die Auswahl von Patienten für Studien erleichtern, Behandlungen individualisieren und neue Ansatzpunkte für Medikamente liefern“, so das Unternehmen.

„Die Nutzung der Macht der Genome ist die Grundlage unserer Ambitionen, die innovativsten und wirkungsvollsten Therapien für Patienten zu entwickeln“, sagte Menelas Pangalos von AstraZeneca. „Genome werden integraler Bestandteil unserer Forschung, unserer klinischen Studien und der Einführung unserer Medikamente sein.“

Wie wichtig die Genomforschung sein kann, zeigen die jüngsten Forschungen zu Heilung und Therapie von Krankheiten wie HIV. Wichtig in diesem Zusammenhang ist die entwickelte Genschere Crispr-Cas9. Ein Team chinesischer Forscher der Guangzhou Medical University hat vor kurzem mit der Genschere nun erstmals einen Embryo mit einer HIV-Immunität ausgestattet. Dafür griffen die Forscher auf eine Mutation namens CCR5 zurück, die bei einigen Menschen zu finden ist – bekannt als CCR5Δ32. Diese konnten sich nicht mit dem HIV-Virus infizieren.

 

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EU: Tausende Flüchtlings-Kinder spurlos verschwunden
EU: Tausende Flüchtlings-Kinder spurlos verschwunden
In den vergangenen zwei Jahren sind etwa 10.000 Flüchtlingskinder kurz nach ihrer Ankunft in Europa spurlos verschwunden. Sie könnten in die Hände von Organ- oder Menschenhändler geraten sein.
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Kinder sind während der Flucht besonders vielen Gefahren ausgesetzt, hier das Flüchtlingslager in Piräus am 1. April 2016. Insgesamt sind Tausende spurlos verschwunden. (Foto: dpa)

Kinder sind während der Flucht besonders vielen Gefahren ausgesetzt, hier das Flüchtlingslager in Piräus am 1. April 2016. (Foto: dpa)

Das EU-Parlament berichtet auf seiner Webseite, dass in den vergangenen zwei Jahren etwa 10.000 Flüchtlingskinder nach ihrer Ankunft in Europa spurlos verschwunden sind. Brian Donald, Stabschef der EU-Polizeibehörde Europol, sagt, dass die Kinder in die Hände von Kriminellen geraten sein könnten. In den vergangenen Jahren gab es im europäischen Raum zahlreiche Fälle, in denen Flüchtlingskinder entführt wurden, um ihre Organe zu entnehmen und diese zu verkaufen oder um sie sexuell auszubeuten. Der Telegraph berichtete schon 2013 vom Schicksal eines somalischen Mädchens: „Das nicht namentlich genannte Mädchen wurde aus Somalia nach England gebracht, um hier seine Organe entnehmen zu lassen und sie an Empfänger, die verzweifelt auf ein Spenderorgan warteten, zu verkaufen. Kinderschutzorganisationen warnten, es handele sich dabei vermutlich nicht um einen Einzelfall, die Menschenhändler hätten wahrscheinlich eine ganze Gruppe von Kindern ins Land geschmuggelt.“

Dem Telegraph zufolge soll es in Großbritannien bisher 371 aufgedeckte Fälle dieser Art gegeben haben. 95 der Opfer kamen aus Vietnam, 67 aus Nigeria und 25 aus China. Die anderen Kinderopfer wurden aus Rumänien und Bangladesch nach Großbritannien geschmuggelt. „Illegale Händler nutzen die Nachfrage nach Organen und die Verwundbarkeit von Kindern aus. Es ist unwahrscheinlich, dass ein Händler dieses Risiko eingeht und nur ein einziges Kind nach England bringt“, so die Direktorin der Kinderschutzorganisation ECPAT UK, Bharti Patel.

ECPAT meldet in einer Mitteilung von Februar 2016: „Besonders in Deutschland und Ungarn seien große Zahlen von Kriminellen mit Bezug zur Ausbeutung von Flüchtlingen festgenommen worden. Beunruhigend ist auch die große Überschneidung von Netzwerken, die sowohl Menschen nach Europa schmuggeln als auch Menschenhandel zum Zweck von sexueller Ausbeutung betreiben (…). 27 Prozent der Flüchtlinge, die während des letzten Jahres in Europa ankamen, sind minderjährig. Sie stellen eine leicht angreifbare Gruppe dar und sind damit am meisten davon bedroht, Opfer von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung zu werden.“

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein großer Teil der Kinder, die entführt wurden, in Tschechien sexuell ausgebeutet werden, ist hoch. Insbesondere das deutsch-tschechische Grenzgebiet ist deutschlandweit bekannt für Kinderprostitution. Doch zu den Opfern gehören auch zahlreiche einheimische Kinder.

In einer Mitteilung der Kinderrechtsorganisation ECPAT aus dem Jahr 2005 heißt es: „Für viele Kinder im Grenzgebiet gehört Kinderprostitution zum normalen Alltag. Dies zeigt eine Studie, die UNICEF heute in Prag veröffentlicht. Bei einer Befragung von mehr als 1.500 Kindern und Jugendlichen berichtet fast jedes siebte Kind in der tschechischen Stadt Cheb nahe der deutschen Grenze davon, dass ihm einmal ein Erwachsener Geld für Sex angeboten habe. In einem gemeinsamen Appell fordern die Kinderrechtsorganisation ECPAT und UNICEF Deutschland, Österreich und Tschechien die Regierungen auf, die sexuelle Ausbeutung von Kindern in der Mitte Europas wirksamer zu bekämpfen.“

ECPAT ist der Ansicht, dass sowohl die EU als auch die einzelnen EU-Staaten zu wenig gegen die Bekämpfung von Kinderprostitution tun.

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