Technologie

Elektrische Kleinwagen: Kompakte Elektroautos für die Innenstadt

Elektrische Kleinwagen erobern die Straßen – effizient, kompakt und emissionsfrei. Immer mehr Modelle treten an, um Verbrenner zu verdrängen. Doch trotz aller Fortschritte bleibt eine zentrale Frage offen: Können E-Kleinwagen wirklich preislich und funktional mit klassischen Stadtflitzern konkurrieren?
12.07.2025 09:51
Lesezeit: 5 min
Elektrische Kleinwagen: Kompakte Elektroautos für die Innenstadt
Fiat Grand Panda – eines von mehreren kompakten Elektrofahrzeugen für die City (Foto: Stellantis).

Kompakte E-Autos für die City

Immer mehr elektrische Kleinwagen drängen auf den Markt. Nach Hyundai Inster und Renault R5 stehen bald auch der VW ID.2 und ID.1 in den Startlöchern. Welche preisgünstigen Stromer kommen demnächst?

Die Elektromobilität legt zu: In den ersten vier Monaten wurden 158.000 neue Stromer registriert – ein Zuwachs von 42,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dennoch dominieren bei den Neuzulassungen Fahrzeuge aus der Kompakt-, Mittel- und Oberklasse. Wer nach elektrischen Kleinwagen mit einer Länge um vier Meter sucht, findet bisher kaum Modelle. Dabei wären gerade diese Fahrzeuge ideal als Elektroauto für die Stadt: kompakt, flink, emissionsfrei.

Doch die Lücke schließt sich. "Derzeit gibt es ein großes Bedürfnis nach bezahlbaren Kleinwagen, die mit vergleichbaren Verbrennern konkurrieren können", erklärt Professor Stefan Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach. Und dieses Bedürfnis zeigt sich nicht nur bei Konsumenten, sondern auch auf Seiten der Hersteller. "Mit elektrischen Kleinwagen lassen sich die EU-Flottengrenzwerte eher erreichen als mit Verbrennern, daher setzen Hersteller nun vermehrt auf dieses Segment", so Bratzel. Ihm zufolge wird die Modellvielfalt kleiner Stromer zunehmen – allerdings nicht bei allen Marken.

E-Auto-Modelle mit unterschiedlichen Konzepten

"Bei den elektrischen Kleinwagen gibt es ein paar neue, interessante Modelle, wie Hyundai Inster, Renault R5 oder künftig Nissan Micra und VW ID.2 sowie später der ID.1", sagt Jens Dralle, Leiter Test & Technik der Fachzeitschrift "Auto, Motor und Sport".

Dabei unterscheiden sich Hyundai Inster und Renault R5 deutlich. Der Hyundai punktet mit einem flexiblen Innenraum und Platz für vier Personen. Der R5 hingegen setzt auf Retro-Look und sportliches Fahrgefühl. Auch der elektrische Mini überzeugt, je nach Version, mit agilem Handling – ideal für das City-Auto-Segment.

Herausforderung: Preisniveau bei Elektro-Kleinwagen

Trotz wachsender Auswahl bleibt ein Manko: die hohen Kosten. "Im Vergleich zu Kleinwagen mit Verbrennungsmotor kosten Elektrofahrzeuge deutlich mehr Geld und bleiben ein teures Vergnügen. Die Diskussion über günstige elektrische Kleinwagen ist Augenwischerei", sagt Jens Dralle. Modelle mit Benzinantrieb bleiben günstiger.

Kaufinteressierte sollten daher prüfen, ob sich die höheren Anschaffungskosten durch geringere laufende Kosten rechnen – etwa beim Stromverbrauch oder der Wartung. Außerdem sollten sie ihre Fahrbedürfnisse realistisch einschätzen. "Das gilt aber für jedes Fahrzeugsegment. Autofahrer, die bisher Kleinwagen als Erstwagen einsetzen, werden bei einem elektrischen Kleinwagen Kompromisse eingehen müssen", meint Dralle. Die Reichweite ist zwar oft alltagstauglich, aber viele E-Kleinwagen bieten lediglich 11-kW-AC-Ladung, schnelles DC-Laden ist meist optional. Das verlängert Ladezeiten – und kann etwa auf Urlaubsreisen störend sein.

China als Innovationsmotor für günstige Stromer

Ein spannender Impuls kommt aus China. Dort konkurrieren seit rund zwei Jahren nicht mehr nur Marken untereinander, sondern Stromer direkt mit Verbrennern. "Dabei versuchen Hersteller, den Verbrenner preislich zu unterbieten", erklärt Bratzel. Bis 2030 müsse auch Europa dieses Ziel erreichen: elektrische Kleinwagen sollen ihre konventionellen Pendants preislich und funktional überholen – damit Käufer eine echte Auswahl haben.

Diese Modelle sind aktuell oder bald erhältlich:

BYD Dolphin Surf

Der 3,99 Meter lange Dolphin Surf von BYD wird bis Ende Juni für 19.990 Euro angeboten. Ab Juli kostet die Basisversion mit 65 kW/88 PS und 30-kWh-Akku 22.990 Euro. Reichweite: bis zu 220 Kilometer. Varianten mit 43,2-kWh-Batterie bieten bis zu 322 Kilometer, die Top-Version hat 115 kW/156 PS.

Citroën e-C3

Einer der günstigsten elektrischen Kleinwagen Europas ist der Citroën e-C3. Ab 23.300 Euro gibt es den 83 kW/113 PS starken Fünftürer mit 44-kWh-Akku für 322 Kilometer WLTP-Reichweite. Länge: 4,01 Meter. Er basiert auf derselben Plattform wie der Fiat Grande Panda Electric, Corsa-e und e-208.

Dacia Spring

Für 16.900 Euro ist der Dacia Spring das derzeit preiswerteste neue Elektroauto. 3,70 Meter kurz, 33 kW/44 PS, 26,8-kWh-Akku, Reichweite: 225 Kilometer. Die Ladeleistung liegt bei nur 3,7 kW AC. Höchstgeschwindigkeit: 125 km/h. Komfort hat seinen Preis – die besser ausgestatteten Varianten kosten deutlich mehr.

Fiat Grande Panda Electric

Der 3,90 Meter lange Italiener ist außen kompakt, innen geräumig. Der Frontmotor des Fiat Grande Panda Electric liefert 83 kW/113 PS, der 44-kWh-Akku schafft bis zu 320 Kilometer. Serienmäßig ist 100-kW-DC-Laden möglich. Preis: ab 24.990 Euro. Weitere Fiat-Stromer: 500e (ab 29.490 Euro) und 600e (ab 36.490 Euro).

Hyundai Inster

Ein frischer E-Kleinwagen kommt mit dem Hyundai Inster ab 23.900 Euro. 3,82 Meter Länge, 71 kW/97 PS oder 85 kW/115 PS Leistung, maximal 150 km/h. AC-Laden mit 11 kW, DC-Laden bis zu 85 kW. Je nach Akku (42 oder 49 kWh) fährt er 327 bis 370 Kilometer weit – ideal als Elektroauto für die Stadt.

Mini Cooper E

Der Mini Cooper E bringt mindestens 135 kW/184 PS. Die stärkeren Versionen Cooper SE (160 kW/218 PS) und John Cooper Works Electric (190 kW/258 PS) bieten noch mehr Power. Der 36,6-kWh-Akku reicht für bis zu 300 Kilometer. Der Zweitürer misst 3,85 Meter, Preis: ab 27.200 Euro. Der größere Mini Aceman E kostet ab 29.700 Euro.

Nissan Micra

Nach dreijähriger Pause kehrt der Nissan Micra zurück. Mit 3,97 Metern ist er ein elektrischer Kleinwagen mit der Technik des Renault R5. Die Basisversion bringt 90 kW/122 PS, 40-kWh-Akku, 310 Kilometer Reichweite. Die Top-Ausführung hat 52 kWh, 110 kW/150 PS und bis zu 408 Kilometer. DC-Ladeleistung: 80 oder 100 kW. Marktstart: Ende 2025. Der Preis wird auf rund 28.000 Euro geschätzt.

Peugeot e-208

Der 4,05 Meter lange e-208 und der Opel Corsa Electric teilen sich Technik. Der e-208 kommt mit 100 kW/136 PS und 50-kWh-Akku auf 362 Kilometer Reichweite. Die stärkere 115-kW-Version mit 51-kWh-Akku schafft 432 Kilometer. Preis: ab 36.425 Euro. Der Corsa Electric mit 136 PS beginnt bei 29.990 Euro – optisch und technisch leicht abweichend.

Renault R5

Der legendäre Renault R5 kommt elektrisch zurück: 3,92 Meter lang, fünf Türen, 90 oder 110 kW Leistung, Reichweite: 350 bis 410 Kilometer. Preis: ab 27.900 Euro. DC-Laden: 80 oder 100 kW. Renault bietet auf der gleichen Plattform auch den Alpine A290 GT und später den größeren R4 im Retro-Stil.

VW ID.2 und ID.1

VW bringt mit dem ID.2 ab 2026 ein neues City-Auto: 4,05 Meter lang, ab 25.000 Euro, Platz für fünf Personen. E-Motoren bis zu 166 kW/226 PS und Reichweiten bis zu 450 Kilometer. Der kleinere ID.1, Nachfolger des eUp!, wird frühestens 2027 erwartet. 3,9 Meter Länge, Preis ab rund 20.000 Euro.

Elektrische Kleinwagen sind eine Chance – unter bestimmten Bedingungen

Elektrische Kleinwagen bieten großes Potenzial für urbane Mobilität, doch sie sind kein Allheilmittel. Trotz wachsender Modellvielfalt bleiben Preis und Ladeinfrastruktur entscheidende Faktoren. Wer gezielt vergleicht und das Fahrzeug sinnvoll einsetzt, kann profitieren. Fazit: Der Umstieg lohnt sich – aber nur mit dem passenden City-Auto.

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