Politik

Straße von Hormus unter Druck: VAE planen Pipeline als Antwort auf den Iran-Krieg

Die VAE beschleunigen den Bau einer neuen Ölpipeline, die den Export unabhängiger von der Straße von Hormus machen soll. Für Europa und Deutschland geht es um mehr als Energieversorgung, denn die neue Route könnte die Machtverhältnisse am globalen Ölmarkt verschieben.
19.05.2026 12:57
Lesezeit: 2 min
Straße von Hormus unter Druck: VAE planen Pipeline als Antwort auf den Iran-Krieg
Die VAE planen mehr Ölexporte an der Hormusstraße vorbei. Deutschland muss sich auf neue Risiken bei Preisen, Lieferketten und Industrie einstellen. (Foto: dpa/AP | Fatima Shbair) Foto: Fatima Shbair

Neue Pipeline soll Ölmarkt entlasten

Die neue Pipeline, die die Straße von Hormus umgehen soll, dürfte die Ölexporte der Vereinigten Arabischen Emirate verdoppeln. Das berichten unsere Kollegen von Børsen. Die Vereinigten Arabischen Emirate, kurz VAE, haben beschlossen, ihre Pläne für eine neue Ölpipeline zu beschleunigen, die an der Straße von Hormus vorbeiführen soll. Die Pipeline soll die künftigen Rohölexporte des Landes sichern und vor 2027 fertiggestellt werden.

Nach Angaben des Guardian hat Kronprinz Khaled bin Mohamed bin Zayed Al Nahyan die nationale Ölgesellschaft der VAE angewiesen, die Pläne zu beschleunigen. Die Leitung soll Öl aus den Emiraten bis Ende kommenden Jahres zum Hafen der Stadt Fujairah transportieren können. Die neue Pipeline dürfte die Ölexporte des Landes verdoppeln und soll nach Angaben des Kronprinzen "globale Bedürfnisse" am Ölmarkt erfüllen. Das sagte er dem Medium Al Jazeera.

Die VAE sind laut einer Erhebung der US-Energiebehörden der achtgrößte Ölproduzent der Welt. Die Produktion liegt bei 4,16 Millionen Barrel pro Tag.

Straße von Hormus wird zum Risikopunkt für den Ölmarkt

Der globale Ölmarkt befindet sich bekanntlich mitten in einem größeren Konflikt im Nahen Osten. Der Iran-Krieg hat Schockwellen durch den Ölmarkt geschickt. Die Schließung der Straße von Hormus hat die Ölpreise weltweit steigen lassen. Die Ankündigung einer schnelleren Errichtung einer neuen Pipeline kommt nur wenige Wochen nach der Entscheidung der VAE, die Ölallianzen OPEC und OPEC+ mit Wirkung zum 1. Mai zu verlassen.

Durch den Austritt aus der OPEC können die VAE ihre Ölproduktion frei erhöhen. Genau das beabsichtigen die Emirate. Dies teilte das Energieministerium des Landes laut Bloomberg im Zusammenhang mit dem Austritt aus der Organisation mit.

In einem Beitrag auf dem sozialen Netzwerk X schrieb Energieminister Suhail Mohamed Al Mazrouei am 16. Mai 2026, die Entscheidung sei nach einer umfassenden Bewertung der "Produktionspolitik und ihrer künftigen Kapazitäten" getroffen worden. Er betonte in dem Beitrag, die Entscheidung habe nichts mit Politik zu tun. Sie sei Teil der langfristigen Wirtschaftsstrategie der VAE. "Diese Entscheidung beruht nicht auf politischen Erwägungen, und sie spiegelt auch nicht die Existenz irgendwelcher Spaltungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und ihren Partnern wider", heißt es dort.

Bedeutung für Deutschland und Fazit

Trotz dieser Mitteilung hat der Krieg Spannungen zwischen den VAE und Iran erzeugt, nachdem Iran die Emirate in den ersten Kriegstagen mit Raketen angegriffen hatte. Für Deutschland ist die Entwicklung an der Straße von Hormus von erheblicher Bedeutung. Die deutsche Wirtschaft hängt zwar nicht nur direkt von Öl aus der Golfregion ab, doch globale Ölpreise wirken unmittelbar auf Transportkosten, Industrieproduktion, Chemie, Logistik und Verbraucherpreise. Eine zusätzliche Exportverbindung über Fujairah könnte die Verwundbarkeit der Lieferketten verringern, zugleich aber auch den Wettbewerb unter Ölproduzenten verschärfen.

Das Fazit fällt nüchtern aus. Die VAE nutzen die Krise an der Straße von Hormus, um ihre Rolle am Ölmarkt auszubauen und unabhängiger von Engpässen zu werden. Für Deutschland kann dies kurzfristig Entlastung bedeuten, langfristig aber auch neue Unsicherheiten schaffen, falls die Pipeline den Machtkampf zwischen Iran, den Golfstaaten und der OPEC weiter verschärft.

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